Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1928)
- Date
- 1928-05-31
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Nr. U Der Israelit , Blätter Aguda - Glückwunsch - Telegramme Einem lang gehegten Wunsche entsprechend, bauen wir den Vertrieb der Telegrammformulare aus. und richteten als erstes bei der Strauss’schen Buchhandlung Biebergasse 13 a. d. Hauptwache ein Depot ein, woselbst Telegramme jederzeit ä Mk. zu haben sind. Bekanntmachungen über andere Ausgabestellen folgen Organisations-Vorstand der A. J. J. O. Vertriebsstellen wollen sich melden Langestrasse 18 pari* auch aus Deutschland melden können: daß sich auch dort die Agudas Jisroel in erfolgverheißender Reorganisation.befindet. (Wir bitten um Aussprache. Red.). Die politische Weltlage des jüdischen Volkes und die Aguda. Der nachstehende Aufsatz stammt aus der Feder eines mit der L e i t u n g höchst unzufriedenen, nichtsdestoweniger aber sehr guten und denkenden Agudisten. Der Gedankengang des Aufsatzes bleibt beachtenswert, auch wenn man mit uns der Meinung ist, datz dieser Gedankengang die überstürzte Einberufung einer nicht genügend vorbereiteten Kenessio gedaulo gewiß nicht zu rechtfertigen vermöchte. Mit bloßen Reden von der Tribüne der Kenessio gedaulo herab wird man die großen politischen Probleme, die der Herr Verfasser anschneidet, nicht lösen. Red. Es steht nunmehr fest, daß die nach der Verfassung der Aguda in diesem Jahre fällige Kenessio Gedaulo nicht Mehr zeitgerecht stattsinden wird. Diese Tatsache ist nicht nur aus verfassungsrechtlichen Gründen beklagenswert, sie muß angesichts der momentanen politischen Situation als eine schwere Unterlassungssünde bezeichnet werden. In der politischen Weltlage der Judenheit gehen Veränderungen vor sich, die einer ernsten Beachtung wert sind. Roch nie war die politische Konstellation für das thoratreue Judentum so günstig wie heute und es ist geradezu unverständlich, wieso Agudas Jisroel gerade in diesem Zeitpunkte in einer Passivität verharrt, die befürchten 'läßt, daß die Interessen des thoratreuen Judentums bei der Nugestaltung der Verhältnisse vollkommen unvertreten bleiben. Auf j drei Grundpfeilern ruht derzeit das politische 'Weltgebäude des Judentums; sie heißen: Rußland, Palästina und Amerika. Beginnen wir bei Rußland. Nebst der gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Umschich^ tung hat die Sowjetregierung, angeblich, mst England auch auf diesem Gebiete Konkurrenz zu bieten, ihr Augenmerk, auf die ungesunde wirtschaftliche Situation der Juden in Rußland gerichtet und propagiert und unterstützt heute jüdische landwirtschaftliche Siedlungen aus großzügige Art. Trotz aller Anfeindungen und Vetdächtigungen, die von zionistischer Seite gegen dieses Kolonisationsprojekt erhoben werden, schreitet das Werk in Rußland rüstig vorwärts. Immer neue Gebiete werden für jüdische Siedlungen erschlossen und Hand in Hand mit dieser Konsolidierung wächst auch die Sympathie der jüdischen Welt für diesen großzügigen Versuch, die verelendeten, in Ghettis verkümmerten jüdischen Massen einem produktiven Beruf zuzuführen. Sympathie allein würde ober keine hinreichende Motivierung : für den Entschluß jener amerikanischen jüdischen Führer sein, die jetzt 10 Millionen Dollar für das russische Kolonisationswerk aufbringen wollen. Von diesen zehn Millionen will Julius Rosenwald die Hälfte geben, wenn die zweite Hälfte von anderen reits eine Million Dollar den Zwecken der rufst schen Kolonisation gewidmet. Aus purer Sym pathie allein würden die amerikanischen Philan thropen nicht solche gewaltige Summen dem russischen Aufbauwerk züwenden, vielmehr muß diese große Gebefreudigkeit in nüchternen Er wägungen gesucht werden. Die reichen ameri kanischen Juden sind konservativ, und dank diesem Konservativismus wollen sie den russischen Juden an Ort und Stelle helfen, denn sie wissen nur allzu gut, daß zumeist mit dem Verlassen der väterlichen Scholle auch die väterliche Sitte in Verlust gerät. So ist es zu verstehen, daß diese Amerikaner sich für eine Ansiedlung an Ort und Stelle einsetzen, die ja auch die seelisch reibungsloseste Art einer konstruktiven Hilfe leistung ist. Bei dieser Sachlage ist es geradezu unbegreiflich, warum es jenen jüdischen Gruppen, die ebenfalls konservativ eingestellt sind, und vor allem der Aguda, die in der Pflege und Erhaltung der religiösen Güter des jüdischen Volkes ihre Hauptaufgabe erblickt, bisher nicht gelungen ist, eine positive Haltung zu der russischen landwirtschaftlichen Siedlung zu gewinnen. Der große Führer der russischen Juden, der Lubawiczer Rebbe, hat in einer Aeußerung an Pressevertreter, die seinerzeit auch in der „Jüdischen Presse, erschien, aus den Umstand hingewiesen, daß die geschlossene Ansiedlung von Juden auch vom religiösen Standpunkte aus von ungeheurer Wichtigkeit ist. Die geschloffene Siedlung gibt die Möglichkeit, daß die dort angesiedelten Juden nicht nur eine politische, sondernl auch eine religiöse und seelische Autonomie genießen Agudas Jisroel hat es bis zum heutigen Tage nicht verstanden, weder die verantwortlichen russischen Staatsmänner noch die großen amerikanischen Philanthropen noch aber die Mische öffentliche Meinung auf das ungeheure religiöse Problem aufmerksam zu machen, von dessen günstiger Lösung unseres Erachtens die ersprießliche Entwicklung des russischen Koloniationswerkes überhaupt abhängt. .Jüdische Koonien und autonome Rayone ohne die Merkmale jüdisch religiösen Lebens entbehren des Kittes, der allein jüdische Schöpfungen zuammenhält und eine gedeihliche Zukunft gewährleistet. Die vollkommene Einflußlosigkeit, der Aguda in Amerika zeigt sich aber jetzt auch auf einem anderen Gebiete verhängnisvoll. Die erbitterten Kämpfe innerhalb der zionistischen Organisation, die wahrscheinlich zu einer Spaltung der Organisation führen werden und die einstweilen den gegenwärtigen Aufenthalt Weizmanns ganz ergebnislos, gestaltet haben,' sprechen eine deutliche Sprache. In Amerika würde sich jetzt für Agudas Jisroel eine wunderbare Gelegenheit bieten,, um dort endlich einmal Fuß. zu fassen. .Diese günstige Gelegenheit ist aber'nicht so sehr durch den Ztviepalt und die Zerwürfnis innerhalb der Zionisten in Amerika gegeben, sondern vielmehr in den psychsichen Voraussetzungen, die zum Zerfall der zionistischen Organisation geführt haben. Die Amerikaner sind des unerträglichen und aufdringlichen Bluffs müde! Auch ist der überwiegende Großteil der Amerikaner, die eine nüchterne Kalkulation über alle nationalistischen Phrasen setzen mit der ganzen Methode der zionistischen Arbeit in Palästina nicht zufrieden. Eine sachliche Wirtschaftlichkeit, die Ausschaltung aller politischen und nationalistischen Phrasen, vor allem aber die Vermeidung aller kulturkämpferischen Tendenzen und religionsfeindlichen Bestrebungen beim Aufbau Erez Israels entsricht nicht nur der amerikanischen Anschauung über die Art und Methode der Arbeit in Erez Israel, sondern auch jener der Agudas Jisroel. Es würde daher nur selbstverständlich sein, daß Agudas Jisroel, auf Grund dieser Uebereinstimmung über den Charakter der Erez-Jisroel- Arbeit in näheren Kontakt mit den großen ameamerikanischen Juden aufgebracht wird. Felix M Marburg, der President des JpiM chat W rikanischen Geldgebern -träte, st-Leider «"verharrt 27. Mai 1888 auch diesbezüglich Agudas Jisroel in einer Passivität, die befürchten läßt, daß die wirtschaftlichen Positionen des heiligen Landes gleichzeitig die Stützpunkte jener geistigen Strömungen und- Bestrebungen sein werden, die nach unserer tiefsten Ueberzeugung Erez Israel nicht zum heiligen Lande, sondern zu einem von europäischamerikanischem Geiste durchsetzten vorderasiatischen Staatswesen gestalten werden. Eine derartige geistige Entwicklung in Palästina — und nun kommen wir' zum dritten Stützpunkt des jüdischen Weltbaues — würde den Engländern durchaus nicht unerwünscht sein. Wohl haben sie vom Völkerbund das Mandat erhalten, um zu ermöglichen, daß in Palästina, wie in allen ihrer Verwaltung überantworteten Mandatsländern, die Bevölkerung zur Selbstverwaltung heranreife. Doch ist dies in Palästina eine schwere und, sagenwir es gerade heraus, den Interessen Englands abträgliche Aufgabe. Palästina mit Selbstverwaltung bedeutet eine Mitregierung der Araber, eine Mitregierung der Araber bedeutet die Einschaltung Palästinas in das arabische Staatensystem Vorderasiens, ein System, das bei der fortschreitenden Nationalisierung und Revolutionierung der arabischen Bevölkerung geeignet ist, die englische Vorherrschaft in Asien streitig zu machen. Den Interessen des .jüdischen Volkes im allgemeinen würde es durchaus entsprechen, eine rein asiatische Orientierung zu suchen und in Palästina mit Ausschaltung des europäisch-amerikanischen Flitters eine Rückkehr zur alten, autochtonen jüdischen Kultur anzustreben, eine Tendenz, die in der Linie agudisticher Geschichtsauffassung und religiöser Bestrebung liegt. England hingegen, das über die Entwicklung in Aegypten und Indien bestürzt ist, hat allen Grund aus Palästina nicht ein Land der Selbstverwaltung, sondern ein englisches Dominion zu machen. Ein Propagator dieser Idee ist der gewesene englische Minister Oberst Wedgwood, ein aufrichtiger Freund der Juden, der in seinem jüngst in Wien abgehaltenen, von aufrichtigem Wohlwollen für das jüdische Volk getragenen Vortrage betonte, daß es nicht nur im Interesse von England, sondern auch zum Nutzen des jüdischen Volkes wäre, wenn Palästina ein englisches Dominion werden würde. Der brave Oberst Wedgwood war überdies bestrebt, seine These auch noch durch die Behauptung zu untertützen, daß die Wesenszüge des englischen und des jüdischen Volkes im Grunde die gleichen wären. Viele werden diese schmeichelhafte Behauptung des judenfreundlichen Engländers icherlich für bare Münze nehmen. Wir aber besitzen Judenstolz genug, die Höflichkeit, bei allem'Respekt vor dem meeruyd weltbeherrchenden England ganz entschieden, abzülehnen. Vir erlauben uns ferner mit.allst Entschieden^, heit zu behaupten, daß eine so innige staats- und machtpolitische Verknüpfung mit .England den jüdischen Interessen nicht entspricht^;; England als Mandatarmacht ist überaus vorteilhaft. Palästina als englisches Dominion wäre ein unermeßlicher Schaden sowohl für Erez Jisroel wie für das jüdische Volk'. Da aber die Zionisten nach der Art ihrer ganzen Einstellung sich nur alltzu leicht in das Schlepptau englischer MachtpoMik ziehen lassem erwächst hier wieder eine Aufgabe von großer Sonntag, den 3. Juni Trelf-Fahrt d. AgudasJisroel Jugend-Organis. Teilnehmende: Jugend- und Mädchengruppen aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, DärmstadV,' Karlsruhe etc. Treffpunkt für Frankfurter 8 Uhr Hauptbahnhof. Abfahrt nach Seeheim a.d. Bergstraße-8 25 Gleis 11. Spaziergang nach Jugenheim, daselbst Treffen mit den süddeutschen Gruppen. Mittagessen. Wanderung nach Auerbach. Mincho. Referat mit anschl. Diskussion. Spaziergang' nach Auerbacher Schloß. Aussichtspunkt. Rückfahrt 18.34 Uhr. Rückfahrtkarte Mark 2.20 (selbst besorgen).