Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1928)
- Date
- 1928-05-31
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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31. Mai 1928 Der Israelit Blätter Nr. 12 Seite 3 Perspektive für Agudas Jisroel als Trägerin des historischen Judentums, für die Siegelbewahrerin jener jüdischen Zukunft, die nur in organischem Wachstum auf dem alten Fundament erstehen kann. Resolutionen des Zentralraks der polnischen Landesorganisation. Die Plenarsitzung des Zentralrates der Agudas Jisroel in Polen nahm folgende Resolutionen an: Erziehung. Der Z. R. protestiert entschieden gegen die Angriffe auf den Cheder und die damit verbundenen Denunziationen niedrigster Art. Die Orthodoxie sieht in der religiösen Schule die Seele des jüdischen Volkes und wird sie mit aller Kraft zu verteidigen wissen. Es soll darauf gesehen werden, daß alle Regierungsmaßnahmen auf dem Gebiete der Religion! nur im Einvernehmen mit den orthodoxen Instanzen der Agudas Jisroel getroffen werden. Der Z. R. zieht auf dem Gebiete der Erziehung den Rabbinischen Rat zur Mitarbeit heran, dessen Mitglieder die Erziehungsanstalten unter ihre Aufsicht nehmen und in allen Städten kleine Jeschiwaus gründen. Eine allgemeine Erziehungskonferenz soll baldigst einberufen werden. Ebenso soll demnächst auf einer Konferenz der Jeschiwaus ein Zentralkomitee für Jeschiwaus gegründet werden. Die Keren Hathora-Aktion zur Gründung von Chedarim in Kleinstädten soll in Bewegung gesetzt werden. Der Z. R. erachtet es als nötig ein Lehrerseminar und Fortbildungskurse für Lehrer zu errichten. Eine Gesellschaft für Sommerkolonien für orthodoxe Schulen soll ins Leben gerufen werden. Der Z. R. erkennt die Bewegung für die Töchtererziehung als ungemein" nützlich zur Verbreitung des jüdischen Geistes unter den jüdischen Frauen. Alle Bestrebungen auf dem Gebiete werden begrüßt und sollen in jedweder Weise unterstützt werden. In den Schulen und Kursen für Fachausbildung soll auch für religiöse Ausbildung gesorgt werden. Politische Resolutionen. Der Z. R. akzeptiert den politischen Standpunkt der Exekutive und seine Haltung bei den letzten Wahlen, die in der Mitarbeit an einem rein jüdischen nationalen Block und Ablehnung des Blockes der nationalen Minderheiten bestand. Bei allen zukünftigen Fragen der jüdischen Politik muß sich die Aguda Gehör verschaffen. Der Z. R. erwartet, daß Deputierter K i r s chb r a wÄ, dereinzige orthodoxe Vertreter im Parlamente, keine Gelegenheit versäumt, 'die Wünsche des orthodoxen Judentums wirksam zum Ausdruck zu bringen. ' Der Z. R. .erwartet, daß die Stimme des orthodoxen Judentums beachtet wird, ungeachtet der Tatsache, daß die Orthodoxie bei über 200.000 Stimmen kein eigenes Mandat erhalten hat. Es soll eine legitime Vertretung der orthodoxen Deputierten uin den staatlichen, kommunalen und Gemeindekörperschaften gewählt werden, ebenso eine politische! Kommission, ohne deren Genehmigung keine politischen Maßnahmen im Namen der Äguda getroffen werden können. G e m e i n d e g e s e tz. Die Vertreter der.Orthodoxie in den jüdischen Gemeinden werden aufgefordert, streng darauf zu achten, daß der religiöse Charakter der Gemeinden nicht vertuscht wird, und daß mit Gemeindegeldern keine antireligiösen Institutionen unterstützt werden. Der Z. R. stellt fest, daß der obere relgiöse Rat, der bei richtiger Zusammensetzung zu einem Segen werden könne, sich zum Unsegen auswachsen müsse, wenn es den freien Elementen gelänge, sich seiner in der Weise zu bemächtigen, wie sie es beabsichtigen. Es ist daher heilige Pflicht der Agudainstanzen, darüber zu wachen, daß dieser Oberrat nicht zu einem Instrumente gegen den religiösen Charakter der Gemeinden wird. Es ist nicht zu verkennen, daß die neuen Gemeindegesetze in vielfacher Beziehung der Orthodoxie den Kampf um den religiösen Charakter der Gemeinde wesentlich erschweren. Der Z. R. soll daher in'Gemeinschaft mit den politischen Vorstehern auf Erreichung einer Novelle zum Gemeindegesetz hinarbeiten, die den Orthodoxen die Arbeit für ihr Heiligstes erleichtert. Der Z. R. wird aufgefordert,'der jüdischen Bevölkerung bei den bevorstehenden Gemeindewahlen aufklärend zur Hand zu gehen. Ein neuer Brief des Lhofe; Lhajirn Ein neuer Brief des Chofez Chajim, einer jener „Briefe an die jüdische Nation", die ihren Eindruck nicht verfehlen, macht die Runde durch die östliche Presse. In diesem Briefe richtet sich der alte ‘ Morallehrer vornehmlich gegen eine seichte und leichtfertige Bücher¬ und Zeitungsliteratur, die dazu angetan ist, die Sitten zu verderben und die Jugend zu vergiften. Er macht verantwortlich sowohl die Schreiber und die Redakteure, wie nicht minder die Verleger und die Buchhändler, die solche Schriften verbreiten. Schlimm sei es, schreibt der „Chofez Chajim", daß die Mußestunden des heiligen Sabbat, sonst für das Forschen des Gesetzes bestimmt, für diese leichte Lektüre verwendet werden. Wenn das Uebel auch nicht von heute ist, so sei zu bedenken, heißt es im Schreiben, daß in früheren Zeiten die Bücher und Zeitungen in hebräischer Sprache gehalten waren, und so doch nicht in dem Maße die große Menge des Volkes interessierten und beschäftigten wie heute die jüdisch-deutschen Bücher und Blätter. Er schließt mit eindringlichen Mahnungen und Segensworten für diejenigen, die die Mahnung beherzigen. Whrerkag des Esra. Am 21. und 28. Mai fand in Fulda ein Führertag des Esra statt. Erschienen waren etwa 85 Führer und Führerinnen. Das Bild war das übliche jugendfrische und judentümsfrohe, schon am Begrüßungsmorgen, wo näcy dem Bundesleiter für die Fuldaer Gemeinde Rabbiner D>r. Leo Cahn, Pabb.-Asiesior Kunstadt und Mendel Wertheim herzlich sprachen. Mehr wie auf früheren Tagungen kam diesmal das Bewußtsein der Verpflichtung des Esra gegenüber der jüdischen Wirklichkeit zum Ausdruck. Dieser „Weg in die Wirklichkeit" zeigte sich erstens in der Besprechung der Möglichkeiten, wie der Esra und der Esräer die Erziehungsidee seiner Gemeinschaft in der Oeffentlichkeit verwirklichen könne. Man dachte diesbezüglich auch an Einwirkung auf die im Leben stehenden Esräer. Hauptsächlich aber konzentrierte sich der Wille des Esra in Stellungnahme und fruchtbarer Kritik zum Aulim- Gedanken Nathan Birnbaums im Anschluß an ein großangelegtes Referat von Dr. Ist Grünfeld, Würzburg, über „Nathan Birnbaum und der Esra" und eine historisierende Diskussionsrede von Jacob Landau-Frankfurt a. M. am Montag vormittag. Besonderem Interesse begegnete in diesem Zusammenhang auch die Palästina- Bewegung des Esra, die auf Basis der Erfahrungen der Esra-Chaluzim in Machaneh Jisroel und Rodges die weitere Gestellung und Erhaltung von Chaluzim vorbereiten will. Ferner wurden diesmal auch die pädagogischen Wege praktischer Esra-Arbeit innerhalb der Gruppen besprochen. Als Grundlage diente ein Referat von Jochanan Boschwitz-Berlin über „die Arbeit bei Aelteren". Diesen starken gesunden Tendenzen gegenüber mußte die vom bisherigen Bundesleiter Felix Munk bezüglich des inneren Verhältnisses der Führer zum Bunde vorgelegte theoretisierende Fragestellung, ob der Bund sich weiterhin in Richtung einer Ueberindividualisierung zu entwickeln habe oder ob ex wieder mehr durch Betonung von Gemeinschaft und MMeu einer gewissen Mechanisierung verfallen solle, im wesentlichen verhallen. Man hörte: „Debatten über Probleme dürfen nicht Grundlage der Arbeit sein" — „Unzufriedenheit mit dem Geleisteten braucht nicht gleich auf dem Rücken von Ideologien ausgekämpft zu werden". In der geistigen Tendenz unverbindlich, beschloß man lediglich einen engeren geistigen Zusammenschluß um die Führerschaftsblätter als Ausspracheorgan, deren Herausgabe Dr. Arnold Merzbach (wie bisher) und Jacob Landau (neu) anvertraut wurde; ein neuzuschaffender hebräischer Teil soll einem weitgehenden Bedürfnis nach Hebraisierung entgegenkomm en. Für dieses Streben der Esraführer nach geistiger Fortentwicklung bedeutete ein intelligentes Referat von Albert Neuberger-Würzburg am Sonntag Nachmittag über die Möglichkeiten einer Synthese zwischen wissenschaftlHer Einstellung und jüdischem Traditionswillen mit seiner anschließenden Diskussion ein hohes geistiges Niveau als AusgangspunÄ, um so mehr, als auch im einzelnen die Richtungen der wissenschaftlichen Zeitentwicklung gut herausgearbeitet wurden. Die Bundesleitung wurde in Würzburg konzentriert; ihr gehören zukünftig, an Albert Neuberger als Bundesleiter, Dr. Jsi Grünfeld, Walter Riesenfeld und Theo Ullmann. Sie wird zunächst den in diesem Sommer noch stattfindenden Bundestag vorzubereiten haben. Eine Sondersitzung der Mädchen beschäftigte sich ebenfalls mit der geistigen Konzentration und beschloß eine Gaueinteilung der Mädchengruppen. Anna Großwirth-München und Judith Rosenbaum-Frankfurt sind hier führend.'1' - An den Führertag schloß sich eine' RhönwanderuNtz an. (I. U.) Nachrichten der Keren Hathora-Zenkrale. (Auszug aus dem ersten Vierteljahrsbericht 1928). I. Pädagogische Konferenz: 1. Im Anschluß an die Zentralrats-Tagung fand in Berlin eine pädagogische Konferenz des Keren Hathora in Polen, Litauen, und Deutschland statt. Herr Rabbiner Hirschowitz, Wirrballen, erstattete Bericht über die Lage der Schulorganisation „Jawne", die als einzige von der litauischen Re- GedenketdesKerenHatorah Posls che ck-Konlen: Hatorab Deutschland Hamburg Nr. 24753 Landesdirektorium des Keren (P. Sch. A. Hamburg). Keren. Hatorah-Kommissariat Frankfuitja. M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a.M Keren Hatorah-Kommissariat Nürnberg Nr; 18440 (P. Sch. A. Nürnberg) i; 1 üi») tj&ffidn- HaidhdUkiyÜiäsariat Köln Nr 50131 (P. Sch. A. Köln) Keren Hatorah-Kommissariat Leipzig Nr. 70147 (P. Sch. A. Leipzig) Keren Hatorah-Kommissariat Berlin, P. Sch. A. Berlin Nr. 73 991 C. Salomon, - Keren Hatyrah-Kommissapat Breslau, P. Sch. A. Breslau Nr. 60510 für Iwan Möll»r. Keren Hätorah-Konimissariat Hamburg P. Sch. A. Nr. 40953 für Dr. Julius Basel Keren Hatcrah-Kommissariat Karlsruhe Markus Stern Bankkonto Ignaz Ellern.