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Der Israelit · 1928-05-24 · Heft 21 (24.5.1928) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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24 Mai 1928 Der Israelit sie wollen, um von Israel nur nicht beschämt zu werden, es seinem Gott-entfremden' es zu sich hinüberziehen, es betören^ daß es die Treue seinem Gotte bricht, Laß keinen Herold Gott auf Erden habe, der Seinen Namen künde und verehre. Gar stark ist die Versuchung Israels in allen Zeiten-und in allen Landen, gar manche sind erlegen ihr und wurden selbst nun Helfer und Genossen denen, die die befehden, hassen und verachten, die Gott die Treue wahren. Doch deren Mut bleibt ungebrochen, die klein an Zahl, an Willen stark, die Völker führen zur Erkenntnis Gottes, uns Schwert der Strafe abzuwenden suchen, indem bereitwillig sie Gottes Wunsch willfahren, nicht murren und nicht trotzen und nicht fragen, sondern gehorsam nur dem Ziel entgegenstreben snp>3 '2'2, daß, stets von Heiligkeit des Sinai umgeben. Erinnerungen zum Jubiläum des Vereins zur Wahrung der Interessen des gefetzeslreuen Judentums in Baden. Von Samuel Iefelfohn in Reckarbifchofsheim. > ‘ Aus meinen Erinnerungen soll ich zum Veroinsjubiläum mein Scherflein beitragen, und was liegt da näher,, als vor allem Dem zu danken 'ins -non jr'jsn nvrr der mir, beigestanden hat, diese 25 Jahre eines wahren ovo wrpp miterleben zu dürfen. Wenn das Auge sinnend zurückschaut auf die Jahre vor der Vereinsgründung, in denen die Jereim verzagen wollten vor der Zukunft, die so schwer und so hoffnungslos vor ihnen lag, auf eine Zeit, die das gesetzestreue Judentum in Baden so in den Winkel trieb, daß man schon glaubte, seststellen zu dürfen, ein orthodoxes Judentum fei in der badischen Landessynagoge überhaupt nicht mehr vorhanden,, und wenn man dann weiter die Wirkung der Vereinsgründung beachtet, die Sammlung der Gesetzestreuen, die 'Hebung ihres Selbstbewußtseins, die Rückenstärkung, die ihnen der Zusammenschloß bot, darf man ruhig und ohne Selbstüberhebung von einem ®iTj? n»n sprechen. Es wird außerordentlich schwer sein, der jetzigen Generation eine richtige Schilderung der Lage zu geben, in der die in der Minderheit befindlichen Gesetzestreuen der einzelnen Kehillos lebten. Wer die Geschichte kennt, weiß, wie übereifrige untere Organe jeweils weit über das Ziel hinaus schossen, das man sich oben als Richtpunkt gestellt hatte. So auch hier! Die Männer, die auf die Gefahren, welche dem gtfetzestveuen Judentum in Baden drohten, in einem Aufrufe hinwiesen und. zur Gründung des Vereins zur Wahrung der Interessen dieses Judentums aufforderten, waren den schwersten Anschuldigungen ausgesetzt. Dies kam ihnen natürlich nicht überraschend. Vielleicht stellten sie sich die Unannehmlichkeiten noch größer vor^ als sie sich in Wirklichkeit ergaben, aber es gehörte eine Fülle hingebender Arbeit dazu, alle die Männer mit ihren Namen unter diesen ersten Aufruf zu bringen. Was hat uns da der frühvollendete, selige Stiftsrabbiner Blumgrund von Karlsruhe für aufopfernde und hingebende Arbeit geleistet! Ihm war kein Weg zu weit, keine Reife zu beschwerlich, um der guten Sache die Straße zu bereiten. Dann kam die erste Mitgliederversammlung im Hotel Lion in Karlsruhe, die uns erst die rechte Kraft und den frischen Mut gab, weiterzuarbeiten. Ich durfte sie eröffnen, rechts und links unterstützt von den beiden ärztlichen Freunden Dr. Würzburger, Rappenau und Dr. Latte, Mannheim. Was konnte da Böses passieren! Unzählige Vorstandssitzungen wurden abgehal'ten. Ost galt es, ängstliche Gemüter zu beruhigen und zu stärken, die gegenüber der gewaltigen Macht des Gegners verzagen wollten. Die erste Audienz, die wir beiden. staatlichen Kommissar des Oberrats, Ministerialrar Decherer hatten, ist mir noch in lebhafter Erinnerung. Mein Reisekollege war in großer Erregung wegen des schweren Weges, der uns bevorstand. Und wie heiter wirkte sich die Audienz aus! Der Oberrät hatte unfern Jahresbericht eingefordert. Ich frug, zu welchem Zwecke. Wir wollten die Zahl Ihrer Mitglieder daraus ersehen, aber wir ersahen nichts, meinte der Herr Kommissar mit feinem Lächeln. „Das scheinen Sie bei der Abfassung schon geahnt zu haben!" Und dann kam der Kamps um unsre alte, sturmerprobte Tefilloh. Da muß unser Freund Dr. Jonas Simon, Heidelberg in erster Linie erwähnt werden, der mit nie ermüdetem Kopf und Arm die Schlacht ansührte. Und die vielen andern, die mithalfen, bis der Sieg errungen war. Und es war ein Sieg, wie er schöner und edler noch nie erreicht worden ist. Ich grüße bei diesem Gedanken vor allem unseren langjährigen Vorstand im Verein, Herrn Aron Ettling er, jetzt in Hamburg, der von der hohen Warte abgeklärten Greisentums mit Freude auf die unter seiner Leitung geleistete Arbeit Hinschauen darf. Mein Gruß gilt aber auch dem Klausrabbiner und jetzigen Stadtrabbiner Dr. Unna in Mannheim, dem klugen Berater und Helfer, dessen jetzige Stellung als geistliches Mitglied des Oberrats mehr als alles andere den Wandel der Zeiten dartut. Und wie sollte ich dessen vergessen, wm p der als Bezirksrabbiner von Mosbach so vieles zu erdulden, hatte,. , ob seiner überzeugungstreuen Gesinnung, seiner festen! i Unerschütterlichen und unbestechlichen Glaubensstärke^ l meines teuren Lehrers und Freundes. Dr. Löwenstein, der mit großem hingebeiÄem Interesse jede Phase unserer AÄÄt' -verfolgte." und' '-.segyete: Jene, die ihm! mit oft.-recht.^unschönen WsttW die'RtzseK>WKe»?P»Wk^'dve. die 'beiden. Geistlichen' der anderen 'Konfessionen an seinem Grabe hielten. Ich höre den Herrn Redakteur schon „Schluß" rufen. Der Raum fei schon überschritten! Wenn man von alten Zeiten -plaudert, wird leicht das gesetzte Maß außer Acht gelassen!' Etwas aber muß ich noch 'sagen: Die Arbeit der „Alten" ist zwecklos gewesen, wenn sie nicht von einem jungen Geschlecht fortgesetzt und weiter ausgebau, wird. Möge es an diesem nie fehlen! Die rituelle Verpflegung der jüdischen Anstaltsinsassen in Baden. Als niach Beendigung des Weltkrieges der B. z. W. seine Arbeiten wieder aufnahm, war es ihm nicht allein darum zu tun, die bisherigen Betätigungsgebiete von neuem zu beackern und zu besäen, sonderner sah die Notwendigkeit ein, daß sämtliche Zweige des all- und werktätigen Lebens in ihrer Beziehung zur rmv« der Berücksichtigung von Vereins wegen bedürften. So ver^ suchten wir denn u. a., den Aermsten unter den Armen, den Insassen der badischen Heil- und Pflegeanstalten, durch rituelle Verpflegung ihr Los etwas zu erleichtern. Freilich stieß die Ausführung eines solchen Planes auf ungeahnte Schwierigkeiten: Zunächst sind die Anstaltsinsassen nach Geschlechtern getrennt und nach dem Grade der Krankheitserscheinungen — Ruhigenünd Unruhigenstationen, — eingeteilt. Der Uebergang der pathologischen Symptome vom gutzum bösartigen Stadium kann von einem Tag zum anderen und sogar plötzlich erfolgen, so daß sich — abgesehen von spezialisierten, etwa notwendigen Diätvorschriften bei gewissen Zuständen — das Bild der Pfleglinge ständig ändern kann. Weiterhin erblickte der maßgebende Referent im Ministerium in unserem Bestreben „einen Verstoß gegen die demokratische Gleichheit, eine Engherzigkeit, die nicht modern, die zu Konsequenzen anderer „Sekten" führe und für die geringe Zahl der jüdischen Patienten nicht angebracht sei." Trotz der verschiedensten Widerlegungsversuche von rabbinischer Seite unter Hinweis auf Militär- und Gefängnisbehörden war vor zwei Jahren nur weitgehendste Berücksichtigung aller von Familien eingeladenen Patienten und das Versprechen ernster Beratung milden Anstaltsdirektoren zu erreichen. Zur Vereinheitlichung der Angelegenheit machten wir den Vorschlag, sämtliche über die badischen Anstalten verbreiteten jüdischen Patienten in einer Anstalt zu konzentrieren. Dagegen machten jedoch die Angehörigen der Insassen geltend, daß sie doch nicht — z. B. aus Konstanz stammend — ihre Kranken ans andere Ende des badischen Landes bringen könnten, wenn die Kreisanstalt nur 6 Kilometer entfernt fei. , , .- Wir waren nun in der glücklichen Lage,.durch das Aschaffenburger Rabbinat bezw. den. Fürsorgeverein für israelitische Geisteskranke in Lohr über eine vorbildliche Einrichtung in der Anstalt Lohr am Main unterrichtet zu werden. Dort sind die jüdischen Kranken auch in ganz verschiedenen meöizÄischen Abteilungen untergebracht, und auch da wird ein Zentraltisch nicht gestattet. Mt Genehmigung der Kreisregierung wurde auf staatlichem Gelände der Anstalt ein moderner Küchenbau errichtet, der — inmitten eines größeren Gartens —eine 4 Zimmer-Verwalterwohnung neben den Küchenräumlichkeiten in sich birgt. Es wird Mittag- und Abendbrot gegeben. Die einzelnen Portionen kommen in. einem besonderen Speisehandwagen auf die Stationen und werden dort etwas früher verabreicht als das -entsprechende Anstaltsessen. Die Wärter nehmen das Speisekästchen in Empfang und sind verständig und entgegenkommend genug, daß eine Verwechslung mit Nicht- 1V2 -Geräten nicht zu befürchten ist. In der Zwischenzeit macht der Verwalter mit seinem Wagen den Rundgang zu den anderen Hausern, in denen sich jüdische Patien-- ten befinden, und nimmt auf dem. Rückweg-'die ->V2 -Geschirre wieder in Empfang. „Die Anstaltsleitung ist und war uns jederzeit sehr entgegÄlkömmend,■ ÄMrdings —und das - ist das Wichtigste — haben wir stets Fühlung mit der Nr. 21 Seite 13 Direktion genommen. Wir haben unsere Pläne und Neueinrichtungen stets vorgelegt. Wir achten auf pünktliche Ausführung aller Verordnungen, liefern ein gutes Essen — der Speisezettel wird wöchentlich der Direktion vorgelegt —, bemühen die Leitung nicht mehr als notwendig und haben einen äußerst gewissenhaften, tüchtigen, streng religiösen Verwalter, der mit den ausübenden Organen der Anstalt in guter Führung steht und sich nicht die geringste Nachlässigkeit zu schulden kommen läßt . . ." Wie schwer es. ist, in Anstalten ohne diese Institutionen auch nur am nvs rituelle Verpflegung zu verabreichen, sahen wir im vergangenen Jahr in Emmendingen und Wiesloch; trotz energischster Anstrengungen mißlangen damals unsere Absichten. Am heutigen nvs dagegen vermochten wir unter hervorragender Mitarbeit Sr. Ehrwürden, des Herrn Rabbiner Dr. Unna '"3 einiger Vorstandsmitglieder des V. z. W. und unter Mithilfe des Synagogenrats Wiesloch 15 Patienten 2^2-Essen zu verabreichen. Die Regelung hat sich vorzüglich bewährt. Die Anstaltsdirektion, die sich in dankenswerter Weise außerordentlich hilfsbereit in den Dienst der Sache gestellt hat, hat sich sehr zufrieden geäußert und sich mit der Beibehaltung der nv2 Verpflegung auch für die kommenden Jahre einverstanden erklärt. Die Patienten selbst waren begeistert und beglückt ob dieser Fürsorge. Besonderer Dank gebührt dem badischen Wohlfahrtsbund, der uns durch großzügige finanzielle Unterstützung die Verwirklichung unserer Pläne ermöglichte. Dr. W. Jüdische Bauernregeln. Aus Nordbad eit. In vielen Gemeinden unserer Gegend haben sich die Juden im Haupt- oder Nebenberuf seit mehr als hundert Jahren mit Landwirtschaft beschäftigt und ihre Naturbeobachtungen wie' die christliche Landbevölkerung in mehr oder weniger treffenden Sprichwörtern — sogenannten Bauernregeln — festgehaltoN. Diese Regeln tragen selbstredend jüdisches Gepräge. Nachstehend einige, die sich sicher noch vervielfachen lasten: Zu t>»n schert man die Lämmer, zu t o m m e n \ b t -e Schwalben, 'iipv und imp'i gehen die Störche auf die Sud oh. (Ein Beweis treffender Beobachtung. Kürzlich las ich in einem Artikel der „Fff. Ztg." die Tatsache, daß das Storchmännchen einige Tage früher aus dem Süden komme und dann nach Verlauf von 8 Tagen fein Weibchen abhole. Dies ist die Zeit von und 'iips- Und so hat es mir schon vor 50 Jahren mein Großvater mit diesem Spruch geschildert.) spy gehn die Störche tekef (sofort). * ’npna u rt ö -»na t ft der „k a l t e" nav- (Jahr für Jahr fragen die christlichen Bauern nach dem kalten - -nav, nach dessen Verlauf die Frostgefahr erst richtig vorüber sei.) Zweifelhaft ist nur in Schaltjahren, welche der beiden Srdrohs den kalten nav bezeichnet, nna oder ’npna- Ich glaube, es ist die letztere. Ein armer alter '^'nin',S dessen , große Sorge immer das Brennholz für den Winter war, prägte das Wort: der nnrr ist auch noch ein Holz - Daß es zu 01210 gerne regnet, wissen auch die nichtjüdischen Bauern sehr gut, sie fragen darumoft, wann das Laubhüttenstst kommt. S. I. Cs ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben retigionsgesehtichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. 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