Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1928)
- Date
- 1928-06-14
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Dfäffct* \ kevansgegeben von dev fandesovganifafion dev Ügudas-Jisvoef in Denifeiland. Jahrgang Hamburg, 14. Juni 1928 /26. Siwan 5688 Nummer 13 Schristleilung. Wolf S. Iacokso» in KamSurg. Um das Palästinensische Gemeindegesetz. „Das muß von Grund aus anderswerde n." „Das muß von Grund aus anders werden!" Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die Berliner „Jüdische Rundschau" in ihrer jüngsten Ausgabe einen Aufsatz ihres palästinensischen Korrespondenten über die durch das neue Gemeindegesetz geschaffene Situation. Wir entnehmen dieser Schilderung folgende wesentliche .Teile: „Die Verhandlungen mit der Regierung über das 'Gemeindegesetz wollten kein Ende nehmen. Immer hatte man Aenderungsvorschläge. . Schließlich ist vor einer Reihe von Monaten das Gesetz in Kraft getreten. Die Juden bekamen damit in Palästina eine öffentlich anerkannte Vertretung, den „Waad leumi", und konnten sich eine anerkannte gesetzgebende Versammlung schaffen, die „Assefath Haniwcharim". Alles in allem genommen, ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur „Autonomen Verwaltung". Im Gesetz steckte eine Gefahr. Es erlaubte Gruppen — die aus irgend welchen religiösen oder weltlichen Gründen nicht mit der Allgemeinheit Zusammengehen wollten — Sondergemeinden einzurichten. Eine Gefahr — die durch guten Willen und Verständnis der Juden für ihre gemeinsamen Interessen zu paralysieren war. In diesem Sinne ist das Gesetz geradezu ein Prüfstein für die politische Reise und die Fähigkeit zum .Zusammenschluß. Man ging an die Vorbereitung der Einberufung der „Knesseth Jisrael", die die Juden Palästinas zusammenschliehen sollte. Daß die Agudah mit einer scharfen Austrittspropaganda begann, war selbstverständlich. Aber darüber hinaus erhebt sich das Gespenst des Austritts der Sondergemeinden auch an anderen Stellen. Die sephardifche Gemeinde in Jaffa und Tel-Awiw hat gegen allgemeine Wahlen Stellung genommen und verlangt, daß man jeder „Gemeinde" eine bestimmte Anzahl von Kandidaten vorher bestimme, und zwar im Verhältnis zu der Zahl ihrer eingeschriebenen Wähler. Der Waad Leumi, der hilflos der Austrittsdrohung gegenübersteht, hat, um der Einheit der „Knesseth Jisrael" willen, ein Kompromiß gemacht und beschlossen, den Sephardim ein« bestimmte Anzahl von Mandaten von vornherein zuzusichern. Aber die Sephardim haben sich damit nicht zufrieden gegeben und neuerlich eine Erklärung veröffentlicht, daß sie das gleiche auch für alle Gruppen verlangen. Wenn nicht, Austritt! . . . ... So stehen auf der einen Seite die zentrifugalen Tendenzen der verschiedenen Bevölkerungsteile, und sie wirken dahin, daß Einheitsgebilde der palästinensischen Juden gar nicht erst entstehen können. Ebenso beängstigend ist auf der anderen Seite die Machtlosigkeit der jüdischen Vertretung, des Waad leumi. Es war bisher ein öffentliches Geheimnis in Palästina, daß er keine Autorität oder keine genügende Autorität besaß. Aber man wendete auf ihn den alten Spruch der französischen Revolution an: „Was ist der Waad Leumi? Nichts! Was kann er fein? Alles!" Und auf dieses alles .muß man nicht nur hoffen, sondern hinarbeiten. Aber heute ist es nach der Bestätigung des Gemeindegefetzes vielleicht noch schwerer als früher. Denn diese unver- . antwortlichen Tendenzen der Spaltung um aller möglichen Gründe willen, diese fröhliche Unbekümmertheit: „Sonst mache ich mich selbständig", treibt den Waad . Leumi in eine hoffnungslose Verteidigungsstellung. Er kann schließlich nicht mit dem Austritt drohen und muß also ängstlich und bis zur Verzagtheit behutsam jeden Teil, der sich absondern könnte, wieder heranzuziehen suchen. Durch Versprechungen, mit Ueberedungskunst, .mit Kompromissen. In der Tat, eine politische Aufgabe, die eines geübten Engländers würdig wäre." Es ist nicht überflüssig, gegenüber diesem Stoßseufzer darauf hinzuweisen, daß die uferlose Zersplitterung, die jetzt droht, ausschließlich der Unduldsamkeit und Einsichtslosigkeit des Waad l e u m i f e l b e r zu verdanken ist. „Agudas Jisroel" hatte in Voraussicht der kommenden Dinge sowohl der palästinensischen Regierung als auch vorher schon dem Waad leumi vorgeschlagen, nicht mehr als zwei, dem weltanschaulichen Gegensatz entsprechende religiöse Gemeinschaften zuzulassen, diese aber öffentlich-rechtlich anzuerkennen: eine auf das historische -Judentum, auf die Anerkennung des Thoragesetzes gegründete Gemeinschaft ohne Frauenwahlrecht und mw und eine neutrale, jede Spielart von Judentum beherbergende Gemeinschaft, in der sich die zionistischen Freidenker unbeschränkt ausleben konnten. Beide Gemeinschaften sollten zur Außenvertretung in politischen und wirtschaftlichen Dingen miteinander verbunden werden. Der Waad leumi war es, der eine solche der Vernunft und der Sittlichkeit entsprechende Regelung ablehnte. Sie ist noch heute möglich, sobald die Leidenschaft der Besinnung, die Machtgier der Toleranz weicht. Mitteilungen der Palästina- Lenlrale der Agudas Zisroel. I. Preisausschreiben ~ anläßlich der Adar-Aktion 5688. Die am 31. Mai 1928 unter notarieller Aufsicht stattgefundene Verlosung ergab folgende Resultate: 1. Preis: Reife nach Erez Jisroel — Dr. Max Meyer- Gelfenkirchen. 2. Preis: ein Tallis — Erika Oppenheimer, Frankfurt a. M. 3. Preis: ein Tallis — Hermann Holländer, Frankfurt a. M. 4. Preis: das Buch „Palästina und das Ostjordanland" — H. Gottlieb-Düsseldorf. 5. Preis: Hebräischer Atlas — Dr. H. Klein, Nürnberg. 6. Preis: 600 Palästina-Zigaretten — Agudas Jisroel Jugendgruppe, Topolcany. 7. Preis: 500 Palästina-Zigaretten — Ed. Stiebel, Fulda. 8. Preis: 500 Palästina-Zigaretten — Rabbiner Dr. L. Cahn-Fulda. 9. Preis: 300 Palästina-Zigaretten — Mirjam Auerbach, Halberstadt. 10. Preis: 1 Kiste Jaffa-Orangen (150) — S. Oppenheimer, Rhina. II. Preis: 1 Kiste Jaffa-Orangen (160) — Erich Weill, Frankfurt a. M. 12. Preis: 1 Kiste Jaffa-Orangen (150) — D. Brückheimer. Marktbreit. 13. Preis: 6 Flaschen Palästinawein — Ed. Stiebel, Fulda. 14. Preis: 6 Flaschen Palästinawein — M. Reichelsohn. Puttelange. 15. Preis: 6 Flaschen Palästinawein — Hanna Bacharach, Heilbronn. 16. Preis: 4 Flaschen Palästinawein — . Agudas Jisroel, S. W. Neiwiedel-Zagara (Lit.). 17. Preis: 4 Flaschen Palästinawein — Herman Holländer. Frankfurt a. M. 18. Preis: 2 Flaschen Palästina wein — Mirjam Auerbach-Halb erstadt. 19. Preis: 2 Flaschen Palästinawein — '6. Oppenheimer, Rhina. 20. Preis: 200 Palästina-Zigaretten — Lea Schlesinger, Hamburg. 21. Preis: 200 Palästina-Zigaretten — Erna Spiegel, Halberstadt. 22. Preis: 200 Valästina-Zigaretten — Jacob Dreifuß, München. 23. Preis: Lehrbuch der hebräischen Sprache — Veth Jaakauw-Bethaus, Topolcany. 24. Preis: Das jüdische Nationalheim — Erez Jisroel- Kommlssion, Nürnberg. Der Gewinner der Palästinareise aus der vorigen Adar-Aktion, Herr Helmuth Friedmann-Stuttgart, ist inzwischen von Erez Jisroel zurückgekehrt und finden die Leser der „Blätter" in der heutigen Nummer die Beschreibung eines Ausfluges aus dessen Feder. 2. Die von der Palästina-Centrale der Agudas Jisroel eingesetzte Unterkommifsion zur Vorbereitung der „Ole Regel-Reisegesellschaft" wird sofort nach Beendigung ihrer Verhandlungen mit den einzelnen Schiffahrtsgesellschaften ein endgültiges Programm an die Oeffentlichkeit bringen. 3. Keren Hajischuw-Büchfen. Da der bisherige Vorrat an Keren Hajischuw-Büchfen zu Ende gegangen war, hat die Palästina-Centrale nunmehr neue Keren Hajischuw-Büchfen, wie neben abgebildet, in Erez Jisroel durch jüdische Arbeiter anfertigen lassen, um, wenn auch in bescheidenem Maße, dort Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen. Die Büchsen sind nunmehr eingetroffen und wir ersuchen die einzelnen Gruppen, die Büchse zur Verteilung bei uns anzufordern. rmDönirmrirT rvnn Die Keren Hajischuw-Büchse darf in keinem agudistischen Haufe fehlen. Rationalisierung in der Agudas Israel! Die Kenessio«Gedaulo fandet im Jahre 1928 nicht statt! Hamburg meldet den Mißerfolg seiner bisherigen Arbeit! Zwei nicht angenehme Botschaften, die in der letzten Nummer der „Blätter" mitgeteilt wurden. Ich will heute nicht klagen, ob der Fehler der Vergangenheit, sondern ich möchte einige Wege zeigen, wie es m. E. besser werden kann; jedoch will ich heute nur von den deutschen Verhältnissen sprechen: 1. Die deutsche Agudah benötigt ein praktisches Arbeitsprogramm; mit Theorien, mit dem ewigen Deklamieren und Zitieren von Psukim, Kongreß- und sonstigen Reden kann man niemanden gewinnen. Die Zeit des Theoretisierens ist vorbei; die Welt will Taten sehen. Die Jugend verlangt, daß auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens — gemäß dem Kattowitzer Programm — die Agudas Jisroel führend fei und daß nicht die Geschäfte der Orthodoxie wie bisher von anderen besorgt werden, und daß der Zersplitterung innerhalb der deutschen Orthodoxie nicht dauernd Vorschub geleistet werde, ja, daß eine Konzentration, eine Zusammenlegung herbeigeführt werde. Um dieses zu erreichen, ist jedoch notwendig, daß 2. die Leitung der deutschen Landesorganisation — nicht nur die Hamburger Herren, sondern die Gesamtleitung der deutschen Agudah — Klarheit gewinnt zu den großen Problemen der deutschen Judenheit und in aller Oeffentlichkeit kundgibt, wie sie zu diesen steht. 3. Eine organisatorische Reorganisation muß Platz greifen. Es geht nicht an, daß wir in Deutschland vier agudistische Zentralinstanzen haben, wie Landesorganisation, Jugendorganisation, Keren Häthora- Direktorium und Palästina-Zentrale, von denen jede mehr oder weniger auf eigene Faust wirtschaftet und die sich nur in Ausnahmefällen umeinander kümmern. Was für die Zentralinstanzen gilt, trifft in noch erhöhterem Maße für die lokalen zu. Kurz gesagt: Eine Rationalisierung auf allen Gebieten muß eintreten. Der Kreis der orthodoxen Men-