Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1928)
- Date
- 1928-06-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 24 Der Israelit Vereines. An einen Satz des Hohenliedes anknüpfend, nennt er die Namen von neun hochverdienten Mitarbeitern des Vereins, die alle zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. Es find dies die Herrn: Rabbiner Dr. I. Unna- Mannheim, Aron Ettlinger - Hamburg, Eduard Baue r-Mannheim, Samuel Iesself o h n - Neckarbischofsheim, Maier A l t m a n n - Karlsruhe, Julius Kaufmann- Ladenburg, Rechtsanwalt K a; s e w i tz - Freiburg, Dr. Würzburger - Heilbronn und Jonas S i m o n - Newyork. Die wirkungsvolle Ansprache schließt mit dem Appell an alle, insbesondere an die Rabbiner und Lehrer und nicht zuletzt an die Jugend, am heiligen Werke zur Verbreitung von Thora und Emuno mitzuarbeiten. Damit war die Reihe der Redner geschlossen, denn es sollten bei dem Festakte nur die Behörden zu Worte kommen. Ein Chor prachtvoller Männerstimmen, von denen sich der klangvolle Tenor des Herrn Kantor Epstein schön abhob, stimmte eilt „Jigdal" an upd damit klang der Festait aus, würdig und harmonisch, wie er angefangen hatte. v D i e F e st t a f e l. ' , Eine kleine Pause wurde mit dem gemeinsamen Minchogebete ausgefüllt. Dann ging man zu Tisch. Eine festlich gedeckte Tafel vereinigte eine stattliche Anzahl von Mitgliedern und Gästen, und manch treffliches Wort weit über das Niveau üblicher Tischreden hinaus, bekam man zwischen Gang und Gang zu hören. Herr Dr. Würzburger- Mannheim als Tischleiter überbrachte in der Einführungsrede die Grüße des Bundes jüdischer Akademiker. Darauf stattete Herr Rechtsanwalt Dr. K a s s e w i tz in geistvoller Rede den Dank im Namen der neuernannten Ehrenmitglieder ab. Mit Hinblick auf den Umschwung, der sich in friedichem Beisammensein der Festgäst« wiederspiegelte, rief er DViyn miso'-jrn aus. Herr Rabbiner Dr. I. Horovitz - Frankfurt a. M.' feierte in beredten Worten Herrn Rabbiner Dr. Unna, den hochverdienten Lehrer des gefetzestreuen Kreises in Mannheim und die Seele des Vereins und fand damit ein stürmisches Echo bei der Versammlung. Im Namen des badischen Oberlandes überbrachte Herr Rothschild aus Randegg herzliche Glückwünsche. Viel Anklang und Gefallen fand eine mit Geist und Humor gut gewürzte Rede des Herrn Rabbiner Dr. Lauer- Mannheim. Ernstere Töne schlug Herr Rabbiner Dr. Bohrer- Gailingen an. Ein ergreifendes Bild von der geistigen Not in den Landgemeinden entwarf der gewandte Redner und sprach in eindringlichen Worten von den Aufgaben, die sich den Rabbinern auf diesem nicht verlorenen Posten ergeben. Herr E t t l i n g e r sprach für die Israelirische Religionsgesellschast in Karlsruhe und gedachte in pietätvollen Worten Rabbiner Schiffers und Samuel Straus b-xn die ihr Bestes zur Hebung des gesetzestreuen Judentums in Baden gegeben haben. Einen Gruß vom „Verein zur Wahrung des gefetzestreuen Judentums in Württemberg" überbrachte in warmer, eindrucksvoller Rede Herr Dr. Würzburger- Heilbronn. Herr Redakteur Schachnawitz -Frankfurt a. M. wußte in heiteren und ernsten Wendungen alles aus voriger und kommender Sidra herauszuholen, was den Weg und das Ziel, den Kampf und die Rast des Vereins bezeichnet und anzeigt und fand dankbare und üeifallsfrohe Hörer. Eine längere Rede zu Ehren der Thora und des Thoralebens hielt an Hand vieler Bibel- und Talmudsprüche Herr Rabbiner Dr. Erailsh e i m e r - Mosbach. Noch einmal ergriff Herr Rabbiner Dr. Unna das Wort, um Huldigungen zurückzuweisen und denen, die sie ihm brachten, zu danken. Einige packende Erinnerungen aus der Gründungszeit des Vereins fanden großes Interesse. Es sprach noch Herr Bornfreund im Namen der Vereinigung der Ostjuden in Mannheim dem Verein die Sympathie und die seeelische Zugehörigkeit der religiös gearteten östlichen Kolonie aus. Darauf schloß Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach -Altona mit einem Damentoast voll würzigen Humors die Reihe der Reden. Mit dem gemeinsamen Benschen erreichte das Festessen und damit das Fest insgesamt sein Ende. Es waren Tage der ehrlichen, wohlverdienten Festesfreude für die Gesetzestreuen in Baden. Mögen sie zur Quelle neuer Kraft, neuen Segens nach den veränderten Zeitumständen werden. Die große Anzahl prächtiger, zielbewußter, tatfroher und für die nrm erglühter Männer, die wir im Badenlande kennen zu lernen Gelegenheit hatten, berechtigt vollauf zu dieser Hoffnung. Wochenrundschau. ’m/'y m / Erwachen in Polen. Durch Schaden wird man klug! Wenn irgendwo, so gilt das für Polen und feine Orthodoxie. Die Juden haben dort bei den letzten Wahlen schlecht abgeschnitten. Auch die Zionisten, die mit Siegesfeiern ihre schwere Niederlage nicht vertuschen können. Die Gesetzestreuen haben ihre Ziele nicht erreicht. Aber es ist doch ein wesentlicher Unterschied zwischen der Niederlage der einen und der anderen. Wenn eine geschlossene Partei, wie es der Zionismus ist, trotz vortrefflicher Organisation, bei ' guter Parteidisziplin, bei einer ausgedehnten Presse, die skrupellos mit allen Kunststückchen der politischen Taktik arbeitet, ihre Kandidaten kaum zur Hälfte durchbringt, so beweist das, daß im Kern der Sache, für die die Organisation nur Schale ist, etwas faul sein muß. Wenn aber eine Idee die ihr angehörenden Menschen und Massen nicht zusammenzubringen vermag, aus Mangel an der Organisation, an Parteiparole, an dem wirksamen Instrumente der 4. Juni 1928 Presse — wie es bei der Orthodoxie zur Zeit der letzten Wahlen der Fall war —, so bedeutet die Niederlage nur eine scharfe Lektion, eine Lehre, eine Warnung, zu bessern, wo es fehlt und die formalen Bedingungen zu schaffen für die einende Basis. Das ist ungleich leichter, als die Menschen und die Seelen zu - gewinnen für eine Organisation, die bereits da ist und sich im gegebenen Momente brüchig gezeigt hat, aus Mangel an Inhalt. Das alles soll nicht ideologische Auseinandersetzung, keine frommen Wünsche auf weite Sicht sein, vielmehr die Feststellung dessen, waszurz eit im gesetzestreu enLag er Polens geschieht. Man hat sich nach der numerischen Niederlage nicht den tränen und der Trauer hingegeben, sondern die Konsequenzen gezogen, ist unverzüglich daran gegangen, die Kräfte zu sammeln, die nach der errungenen Stimmenzahl d a waren und die Kanäle zu schaffen, daß sie in das gemeinsame Bassin einfließen, die Menschen zu zählen und zu einen, die zueinander gehören und nicht Zusammenkommen konnten; mit einem Worte die Organisation zu schaffen und auszubauen, daß ihr Einfluß im jüdisch-politischen und religiösen Leben sich heute schon in allen Teilen bemerkbar macht und den Erfolg für die nächsten Wahlen garantiert. Hand in Hand mit dem Ausbau der Organisation geht die Ausgestaltung der Presse. Der „Jud", der bisher unter finanziellen Schwierigkeiten seine Aufgabe nicht lösen konnte, wird auf eine neue Basis gestellt. Neue 60ö0 Abonnenten sind ihm zugeführt worden, andere werden noch gesammelt. Auf diese Weise wird das gutgeleitete Blatt in den Stand gesetzt, alle Aufgaben einer gut jüdischen Presse nach außen und innen zu lösen. Wir haben seinerzeit nach dem Wahlausgang, ohne Schonung und Rücksicht auf die Fehler und Mängel in der Organisation unserer polnischen Gesinnungsgenossen, aus denen die Niederlage erwachsen ist, hingewiesen. Um so mehr freuen wir uns, dieses Erwachen, von dem wlr uns nicht allein für Polen ungemein viel versprechen, konstatieren zu können. Eine Gerichtsentscheidung und ihre Bestätigung. Unter dieser Ueberschrift brachten wir in Nr. 19 des „Israelit" einen Bericht aus Palästina über die Beleidigungsklage des Krankenhauses in Afule gegen Herrn Schapiro und über dessen Verurteilung. Dazu erhalten wir von Herrn Alexander Adler aus dem Zentralbüro Josua und koleiw. Gedomken zum Wochenabschnitt. Von Dr. Max Calvary, Arzt in Berlin. In p nbv,— Vamidbor Kap. 14 Vers 23 — wird uns erzählt, daß Gott den Kundschaftern als Strafe für ihr Verhalten ankündigt, daß sie das heilige Land nicht sehen werden. Der Vers 24 fährt dann fort: „Mein Knecht Koleiw, weil ein anderer Geist mit ihm war, und er in voller Pflichterfüllung mir folgte, ihn werde Ich bringen in das Land, wohin er kommen wird, und seinen Nachkommen wird er Erbe lassen." Die Frage liegt auf der Hand: Wieso wird hier nur Koleiw ausgenommen von dem Schicksal der Kundschafter; ist nicht auch Josua ins heilige Land eingezogen, und dies sogar als Nachfolger unseres Lehrers Moses, als Führer des Volkes? Im pan meines Großvaters*) finde ich diese Frage aufgeworfen und beantwortet. Diese Anmerkung sei zunächst wörtlich wiedergegeben: *) Mein Großvater, Rabbi Mofcheh Ealvary war bevorzugter Schüler von Rabbi Atiba Eger und hatte mit 21 Jahren die Hathoras Harooh von ihm. Sein Vater Rabbi Jacob war der erste Dajan im Dajanat von Rabbi Atiba Eger in Posen. fin1? pi .srpirt’a rri-i »p mm 3^3 i>X8 p~i •'n a d i» iyin -7I0V 83» 810 : *1)28: NP11'31 1’33i>1 : 3^3 7I»33 3103 1"b 8 D'131 1103 1»i n»$> »las d»j3 ib n»n 8^, s?pin»i 8"N ntno o"d*> "811830 3"5 71^71711 8"J7 t]10 a"0 ]»311»J7 5?"1 DD »"PI '»S '9 '$>»0? D81 -131 p 1^> n»n vb'o 13713 131 ioVo m '0171 '3 nV»so v"i Zu dem Verse i"i> 8 o»i3i findet sich die Anmerkung "nwi» iyiii"-5>y i"3 *r» 13103 »m-’x® no y i»:nbi Vgl. auch dazu: Vers 38 ebenda. Wollen wir das Wesentliche dieser Erklärung in deutscher Sprache wiedergeben, so schließt sie aus dem Wortlaut der Thora (4. Buch Mose Kap. 14 Vers 24 und 5. Buch Mose Kap. 1 Vers 36 und 38) auf den Unterschied der Belohnung, den die beiden guten Kundschafter, Koleiw und Josua, von Gott erhielten; — die zehn schlechten Kundschafter mußten sterben, bevor das heilige Land in Besitz genommen war; Koleiw und Josua zogen beide in das heilige Land ein, letzterer sogar als Nachfolger Moses', als Führer des Volkes. — Während aber Koleiw seinen Kindern Erbe im heiligen Lande verteilen konnte, — das Gebiet von Hebron — vergl. Buch Josua Kap. 14, und das Buch der Richter Kap. 1 Vers 20 —, war dieses Glück Josua versagt. — Männliche Nachkommen hatte Josua nicht. — Diese Tatsache wird aus der mündlichen Ueberlieferung, wie sie in den erwähnten drei Traktaten des Talmuds enthalten ist, bewiesen. Ich möchte es versuchen auf Grund der Kenntnis, die uns die Thora von den beiden großen- Persönlichkeiten Josua und Koleiw gibt, die wahrscheinliche Ursache vermutungsweise zu ergründen, die zu der Verschiedenheit ihrer Belohnung und -ihrer Lebenserfolge führte. Ich möchte daraus den Weg suchen, auf dem wir das heilige Erbe der Väter m. G. H. unfern Kindern sichern können. Zehn „schlechten" Kundschaftern, den in ihrer Charakterisierung so gefährlichen innern Feinden unsers | jüdischen Volkes, stehen nur zwei „gute" Kundschafter gegenüber. — Und bfefe beiden werden uns von der Thora als die guten Schutzengel des jüdischen Volkes gezeigt. Gegenüber dieser Gemeinsamkeit -ihres segensreichen Wirkens zeigt uns aber auch die Thora die Verschiedenheit der Motive, aus denen sich ihr frommer Charakter gebildet, die sich daraus ergebende Verschiedenheit ihrer Wirksamkeit, schließlich die Verschiedenheit. ihrer Belohnung. Josua, der Repräsentant der selbstverständlich Frommen.' — Er war geschützt durchdas erfolgreiche Gebet feines Lehrers Mofes: „Gott schütze dich vor den Plänen der Kundschafter" — (vgl. Raschi zu Bamidbor Kap. 13 Vers 17). Koleiw hatte diesen Schutz nicht. — Er mußte seine Festigkeit sich selbst erwerben. — Für ihn kann man das Dichterwort anwenden: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es um es zu besitzen' - Vamidbor Kap. 13 Vers 23 berichtet: „Und sie zogen herauf im Süden, und er kam bis Hebron", wozu Raschi: „Koleiw allein ging dort hin, und er schweifte umher an den Gräbern der Väter, damit er nicht in Versuchung komme seinen Genossen gegenüber, sich zu beteiligen an ihren Plänen." An den Gräbern von Abraham, Isaak und Jakob nahm er in sich das Vertrauen auf Gott auf, und das vom Schöpfer der Welt den Vätern gegebene Wort, daß ihre Nachkommen das heilige Land erhalten werden. Da verlor er alle Furcht, vor dem Lande, das feine Bewohner auffrißt, vor den Niesen, in deren Augen die Israeliten wie kleine Heuschrecken erscheinen. So wurde Koleiw der a k t i v e Führer, der das Volk beruhigte, als die bösen Kundschafter es durch Schreckensnachrichten über das Land an dem Einzug hindern wollten. ~