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Der Israelit · 1928-06-07 · Heft 23 (7.6.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 23 (7.6.1928)
Date
1928-06-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der 3 s t a t 1 t t 'Nr. 23 Seile 3 7, Juni 1928 hinziehen. Diesen gährenden Zustand betrachtete nun der Schreiber dieser Zeilen als eine passende Gelegenheit dafür, um in dem Organe') jener Bewegung in der Form eines offenen Briefes eine Aufforderung an die status quo-Gemeinden des Landes zu richten. Nür.! folge hier das Wesentlichste jener Aufforderung: „Ein status Huo-Judentum gibt e s nicht! Diese Bewegung ist ein Aushängeschild, worunter auch die schärfsten Gegensätze nebeneinander Platz finden. Es gibt ein gesetzestreues, orthodoxes Judentum, ^d. h. ein solches Judentum, welches auf die Anerkennung des göttlichen Ursprunges und der verpflichtenden Kraft der schriftlichen und mündlichen Lehre sich gründet, welches Judentum mit einem Worte die verpflichtende Kraft des Schulchan A r u ch anerkennt. Und dann gibt es wiederum ein neologes Judentum, welches auf dem Gebiete der jüdisches theologischen Wissenschaft von dem Standpunkte den Verleugnung des göttlichen Ursprunges der schriftlichen und mündlichen Lehre ausgeht, und zu, diesem Ausgangspunkte entsprechenden radikalen bibel- und traditionskritischen Resultaten gelangt, auf dem praktischen Gebiete wieder — seiner theologischen Auffassung gemäß — ganz auf dieselbe Weise mit dem Schulchan Aruch umgeht, wie das spielende Kinde mit feinem Ball, den es bald hin- und bald herschleudert. Diese meine Behauptung ist kein eigenwilliges Axiom, — Gott gäbe es, daß es so wäre! — sondern vielmehr eine aus der Erfahrung sich ergebende historische Wahrheit. Die status quo-Gemeinden hingegen schweben zwischen Himmel und Erde, wie der Sarg Mohameds. Der eine Teil unter denselben öffnet die Tore auch den alleräußersten Neuerungen und hat Geistliche, die dem allerradikalsten bibelkritischen Standpunkte huldigen. Sind doch auch die A r a der und Fünfkirchen er Reformgemeinden satus quo-Gemeinden?) 1 Ein anderer Teil der. status quo-Gemeinden verfügt in der Gegenwart noch über dem Schulchan Aruch entsprechende Institutionen und Beamte. Ihre Rübbinen wählen sie aus den Zöglingen der Preßburger nnw Wir verweisen z. V. auf die status Huo-Gemeinden in Tyrnau, Debrezin/) Wagneustadt?) Die Benennung status quo ist also ein breiter Mantel, worunter alles Platz findet. Arad -) Es war dies das Blatt „Vallas", (Religion). 3) So war es bis vor einigen Jahren. 4) Heute schon nicht. 3) Wiefrüher. und Tyrnau, Wagneustadt und Fünfkirchen! Aber eben deshalb hat sich dieses Wort, diese Benennung bereits überlebt. - An diesen trüben Zuständen müßte geändert werden. Von vierzig Jahren konnte es noch einige Männer geben, die bona fide glaubten, daß der Name „status quo" das wunderbare Zauberelixir sein werde, welche das in zwei mächtige Parteien gespaltene ungarische Israel wieder vereinigen wird. Aber die traurigen Erfahrungen von vier Jahrzehnten belehren den abgeklärt denkenden Sachverständigen, einerlei ob derselbe orthodox oder neolog ist, daß eine solche Erwartung Utopie sei! Es ist eine bare Unmöglichkeit! Denn — einerlei ob wir es eingestehen oder die Politik des Vogels Strauß befolgen wollten — ein jeder nüchtern denkende Mensch muß es einsehen, daß eine unüberbrückbare Kluft zwischen dem an die 13^ Glaubenspunkte des 'in festglaubenden orthodoxen Rabbiner und dem aus jener Pester Anstalt hervorgegangenen Ideologen Rabbiner gähnt, in welcher Anstalt ein Professor Goldzieher, der Vf. .des Werkes „Der Mythos bei den Hebräern", den für die Weltanschauung des künftigen Rabbiners so wichtigen Lehrgegenstand der Religionsphilosophie vorträgt. Diese unüberbrückbare „dogmatische" Kluft (von den praktischen Unterschieden gar nicht zu sprechen) kann man mit keinerlei entomVtP -Rufen zum Verschwinden bringen. H i e x m u ß man wählen! „Reinliche Scheidung" — sei das Losungswort! Diejenigen status quo-Gemeinden, die sich auf der Grundlage des Schulchan Aruch konstituierten und die aus der Preßburger nw hervorgegangene, sich zu den Prinzipien des Schulchan Aruch bekennende Männer als Rabbiner haben, müssen in die orthodoxe Landesorganisation eintreten, während die mit dem Namen „status quo" ihren Schwindel treibenden neologen Gemeinden, wie diejenigen in Arad und Fünfkirchen, in der Nähe der Pestex und Szegediner Kongreßgemeinden ihren wohlverdienten Platz haben. Früher oder später wird es auch so sein. Und eben deshalb müßten — nach meinem bescheidenen Dafürhalten — die in konservativen status quo-Gemeinden wirkenden Rabbinen mit orthodoxen Anschauungen, die zumeist gewesene Schülerches-^3; und'des nsiv v2V bvn- Bei Kopfschmerz,Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile^ Phenac., Phenvldimethylp., ||. 4 0(1 Acetylsai., Coff. Irl. ImLo in allen Apotheken i sind, sich lossagen von der bisher von ihnen befolgten Politik des Vogels Strauß, sie müßten ganz offen auftreten für die Prinzipien des traditionellen Judentums, welche von den Zöglingen der theologischen Lehranstalt unserer heimatlichen Neologie bis aufs alleräußerste bedroht werden. Sie müßten ihre Gemeinden aufklären, daß deren echtjüdischer Charakter nur durch die Aufnahme der orthodoxen Organisationsstatuten für die Dauer gesichert werden kann. Und ich bin fest davon überzeugt, daß so die konservativen, den, Anforderungen des Schulchan Aruch gemäße Institutionen und Beamte, vor allem aber Rabbiner mit orthodoxer Gesinnung und Lebensweise besitzenden status quo-Gemeinden in größerer Anzahl diese im Interesse des gesetzestreuen Judentums erwünschte Frontänderung vollziehen würden, daß man in diesem Falle, auch in denjenigen Ortschaften, wo es gegenwärtig zugleich eine orthodoxe und eine status quo-Gemeinde gibt, den zur friedlichen Vereinbarung führenden Ausweg finden könnte, eventuell durch die Konzedierung von zwei autonomen orthodoxen Gemeinden an diesen Orten. Haben wir doch in S. A. Ujhely und in Galanta schon Präzedenzfälle dafür." So schrieben wir in unserem Offenen Briefe an die status quo-Gemeinden. (Fortsetzung folgt.) Aus den MusfargesprSchen des „Alken" von Slobodko. Aus dem im „Israelit" bereits erwähnten neuen Sonderheft der „ T e w u na", das gänzlich dem Andenken des Rabbi Nathan Zwi Finke! gewidmet ist geben wir die nachfolgende Auszeichnung eines der berühmten Mussargespräche des „Alten" in deutscher Uebertragung wieder. Was ist die Gottesfurcht in unseren Augen? Wie begreifen wir sie? Gewiß — sie wiegt uns schwer und sie ist wertvoll int unseren Augen und dennoch haben wir nicht die rechte Würdigung für diesen Begriff, solange wir die Würde der Gottesfurcht darin erblicken, daß sie lediglich die Mutter der Weisheit und des Handelns ist. Sicherlich ist die Gottesfurcht die Quelle, aus der alle großen'und machtvollen Taten hervorgehen. Sie ist die Voraussetzung für alle und nur durch sie kann der Mensch die Lebenspflicht, die ihm obliegt, erfüllen. Aber sie ist mehr. Die Thora lehrt uns eine Umwertung der Werte. Sie sagt: „Die Größe der Gottesfurcht liegt nicht darin, daß sie große und machtvolle Taten schafft, sondern umgekehrt, auch" die größten und wirkungsreich- Meines Feuilleton. Jüdische Ehevermikklüng. Frankfurt a. M., 1. Juni. Herr Sanitätsrat Prof. Dr. I. Hanauer in Frankfurt a.. M: schreibt uns: „Zu Ihrem Artikel: „Tempora mutantur" in Nr. 21 in Ihrer gesch. Zeitschrift, in welchem Sie meinen Aufruf zur Gründung einer gemeinnützigen jüdischen Ehevermittlungsstell« mit einigen einleitenden Bemerkungen versehen, gestatten Sie mir eine Erwiderung. Wenn Sie betonen, daß die Verehelichung jüdischer Mädchen auch bei schlechter sozialer Lage unseren modernen Sozialpolitikern und Politikerinnen geradezu als «in Verbrechen gegen die ökonomische Vernunft galt, so ist dies im allgemeinen zutreffend, wenn ich auch persönlich, um diesen Mißstand zu bezeichnen, nicht so scharfe Worte gewählt hätte. Ein persönliches Erlebnis gibt dafür eine drüftische Bestätigung. Als ich vor vielen Jahren einen bekannten hiesigen längst verstorbenen jüdischen Philantropen um einen Beitrag zur Ausstattung einer armen jüdischen Braut bat, erwiderte er: „Ach, Herr Doktor, was find Sie so rückständig, das arme Mädchen soll lieber.statt zu heiraten, einen Beruf ergreifen." Diese einseitige Betonung des ökonomischen Standpunktes hat viel zu der jetzt bestehenden Ehenot beigetragen. Daran istgber nach meinerÄuffassung vor allem die jüdische Frauenbewegung nicht ganz unschuldig, die immer wieder däs Cinströmen der jüdischen Mädchen in das Erwerbsleben begünstigte und darin ein Surrogat für die Ehe bieten wollte. Daß sie sich damit/ in erster Linie unbewußt über die „altmodischen Gepflogenheiten" der Orchodoxie hinwegsetzen wollte, glaube ich nicht, ebenso wenig bin ich der Ansicht, daß diese Anschauung bisher als Dogma bei dem religiösen Liberalismus gegolten hat .Jedenfalls bin ich durch den letzteren, dem ich nicht angehäre, weder im positiven noch im negativen Sinne in meinen Bestrebungen beeinflußt worden. Meine Ueberzeugung in diesen Dingen ist vielmehrunabhängig von irgend einer religiösen Anstellung, schon seit Jahrzehnten feststehend. Ich habe es immer als etwas Naturwidriges angesehen, daß, allerdings gezwungen durch die harten wirtschaftlichen Notwendigkeiten, die sich, wie ich bestimmt weiß, auch gegen Mädchen aus orthodoxen Kreisen auswirken, die Mädchen einseitig dem Berufsleben zugeführt und so ihrer natürlichen Bestimmung entzogen werden. Wie mir zahlreiche Zuschriften jüdischer Mädchen beweisen, fühlen sich diese aber im Beruf nicht glücklich, sondern unbefriedigt und sehnen sich nach der Ehe. Bei urtsever Glaubensgenossenschaft gestaltet sich diese ökonomische Politik umso nachteiliger, als die starke Abnahme der jüdischen Eheschließungen im engen Zusammenhang steht mit der immer ' stärker anwachsenden Menge der jüdischen ^berufstätigen Mädchen. Schließlich noch eine persönliche Bemerkung, Sie bezeichnen mich als einen Mann, der ganz außerhalb des gesetzestreuen Judentums lebt. Wenn auch nach meiner Auffassung meine religiöse Stellung mit der Sache nichts zu tun hat und ich mich nicht zu rechtfertigen brauche, so möchte ich doch betonen, daß diese Ihre Bemerkung den Tatsachen nicht entspricht." (Wir freuen uns, daß der Herr Einsender hiernach nicht nur sachlich nn wesentlichen mit uns übereinstimmt, sondern uns auch in religiöser Hinsicht nicht ganz fernsteht. Allerdings wird es dann psychologisch umso leichter verständlich, daß er sich scheinbar ganz voraussetzungslos zu einem Standpunkte durchgerungen hat, der für den orthodoxen Juden immer — ohne Rücksicht auf Zeitströmungen — der gegebene war. Red.). (Schicksale jüdischer Kinder in Palästina.) Der Vorfall, daß ein Jude seine 10 jährige Tochter an einen Moslemiten verkauft hat, der das Kind seinem 14jährigen Sohn zur Frau bestimmt, hat in Palästina große Erregung verursacht. Der 1898 aus Damaskus «ingewanderte, in Acco wohnende Schmied Aaron Natah hat seine 10 Jahre alte Tochter an den. arabischen Ladeninhaber Assadi um den Preis von 30 Pfund verkauft. Affadi hat das Kind zur Frau seines 14jährigen Sohnes bestimmt; die Hochzeit sollte in den nächsten Tagen stattfinden. Die Söhne des Juden Natha intervenierten bei der Regierung, dem Oberrabbinat, dem Waad Leumi, der zionistischen Exekutive Palästinas, dem arabischen Muftt gegen diese Verschacherung ihrer kleinen Schwester. Das Rabbinat erklärte den 90jährigen (?) Natah für unzurechnungsfähig und beauftragte seinen ältesten Sohn, die Schwester vom Araber zurückzufordern. Eine des Lesens und Schreibens unkundige Jüdin namens Landau, die Frau eines früher in Palästina stationierten, jetzt in England lebenden jüdischen Soldaten, hat vor vier Jahren ihre kleine Tochter dem St. Joseph Catholic Convent zur Erziehung übergeben. Im Convent wurde das Kind ohne Wissen der Ettern katholisch getauft. Nunmehr klagte Frau Landau vor Gericht auf Rückgabe des Kindes, da das katholische Institut sich weigerte, das Kind den Eltern zurückzugeben. Das Gericht entschied, daß das Kind der Mutter zurückgegeben werde.

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