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Der Israelit · 1928-06-07 · Heft 23 (7.6.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 23 (7.6.1928)
Date
1928-06-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2i Seite 5 ^.'Iuni 1928 __ neu, desto größer dünken sie sich. . Oberrabbiner Ä. M. Steinberg entstammt einer alten Brodyer Familie, er selbst ist in Sereth iri der Bukowina geboren, wo er auch seine erste Jugend verbrachte. Schon als Kind zeichnete er sich durch besondere Geistesschärfe und Fleiß aus und schon in jungen Jahren wurde er als großer Gelehrter gefeiert. Nach seiner Eheschließung leitete er zunächst in seiner Daiterstadt Sereth jahrelang eine große Jeschiwah. Sein erstes Rabbinat war Sniatyn in Ostgalizien, wo er mehrere Jahrzehnte hindurch wirkte. Im Jahre 5667 übernahm er das altehrwürdige Rabbinat in Brody, wohin er auf Drängen seiner Gemeinde, nach Wiederkehr normaler Verhältnisse, aus Wien zurückkehrte.. Es ist selbstverständlich, daß der Oberrabbiner von Brody, dank feiner zahlreichen Schüler, wie seiner anerkannten Autorität, von allen Weltteilen mit Anfragen ausgesucht wurde. Ern> Teil seiner Responsen ist vor einem Jahre unter dem Namen »omax mna» erschienen. Die übrigen Werke von Oberrabbiner Steinberg, darunter^ ein umfangreicher Kommentar zum nvv trotT' harren noch der Veröffentlichung. Oberrabbiner Steinberg begnügte sich aber nicht nur mit seiner rabbinischen und Gelehrtenarbeit. Mit wachsamem Auge verfolgte er die Vorgänge im jüdischen Leben und gegen die wachsende Entfremdung von Thora und Tradition sah er in der Agudas Jisroel einen guten und bewährten Helfer entstehen. Er war von Gründung an Mitglied des Rabbinischen Rates, der Landesor- Zanisation der Agudas Jisroel in Galizien und später in Wien, wo er mit Rat und Tat an den Arbeiten der Aguda teilnahm. Nun ist dieser Große in Israel nicht mehr! Mit seiner Familie und Gemeinde trauert ganz Israel um ihn. rrnxin- Korrespondenzen Nachrichten. Deutsches Reich. Jahresversammlung des Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland. Berlin, 1. Juni. Am 29. und 30. Mai fand in Berlin die Jahresversammlung des Allgemeinen R a b b i nerverbau d e s in Deutschland, an der zahlreiche deutschen Rabbiner und auch mehrere Rabbiner aus den Nachbarländern teilnahmen, unter Leitung seines Vorsitzenden Rabbiner Dr. Baeck statt. Die nichtöffentliche Sitzung am ersten Tage diente der Erstattung und Besprechung des Geschäftsberichts. Der zweite Tag, dessen Verhandlungen Vertreter der großen jüdischen Gesamtorganisationen beiwohnten, hatte zum > Thema: „Die Forderungen des Judentums für die Gestaltung des Lebens". Nach einer einleitenden Rede des Vorsitzenden über Recht und Pflicht des Rabbiners, zu den großen sozialen Fragen Stellung zu nehmen, und nach Ansprachen von -Pros. Türk im Namen, des Preußischen Landesverbam des jüdischer Gemeinden, von Direktor Kareski im ffla*] men der jüdischen Gemeinde Berlin und von Dozent Dr. Lewkowitz im Namen der theologischen Bildungsanstalten wurden die Referate erstattet: Ueber Wirtschastsethik sprachen Lewkowitz-Berlm und Archur Lewy- Berlin, über Bodenreform Salzberger-Frankfurt a. M., über Bevölkerungspolitik Eschelbacher-Düsseldorf. Die Diskussion, die mehrere Stunden in Anspruch nahm, erstreckte sich auf alle Seiten dieser Probleme. Für Bulgarien. Berlin, 1. Juni. Der Hilfsoerein der deutschen Juden erläßt einen Ausruf für die bulgarischen Juden, die durch das Erdbeben vom 14. und 18. April schwer heimgesucht wurden. In Philippopel, Tschirpan, - Bazardjik, im ganzen Marizagebiet, hausen die Opfer der Katastrophe im Freien. Mrr.^DritM.^dev- -jüdischen" Bevölkerung. Bulgariens Hft obdachlos und erwerbslos geworden. Die Regierung Der Israelit und die jüdischen Gemeinden Bulgariens bieten alles auf, um dem furchtbaren Elend abzuhelfen. Die hereingebrochene Not übersteigt aber die Kraft des Landes. Neben der unmittelbaren Notstandsaktion für die obdachlosen Familien, die Hungernden und Frierenden, die Tausende herumirrender Kinder, die in Baracken zusammengepserchten Verwundeten und die an epidemisch ausgebrochenem Scharlach und Typhus Darniederliegenden, besteht eine nicht weniger dringende Ausgabe, die vernichteten Existenzen wieder auszurichten. Es tut not, die Wohnstätten, die Krankenhäuser, die Schulen und die Synagogen wieder aufzubauen und vor allem, Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Die bulgarischen Juden haben sich in ihrer großen Sorge an den Hilssverein der deutschen Juden gewandt. Sie haben die Hilfe ausländischer jüdischer Gemeinden bisher nie beansprucht. In ihrer Notlage glauben sie jetzt die Sympathien und die Hilfsbereitschaft der deutschen Juden anrufen zu dürfen. Der Hilfsverein wendet Me Woche. Berlin. Ab 6. Juni ds. Js. befindet sich das Büro des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Berlin>-Charlottenburg 2, Kanrstr. 158 (Fernsprecher: Bismarck 6071/72). Als Untermieter hat der Landesverband die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden ausgenommen, die voraussichtlich am 1. Juli die neuen Räume beziehen wird. — Die ITA. weiß zu berichten, daß sich unter der 16 Mann starten, von General Nobile geführten Expedition em sehr bekannter italienisch-jüdischer Gelehrter befindet: der Ingenieur-Professor Aldo Pontremolt von der Polytechnischen Hochschule in Mailand. Pontremou ist ein führendes Mitglied der Mailänder ^udlschen Gemeinde. Leipzig. In Leipzig ist der hervorragende Alttestamentler, Geheimer Äonsistorialrai Prof. Wilhelm N o w a ck im Atrer von 78 Jahren gestorben. Sein wichtig? stes wissenschaftliches Vermächtnis ist das zwetoändige Lehrbuch der hebräischen A r ch ä o l o g i e, das im Jahre 1894 erschienen ist. Prag. Herr Oberrabbiner Dr. Brody feierte nicht, wte in der vorigen Nummer infolge eines Satzfehlers gemeldet, seinen 70., sondern ' erst seinen 6 0. Geburtstag. Wien. Rabbiner Dr. Salomon Funk, ein Gelehrter von Ruf, Angehöriger des Wiener Rabbinates und konservativer Rabbiner des Pahmanitentempels in Wlen, ist nach längerem Leiden im Alter von 63 Jahren gestorben. Buenos Aires.' Hier wurde nach dreitägiger Verhandlung eine La n d e s o r g a n i s a t i o n für jüdisch e Einwanderung in Argentinien geschaffen. Jerusalem. Elf jüdische Kommunisten, die zu Gefängnisstrafen und Landesverwelsung verurteilt wurden, begannen als Protest gegen brutale Behandlung einen Hungerstreik. Inzwischen hat das Jaffaer Gericht zwei weitere Juden wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe zu zwei Monaten Gefängnis und Landesverweisung verurteilt. Moskau. Der Romner Schochet, Moses G u r - A r j e, wurde unter der Beschuldigung, in einem Bethause einen geheimen Cheder unterhalten zu haben, zu fünf Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Wegen Beihilfe wurde der greise Synagogendiener Gorni zu der gleichen Strafe, aber mit B e - w ä h r u n g s s r i st verurteilt. . Wird er sich bewähren? . . . Belgrad. Der jüdische Gemeindebund hat ein neues Gesetz betreffend die - jüdische Konfeffivnausgearbeitet und den Ent- - " warf dem Kultusmimftenium unterbreitet; es wird demnächst dem Parlamente zur Beratung zugehen. sich an die deutsche Judenheit mit der Bitte, die Rettungsaktion für die bulgarischen Juden nach Kräften zu stützen. Spenden sind mit der Bezeichnung: „Für das Bulgarienhilfswerk des Hilfsvereins der deutschen Juden" an die Deutsche Bank, Dep.-Kasse C, Berlin W. 9, Potsdamerstr. 127/128 oder an das Postscheckamt Berlin^ Konto Nr. 331 26, zu überweisen. Reichsverband der deutschen Juden. Köln, 4. Juni. Am Sonntag den 3. Juni begann in Köln eine Beratung der von den Landesverbänden^ jüdischer Gemeinden in Deutschland eingesetzten Kommission zur Schaffung einer/ Neichsorganisatson. Cs gilt die auf der Nürnberger Tagung begonnene Arbeit zu Ende zu führen. Die für den gleichen Tag einberufene provisorische Arbeitsgemeinschaft, die im Wesentlichen über Fragen der Lehrerausbildung und die Schächtsrage beraten sollte, kam infolge der bis in die Nacht hinein Lauernden Beratungen nicht mehr zum Arbeiten. Die Kommission selbst war genötigt, einen Teil der Tagung auf den Montag zu verlegen. Zurück bliebendie Beschlußfassung über den Namen der Reichsörganisation, die Möglichkeit von Verfassungsänderungen und die Bestimmungen über die finanzielle Umlage. Zu Beginn der Sitzung betonten die Vertreter der Jüdischen Volkspartei noch einmal, daß die Volkspartei in Uebereinsiimmung mit weiten Kreisen auch der Liberalen die in Nürnberg gefaßten Beschlüsse über die Form des Reichsverbandes nicht billigen könne. Sie fordere einen von Anfang an demokratisch organisierten Reichsoerband, der nicht aus den einzelnen Landesverbänden, sondern unmittelbar aus den Gemeinden hervorgehen und dessen Organe nach einem demokratischen Wahlrecht gewählt werden sollen. Demgegenüber erklärte Oberlandesgerichtsrat Neumeyer-München im Namen der süddeutschen Verbände, daß diese den Beschluß gefaßt hätten, dem Reichsverbande nur dann beizutreten, wenn die Form des Dachverbandes beibehalten würde. Es wurde beschlossen, die prinzipiellen Auseinandersetzungen dadurch zu unterbinden, daß nur die Fortsetzung der in Nürnberg begonnenen Beratung über die einzelnen Bestimmungen des Entwurfes Neumeyer, der bereits die Billigung, der süddeutschen Verbände gefunden hat. zugelassen werde. Im Gegensatz zu einem Nürnberger Beschluß wurde gemäß dem Nürnberger Antrag Dr. Klee hier beschlossen, daß jeder Landesverband mindestens eine Stimme im Rate der Reichsorganisation haben solle. Demnach werden im Rate die einzelnen Länder folgende Anzahl von Stimmen haben: Bayern 5, Sachsen 3, Württemberg 2, Baden 3, Hamburg 2, Thüringen 1, Hessen 2, Mecklenburg 1, Oldenburg 1, Braunschweig 1, Anhalt 1, Lübeck 1, Bremen 1, Lippe 1; außerdem der Deutsch-Israelitische Gemeindebund 2, die Zentralwohlfahrtsstelle 1, die Rabbiner-, Kantoren- und Lehrerverbände 5 Vertreter. Die nichtpreußischen Verbände entsenden somit 25, Preußen (gemäß dem Nürnberger Beschlüsse, daß es nicht mehr als im Verhältnis 50 Proz. minus 1 vertreten sein dürfe) 24 Vertreter. Der Rat der Reichsorganisation wird von den Ratsgremien der Landesverbände gewählt werden. Entgegen einem früheren Beschluß, demzufolge die Rabbiner- und Lehreroertreter den beiden religiösen Hauptrichtungen angehören müßten, wurde auf Antrag Dr. Kollenscher beschlossen, daß diese Bestimmung in Zukunft sortfallen müsse. Es ergäbe sich z. V. die Notwendigkeit gegebenenfalls auch einen Vertreter der Mittelpartei zuzulassen. Von grundlegender Wichtigkeit war die Beschlußfassung über die Zusammensetzung der Reichstagung. Beantragt wurde, daß die Mitglieder der Tagung überall dort, wo aus Urwahlen heroorgegangene Landesversammlungen existieren, von diesen nach den Grundsätzen des Proportionalwahlrechts gewählt werden; wo solche demokratischen Wahlen nicht stattfinden, seien Urwahlen auszuschreiben. Die Vertreter Sachsens und Hessens erklärten, daß sie, falls ein solcher Beschluß gefaßt würde, dem Reichsverband nicht beitreten würden. Eine solche Ausschreibung von Urwahlen würde in Sachsen Rückwirkung haben auf die Wahlen zu den Gemeinden, die getrennt nach Inländerun Ausländerkurren, wobei die Jnländerkurie trotz geringerer Anzahl der Mitglieder mehr Mandate zu besetzen hat, stattfinden. Gegen diese Auffassung polemisierte der Volksparteiler Dr. Sandler, der jede Beschränkung der Ostjuden alsin Widerspruch zu den Tendenzen, auf denen sich der Zusammenschluß aller Juden in Deutschland ausbauen müsse, erklärte. Schließlich wurde eine Uebergangsbestimmung angenommen, nach der die Abgeordneten der beiden genannten Verbände für die erste Wahlperiode durch die Verwaltungsbehörden der beiden Landesverbände zu ernennen sind. Darüber hinaus wurde beschlossen, daß der Rat 12 Mitglieder der Tagung von sich aus berufen dürfe, die als sogenannte „Kulturträger" bezeichnet wurden. Es sollen dies Vertreter der theologischen Lehranstalten, der Zentralwohlfahrtsstelle, der Kantoren- und Lehrerverbände und anderer nichtpolitifcher Reichsorganisationen sein. Sämtliche Beschlüsse wurden in einer Abstimmung, bei der jeder Landesverband eine Stimme führte, gefaßt. Es ergab sich häufig, daß die Stimmabgabe des Preu-

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