Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1928)
- Date
- 1928-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M., den 26. siwan 5688 kill Centralorp für das orthodoxe Judentum |[H| W III Begründet von Dr. Ledmann in Mainz. II \ WIHn* I Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 19Aa Deutschland 1 Goldmarl monatlich; Ausland: Vierteliabrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England L sh.; ab 1. Juli Frankreich 28 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 8; Holland 8 sl.; Italien ab 1. l 88.18 Lire; Tugoslawien 83 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 160 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zlotv. Schweiz 6 Fr. Tschecho-Slowakei 38 Kronen; Ungarn Pengö 8 ab I.Juli 1937; Dänemark 3.60 Krön.; Norwegen3.60 Krön.; Schweden 3.80 Krön. Einzelnummer dreißig Eoldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen der Die 76 mm ...Inserate 40 Goldpf. für die fiebengefpalienr eUe. Abonnenten zahlen der Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Df. reite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 SMt, vorletzte Tertseite 2.— Mk.; Thtffregeouar tu Höhe eines vopv. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufende» Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jedem. Vorbehalt. JnseratenannÄkme durch den Verlag des Israelit <8. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenftratze 7, Tel. Hansa 68A sow. durch sämtl. Annoncen-Erved. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. str Franks. Geschäftsanz.: J«l. SchmidtHngestr. 7, II. Tel. Hansa 4641. Platzvorichr. ohne Verbindlich!. direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Matzt) Nr.19802. — Außerdem an: Zürich Nr.'" ^arschäu Nr. 190737. —Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7L4 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt t Bukarest - Filiale' des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements Ein Zubelfest der Gefehestreuen in Baden. Der „Verein zur Wahrung des gesetzestreuen Judentums in Baden" sieht auf seine 25jährige Tätigkeit zurück. Ein Vierteljahrhundert des Kampfes und der emsigen Arbeit darf mit einem Fest abschliehen. Es ist gleichsam ein Erntefest, denn die Tränensaat hat reiche Frucht gebracht. Was den Sieg und den Erfolg zu tiefst bezeichnet, ist die beim Festakt wiederholt betonte Tatsache, daß die Gesetzes treuen in Baden heute einen Mach'tfaktor im Leben der Gemeinde, in Synoste und O b e r r a t bilden, mit dem man unter allen Umständen rechnen muß. Vertrauen und Achtung hat sich der Verein in den 25 Jahren seiner Tätigkeit auch da, wo er nicht auf Liebe rechnen durfte, erworben, und das ist viel. Die Gesetzestreuen, das erkennen heute auch die Liberalen im badischen Ländchen an, bilden das Rückgrat des Judentums, und man sucht sie nach Möglichkeit zu verstehen und zu berücksichtigen. Kampf um das neue Gebetbuch! Die neue Generation versteht ihn nicht mehr, hüben nicht und drüben nicht, und es sind doch kaum zwei Jahrzehnte her, daß der Kampf so wütend getobt hat, als sollte er die letzten Reste jüdischer Zusammengehörigkeit vernichten. Es soll nicht damit gesagt sein, daß der Ziele letzte schon erreicht sind. Roch sind schwere Ausgaben zu lösen und der Verein denkt nicht daran, aus seinen Lorbeeren auszuruhen. Er bleibt auf der Hut, wach und ausschauend. Aber er darf ein Fest feiern, ein Fest des Erfolges, ein Fest der Dankbarkeit. Der Vorabend. Am Mittwoch und Donnerstag, den 6. und 7. Juni, sammelten sich die Gesinnungsgenossen in Mannheim, das seit der Gründung die Residenz des Vereins ist. Zahlreich waren die Gäste auß dem ganzen badischen Lande und den Nachbarstaaten, und die Gemüter in Mannheim selbst waren in Wallung und Feststimmung geraten. Die Veranstaltungen begannen mit einer öffentlichen Kundgebung am Mittwoch abend im vollbesetzten Festsaal der August Lamey-Loge. Hauptredner war Herr Oberrabbiner Dr. Carle b a ch - Altona. Ueber ,,T>ie Religiosität in der Großstadt" referierte er. Mit Wucht und Ueberzegungskraft ertönten seine Worte und fanden Eingang in die Herzen. Als zweiter Redner des großen Abends schilderte der hochverdiente Synodalabgeordnete, Rechtsanwalt S. K a s s e w i tz - Freiburg, das religiöse Leben in Baden während derletzten 25 Jahre. In feinsinniger, klar übersichtlicher Zusammenstellung entrollte er ein Bild der Lage, aus der sich die Notwendigkeit der Vereinsgründung ergab. Die ersten Kampfjahre,'in denen der Verein Schritt für Schritt sich den Boden erkämpfen mußte, schilderte er an Hand von Akten, zeigte das Erreichte und den Weg für die Zukunft. Es gälte jetzt, nachdem die Kampfperiode überwunden ist, unter allgemeiner Achtung und Anerkennung friedliche Aufbauarbeit im Sinne des alten überlieferten Judentums in Stadt und Land zu leisten. Stürmischer Applaus lohnte die beiden Redner. Der Abend war ein großes Erlebnis für die Mannheimer Klausgemeinde und darüber hinaus 'für die jüdische Bevölkerung der Stadt, In den frühen Vormittagsstunden des Donnerstag ging die Generalversammlung vor sich,, auf der^ nach üblichen Begrüßungen und Berichten, in ausgedehnter Diskussion viele Anregungen gemacht und wichtige Beschlüsse gefaßt wurden. Der alte Vorstand wurde wieder gewählt, neu wurde in den Vorstand Herr Rabbiner Dr. Unna gewählt. Es wurde u. a. auf Antrag des Herrn E t t l i n g e r angeregt und beschlossen, Lehrer in den Vorstand hineinzuwählen und auch sonst die Lehrer mehr zur Mitarbeit heranzuziehen. Ausführlichen Bericht über die Generalversammlung behalten wir uns für eine spätere Nummer vor. Der Festakt. Gegen 12 Uhr füllten sich die weiten Räume der August Lamey-Loge zum Festakte, mit dem die Veranstaltungen ihren. Höhepunkt erreichten. Der Chür der Klaus-Synagoge unter Mitwirkung ihres vortrefflichen Kantors, Herrn Epstein, begrüßte die Versammlung mit einem kräftigen und gesanglich schön durchgeführten „Boruch habo". Darauf ergriff der Vorsitzende des Vereins, Herr Eduard Bauer, das Wort zu einer warmen Begrüßung der Festversammlung. Die Gründung vor 25 Jahren, sagte er, hatte mehr den Kampf zum Zwecke, nun aber gilt es mehr der Arbeit, der Hebung der gesetzestreuen Interessen mit den Mitteln des Friedens. Er begrüßte die Behörden und die Organisationen, die ihre Vertreter geschickt hatten. Bei der Erwähnung verdienter Männer, die in den letzten Jahren von dannen gegangen sind (u. et. Rabbiner Schiffer- Karlsruhe, Löwe n ft e i n - Mosbach) erhebt sich die Versammlung zu deren Ehren. Die Zeiten, so konstatiert er zum Schluß, haben sich zum Guten geändert. Es folgt daraus die Festrede des Herrn Rabbiner Dr. U n n a. Er fragt einleitend, ob wir angesichts der Lage drinnen und draußen Anlaß Habens Feste zu feiern. Aber, wie der Sabbat ein Tag der Selbstbesinnung ist, so auch die Feste und auch dieses Fest sei ein Ruhepunkt, von dem Rückblick und Ausblick gehalten wird. Der Verein hatte nicht die Absonderung zur Devise, sondern blieb stets von seinem Verbundensein mit dem Klal durchdrungen. Als Träger der Ueberlieferung, der ungeteilten und unteilbaren Thora sind sich die Gesetzestreuen ihrer hohen Verantwortung für die Gesamtheit bewußt. Dies Gefühl soll durch das Fest noch gestärkt werden. Die Orthodoxie wird heute auch von den Liberalen in ihrer Bedeutung voll anerkannt, darum muß ihr Einfluß im jüdischen Leben immer mehr gestärkt'werden. Wir kennen kein badisches, kein bayrisches, kein deutsches Judentum, wir kennen nur ein Judentum und finden heute mit unseren Bestrebungen überall Verständnis und Entgegenkommen. Die Orthodoxie steht heute in Baden nicht als Bittende, sondern als Fordernde da. Redner besprach ferner die Zukunft der Kleingeme i n d e n und betonte unsere Pflicht gegenüber denselben. Er schließt mit Worten des Segens und der frohen Hoffnung . < Die Reihe der Begrüßungen eröffnete Oberrat Dr. Pfälzer-Weinheim im Aufträge des Badischen Oberrates. Er hat viel freundliche und sympathische Worte der Achtung und Anerkennung für den Verein der Gesetzestreuen und er spricht sie auch im Namen des Oberrates aus, dessen Beziehungen zu den Gesetzestreuen heute ganz andere fickd, als dazumal. Die Zahlen im Budget der Gemeinden und der Synode für religiöse Zwecke zeigen heute im Vergleich zu den früheren Etats den gewaltigen Umschwung zu Gunsten der religiösen Belange. Der Oberrat muß heute mit dem gesetztreuen Teil der Bevölkerung und seinen Wünschen rechnen. Für die K l e i n g e m e i n d e n muß alles geschehen, wiewohl sie in Abnahme begriffen sind, denn man könne nicht wissen, ob nicht wieder ein Zug nach dein Lande einsetzt, der die Landgemeinden von neuem aufleben läßt. Die Voraussetzungen des jüdischen Lebens müssen dort erhalten bzw. geschaffen werden. Das fei mit eine Aufgabe des Vereins. In ähnlich sympathischer Weise spricht sich Herr Dr. Moses im Namen des S y n a g o g e n r a t e s und der Gemeinde Mannheim aus. Mit Stolz betont Redner, daß er als Vorsitzender det Klaussynagoge auch persönlich Gelegenheit habe, für die Interessen der Gesetzestreuen einzutreten. Die Klaussynagoge und die religiösen Institutionen um sie herum seien ein. heiliges Vermächtnis und als solches der Gemeinde zur Betreuung anempfohlen , Auf diese sachlichen Erklärungen folgt ein Gruß in poetischer Form aus dem Munde des Herrn Professor Dr. D a r m st ä d t e r vom Vorstande des