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Der Israelit · 1928-06-14 · Heft 24 (14.6.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 24 (14.6.1928)
Date
1928-06-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Sette 3 rvwp1 14. Juni iy.8 Der Israeli» des Misrachi, Berlin, eine Zuschrift, die wir hier unter Weglassung persönlicher Angriffe, die mit der Sache wenig zu Lun haben, wiedergeben: Ich trage zur Vervollständigung des Berichtes sorgendes nach: Die Leitung des Krankenhauses, in Afule hat zugegeben, daß die von Herrn Schapiro angegebenen Tatsachen auf Wahrheit beruhen. Das Friedensg-ericht in Haifa -hat Herrn Schapiro nicht deswegen verurteilt, weil er diese Tatsachen der Oeffentlichkeit mitgeteilt hat, sondern nur wegen eines Ausdruckes, den er in seinen Veröffentlichungen gebraucht hat, und der dem Gericht als eine Beleidigung erschien, die über das Maß.dessen hinausgeht, was man im Kampf der Meinungen im öffentlichen Leben zu sagen berechtigt ist. Herr Schapiro hat sich gegen das Krankenhaus des Ausdruckes niVi’ijrnn bedien!, der offenbar eine schwere Beleidigung in Palästina darstellt. Der Berichterstatter des „Israelit" schreibt nun, daß das jüdische Friedensgericht in Haifa den Angeklagten für schuldig befand und ihn mit einer „empfindlichen Geldstrafe" belegte. Ich stelle hierdurch fest/ daß die Geldstrafe, die Herrn Schapiro auferleg! wurde, zwei palästinensische Mills, d. h. etwa vier Pfennige beträgt. Cs ist doch wohl klar, daß diese „empfindliche Geldstrafe" nicht als eine Verurteilung des Herrn Schapiro anzusehen ist. Mit der Verhängung dieser Strafe hat sich das Gericht de facto auf die Seite des Herr Schapiro gestellt, es hat dadurch klar zum Ausdruck gebracht, daß es nur verurteilt, weil es formell, durch gesetzliche Bestimmung gezwungen, verurteilen mußte, wo es lieber freigesprochen hätte. Ich glaube, daß diese Verurteilung es nicht rechtfertigt, daß der Berichterstatter den Richtern äderndem Haifaer Gericht einen Makel anhängt. Und ein Zweites: Nachdem dieser Prozeß stattgefunden hat, sind die gesamten Küchen der Krankenkasse der allgemeinen Arbeiterschaft Palästinas der Verwaltung der misrachistischen Arbeiterschaft unterstellt worden. Diese Tatsache darf man nicht übergehen, wenn man die bisherigen schlechten Zustände bei den Krankenkassen ln Palästina bespricht. Daß Verhältnisse, wie sie im Krankenhause zu Afule herrschten, ungesund und tieftraurig find, darüber kann nur eine Meinung bestehen. Es ist die Aufgabe der gesamten traditionellen Judenheit, für die Aenderung dieser Verhältnisse zu arbeiten. Herr Schapiro, von dem ich übrigens nicht weiß, wer er ist, oder welche Einstellung zu den politisch-religiösen Dingen er hat, hat jedenfalls zu feinm Teil zu der Behebung der Mißstände beigetragen. Es wäre dringend zu wünschen, daß sich Berichterstatter über Palästina klar darüber sind, daß die Oeffentlichkeit ein Recht auf objektive und vollkommene Berichterstattung besitzt und daß nur mit einer solchen der Sache, der sie "dienen wollen, wirklich geholfen werden kann. Dazu ist zu sagen: Der Bericht war, wie angegeben, fast wörtlich einemhebräischen Blatt in Palästina entnommen, und zwar dem zionistischen ynrrn- Von der Geringfügigkeit der Verurteilung war dort nichts zu lesen. Aber selbst diese ändert nichts an der Tatsache, daß nationale Wortführer wie Bialik u. a. in der Berufungsinstanz Herrn Schapiro, dessen Angaben sich Wort für Wort bestätigten, grundsätzlich für schuldig erklärten. Im übrigen war es dabei weniger um die Verurteilung zu tun, als um die Aufdeckung der skandalösen Zustände in Afule. Wenn nun wirklich in dem von Herrn Adler mitgeteilten Maße Abhilfe geschaffen wurde — die palästinensische Presse wußte bisher nichts darüber zu berichten, —, so wollen wir es mit Genugtuung registrieren. Litauische Jugend. Aus Litauen kommt frohe Botschaft. Eine Jugendbewegung im besten Sinne, jugendlich und stark, ist daran, den geistigen Aufbau von unten herauf durchzusühren. 1242 junge Mitglieder sind organisiert in einem Jugendverbande unter dem Namen „Tifere Bachurim", der nur zwei Lebensziele hat, ein negatives und ein positives. Negativ: Kampf gegen das Amhoarazentum, positiv: Verbreitungder Thorakenntn i s. Nicht soll in Vorträgen und Referaten über die Thora gesprochen werden, sondern in Lehrkursen dieselbe gelernt werden. Das geistige tägliche Brot will der Verband der Jugend, der jüngsten und der älteren, bieten. Lernen und wiederum lernen, von Ehumisch und Raschi angefa-ngen, bis zur Gemoro und den Kommentaren. 35 Ortsgruppen zählt bereits der Verband an 33 Plätzen. Die größte Gruppe zählt 126, die kleinste 15 Mitglieder. Die Parole lautet: Arbeit, nicht Kampf; Liebe, nicht Haß; Gewinnung. der Seelen und keine Zurückweisung! Wie ein Erwachen und frohes Aufatmen geht durch Litauens treugebliebene jüdische Jugend bei dem Strahle, der aus den Höhen geläuterten jüdischen Lebens an den Musiarzentren zu ihr dringt und sie zur Arbeit ruft. Ein eigenes Organ hat der Verband in der Zeitschrift „Zur Jugend", die in Kowno-Slabodko allmonatlich erscheint. Die uns vorliegende Nissannummer bringt Aufsätze vom Kownoer Raw, dem Wirballener Raw, Rabbi H i r s ch ow i tz, Artikel aus dem Nachlaß Rabbi Feiwels o h n s Musiargedanken, Erinnerungen und vieles andere. Man spürt des warmen Blutes einen Hauch, das die Männer, die BiOXULTDA Die stark schäumende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnpasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 60 Pf BIOX-MUNDWASSER Flasche 1.— und 2.— Mk. Gegen lockere Zähne. Probe-Flas<be gratis. Max Elb A. G., Dresden Jugendführer und die Jugend selbst zur Arbeit treibt. Den tapferen jungen Freunden ein herzliches Glückauf. D3'T naptnri* ketzerische Gedanken über die , Predigt. Es sind wieder einmal Bestrebungen seitens einiger Gemeinden im Gange, die dahin tendieren, die Predigt häufiger als es bis jetzt üblich war, in den Gottesdienst einzuschalten. Darum sei hier einiges über ihre Herkunft und ihre heutige Bedeutung gesagt. Die Predigt wurde während der Reformzeit von Abraham Geiger eingeführt in dem Bestreben, im Judentum eine Konfession gleich der katholischen und protestantischen und im Rabbiner ein Analogon zum christlichen Theologen zu schaffen. Der Reiz der Neuheit zog große Massen an, auch konnte man der Umwelt mit der so reformierten Synagoge den schlagenden Beweis liefern, daß eine Gleichberechtigung der Juden vollauf verdient und berechtigt sei, nun da die jüdische Religion sich nur in wenigen Dogmen von der christlichen unterschiede. Allerdings sahen bald auch viele im eigenen Lager keinen so wesentlichen Unterschied mehr, um dessentwillen sich ein Festhalten am Judentume lohnte, und so zogen sie nach dem Prinzip des geringeren Widerstandes die Taufe vor. Was blieb dem gesetzestreuen Judentum und seinem glänzendsten Vertreter, Samson Raphael Hirsch, viel anderes übrig, als mit der gleichen Waffe, der Rethorik, der Reform wirksam entgegenzutreten? Mag also während der Reformzeit die Predigt eine Zeitlich begründete und bedingte Erscheinung gewesen sein, so bleibt die Frage, inwieweit heute mit dem Bankrott der liberalen Idee ein Festhalten an der Predigt zweckmäßig erscheint. Ein Rabbiner soll weder in erster Linie Theologe, noch Seelsorger s.^n, sondern seine Tätigkeit hat sich auf das hälachische und soziale Gebiet zu konzentrieren, wo ex Gesetzesentscheidungen zu treffen hat, Schlichter von Familien- und Geschästsstreitigkeiten sein soll und der Gemeinde durch Lehroorträge Weiser der Lehre zu sein hat. Sehr wenig aber soll sich seine Tätigkeit auf rhetorischem Gebiete bewegen. Tatsache ist, daß eine Predigt im seltensten Fall einen praktischen Erfolg zeitigt. Besonders die religiös eingestellte Jugend, von der man doch annehmen sollte, daß bei ihr, die noch keine allzu starke Korrektur ihres Ideals durch die Wirklichkeit erfahren hat, Josua schwieg, — Koleiw eiferte. — Beide wollten dasselbe: Gehorsam gegen Gott; beide erfüllte Gottesfurcht. — Beide zerrissen ihre Kleider, als das Volk gegen Gott murrte und nach Aegypten zurückkehren wollte. — Beide fanden sich in gemeinsamer Trauer. Wenn beide, Josua und Koleiw gemeinsam versucht hätten, gegen die zehn bösen Kundschafter in Geschlossenheit und in gemeinsamem Eifern aufzutreten, wer weiß, ob es ihnen nicht gelungen wäre, schon in diesem Geschlechts den Einzug in das heilige Land zu erreichen. Aber nur einer von den Beiden, Koleiw, fand den Mut, aktiv im Volke für Gott und fein Gebot zu eifern und das Odium, ein Eiferer zu sein, auf sich zu nehmen. So mußte ein ganzes Geschlecht zu Grunde gehen, muhte noch 40 Jahr« durch die. Wüste gezogen werden, ehe der Jordan überschritten werden konnte. Deshalb werden auch beide, Josua und Koleiw, verschieden für ihr Wirken belohnt. Beide ziehen sie ins heilige Land ein», aber nur von Koleiw heißt es: „Und mein Knecht Koleiw, weil e i n anderer Geist mit ihm war, und er voll mir folgte, ihn bringe ich in das Land und seinen Kindern wird er. Erbe lassen (Bamidbor Kap. 14 Vers 24), (Dworim Kap. 1, Vers 36.) Von Josua aber heißt es (Dworim Kap. 1 Vers 38): „E r wird dorthin kommen." Kindern kann er kein Erbe lassen; — das kann nur der „Eiferer". — Nur der Geist der Eiferer kann den Weg Gottes zeigen, der selbst ein „eifervoller" Gott ist. Nur durch. Eifern kann man Kindern, und den kommenden Geschlechtern das Erbe der Väter sichern. Josua, nicht Koleiw wird der Führer des Volkes. Doch die Mahnung ergeht: pm ir»-. — „Ihm steife den Rücken"; — Vielleicht ist sein Mangel an „Eifern" die Ursache zu dieser Mahnung, die sich ausfallend oft in der weiteren Entwicklung der Dinge wiederholt. — Dworim Kap. 31, Vers 7 ermahnt Moses seinen Nachfolger Josua: pm — Sei stark und fest. — Ebenso Kap. 31 Vers 23. — Gott selbst mahnt Josua bet seinem Amtsantritt (Buch Josua Kap. 1 Vers 6): rvrri pin „Sei stark und fest." Vers 7 wird die Mahnung noch verstärkt r»Ri pm p — Nur fei stark' und fest gar sehr. — Vers 9 r&Ri pm pi 7>mix'mb- — Uno schließlich ruft ihm das Volk zu (Josua Kap. 1 Vers 18) prn m — Nur fei fest und stark. So viel der Mahnungen scheinen notwendig, um Josua, dem Repräsentanten der natürlich Frommen, die Eignung zum Führer des Volkes zu geben. — Er wurde ein guter Führer. — Ihm wurde das Verdienst zu teil, dem Volke Israel Erbe im Lande der Väter zu verteilen. Eignen Kindern Erbe zu hinterlassen, wurde ihm nicht beschieden. Diese Gnade wurde dem „Eiferer" Koleiw zuteil Ein massoretisches Problem. Von Rabbiner Dr. Kaah in Hindenburg 6.-5. Unter obigem Titel hat Herr Rabbiner Dr. Jacob s in Nr. 22 des Israelit einen geistreichen Beitrag zum Verständnis der mafsoretifchen Schreibung von Rin und rrm veröffentlicht und in dankenswerter Weife eine neue Anregung zur Erforschung dieser interessanten Frage geboten. Seine Darlegung bedarf jedoch noch einer Ergänzung. Wenn nach der massoretischen Notiz zu 1 M. 38,25 an nur elf Stellen des Pentateuch rrm gebraucht wird, während an allen anderen Stellen rrm steht, so geht daraus hervor, daß wie z. B. im Deutschen die persönlichen Fürwörter ich, du, wir, ihr, sie sowohl männlich als auch weiblich sind, so auch in der hebräischen Sprache in alter Zeit für beide Geschlechter als Fürwort der dritten Person in der Regel Rin angewandt wurde, daß aber für die weibliche Form auch R'.n zulässig war. Wird also im Pentateuch in einzelnen Fällen angewandt, so ist das im Einklang mit dem damaligen Sprachgebrauch und es liegt keine Schwierigkeit vor, die gelöst werden müßte. Vielmehr kann es sich im wesentlichen nur darum handeln, zu prüfen, ob, wenn auffallenderweise in einem^und demselben Satze nebeneinander Rin und Rm angewandt wird, nicht ein Motiv gefunden werden kann, das dieser wechselnden Anwendung zugrunde liegt. So heißt es 1. M. 38,25 R°m jirxis rrm nnt-v- Dieses Nebeneinanderstehen von «in und «m 'ist auffallend und wird in Bereschit rabba zur Stelle (85,11) folgendermaßen erklärt: nxxV pnx rrmi rrm- Es fei hiermit angedeutet, daß auch Juda hinausgeführt werden müßte. Die Schrift wählt nicht beidemal Rm oder «»n, sondern wechselt geflissentlich die Schreibung, um hierdurch auf den Mann hinzuweisen. Diese Erklärung unserer Weisen kann nicht etwa nur als Drasch bezeichnet werden, sondern ist nach Lage der Dinge eine einleuchtende wissenschaftliche Begründung, die dem Thema sachlich gerecht wird. Der Hinweis des Midrasch rabba lehrt uns, daß überall da, wo im selben Satze ein Wechsel der Schreibung dieses Fürwortes erfolgt, als Motiv die Absicht der Beziehung auf einen Namen zugrunde liegt. Also in 1. M. 20,5 Nnn mmR RM di RM1 Die Beziehung auf Abraham, ebenso in 4. M. 5,13 npsm rP Rim •••nRam s»m sowie 5,14 die Beziehung auf einen Mann. Dies gilt für diejenigen Stellen, bei denen der Wechsel von Rm und «m in einem und demselben Satze stattfindet. Aber auch für andere Stellen wird vielleicht für die Wahl von Rm ein Grund gefunden werden können. Wenn es z. B. 1. M. 14,2 heißt Rm yPa -stvi nsx dagegen 14,8 um steht, so hängt das vielleicht damit zusammen, daß an ersterer Stelle, wo die Namen der Könige und ihrer Städte aufgezählt werden, durch «m angedeutet wird, daß Bela der Name der Stadt

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