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Der Israelit · 1928-05-24 · Heft 21 (24.5.1928) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 21)
Language
German
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■ " " "*— 1 ' '?ggg ' Josef Omez? Rabbi Josief Juspho Han wurde in Frankfurt a. M. ungefähr 1570 geboren. Sein Vater, Rabbi Seligmann Nürtingen, war als großer Gelehrter, insbesondere als hervorragender Kenner des Alfasi, bekannt, dessen populäre Vorträge sich starken Besuches und großer Beliebtheit erfreuten. Seine Mutter war eine Tochter des Israel Reinthal. Der Vater setzte seine ganze Kraft darein, die Söhne für die Lhoralehre zu erziehen und seine Bemühungen waren vom schönsten Erfolge gekrönt. Im Alter von etwa 14 oder 15 Jahren wurde ihm die Tochter des Vorstehers, Rabbi Abraham Breitingen, als Frau zugeführt, und im Hause seines Schwiegervaters konnte er sich, bar aller materiellen Sorgen, mit intensiver Kraft" dem Thorastudium widmen. Er' lernte und lehrte unablässig und bildete Schüler heran, die treu zu ihm hielten und hatte in verhältnismäßig jungen - Jahren bereits eine ansehnliche Popularität innerhalb seiner Gemeinde erreicht. Schwere Schicksalsschläge brachen in den folgenden Jahren über die Frankfurter Gemeinde herein. Eine Judenhetze, die vom Mittelstände ausgehend, immer größere Dimensionen annahm und auf die Behörden nicht ohne Wirkung blieb, hielt die Gemeinde in Schrecken. In dieser Zeit banger Erwartung war es Rabbi Josief Juspho Han, der in persönlichen Aussprachen und öffentlichen Vorträgen die Gemüter beruhigte und auf seine Freunde einsprach, daß sie ihr Vertrauen auf Gott setzen mögen, der sein Volk noch nie verlassen hatte. Damals geschah es, daß er einen Verein gründete, dem die intensive Pflege des Thoraftudiums und die Selbsterziehung zu einem geläuterten Leben oblag. Achtzehn Mitglieder schlossen sich zunächst dem Vereine an, die die Verpflichtung übernahmen, den Lernwie Mussarstunden regelmäßig beizuwohnen und sich außerdem einmal im Monat, je am Donnern tag der letzten Woche des Monats, zusammenzufinden, um gegenseitig sittigend aufeinander einzuwirken. Bei diesen Zusammenkünften hatte Jeder Jedem offen und ohne Schonung das Spiegelbild seines Lebens vorzuhalten, ihn auf etwaige Fehler und Vergehen oder Charakterdefekte aufmerksam zu machen, ohne daß der Zurechtgewiesene es dem Freunde verübeln durfte. Jeder hatte die Mahnung zu Teschuba zu beherzigen und zu befolgen. Es war eine Art moralische Monatsbilanz, die die Vereinsmitglieder machten, um rein und geläutert in das Leben des neuen Monats einzutreten. Auch über den engen Rahmen des Vereins hinaus wirkte Rabbi Josief Juspho Han mahnend und bessernd, soweit der Einfluß hinreichte. Die Befürchtungen der Frankfurter Gemeinde trafen am 26. Elul des Jahres 1614 ein mit dem F e t t m i l ch a u f st a n d e. Dieser endete bekanntermaßen mit der Austreibung f ä m t l i ch e r Juden aus dem Stadtbereiche Frankfurts. Einzelheiten über die Leiden und *) Obige Darstellung ist eine fast wörtliche Medergabe der der Neuausgabe des „Jofsef Omez" (Hermon- Verkag) betgedruckten hebräischen Biographie des Rabbi Josef Juspho Hahn. Gefahren dieser Tage und die Austreibung teilt der Verfasser des „Josief Omez" in seinem Werke (§ 553) mit. Rach etwa anderthalb Jahren hatte der Hohe Rat, der zu der Austreibungsmaßnahme mehr vom Pöbel gezwungen war, mit Hilfe der kaiserlichen Behörden die Oberhand und die Macht wiedergewonnen. Er hatte in dieser Zeit auch reichlich Gelegenheit, den durch den Auszug der Juden dem Handel der Stadt entstandenen Schaden zu ermessen. Einzelne Juden bekamen früher schon die Erlaubnis, in die Stadt zum vorübergehenden oder dauernden Aufenthalte zurückzukehren. Am 20. Adar 1618 konnte der offizielle Einzug der Juden vor sich gehen. Sie wurden, just am Tage', da Fettmilch und seine Konsorten dem Henker verfallen waren, mit großen Ehren in die Stadt geholt und ihren Wohnungen zugeführt. Die Meisten hatten sich in der Zwischenzeit in der nächsten Umgebung aufgehalten. Viele, die nach ferneren Gegenden ausgewandert waren, kamen nur langsam oder nie zurück. Zu den ersten, die in die geliebte Heimatstadt zurückkehrten und gleich mit neuer Kraft und neuer Hoffnung ihre Tätigkeit ausnahmen, gehörte Rabbi Jossef Juspho Han, der in seinem Buche (§ 1106 und 1109) einiges über die Rückkehr aufzeichnete. Rabbi Josief Juspho Han war über sein tiefes Thorawissen hinaus auch wohl bewandert in den profanen Wissenschaften. So schrieb er über die Feste und die kalendarischen Berechnungen der Nichtjuden mit großer Sachkenntnis, und zwar nach einem lateinischen Original, dem er die Angaben entnimmt. Daß sein Wesen und Wirken in der Hauptsache in der Thora wurzelten und dahin gerichtet waren, Thoralehre zu verbreiten und Gottesfurcht zu verpflanzen, ist jedem klar, der in sein Buch, das ein Buch der Lehre und der Moral zugleich ist, hineinschaut. Seine Zeitgenossen, insbesondere in Frankfurt und Umgegend, achteten ihn ungemein hoch. Mit dem bekannten Gaon und Kabbalisten, Rabbi Jesajas Hurwitz, dem „Schelo", der mehrere Jahre bis zur Austreibung das Frankfurter Oberrabbinat innehatte, verband ihn innige Freundschaft. Rach dem Wiederaufbau der Gemeinde bis zur Besetzung des Oberrabbinats und auch später, so ein Interregnum eintrat, vertrat Rabbi Josief Juspho Han vorübergehend ' die Stelle des Oberrabbiners. Bis zu seinem Tode wirkte er als erster Dajan im Rabbinate und'Bes Din der Gemeinde. (Schluß folgt.) - Die Woche. Die Wahlen in Frankfurt. Die Wahlen verliefen in Frankfurt in verhältnismäßiger Ruhe. Während die Sozialdemokraten, D e u t s ch n a t i o n a l e, Zentrum, Deutsche V o l k s p a r t e i, ungefähr ihren alten Bestand behaupteten, die Kommunisten eine wesentliche Verstärkung und die Demokraten eine kleine Verminderung erfuhren, ist leider zu verzeichnen, daß die N a t i o n a l s o z i a l i st e n, die bei den früheren Wahlen nur 5004 Stimmen hatten, jetzt 13 020 Stimmen erreichten. Zusammen mit dem „ V ö l.k i s ch e n Nationalen Block", einer sehr geistesverwandten Gruppe, erhielten sie doch über 20 000 Stimmen. Somit gibt es in Frankfurt, neben Angehörigen gemäßigter Rechtsparteien 20 000 Wähler, die auf ein ausgesprochen radikal antisemitisches Programm eingeschworen sind. Es mag aber sein, daß hier wie im Reiche viele nicht als politisches Glaubensbekenntnis, sondern aus Opposition gegen bisherige Regierungsmaßnahmen ihre Stimmen den Rechtsradikalen gaben. In Frankfurt spricht für diese Annahme die Tatsache, daß bei den S t a dtv e r o r d n e t e n w a h l e n am gleichen Tage die Nationalsozialisten nur 12 932 Stimmen, nur ein wenig mehr als bei den letzten Stadtverordnetenwahlen, erhielten. Aber immerhin 12 932! . . Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden, e. B. Besonderes Entgegenkommen des Herrn Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt hat es ermöglicht, daß die Ziehung der Wohlfahrtslotterie zur Errichtung einerdeutschen Lungenheilstätte für jüdische Männer und Knaben vom 5. Juni endgültig aus den 26. September hmausgeschoben wurde. . Die hohe Bedeutung des Liebeswerkes und die Fülle der Gewinne (u. a. Perlenkette im Werte von 15 000 Wiari, Wohnungseinrichtung, Auto, Silberkasten, silberne Ehanukkaleuchter und Sederschüssel usw.) werden gewiß viere veranlassen, diese günstige Gelegenheit zum Bezüge von Losen noch zu ergreifen; dieselben sind erhältlich bei der Geschäftsstelle Holzgraben 2, Frankfurt a. M. Agudas Jisroel-Iugendorganifakion. Am Sonntag den 3. Juni veranstaltet der Organisationsvorstand der Agudas Jisroel I. O. eine Treff- Fahrt nach Jugenheim—Auerbach a. d. Vergstr., an deren. 10—12 Gruppen teilnehmen werden. Treffpunkt 8 Uhr Hauptportat Hptbhf.. Abfahrt: 8.25 Uhr, Bahnsteig 11. Fahrt nach Seeheim. (Sonntagskarts a Mk. 2.20 selbst besorgen). Wanderung und Essen in Jugenheim (Hotel Sandmühle). Daselbst Treffen mit den süddeutschen Gruppen. — Ab 12.45 Uhr zu Fuß nach Auerbach. Mincho mit anschließendem Referat und Diskussion in der Synagoge. 16 Uhr Spaziergang nach dem Arierbacher Schloß, Aussicht auf den Odenwald. Rückkehr 18.34 Uhr ab Auerbach. — Um recht zahlreiche Anmeldungen bittet das Büro der A. I. I. O., Langestraße 18. Agudas Jisroel Iugendgruppe. "" Herr Halpern wird am 2. Tag Schewuos, den 26. Mai, nachmittags 4 Uhr in den Vereinsräumen eine Droscho halten, über das Thema: rri-v i-mve? mxy Siehe rrn mm». Fünfzigster Geburtstag. Der allbeliebte Oberkantor der Synagoge an der Friedberger Anlage. Benno Pe i s sa ch o w i t s ch, begeht am zweiten Tage des Schewuosfestes seinen fünfzigsten Geburtstag. Nicht nur der engere Freundeskreis des Jubilars sondern die ganze Gemeinde, die vor weinigen Jahren dem zu den hervorragendsten Vertretern "des Kantorenstandes zählenden Schliach Zibbur anläßlich seines 25jährigen Dienstjubiläums dankbare Huldigungen darbrachte, wird sich des Tages freuen und Herrn Peisfachowitsch jugendliche Kraft und ungeschwächte Gesundheit zur frohen Ausübung seines heiligen Berufes D'-rosn ns» ns? wünschen. Eine Einweihungsferer der ..Rabbinischen Lehranstalt". Herr Jakob Michael stiftete zum Andenken an seinen Vater, Eli Michael ^xi, das Haus Nr. 5 in der T he ob a l dstr a ße, der Rabbinischen Lehranstalt, Jeschiwa des Herrn Rabb. Dr. Hoffmann, und am Sonntag den 20. Mai, am ersten Jahrzeitstage von Eli Michael Lurden die Räume des schönen großen Hauses, soweit sie jetzt schon beziehbar sind, mit einer würdigen Feier eingeweiht. Die großangelegte Festrede des Herrn Rabb. Dr. Hoffmann enthielt in ihrem ersten Teile einen Ueberblick über die Entwicklung des Thoralernens in der Gemeinde und der von Rabb. Dr. M. Horovitz r'ST gegründeten Lehranstalt, der zweite Teil war eine Gedenkrede für Eli Michael alle Wesenszüge dieses seltenen Mannes festhaltend und in Dankesworten an den Sohn, Herrn Jakob Michael, für die hochherzige Stiftung ausklingend. Es sprachen dann Worte des Dankes die Herren Willy Mainz für das Kuratorium der Lehranstalt, Julius Goldschmidt für die Gemeindeverwaltung, ein Jünger der Lehranstalt, Herr E h re.n f e l d, im Namen der Hörerschaft und zuletzt der jüngere Sohn des Verstorbenen, Herr Dr. Fritz M i -

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