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Der Israelit · 1928-06-14 · Heft 24 (14.6.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 24 (14.6.1928)
Date
1928-06-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 24 Der Israeli! 14. Juni 1928 Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat Juli Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M hielt Dr. Bruno Weil. Währenv aller Perioden deutscher Geschichte sei die Anwesenheit der Juden in Deutschland nachweisbar. Das Konstantinifche Edikt aus dem Jahre 321 erwähne bereits eine lange zurück liegende Anwesenheit von Juden in der Stadt. Aehnlich sei" es bei Aachen, Mainz, Metz und Speyer der Fall Das erste Jahrtausend deutscher Geschichte scheine friedliches Zusammenleben zwischen Juden und Christen, ge bracht zu haben. Bon 1200 ab folgte ein halbes Jahr tausend von Not und Verfolgung der Juden, die erst in den beiden letzten Jahrhunderten langsam nachliehen, um theoretisch 1869 ihren Abschluß zu finden Wenn der Mensch in seinen geistigen Elementen aus Religion, Sprache, Kultur und Abstammung sich zusammensetzt, so liege in keinem dieser Merkmale etwas beschlossen, das die Juden in der vollen Erfüllung ihrer nationalen Pflichten hindern könnte. R.-A. Dr. Heinrich Frank, der Vorsitzende der Kölner C. V.-Gruppe, sagte, er wollte alles, was deutsche Juden heute bewegt, in das folgende Gelöbnis zufammenfassen: Im heiligen Diest am deutschen Volke und an deutscher Kultur werden wir anläßlich der „Presfa" versammelten deutschen und rheinischen Juden auch in alle Zukunft in Willens-, Schicksals- und Kulturgemeinschaft, in sittlicher, kultureller und geistiger Förderung heimatlicher Erde unser Letztes und Höchstes hergeben. Der Verbandstag der jüdischen Handwerker Deutschlands. Hannover, 8. Juni. Der 8. Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, Sitz Berlin, wurde vom 2. bis 5. Juni in Hannover abgehalten. Eingeleitet wurde die Tagung durch einen Festgottesdienst am Sonnabend, am Sonntag vormittag fand der offizielle Festakt statt. Nach einleitendem Gesangsvortrag begrüßte der Vorsitzende der Ortsgruppe Hannover, Glasermeister Paul Goldmann, die Anwesenden und sprach von der Mission des Handwerks, an dem Aufbau der in den verflossenen Jahren zertrümmerten Wirtschaft teilzunehmen zum Segen des deutschen Vaterlandes. Der Verbandsvorsitzende, Glasermeister Wilhelm Marcus- Berlin, wies in seiner Eröffnungsrede daraus hin, daß Männer der Tat die Notwendigkeit erkannt haben, für die Entwicklung des jüdischen Handwerkerstandes praktisch zu sorgen. Die Gartenbauschule Ahlem ist ein lebendiges Zeugnis dafür. Der jüdische Handwerkerstand habe sich trotz seiner im Vergleich zu den anderen Berufskollegen viel kürzeren Entwicklungsperioden gleichberechtigt erwiesen, habe die große Spanne nachgeholt und sei zur rechten Zeit mit Handwerk, Technik und Industrie mitgegangen. Der Verband will der wirtschaftlichen Not entgegentreten. Seiner straffen Organisation ist es zu danken, daß eine Besserung erzielt worden ist. Zum Aufgabenkreis des Verbandes gehöre die Frage des jüdischen Mittelstandes, einer ohne eigene Vertretung sich bewegenden Volksschicht. Ferner die Schaffung von Darlehns- und Kreditgenossenschaften für produktive Zwecke, Berufsberatung der Jugend und Stellenvermittlung, die Unterbringung von Gehilfen und die Heranbildung der Frauen zur sozialen Betätigung. Nach einer großen Reihe von Begrüßungen folgten die Referate des Vorsitzenden der Ortsgruppe Hannover Paul Goldmann über „Der jüdische Mittelstand" und des Leiters des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands, S. Adler- Rudel - Berlin über „Jüdische Berufswahl und jüdische Arbeitsnachweise". Goldmann führte aus, der jüdische Handwerkerstand wolle nichts anderes, als den kommenden Generationen in der deutschen Wirtschaft den Platz zu erobern, der dem jüdischen Handwerkerstände gebühre. S. Adler-Rudel gab in seinem Referar „Jüdische Berufswahl und jüdische Arbeitsnachweise" anhand des reichen, ihm zur Verfügung stehenden statt» stischen Materials ein Bild über den augenblicklichen Stand dieser sozialen Einrichtungen. Mehr als bisher müßten jüdische Berufsberatungsstellen eingerichtet werden, die für bestimmte Berufe geeignete Anwärter bringen. Das Verständnis für die Arbeit müsse bei der Jugend geweckt werden und diese vor der Wahl sogenannter Modeberuse gewarnt und zurückgehalten werden. Eng verbunden mit der Berufsberatung ist die Lehrstellenvermittlung. Erstrebenswert ist eine Kombination zwischen Meisterlehre und Werkschule. Im Anschluß an das Referat Adler-Rudels wurde beschlossen: Der Verbandstag hält es für notwendige darauf hinzuweisen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt für eine Normalisierung der jüdischen Berufsgliederung durch eine Förderung des handwerklichen Nachwuchses besonders geeignet ist. Die verantwortlichen Körperschaften des deutschen Judentums werden aufgefordert, auf eine sinnvolle Umgestaltung der Berufsgliederung auf dem Wege einer systematischen Berufsberatung hinzuwirken. Der Verbandstag fordert von den Gemeinde- und Landesverbänden die Einsetzung von Etatmitteln zur Förderung jener Kreise der jüdischen Jugend, die sich den handwerklichen Berufen zuwenden. Diese Mittel sollen sowohl für die Errichtung von Lehrlingsheimen wie auch für Lehrzuschüsse für Minderbemittelte, sowie Ergänzungsausbildungen bereitgestellt werden. Lehrstellenvermittlungen sind in allen größeren Gemeinden zu errichten. Der Verbandstag verpflichtet alle Mitglieder, sich in den Dienst der Arbeitsnachweis-Bewegung zu stellen. Betreffs der jüdischen Mittelstandssarge wurde die Schaffung jüdischer Darlehnskassen und Kreditgenossen chaften beschlossen. Polen. Konferenz der Agudas Harabbanim in Polen. Warschau, 3. Juni. Unter Vorsitz des Kalischer Raw, Rabbi L i p s ch ü tz, tagte hier das A. C. des Rabbinerverbandes in Polen. Die erste Sitzung war dem Gedenken des Heimgegangenen Rabbi M e i r Don Pi o tz k i V-st aus Ostrowo gewidmet. In den folgenden Sitzungen wurden mehrere wichtige Beschlüsse gefaßt. Die allgemeine Konferenz der Agudas Harabbanim soll spätestens im Cheschwon dieses Jahres einberufen werden. Ein Protest soll an den Chiefrabbi nach London abgehen gegen Reverend Sap o t s ch n i k, einen Unberufenen, der.ohne jegliche Autorisation sich anmaßt, ungesetzliche Entscheidungen in Eheächen zu treffen. Auf Initiative der orthodoxen Arbeiter oll ein Appell an die jüdischen Arbeitgeber ergehen, äbbathaltende Juden bei Anstellungen zu berücksichtigen. Einen Gegenstand der Diskussion bildete auch der Ob erra t im neuen Gemeindegesetze. Es wird beschlossen, eine Aenderung des Gesetzes in dem Sinne herbeizuführen, daß die Rechte der Rabbiner besser gewahrt werden. Es herrschte auch Einigkeit in der Ablehnung des Modus, der eine Zwangsvereinigung mehrerer nicht zu einander gehörender Gemeinden vorsieht. Milchkühe zeugen von der Intensität und Entwicklungsfähigkeit dieser jüdischen Kleinwirtschaften. Um aber seine während des Krieges zugrunde gerichtete Wirtschaft wieder auszubauen, mußte der Mische Kleinbauer teure Kredite in Anspruch nehmen und seine Wirtschaft über Gebühr belasten. Die stetig anwachsende Schuldenlast zwingt den jüdischen Kleinbauer, immer wieder Teile seines Bodens zu verkaufen, um sich und -feine Familie ernähren zu können. Es besteht die Gefahr, daß Hunderte jüdische Bauernfamilien ihre landwirtschaftliche Betätigung werden aufgeben müssen und die Schar der jüdischen' „Luftmenschen" vergrößern werden. Tschechoslowakei. Der Munkaczer Gemeindestreit. Munkacz, 4. Juni. Die Bestrebungen, von denen ich in meinem letzten Bericht Kenntnis gab, und die darauf hinausgehen, den unseligen Streit durch ein rabbinifches Schiedsgericht zu schlichten, sind bisher leider nicht weitergediehen. Dadurch, daß die Munkaczer Gemeinde der orthodoxen Gesamtorganisation der Slowakei nicht angehört und der Landeskanzlei in Bratislava nicht untersteht, befindet sie sich außerhalb der Verfassung der orthodoxen Konfession und ihr Rabbiner kann darum nicht, wie jedes andere orthodoxe Rabbinat innerhalb der Konfession gezwungen werden, sich dem schiedsgerichtlichen Verfahren einer höheren rabbinischen Instanz zu unterwerfen. Nun ist allerdings in dieser Woche ein Ereignis eingetreten, das möglicherweise eine Wendung bedeutet. Der oberste Gerichtshof hat entschieden, daß auf Grund der in der Slowakei bestehenden (allerdings ziemlich theoretischen) Trennung von Staat und Kirche die Verwaltungsbehörden kein Recht gehabt hätten, sich in die inneren Streitigkeiten der Religionsgemeinde einzumischen. Infolgedessen wird von der Beizer Partei der Standpunkt vertreten, daß die jetzige Gemeindeleitung, die lediglich auf Grund eines Aktes der Verwaltungsbehörde eingesetzt wurde, zurücktreten müsse. Die Gemeinde bestreitet allerdings die Richtigkeit dieser Interpretation des Urteils, dem sie lediglich eine für die Zukunft maßgebende, aber keine rückwirkende Kraft zuerkennen will. Die nächsten Wochen werden zeigen, welche Auffassung von den Verwaltungsbehörden als richtig anerkannt wird. Sollte die Gemeindeleitung zurücktreten müssen, so wäre vielleicht die Bahn frei zu einer ruhigeren Beurteilung und zu einer Verständigungsaktion. Rumänien. Jüdische Bauern in der Bukowina. Czer nowitz, 3. Juni. Agronom Feingin, der im Aufträge der Bukowinaer Gesellschaft „Ort" in den letzten 14 Tagen 25 Orte der nördlichen Bukowina besucht hat, um die Lage der jüdichen Kleinbauern zu erforschen, hat in einer gemeinamen Sitzung des Präsidiums und der Landwirtschaftskommission von -,Ort" einen Bericht erstattet, dem u. a. zu entnehmen ist: In der Bukowina leben etwa 700—800 jüdische Bauernfamilien. Die Wirtschaften befinden sich fast durchweg in einem fortgeschrittenen Zustand. Das Vorhandensein des nötigen toten -und lebenden Inventars, die rationelle Bearbeitung des Bodens, die Verwendung von Stall- und Kunstdünger, die gute Ernährung der Frankreich. Die französische Liga für Menschenrechte gegen den Antisemitismus. Paris, 3. Juni. Die französische Liga für Menschenrechte hat nach Prüfung des ihr vom Rat zum Schutze der Rechte der jüdischen Minderheit unterbreiteten Materials über die antijüdischen Exzesse in Rumänien und Siebenbürgen den Beschluß gefaßt, ein Protestschreiben an den rumänischen Ministerpräsidenten Bintula Bratianu zu richten und gleichzeitig dieses Schreiben der Oeffentlichkeit zu übergeben. In dem Schreiben weist die Liga auf die Unzulänglichkeit und Wirkungslosigkeit der von der rumänischen Regierung gegen das Ueberhandnehmen des Antisemitismus in Rumänien ergriffenen Maßnahmen hin und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung zu den schnellsten und schärfsten Maßnahmen greifen wird, um die Schuldigen an den bisherigen Exzessen zu bestrafen und' eine Wiederholung der Exzesse in Zukunft zu vermeiden. Antisemitismus in der algerischen Armee. Paris, 4. Juni. "L'Oeuvre" teilt mit: Kein Israelit wird als Offizier oder Soldat in gewisse Truppenteile Algeriens ausgenommen. Es wird behauptet, die muselmanischen Militärs unterhalten sich nicht gerne mit Juden; das ist aber nicht richtig, im gesellschaftlichen Leben kommen Juden und Muselmanen sehr gut miteinander aus. Auch die Soldaten -hegen keinerlei Antisemitismus, wohl aber ihre französischen Führer. Die Liga für Menschenrechte hat den Kriegsminister, aufgefordert, darauf hinzuwirken, daß innerhalb der algerischen Truppenteile die Prinzipien der Gleichheit geachtet werden.

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