Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1928)
- Date
- 1928-06-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette ö Nr. 23 henverbandes durch die Stimme eines ganz kleinen Verbandes aufgehoben wurde. Ein« Reihe von Beschlüssen wurde von den kleinen Verbänden gegen Preußen und Bayern gefaßt. Als Name des Reichsverbandes wurde nach langwierigen Auseinandersetzungen (Süddeutschland opponierte gegen den zionistisch und «religiös klingenden Titel „Reichsoerband der deutschen Juden") dennoch mit allen gegen drei Stimmen: „Reichsverband der deutschen Juden" gewählt. Die Beschlüsse der Konferenz bedürfen der Billigung der einzelnen Landesverbände. Die Volkspartei stimmte am Schluß gegen den Entwurf, in dem sie ihre demokratischen Ideen nicht verwirklicht sieht. Die Synagogengeweindeu in Ostpreußen. Königsberg, 1. Juni. Am 17. Mai fand die diesjährige Hauptversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens statt, an welcher zahlreiche Vertreter der Synagogengemeinden Ost- und Westpreußens t-eilnahmen. Der Vorsitzende, Justizrat Holz- Königsberg, eröffnete die Versammlung und betonte die hohe Bedeutung des Prooinzialverbandes als Förderer des jüdischen Lebens besonders in den Kleingemeinden und als Bindeglied zwischen den Gemeinden und dem Preußischen Landesverband. Den Geschäftsbericht erstattete Lehrer Wolkowski- Königsberg. Er entwickelte ein Gesamtbild über die Tätigkeit des Verbandes in gemeinsamer Arbeit mit dem Preußischen Landesverband, sprach über den derzeitigen Stand des Judengesetzes, über die Ausgestaltung des Religionsunterrichtes und über die Arbeiten der Schulinspektion und des Schiedsgerichtes. Die Entwickelung der Veamten-Pensions- und Hilfskasse war zufriedenstellend. Die Begründung einer Pensionskasse für alle jüdischen Gemeindebeamten Preußens^ welche die Versorgung nach staatlichen Grundsätzen regeln soll, wird z. Zt. vom Preußischen Landesverband vorbereitet. Schwer zu kämpfen haben das jüdische Altersheim in Allenstein und das Israelitische Waisenhaus in Königsberg. Diese Anstalten sind daher finanziell zu unterstützen. Die jüdische Wanderfürsorge ist organisiert worden, doch haben bisher wenige Gemeinden ihren Beitritt erklärt. Die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der jüdischen Kulturarbeit in den kleinen Gemeinden hat durch Vorträge und daran sich anschließende Ansprachen versucht, jüdisches Leben auch in den kleinsten Gemeinden zu wecken. Die Tätigkeit wird in erhöhtem Maße fortgesetzt werden. Für die Vermittlung von Hilfskantoren für die hohen Feiertage besteht eine Vermittelungsstelle. — Rabbiner Dr. Lewin - Königsberg hielt einen Bortrag über: „Ostpreußische Judennot". Die schwierige Lage Ostpreußens durch seine Abschnürung vom Reich macht sich im ostpreußischen Judentum doppelt schwer bemerkbar. Die wirtschaftliche Not, der Antisemitismus, der Rückgang der jüdischen Bevölkerungsziffer in Ostpreußen unddie zunehmende Mischehe bedrohen den Bestand des ostpreußischen Judentums in der ernstesten Weise. Das jüdische Verantwortungsgefühl der Gemeindebehörden und das jüdische Selbstbewußtsein aller Juden müssen gehoben werden. Nur wenn jeder an seinem Platze dem Judentum gegenüber seine Pflicht erfüllt und sich der drohenden Gefahr bewußt wird, kann eine Besserung erwartet werden. An dem mit großem Interesse und ernstester Aufmerksamkeit aufgenommenen Vortrag schloß sich eine eingehende Aussprache an. — Nach der Mittagspause, welche auf Einladung der Osteroder Gemeinde alle Teilnehmer zu einem gemeinsamen Mahl vereinigt hatte, referierte Prediger Mannheim-Osterode über jüdische Jugendfürsorge. Das Korreferat hielt der als Gast anwesende Rabbiner Dr. R o s e n z w e i g - Schneidemühl. Nach eingehender Debatte über beide mit großem Beifall aufgenommenen! Referate, wird folgende Resolution angenommen: „Aus Grund des Vortrages des Herrn Prediger Mannheim-Osterode und der Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Rofenzweig-Schneidemühl über Jugendfürsorge hält der Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens für dringend notwendig, daß jede Gemeinde im Interesse ihrer eigenen Erhaltung, wie der des Judentums im ganzensich ganz besonders auch der schulentlassenen Jugend annimmt und dabei mithilft, diese zusammenzuschließen. Aufgabe jeder Gemeinde ist es, zu diesem Zwecke einen besonderen Betrag in den Etat einzufetzen." — Ueber Kulturarbeit in den kleineren Gemeinden referiert Dr. R o m m - Der Israelit Allenstein, der über feine Erfahrungen auf diesem Gebiete berichtet. An der Aussprach« beteiligen sich insbesondere Dr. W o l f h e i m und Rabbiner Dr. A p t - Allenstein, Stadtältefter Eichelbaum und Dr. Posn e r -Insterburg, Rabb. Dr. Rosenzweig -Schneidemühl, Rodominski-Gumbinnen, Sigmund Wolfs- und Lehrer W o l k o w s k i - Königsberg. Stadtältester E i ch e l b a u m brachte die Gartenbauschule Ahlem rühmend in Erinnerung und forderte eine stärkere Zuführung der Jugend zum Handwerk. — Zum Verbandsvorsteher wurde Justizrat "Holz- Königsberg einstimmig wiedergewählt. Mit Dankesworten an alle Teilnehmer schloß der Vorsitzende die arbeitsreiche Tagung. Landesverband Preußischer Kynagogengemeinden. - Köln, 4. Juni. Hier fand heute eine Sitzung des Großen Rates des Landesverbandes statt, die im wesentlichen der Stellungnahme zu den Beschlüssen des Verbandstages galt. Die von diesem vorgeschlagenen Verfassungsänderungen wurden nur teilweise akzeptiert, zum anderen Teile abgelehnt oder vertagt. Herr Loeb referierte über die Frage der erhöhten Posten für rituelle Verpflegung in den Kranken- und Pflegeanstalten. Auch wurde über die Errichtung eines Erholungsheimes für Kaufleute mit ritueller Verpflegung gesprochen. Polen. Kongreß der polnischen Antisemiten. Warschau, 30. Mai. Im Lokal der Warschauer antisemitischen Gesellschaft „Rozvoj" wurde in den letzten Tagen der Kongreß der Antisemiten Polens abgehalten. Die Losung des Kongresses lautete: „Kamps gegen die jüdische Gefahr!" Der Geistliche Wirembowsky und der „Rozvoj"-Direktor Zakfzewsky wiesen auf die großen Erfolge hin, die „Rozvoj" im Kampfe gegen das Judentum bereits aufzuweisen hat. Man hat ein spezielles Adreßbuch christlicher Geschäftsinhaber herausgegeben und verbreitet, sowie 200 000 Plakate mit antijüdischen Boykottlosungen ankleben lassen. In 33 Städten wurden christliche Handwerker seßhaft gemacht, die dem jüdischen Handwerk Konkurrenz machen. Der Kongreß wurde mit einer feierlichen antijüdischen Festveranstaltung beendet. — Dir Wirkung dieser gefährlichen Demagogie auf das Volk darf nicht unterschätzt werden. Der polnische Sejm und die ankijüdischen Zarengesehe. Warschau, 1. Juni. Der polnische Sejm verhandelte in seiner letzten Sitzung über den von den jüdischen Deputierten eingebrachten Dringlichkeitsvorschlag betreffend die Außerkraftsetzung der noch aus der Zar-enzeit bestehenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die Juden in Polen. Abg. Hartglas begründete den Dringlichkeitsantrag und wies darauf hin, daß seit dem Wiedererstehen Polens schon der dritte Sejm sich mit diesem Ueberbleibsel aus der Zarenreaktion befassen müsse, ohne daß bisher etwas Wesentliches geschehen sei. Man sollte glauben, daß die im März 1921 von der polnischen Nationalversammlung angenommene Verfassung, die die Gleichheit aller Bürger Polens festftellt, das Bestehen einschränkender Gesetze gegen eine gewisse Schicht polnischer Bürger als unmöglich erscheinen lassensollte. Aber noch heute, 10 Jahre nach Proklamierung der polnischen Unabhängigkeit und sieben Jahre nach Annahme der Verfassung der polnischen Republik, verweigern die Behörden den jüdischen Bürgern verschiedenerlei Rechte und Ansprüche, indem sie sich auf alte russische Verordnungen berufen. Es ist nun an der Zeit, biefert Schandfleck einer dunklen Vergangenheit wegzuwifchen. — Der nationaldemokratische DeputierteVierczok sprach sich gegen die Dringlichkeit des jüdischen Antrages aus. Schließlich wurde der Dringlichkeit mit einer großen Mehrheit gegen die Stimmen der Nationaldemokraten und der Nationalisten zugestimmt. (ITA.) . Belgien. Gemeindewahlen In Antwerpen. s Antwerpen, 4. Juni. Die Gemeindewahlen vom letzten Sonntag brachten einen vollen Sieg derOrthodoxie. Sämtliche Mandate im Konsistorium, wie im Vorstand fielen _ 7. Juni 1928 den Gesetzestreuen zu. Die zivmstisch-misrachistische Opposition ging ohne Mandat aus. Es ist somit nach dreijährigem Kämpfe der Orthodoxie endlich gelungen, die Stellung in der Gemeinde einzunehmen, die ihr gebührt. Schweiz. 6. Tagung des Verbandes israelitischer Religionslehrer und Kantoren in der Schweiz. Luzern, 28. Mai. Am 27. Mai hielt der Israelitische Lehrer- und Kantorenverband im Gemeindes-aal zu Luzern feine 6. Tagung ab. Vertreten .waren 15 Kultusgemeinden aus allen Teilen der deutschen und welschen Schweiz, darunter Rabbiner, Lehrer und Kantoren. Nach Erledigung der für den Vormittag vorgesehenen Traktantenliste und Entgegennahme des Geschäftsberichtes vom Präsidenten Rosenthal, wie auch Erörterung rein pädagogischer Fragen in Anlehnung an die besonderen Verhältnisse in der Schweiz, Vereinigte " sich die ganze Korona in der Pension Rosenblätt zum gemeinsamen Mittagsmahl, das durch geistreiche Thoraworte zu einer wahren Szuda schel Mizwa sich gestaltete. In der Nachmittagssitzung hielt M e sfinge r-Bern ein Referat über Pflege und Entwicklung des G e m e i n d e g e s a n g e s zwecks Hebung der 'Kawana beim Gottesdienst. Redner fordert die Pflege des liturgischen Gesanges in der Religionsschule und dessen Ausnahme im Lehrplan als ständiges Lehrfach. Selbstverständlich soll hierdurch der Kunstchor, wo er in Großgemeinden wirklich besteht ,nicht beseitigt werden. Wo aber die Gemeinde refpondierend einzusetzen hat, da soll der Chor zurücktreten, oder die Gemeinde unterstützen. Auch soll der G e m e i n d-eg e sa n g womöglich für das ganze Land mehr und mehr o e r e i n h e i t - licht werden. Selbstredend muß die Auslese der Gesänge ganz den traditionellen Sangesweifen entsprechen und auch müssen sie in der Vertonung den Sinn der Gebete zum Ausdruck bringen. Nach lebhafter Diskussion wurde eine fünfgliedrige Kommission gewählt, die auf der nächsten Tagung hierüber Bericht zu erstatten hat. Zum Schluß hielt Fröhlich-B-aden ein sehr packendes Referat über das „Le r neu", in dem allein unsere Erneuerung als Träger des jüdischen Gedankens zu suchen und zu finden ist. England. Jahresversammlung der Adas Jsroel-Gemeinde. London, 27. Mai. Die Jahresversammlung der Adaß Jisroel-Gemeinde fand unter dem Vorsitz des Herrn S. Fleischmann statt. Der Jahresbericht stellt fest, daß die Tätigkeit der Gemeinde sich über ihre unmittelbare Nachbarschaft hinaus ausgedehnt hat, und daß sie nach jeder Richtung hin versucht, die Interessen des orthodoxen Judentums wahrzunehmen. Die von der Gemeinde gegründete „Union o rtho doxer Kon g r-egati o neu " umfaßt acht Synagogen mit über tausend Mitgliedern- Der Vorstand war daraus bedacht, die Versuche abzuwehren, die in der Berichtsperiod-e gegen die Unabhängigkeit der Orthodoxie hinsichtlich der Schechita unternommen wurden. Einstimmig angenommen wurde nach kurzer Aussprache folgende von den Herren Dr. Bernard Homa und A. H. Goodman eingebrachte Resolution: „Die Versammlung nimmt mit ernster Besorgnis von den Versuchen Kenntnis-, dem Chiefrabbi ein Monopol auf Autorisierung der Schochtim zu verleihen und spricht die Hoffnung aus, daß alles Mögliche unternommen werde, um zu einem alle Parteien befriedigenden Einverständnis zu gelangen." Das Budget sieht Lst. 2000.— für fyn-agogale Zwecke, Lst. 500.— für Religionsunterricht, Lst. 400.— für Gemiluth Cheffed-Angelegenheiten! und Lst. 250.— für die Mikwa vor. Gewählt wurden zum Vorsitzenden Mr. FI e ischm a n n , zum stellvertretenden Vorsitzenden Mr. Lunzer und zum Schatzmeister Mr. B a r d. Starkem Interesse begegneten die-Vertreterwahlen zum Board o f D e p u t i e s. Das Ergebnis war die Wahl der Herren M. Goldstein, A. H. Goodman und I. K e st e n b a u m.. Mr. Goodman erhielt dreimal so Mel Stimmen wie seine zionistischen Gegenkandidaten, und zum ersten Mal tritt ein organisierter Agudist in den Board of Deputies -ein. Die Adaß Jisroel bleibt nach wie vor die einzig wirklich unabhängige orthodoxe Gemeinde in Großbri-