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Der Israelit · 1928-06-14 · Heft 24 (14.6.1928) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 24 (14.6.1928)
Date
1928-06-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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,/ls: 14 Juni 1928 Der Israelit England. Das Fraueawahlrechk in der United Kynagogue. L o ndVn, 7. Juni. Wie bereits kurz gemeldet, bildete die Frage des Wahlrechtes der Sesselinhaberinnen in den Synagogen, die zur United Synagogue gehören, erneut Gegenstand der Beratung des Council und der Delegierten. Es waren 378 Synagogenvertreter anwesend. Der Antrag der Einführung, des Frauenwahlrechts wurde von Dr. M Epstein unter Berufung auf die Erklärung des Chiefrabbi, wonach das Frauenwahlrecht nicht gegen den D i n verstoße, begründet. Mr. Solomon suchte die Bedenken zu zerstreuen, die dahin gehen, daß die Einführung des Frauenwahlrechts nur den ersten Schritt auf der Bahn völliger Anpassung an die liberale Synagoge bedeute. Das Bes Din sei offenbar von solchen Befürchtungen beherrscht, wenn es im Gegensatz zum Chiesrabbi sich gegen die Einführung des Frauenwahlrechts ausgesprochen habe. Aber man vergesse, daß das lebendige Interesse der Frauenwelt für die Synagoge, das durch die Annahme des Antrages erkauft werde, die Bedenken aufwiege. Als Gegner des Antrages traten die Herren H. H. Gordon und Jfac Landau auf. Ersterer machte geltend, daß der Chiefrabbi sich darauf beschränkt habe zu erklären, das Frauenwahlrecht sei „nicht gegen" den Din; aber er habe damit die Einführung durchaus nicht für wünschenswert erklärt. Mr. Landau wurde noch etwas deutlicher und teilte , mit: er habe über die Angelegenheit mit . dem Chiefrabbi gesprochen, der ihm erklärte, daß der gestellte Antrag, obgleich er nicht gegen den Din verstoße, doch keineswegs in Uebereinstimmung mit der jüdischen Tradition sei. Er und seine Freund«, so habe ihm der Chiefrabbi gesagt, täten Recht daran, das Frauenstimmrecht auf.Tod und Leben zu bekämpfen, wenn sie der Ueberzeugung seien, daß es gegen die besten Interessen des orthodoxen Judentums verstoße. Die Erklärungen Landaus wurden von der Versammlung mit stürmischem Beifall ausgenommen. Mr. Josef Prag bezweifelte die Genauigkeit der Mitteilungen über die Stellungnahme des Chiefrabbi. Er bezeichnete die Frauen als das konservative Element in der jüdischen Gesellschaft, das »um deshalb stärken müsse. Schlimmer als das Frauenwahlrecht fei die Spielwut der englisch-jüdischen Frau. In manchen Häusern würden die Sabbatlichter nicht mehr entzündet, weil die Mutter nicht rechtzeitig aus ihrem Spielklub nach Hause gekommen sei. Stürmisch begrüßt, ergriff dann der entschlossenste Gegner des Frauenwahlrechts in England, Mr. Lionel L. Cohen das Wort. Er beteuerte, daß er diesen Kamps weiter führen werde solange ein Tropfen Blut in seinen Adern sei. Die Sphäre der jüdischen Frau liege in ihrem Heim, in der Erziehung der Kinder und in der treuen Wacht über die Wahrung der Speisegesetze. Ein von Mr. Schiff gestellter Vermittlungsantrag, das Fraüenwahlrecht unter gewissen K a u t e l e n gegen weitere Entwicklungen einzuführen und die Versammlung zunächst zu vertagen, wurde vom Vorsitzenden Sir Robert Waley Eohen als zwecklos bezeichnet. In der Endabstimmung wurden, wie gemeldet, 167 Stimmen für den Antrag, 211 gegen den Antrag abgegeben. Das Ergebnis wurde von der Mehrheit mit aufgeregten Beifallskundgebungen begrüßt. Schweiz. Delegiertenversammlung des Israelitischen Gemeindebundes in . der Schweiz. Bafel, 10. Juni. Am Sonntag, den 4. Juni fand im Gemeindehaus der Israelitischen Gemeinde, Basel, die diesjährige Delegiertenversammlung des Gemeindebundes statt. Kurz nach 3 Uhr eröffnet der Präsident, Herr I. Dreyfus- Brodsky, die Tagung und begrüßt die Delegierten im Namen des Centralkomitees 'und im Namen des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde Basel. Der Sekretär des Gemeindebundes, Herr Bloch-Roos, verliest das Protokoll der letztjährigen Tagung vom 29. Mai 1927 in Zürich, das ohne Widerspruch genehmigt wird. Hierauf erstattet der Präsident den Jahresbericht, aus dem hervorgeht, daß das abgelaufene Geschäftsjahr ein normales war. Seine Hauptaufgabe .sieht der Gemeindebund in der Versorgung der schweizerischen Judenheit mitKoscherfleisch, die auch im letzten Jahre ohne wesentliche Störungen und Schwierigkeiten zu erreichen war. Immerhin mußte doch öfters bei den verschiedenen Behörden interveniert werden. Das Centralkomitee habe mit Aufmerksamkeit die Bestrebungen der Schächtgegner in den verschiedenen Ländern, wie Bayern, Preußen verfolgt, wre auch die Versuche der elektrischen Betäubung, über die noch kein abschließendes Urteil gefällt werden kann. Zum ersten Male sei der Gemeindebund zum Zionistenkongreß eingeladen worden und der Präsident habe ihn im Namen des Gemeindebundes begrüßt. Wenn auch nichts Spezielles vorlag, so muß das Centralkomitee stets ein wachsames Auge haben, daß das Erreichte nicht gestört werde und ermahnte die Delegierten zusammenzuhalten, denn l'union fait kt force. Dem mit Beifall ausgenommenen Jahresberichte folgte der Kassabericht, den in Vertretung des Kassiers, Herrn Stadtrat Erlanger, Herr Bloch-Roos erstattete. Die Einnahmen betrugen 12 142,26 Fr., die Ausgaben 6 667,26 Fr., so daß ein Ueberschuß von 6 585 Fr. erzielt wurde. Sowohl der Kassabericht als auch der Bericht der Rechnungsprüfungskommission wurden einstimmig genehmigt. Beim Budgetvoranschlag entspann sich eine lebhafte Diskussion. Dr. E. Guggenheim tritt warm für die jüdischen Gemeindebeamten ein und beantragt, daß die Subvention an den Lehrer-- und Kantorenverband auf 1000 Franken erhöht werde. Auch Dr. L. Levaillant und Dr. Marcus Cohn-Basel, unterstützen energisch diesen Antrag Dr. Güggenheims. Dr. Charles Bollag und Dr. Martin Bloch, Zürich, sind für eine Erhöhung, jedoch nur auf 500 Fr. Herr Bloch-Roos hat das Schlußwort, er ist gegen eine Erhöhung der Subvention. Er halte nicht viel von der Tätigkeit des Lehrer- und Kantoren-Berbandes. Man brauche keine neuen Methoden, man sollte bei der alten Cheder-Methode bleiben. Die Versammlung beschließt die Subvention auf 500 Fr. zu erhöhen. Der Antrag das Komitee „Pro Leysin" zu subventionieren, wird abgelehnt. Der Präsident empfiehlt die Jeschiwah Montreux zu subventionieren. Er bemerkt, die schweizerische Judenheit könne stolz darauf sein, eine eigene Jeschiwah zu besitzen. Die Thora sei die Grundlage des Judentums und das Thorastudium fei das Wichtigste. Herz, Zürich und Dr. Marcus Cohn beantragen Erhöhung der Subvention für die Jeschiwah in Montreux auf 500 Fr. Lob, Lausanne, fragt, ob der Gemeindebund oder irgend eine Gemeinde eine Kontrolle über die Rechnungsführung ausübe? Die Versammlung stimmt dem Vorschläge des C. C. zu und bewilligt eine Subvention von nur 500 Fr. Nationalrat Dr. Farbstein erwähnt, daß demnächst ein Komitee von Juristen gebildet werde, zwecks Förderung der Ueberfetzung des schweizerischen Zivilgesetzbuches ins. Hebräische und wünscht, daß das C. C. ein eventuelles Suboenttonsgefuch wohlwollend prüfe. Die Berichte der einzelnen Kommissionen, für Koscherfleischversorgung erstattet von Herrn Bloch-Roos, Bekämpfung des Antisemitismus erstattet von Dr. Ch. Bollag und Friedhofsprojekt Davos, erstattet von Herrn Stadtrat Saly Mayer, St. Gallen werden vom Präsidenten verdankt und von der Versammlung genehmigt. Auf Antrag von Herrn Saly Braunschweig/Zürich, der auch von Herrn M. Horn und Dr. Martin Bloch unterstützt wird, beschließt die Versammlung, daß in Zukunft den Rechnungsrevisoren sämtliche Rechnungen, auch die des Subkomktees für Fleischversorgung vorgelegt werden, und daß das Protokoll vier Wochen vor der nächsten Delegiertenversammlung allen Gemeinden zugestellt werde. Dr. Farbstein weist darauf hin, daß der Gemeindebund von den Koscherfleischkonsumenten, die meistens der ärmeren Klasse angehören, eine indirekte Steuer erhebt. Dr. Cohn wünscht, daß der Aufschlag aus Koscherfleisch nur die Spesen des Gemeindebundes decken dürfe, jedoch keinen Ueberschuß abwerfen soll. Die Versammlung beschließt, daß der Aufschlag auf Koscherfleisch nicht mehr als 5 Cts. pro Kg. betragen dürfe. Im nächsten Geschäftsjahr hat die Gemeinde Luzern die Rechnungsprüfungskommifsion zu stellen. Für das zurückgetretene Mitglied des C. C., Herrn Saly Harburger wird Herr Ettlinger, Zürich, gewählt. Kurz nach 6 Uhr schließt der Präsident die Versammlung. Rutzland. Aus Sowjetrußland. Moskau, 7. Juni. Die jüdischen Delegierten auf, der all-ukrainischen Konferenz der Kollektiv-Wirtschaft hielten eine Sonder- Nr. 24 Seite 7 sitzung ab und beschlossen, von der Regierung den Bau von Häusern in den jüdischen Kolonien und die Gewährung von langfristigen Krediten zur Entwicklung der Wirtschaften, sowie die Entfaltung einer größeren Kulturtätigkeit in den Kolonien zu fordern. Aus dem Rayon D z a n k o j wird mitgeteilt, daß die Weizenernte auf den Feldern der jüdischen Kölonisten erstklassig zu werden verspricht. Das Moskauer Büro des Agro-Joint wurde von feiner Krim- Abteilung telegraphisch benachrichtigt, daß sowohl der Weizen, als auch die übrigen Saaten auf den jüdischen Feldern vorzüglich stehen. Die Stimmung unter den Kolonisten sei eine gehobene. Die Leningrader Zeitung „Prawda" teilt Tatsachen über wachsenden Antisemitismus an den Volksschulen mit. Die Zeitung fordert energische Maßnahmen. In der Beratung der Propagandisten beim Zentralkomitee der kommunistischen Partei wurde beschlossen, den Kampf gegen den Antisemitismus, der die Partei schwächt, energisch zu führen. Palästina. Briefe aus Palästina. Tel A w i w, 7. Juni. Gegenwärtig ist der bestgehaßte Mann in der palästinensischen Judenheit H y a m s o n, der höchst« Regierungsbeamte des Einwanderungsamtes. Hyamson, ein anglisierter russischer Jude, der früher in der zionistischen Bewegung aktiv tätig war, und den die zionistische Exekutive der Regierung für seinen Posten vorgeschlagen hatte, handelt wohl nach Instruktionen, die ihn in die Gefahr bringen, sich bei der jüdischen Bevölkerung mißliebig zu machen. Er befolgt aber auch innerhalb der seiner Entscheidung gezogenen Grenzen ein die jüdische Ansiedlung erschwerendes System. Selbst, wenn er sich nicht als der Vertrauensmann der jüdischen Bevölkerung, der der Völkerbund ein nationales Heim in Palästina zugesprochen hat, fühlt, sondern nur als englischer Regierungsbeamter, müßte er den Willen zeigen, loyal und entgegenkommend zu fein. Hyamson hatte sechs Familien, die vor drei Jahren als Touristen gekommen waren und sich dann, ohne besondere Erlaubnis beim Einwanderungsamt einzuholen, angesiedelt haben, trotzdem sie vermögend sind und dem Lande nützen, ausgewiesen. Gegen diese Politik des Einwanderungsamtes veranstaltete die jüdische Bevölkerung im ganzen Lande Protestversammlungen. Die Regierung hat nun vorerst die Ausweisungen zurückgezogen. Die Entwicklung der Sache ist abzuwarten, denn es handelt sich um die prinzipielle Frage, ob die Einschränkung der jüdischen Einwanderung nicht zum Mandate im Widerspruch steht. Ein anderer Fall betrifft das Sabbatgesetz in T e l A w i w. Tel Awiw, die einzige rein jüdische Stadt im Lande, hat mit Recht stets Angst um seine Selbstverwaltung, denn es gibt in der Regierung sicherlich Persönlichkeiten, die, weil sie antijüdisch gesinnt sind, ihr die Selbstverwaltung nehmen möchten. Nun hatte sich in Tel Awiw ein jüdischer Advokat gefunden, der in einem Prozeß die Berechtigung des von der Regierung seinerzeit bestätigten Sabbatschutzgesetzes von Tel Awiw in Frage zog, da es gegen einen Paragraphen des Mandates verstoße, und das Kreisgericht in Jaffa schloß sich dem Antrag des Advokaten an. Das Appellationsgericht hat jetzt das Urteil bestätigt. Die beiden nichtjüdischen Richter stimmen für die Bestätigung des Urteils, während der jüdische Richter in dem Kollegium dagegen stimmte Auch hier ist die schwache, von zahlreichen Gegnern bekämpfte Position der Juden von einem Juden in Gefahr gebracht worden. Was nun werden wird? Man weiß es nicht. Wohl ist der Sabbat in Tel Awiw eine Art Sonntagsruhe in jüdischer Färbung, aber es haben doch sämtliche jüdischen Erwerbsbetriebe geschlossen, während Wochenkalender. v. 18. — 23. Juni 1938. o. 28. Siwanbis 5. Tammus 8888. 'Kaufet) (Ebaubefd) Berrtcke» Samstag Sonntag 16 17 p'v 28 29 SJlauteb Mont, früh 4.51 Uhr '1 'fl f>“lS ■JtDp ">132 DT' Montag 18 30 8nn V817 Dienstag Jun 19 ■ rinn 1 enn vrrii '3 Mittwoch 20 2 Donnerstag 21 3 sreitag 22 4 Samstag 23 5 mp 'i o rr pns _ 1

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