Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1928)
- Date
- 1928-05-24
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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«=iiio—oiio—oirs ~T_ß Hqq D Südiscficv ® ^ii o—o ii o-=öirg Dol h s fr c u n d $uttt Isvnelit Organ des Hereins für die jüdifchen3nfereffen «Rheinlands e.D. nsn &v* t&$lf in Esin er. Rh ÜB GE ■o o- BEIGE 22. Jahrgang Frankfurt a. M., 2^. Mai / 5. ^iwan 5688 Nr. \ Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) Bureau: Köln, Hoheufkaufeuring 14 Aufruf! anläßlich seines25jährigen Bestehens. Was wir wollen, was wir tun» was wir müssen! Verehrte Glaubensgenossen! wir wollen, daß die Jugend dem Judentum erhalten bleibe! Wir wollen^ daß die Gemeindeeinrichtungen, die uns Jahrtausende hindurch geistig wach und sittlich rein erhalten haben, fortbestehen und neu geschaffen werden. Wir wollen Aufklärung verbreiten über das Wesen des Judentums und die Bedeutung seines Lebensgesetzes. Wir wollen das Wissen vom Judentum mehren, um starken Halt für das Leben zu gewähren. Darum haben wir Rabbiner angestellt, die unausgesetzt in Wort und Schrift über jüdische Pflichten und jüdisches Wesen Belehrung verbreiten und die Gemeindeeinrichtungen schassen und leiten, die in lebendiger Fühlung mit den Lehrern und den Gemeinden stehen, Anregung geben und die Ausführung überwachen und auch den Einzelnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Darum haben wir ein eigenes Organ „Jüdischer Volksfreund" geschaffen, das in den fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens die jüdischen Schriften erklärt, das jüdische Schrifttum und jüdische Geschichte beleuchtet, jüdische Welt- und Lebensanschauung beschreibt. Darum haben wir den Verlag der Bibliothek des Jüdischen Volksfreundes ins Leben gerufen, in dem eine Reihe erklärender und belehrender Schriften zu geringem Preise erschienen ist und neu weiter erscheinen sollen. Darum haben wir uns die Stellenvermittlung für Sabbat heiligende Angestellte zur Pflicht gemacht. Darum wollen wir allenthalben rituelle Speisehäuser einrichten. Darum haben wir eine Sterbekasse gegründet, um Armen, die in den Provinzialheilstätten sterben, ein jüdisches Begräbnis zu gewähren. Darum haben wir eine Alikwoauskasfe errichtet, um die Reinheit der jüdischen Familien wachzuhalten. „Zurück zur Thora" kann nur und mutz der Ruf sein, den wir erschallen lassen. Zurück zur Thora im Leben! Zurück zum Sabal, dem Wahrer und Mehrer alles Hohen und Heiligen, alles Edlen und Wahren. Zurück zum jüdischen Haushalt, der Heiligung des menschlichen Körpers, als Träger jüdischer Sitte. Zurück die Jugend zur Thora geführt. Sie soll lernen, was Jude fein heißt, soll Thora kennen lernen in der Schule. Helft uns unsere Ziele verwirklichen. Helft uns in unserer Arbeit, unterstützt unser Streben ideell und materiell. Jeder, der noch den Glauben an die Menschheit und das Judentum sich noch bewahrt hat, schare sich um unsere Fahne. Für das Judentum mit dem Judentum! Werdet und werbet Mitglieder für den Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands. Unsere Zeit im Lichte der Gesetzgebung. Ein Midrasch erzählt: Als die göttliche Majestät sich auf den Sinai herabließ, bildeten die Engel zwei Gruppen um sie. Die eine stand unter Führung des Michael, an der Spitze der anderen stand Gabriel. Da sollten die Völker der Welt sich ihre Ideale wählen. Die einen unterstellten sich Michael, die anderen entschieden sich für Gabriel. Nur Israel sprach: Mein Anteil finde ich in Gott — denn Er allein ist der einzige Gott. Seit dem historischen Moment, da die Tauroh am Sinai gegeben wurde, hat sich die Geistesgeschichte der Menschheit gestaltet. Zwischen zwei Polen schwankt die Anschauung hin und her. Stoff und Geist, Kraft und Weltflucht, Egoismus und Altruismus wechseln sich ab. Ein jeder kündet während seiner Herrschaft sein Eigenlob und verspricht der Welt die Erlösung: und' wenn ihre Stunde nicht läutet und die Menschen die Kunst nicht gelernt, das Glück zu erhaschen und das Paradies auf Erden zu pflanzen, den Weg zum Baum des Lebens zu entdecken und immer noch zittern müssen vor der Klinge des Schwertes, das sich über die Erde wälzt, dann kündigen sie ihrem Wegweiser und vertrauen sich einem anderen an, der laut prahlend am Markt des Lebens seine Weisheit preist und die Lösung der Probleme seilbietet und so lange Kritik an seinem Vorgänger übt, bis man von ihm die Kunde des Weges verlangt. Dann versagt auch er. So täuschen sich Geschlechter nach Geschlechter selbst und die Menschheit bleibt vom. Ziel entfernt, dessen Bild sie gefühlsmäßig in ihrer Brust trägt und dessen Umrisse, in Nebel getaucht, sie fern am Horizont der Geschichte nur unklar erblickt. Weil die Menschen ihre Ideale selbst gestalten wollten, darum kann ihr Traum sich nicht verwirklichen. Die vieltausendjährigen sich stets erneuernden Mißerfolge beweisen, daß die Mittel dem Zweck nicht entsprechen. Auf der anderen Seite wandelt unter der Menschheit ein Volk, dessen Lebensdauer trotz unzulänglicher Lebens-