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Der Israelit · 1928-05-31 · Heft 22 (31.5.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 22 (31.5.1928)
Date
1928-05-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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31 Mai 1928 ____ Aber auch durch äußere Mittel müßte die Würde des Leinens wiederhergestellt werden. Es wäre nicht falsch, wenin beim Omen des Baal Kaure die ganze Synagoge sich erheben, alles zum Almemox sich wenden würde, ein Bild der Spannung, der Erwartung und der respektvollen Andacht vor dem Gottesworte. Jedenfalls aber müßte Stille, ehrfürchtige Stille, lautlos feierliche Stille herrschen. Als Gott sich offenbarte am Sinai, da hat , kein Vogel gezirpt, kein Tier gebrüllt, Wind Und Welle lagen stumm da, das Universum hielt den Atem an!, nur Gottes Onauchi allein durchtönte allgewaltig die Lüfte. In einer Zeit, wo die Kunst des Sprechens eine außergewöhnliche Berücksichtigung und Förderung erfahren hat, wo alle Universitäten Lektoren und Uebungen für Sprechkunst und Ausdrucksmittel des Vortrags eingeführt haben, wo von der Volksschule -anhebend der gesamte Jugendunterricht eine Erneuung und Herausbildung der Sprechfähigkeit sich zur Aufgabe gesetzt hat, sollte da nicht auch die Kultur des Toravortrags als heilige Gewistenspflicht wieder uns ans Herz gelegt werden? llmesponaenreii « Nachrichten. Deutsches Reich. Verband jüdischer Iugendvereine. Dresden, 28. Mai. Am 27. und 28. Mai fand in Dresden biß aus allen Teilen des Reiches außerordentlich stark besuchte 7. ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der (neutralen) jüdischen Jugend vereine Deutschlands statt. In der Eröffnungsfeier, in der Rabbiner Dr. Wolf, Dresden, Worte der Weihe sprach, begrüßten u. a. Rechtsanwalt Saling er, Dresden und Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin, in herzlichster Form die etwa 700 Delegierten und Gäste. Die Referate von Rabbiner Dr. Wiener, Berlin, Herbert Felsen thal, Berlin und Dr. Julius Herzfeld, Esten, standen unter dem Motto: „Unser Weg in die Wirklichkeit". Den außerordentlich anregenden Referaten folgte eine vielstündige Generalaussprache, in der neben der Bundesarbeit und der Junggruppenarbeit die Stellung zu Judengesetz und Gemeindefragen im Vordergrund stand. Zu den letzteren Fragen nahm die Tagung eine dem Preußischen Landesverband zuzuleitende ausführliche Resolution an. In der geschlossenen Delegiertentagung gab sich der Verband eine steue Satzung und. bewilligte den vorgelegten Etat. An Stelle des aus beruflichen Gründen zurücktretenden 1. Vorsitzenden Dr. Klein-Düsseldorf wurde Dr. Hugo Hahli-Essen durch Zuruf der Versammlung gewählt. Unter jubelndem Beifall der Versammlung überreichte der neue erste Vorsitzende dem in der Verbandsleitung verbleibenden Dr. Klein als äußeres Zeichen des Dankes, des Perbandes für seine außerordentliche Leistung eine künstlerisch ausgeführte Plakette. Den Schluß und Höhepunkt der Tagung bildete das Referat Dr. Hahns: „Jüdische Jugend im Weltjugendbund". Der Sprechchor des Düsseldorfer Jugendvereins, der auch bereits in der Eröffnungsfeier mitgewirkt hatte, brachte mit „Stimmen der Jugend" von Karl Kröger einen weihevollen Abschluß. (Ausführlicher Bericht folgt.) Delegiertenlag der deutschen Zionisten. Breslau, 28. Mai. Auf dem Delegiertentag erstatten die Herren Kurt Blumenfeld und Dr. Rosenblüth Bericht über die zionistische Arbeit in Deutschland, die unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen litt. Als wesentlichste Aufgabe betrachtete man die Durchführung und Organisierung der Jugendpropaganda. Der Aus-" schuß für Kultur- und Erziehungsarbeit hielt zwei Plenarfitzungen äb und erstreckte seine Arbeit auf hebräischen Unterricht, Unterstützung der Jugendorganisationen, Vortragstätigkeit und Publikationstätigkeit.. Ein größerer Der Israelit > Ausschuß wirkte für die Vertretung des zionistischen Programms innerhalb der Synagogengemeinden-. Für den Keren Hajestod hat Deutschland im Jahve 5687 rd. Mk. 800.000.— im ersten Halbjahr 5688 rd. eine halbe Million Mark aufgebracht. In der Generaldebatte wandte sich Dr. Bruno Wiener, Beuchen, gegen die Agudas Jis-roel, der -er ein unnatürliches Bündnis mit dem Zentrakverein oorwarf. Es sprachen' u. a. Lazarus Barth für den Misrachi, Dr. Loewinson für den Hapoel Hazair. Neben der Delegiertentagung finden geschlossene Sitzungen des Keren Hajestod sowie eine Versammlung zionistischer Frauen statt. Montag abend sprach Dr. Felix Ros -enblüth über die Lage in- Palästina und den Gesamtzionismus. Die Woche. Berlin. Kommerzienrat Gerson Simon, der Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, beging diese Woche seinen siebzigsten Geburtstag. — Die Berliner jüdische Gemeinde hat den durch das Erdbeben geschädigten Gemeinden Bulgariens 3000 Mk.. der Hilfsoerein der deutschen Juden 5000 Mk. bewilligt. — Die Zentralwoh l fa h r t s ste l le der deutschen Juden hat soeben ein stattliches Buch unter dem Titel: „Führer durch di-ck I ü d i sche . Wohlfahrtspflege in Deutschland" erscheinen lassen, das zum ersten Male ein geschlossenes Bild von der reichen Gliederung des jüdischen Wohlfahrtwesens in Deutschland gibt. Es enthält in tabellarischer Form in Ziffern und Namen das gesamte' Material über die offene und halboffene Fürsorge, die Aufnahmebedingungen von 250 Anstalten sowie der Jugendbewegung und Jugendpflege. Breslau. Von Sonntag bis- Dienstag fand hier der 22. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. Bericht folgt. Äewyork. Weizmann mit Felix Marburg sind nach Europa gereistum an der Sitzung der Jewish Agency- Kommission teilzunehmen. — Der Ausschuß des Repräsentantenhauses hat den Antrag, dem Flieger Charles Levine eine Medaille zu verleihen, . abgelehnt. — Die Konferenz des United Palestine Appeal hat sich mit großer Mehrheit für die bisherige Verwaltung ausgesprochen und Louis L i p s ki ein Vertrauensvotum erteilt. .London. Im Unterhause fand eine neue Debatte über die Tote Meer-Konzession statt. — Der aus Frankfurt stammende bekannte Bankier Saemy Japhet hat aus Anlaß seines 70. Geburtstages der Londoner Rabbinerbildungsanstalt. Jews' College, als Grundstock für die Errichtung eines Neubaues Lst. 5000.— geschenkt, kowno. Am zweiten Vfingsttag mißhandelten und verletzten litauische Studenten in dem Städtchen Pren bei Kowno jüdische Frauen und Kinder. Die Polizei trat erst spät in Aktion. Paris. Der Leiter des Pariser JTA-Büros, Dr. Jacaues Goldberg, ist von einem jungen Angestellten. den er entlasten mußte, erschossen worden. Goldberg war erst 40 Jahre alt. der Mörder zählt 18 Jahre. Budapest. Im Abgeordnetenhaus führten Dr. Paul Sandor und Dr. Bela Dabian beredte Klage gegen den wirtschaftlichen Antisemitismus der Regierung, die durch Steuerdruck die jüdischen Kaufleute drangsaliert und den konkurrierenden antisemitischen Genossenschaften-Steuerfreiheit und Kredithilfe gewährt. Prag. Oberrabb. Dr. Heinrich Body beging am Samstag seinen 70. Geburtstag. Jerusalem. Lord Plumer erkürte den Legionären, er habe kein besonderes Vertrauen zu Sondersiedlungen ehemaliger Soldaten, werde aher jeden Vorschlag prüfen. Moskau. Das jüdische Viertel der Stadt Kitais in Grusinien ist abgebrannt: 22 Tote, 300 Verwundete. Es herrscht größte Not. Rumänien. Oberrabbiner R. Elieser David Grünwald ©3 -otmar, 24. Mai. Im Alter von 62 Jahren verschied der in den weitesten Kreisen des Judentums hochgeachtete und als religiöse Autorität anerkannte Oberrabbiner von Szatmar Rabbi Elieser Grünwald. Die Orthodoxie verliert in ihm einen ihrer besten, wifsensreichsten und frömmsten Vorkämpfer. Er genoß ein Ansehen, das weit über die Grenzen seiner Heimat drang. Er lebte in der rnin und für die min- Seit seiner Kindheit kannte und wollte er kein anderes Lebensziel kennen,-als Gottes Wort zu erforschen und seinen Gesetzen Geltung zu verschaffen. Als Sohn einer, großen berühmten Familie waren Thora Nr. 22 Seite 5 und Mizwoth in ihm verkörperte Tradition geworden. Des berühmten Rabbi Amram Grünwalds (Cforna) Sohn und des Rabbi Mosche Grünwalds, des unvergeßlichen p’Tii -piu ebenbürtiger Bruder, war sein Ideal immerfort nur Judentum' in seinem heiligsten Sinne. Er begann seine rabbmische Tätigkeit als Dajan in Szerdahely, wo ihm auch jetzt noch uneingeschränkte Verehrung gezollt wird. Sodann war er sechs Jahre Oberrabbiner in Deutschkr-eutz, später in Felsö Viso und zuletzt in Szatmar seit sieben Jahren. Eine nach Hunderten zählende Schülerfchar sammelte sich um ihn, die seinen Worten lauschte und seiner Führung sich gern anvertraut-e. So lebte und wirkte er, bis -er seine Seele aushauchte. Einen Teil seiner geistigen Tätigkeit legte er in seinen t\"w nieder, deren erste Druckbogen er noch selber korrigierte. Das gesamte Judentum trauert heut« um den Verlust eines solchen Mannes. Möge sein Andenken zum Segen fortwirken. Polen. Die polnische Regierung gegen Schächtverbote. Warschau, 16. Mai. Da in der letzten Zeit nicht nur in Warschau, sondern auch in anderen Städten Polens die Staddräte sich mit Anträgen auf ein lokales oder generelles Schächtverbot befassen, sah sich das polnische Ministerium für Kultus und Unterricht vreanlaßt, dieser systematischen Hetze gegen das Schächten durch -eine offizielle Stellungnahme Einhalt zu gebieten. Darin wird festgestellt, daß das Kultusministerium, dem die Ueberwachung und der Schutz der religiösen Interessen der gesamten Bevölkerung von Polen obliegt, das Schächten nach jüdischem Ritus als einen Teil der jüdisch-religiösen Gebräuche ansieht, die unter keinen Umständen verboten werden können. Sollten dennoch einzelne Stadtverwaltungen ein Schächtverbot beschließen, so müßte das Kultusministerium solche Beschlüsse annullieren. (I. P. Z.) Tschechoslowakei. Die konfessionelle Eheschließung in der Slovakei. Bratislava, 24. Mai. Nach dem in der Slovakei geltenden Gesetz steht es den Angehörigen der anerkannten Religionsgemeinschaften frei, ihre Ehe entweder vor den staatlichen Standesämtern oder vor einem Seelsorger ihrer Konfession ohne jede staatliche Mitwirkung, jedoch mit staatlicher Rechtswirkung zu schließen. Das hier erscheinende „Jüdische Familienblatt" lenkt nun die Aufmerksamkeit der Oefsentlichkeit aus die merkwürdige Tatsache, daß gerade die orthodoxen Rabbinate von diesem wichtigen Rechte der Matrikelführung keinen Gebrauch zu machen pflegen, sondern die Brautpaare vielmehr auf den Weg der oürgerlichen Eheschließung mit nachfolgenden Chuppo wekiduschin verweisen. Obgleich für dieses Verfahren gewisse Gründe geltend gemacht werden können, entspricht es doch keineswegs der Würde der jüdischen Religionsgemeinschaft und es wäre wohl an der Zeit, daß die orthodoxe Landeskanzlei in Erwägungen darüber einträte, ob nicht im Geiste des v'121 nsb si>i rmns^ die regelrechte religiös-staatliche Eheschließung vor den Rabbinateni eingeführt werden könnte. Palästina. Kleine Notizen aus Erez Jisroel. Jerusalem, 21. Mai. Dr. Rivlin arbeitet zur Zeit an einer Uebersetzung des Koran aus dem Arabischen ins Hebräische. — In Newe Schanan, einem Stadtteil von Tel-Awiw, ist der Wasserturm eingestürzt.. Im oberen Stockwerk befand sich eine Synagoge. Zuerst stürzte nur eine Mauer ein. Nachdem man die Sisre Thora herausgebracht hatte, stürzte der ganze Bau zusammen. — Die Wochenkalender. v. 2. — 9. Juni 1938. - 0. 14. — 21. Stwan 6688. Samstag 2 p’D 14 n 's p“id Sonntag 3 15 Montag 4 16 Dienstag Jun 5 17 Mittwoch 6 18 Donnerstag 7 19 Freitag 8 20 £ Samstag 9 21 r~ 'T 'J P*1D

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