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Der Israelit · 1928-06-07 · Heft 23 (7.6.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 23 (7.6.1928)
Date
1928-06-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 23_ sten Handlungen selber gewinnen ihre Bedeutung lediglich dadurch, daß sie ihrerseits wiederum Gottesfurcht erzeugen." In der Vollbringung dieser Taten keimt die Gottesfurcht im Herzen des Menschen und dieser kleine Keim ist die eigentliche, die gewollte Frucht alles Handelns. Von allen guten Taten, die der Mensch einsät in. den Lauf des Geschehens, ist die Gottesfurcht die Erstlingsfrucht der Ernte. - , Und woher wissen wir das? Wenn wir die Worte betrachten, die die Thora über die jüdischen Hebammen in Aegypten schreibt, die schlichten Worte, mit denen sie den Ruhm dieser Frauen singt, dann erkennen wir den großen Gedanken. Wir lesen in der Thora: „Da war es, als die Hebammen Gott fürchteten, da ließ er ihnen Häuser erstehen." Raschi bemerkt hierzu: „Häuser der Priesterschaft, des Levitentums und des Königtums, die man recht eigentlich Häuser nennt." Und nun vergegenwärtige man sich, was diese Frauen eigentlich getan haben. Die Thora hat ja schon vorher ihnen das Zeugnis ihres großen gewaltigen Opfermutes ausgestellt. Gegenüber dem unzweideutigen Befehl des Königs, die zur Welt kommenden Kinder schon vor der Geburt zu töten, fürchteten die Hebammen Gott und erhielten die Kinder am Leben, Sie gaben ihr eigenes Leben der Gefahr des Todes preis, um die jüdischen Kinder zu retten und es gelange ihnen dem ganzen jüdischen Volke Retterinnen zu werden. Und dennoch — in dem Augenblicke, da die Thora ihren Ruhm erzählen will, da sie.uns sagen möchte, womit sie sich den herrlichen Lohn verdienten, alle auserwählten Häuser in Israel, Priester, Leviten und Könige, als Frucht ihres Verdienstes betrachten zu dürfen, da weiß uns diese Thora nichts«nderesvonihnenzu erzählen, als n ütt das eine: daß sie „Gott fürchteten". Woraus sich mit logischer Konsequenz der Schluß ergibt, daß die Größe der Gottesfurcht nicht in ihrer Eigenschaft als Erzeugerin guter Taten liegt, sondern, daß umgekehrt, die eigentliche Größe aller guten Taten in dem Strahl an Gottesfurcht gegründet ist, der durch die Tat hindurch schimmert, und der Heilige, gelobt sei Er, hat an der ganzen Welt menschlichen Vollbringens nur so viel Anteil als Keimzellen der Gottesfurcht in dieses Vollbringen geborgen liegen. Es lohnt zu ergründen, warum nun diese leichte Regung der Gottesfurcht die Taten selber aufwiegt. Wir lassen uns zu einem Gefühle des Respektes vor den Taten der Menschen oft nur deshalb verleiten, weil wir nicht richtig erkennen, wie schwächlich und unnütz so viele diese Taten sind. Hätten wir davon eine klare Erkenntnis, so würden wir einsehen, daß der Wert dieser Taten wirklich nicht in ihrem äußeren Nutzen liegt, sondern lediglich in der Gottesfurcht, die sie erzeugen. Wenn wir das Werk der Hebammen an und für sich betrachten, so scheint es auf den ersten Blick, als ob sie wirklich die jüdischen Kinder gerettet hätten. Wenn wir aber genauer Zusehen, so erkennen wir, daß bei all dem Großen, das sie gewirkt, doch ein praktischesErgebnis ihres Handelns nicht übrig blieb. Gewiß — sie erhielten die Kinder zunächst einmal am Leben, aber Pharao ließ sich deshalb keines Besseren belehren und befahl seinem ganzen Volke: Jeden neugeborenen Sohn sollte es ins Wasser werfen. Nach den Worten unserer Weisen war seine ganze Absicht nur darauf ge- D e r 8raeltt richtet, auf alle Fälle den künftigen Erlöser des jüdischen Volkes dem Untergang zu weihen und damit die Rettung Israels zu vereiteln. Und wenn nun die Hebammen' auch die Kinder und unter ihnen auch unseren Lehrer Mosche retteten, was nützte diese Rettung, nachdem ja die eigene Mutter gezwungen war, das Kind selber am Strome-auszusetzen, so daß Pharao sein Vorhaben verwirklichte. Gott aber ließ für Israel Rettung nicht von anderer Seite erstehen, sondern, aus der Wunde selber bereitete et den Balsam/ Auf dem Wege gerade, auf dem Pharao den Retter Israels vernichten wollte, ließ ihn Gott zum Leben erstehen und durch niemanden anders als durch die Tochter des Vernichters. Ja er selbst mußte ihn in seinem Hause großziehen und mit königlichen Ehren überhäufen. Hier sehen wir sinnfällig, daß die bewußten Handlungen der Menschen nichts bedeuten gegenüber der Erreichung des Zieles, das zu erreichen sie sich vorgenommen haben. Und Gott läßt diese menschlichen Handlungen nur zu, damitaufdiesem Wege dasHerzdes Menschen von Gottesfurcht erfüllt werde. Der Grundgedanke ist in dieser Hinsicht folgender: Der Mensch ist verpflichtet, zum Heile seines Nächsten und der Gesamtheit alle möglichen Taten zu vollbringen, die größten und die schwersten, er ist verpflichtet, diese Taten mit einer absoluten Hingebung zu vollbringen, gleichalsob an ihnentatsächlichdas Heil hinge. Aber er darf dabei niemals vergessen, daß der wahre Zweck alles Handelns nichts weiter ist als sein eigener Fortschritt auf dem Höhenwege der Gottesfurcht. Auch wenn ein Mensch erfolgreich ist in seiner Tat, und es ist ihm vergönnt, das von ihm er-, strebte Heil in der Tat herbeizuführen, darf er sich dadurch nicht beeinflussen lassen und sich nichts darauf zugute tun. Vergessen, völlig vergessen muß er alles, was er selber geleistet und sich durchdringen mit dem Gedanken, daß seine Handlungen weder das Heil herbeigeführt, noch es in irgend einer Weise mitgefördert haben. Der Vollbringende selber ist verpflichtet, völlig aufzugehen in die bescheidene Menge und sich lediglich erfüllen zu lassen von dem Gedanken der Gottesmacht und der Fülle seiner Liebe. Das Ziel solcher Erkenntnis ist dann die Erhöhung der eigenen Gottesfurcht. In Wahrheit ist Nicht nur der Fortschritt in der Gottesfurcht Hauptzweck alles menschlichen Tuns, sondern auch die Gotteshilfe selber hat wieder nur das Ziel, die Gottesfurcht in den Herzen der Menschen aufsprießen zu lassen. Auch das können wir aus unserem Thoraabschnitt erkennen. Unsere Weisen lehrten bekanntlich, daß.Mosche Rabberrn zehn Namen führte, der Sinn dieser Namen ist allgemein bekannt. Alle Narben,' die unsere Weisen aufzählen/ insbesondere diejenigen der Väter und der Propheten sind keine bloßen Rufnamen, sondern solche Hamen,: dwdi^ Größe ihres Trägers der Welt verkünden. Wenn unsere Weisen also sägten,' daß Mosche Rabbenu zehn Namen'führte, sw bedeutet das, daß die ganze Mesensgröße Mosches in diesen Namen niedergelegt ist. Um das einigermaßen zu begreifen, genüge der Hinweis auf den Beinamen Iered, den Mosche führte, weil er „die Tafeln vom Berg herniederbrachte," oder weil „Gott zu ihm herabstieg auf den Berg Sinai." Somit lehrt dieser Name, daß er an Größe alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden überragte. Hätte demgemäß nicht die Thora für die ständige Bezeichnung Mosche Rabbenus denjenigen seiner-Namen wählen sollen, der am deut- 7. Juni 1926 lichsten die Ehre Mosche Rabbenus verkündet? Wäre nicht einer,dieser Namen natürlicher, als der Namen, den die Tochter Phar aos d em kleinen f naben be i l e g t e? Und warum ist es gerade dennoch dieser -Name, unter dem der Lehrer des jüdischen Volkes ewig lebendig blieb? Warum hat die Thorarolle alle Ehrennamen verschwinden lassen und den Namen „Mosche" festgehalten? Daran sehen wir, wie gerade^ dieser Name von Ghttes Liebe 'gehegt wird. Wenn alle anderen. Namen die Größe Mosches verkünden, d i e s e r Name verkündet die Größe Gottes, denn er bezeugt, daß das Heil Israels nicht durch einen Menschen kam, sondern allein durch Gott. Dieser Name ist es, der darum in den Herzen der Söhne Israels das Gedächtnis der Gottestaten an Mosche und s e i n e m V o l k e festhält, der die Gottesfurcht weckt und erhöht. Lernen wir daran, wie alles» was unter der Sonne geschieht, nicht nur die: Nichtigkeiten des Alltags, sondern auch das Größte und Erhabenste, das auf der Höhe dev Welt steht, seinen Anfang und sein Ende nun findet allein. ind er G 01 te sfurcht. Rabbi Abraham Mendel Steinberg 7"xr- In patriarchalischem Atter von nahezu neunzig Jahren ist der Oberrabbiner von V r o b x) Rabbi A. M. Steinberg, dieser letzte Gaon, dev noch aus einer thorareichen Zeit in unsere arme Gegenwart hinüberragte, eines der hervorragendsten Mitglieder des Rabbimschen Rates der „ A g u das Iisroel " , wie bereits gemeldet, uns Sonntag den 1. Jjar entrissen worden. Wie die meisten galizischen Rabbiner, war auch er infolge der Kriegswirren gezwungen, feine Heimatstadt zu verlassen und das Flüchtlingslos mit Tausenden seiner gehetzten Glaubensbrüder zu teilen. Oberrabbiner Steinberg kam nach Wien, wo ihm ein verhältnismäßig sorgenfreies Leben beschieden war, so daß er seine gewohnte Tätigkeit, Lehren und Lernen, fortsetzen konnte. Er sammelte eine Schar älterer und jüngerer Schüler um sich, mit denen der große Gaon, ungeachtet der Last der Jahre, mit beispiellosem Fleiß und restloser Hingabe lernte. Folgende Episode kennzeichnet seine Hingabe an: die Thora: Während seines Wiener Aufenthalteswurde er einmal von einem Augenübel befallen^ das ihm vier Tage hindurch das Lernen mit Schülern und überhaupt die Benützung eines Buches unmöglich machte. Tief bedrückt beklagte er sich bei seinem Freund, Rabbi Meier Avak dem damaligen Buczaczer Raw, daß er fürchte, ein Am Haarez zu werden . Tags darauf hielt der Buczaczer Raw feinen.Schülern eine tief ergreifende Musiarredze. „Der'alte Gaon", sprach er zu seinen Schülern, ,cher Brodyer- Raw, cher seit Jahrzehnten Tag und : Nacht Thora lernt und lehrt, fstrchtet ein Am Haarez zu-«werden, wenn er vier^TagchtziM.Hn,M-°.Sefer.schauen;;kann— und die' Kleinen) je Men er und weniger sie ler- Wochenkalender. o. 9. — 16. Siitti 1928. - v. 21. 28. Siwan 5688/ Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstaa 9 st'v 21 rt ' 10 22 11 23 * Jun 12 24 13 25 14 26 15 27 16 28 'i 'i pns 4 Uhr 51 MI „Ä 0 'i 'n jns derM^me

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