Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-05-24 · Heft 21 (24.5.1928) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450515--74984-2532484
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

24. Mai 1928 Der Israelit Nr. 21 Seite 7 lungsbestrebungen und stellt sehr gutes Siedlungsland zu besonders günstigen Kauf- und Abzahlungsbedingungen zur Verfügung Der blühende Zustand der bisherigen jüdischen Kolonien ermutigt zu neuen Versuchen. (I. T. A.) Palästina. Am und gegen „knesses Israel". Jerusalem, 10. Mai. Im „Doar Hajom" nimmt ein prominenter Vertreter der orientalischen Sefardim Stellung zu Knesses Jisrorl, der Werbearbeit dieser Gemeinde in den sefardischei. Kreisen und den Angaben Ussischkins über die Leistungen des „Keren Hajestod" für die Sefardim aus dem Oriente. All die Zahlen, Daten und Angaben sagt der Korrespondent (Jossef Elijahu Schalusch aus Tel Awiw), feien vollkommen aus der Luft gegriffen. Was hier cm Institutionen und medizinischen Hilfsmitteln aufgezählt wird, stammt nicht von Keren Hajestod und wird nicht vom Zionismus bestritten. Wenn sich der Bericht auf Beschlüsse und Bewilligungen des letzten Kongresses beruft, so wird hier konstatiert, daß die bewilligten Subventionen in Wahrheit nicht ausgezahlt wurden. Kleine zeitweise Unterstützungen erfolgten erst nach langem Bitten und Betteln und nach großer Mühe. Die Opposition in den orientalisch-sefardischen Kreisen gegen „Kenesses „Jisrael" und die hinter ihr stehenden zionistischen Führer macht sich auch sonst in jeder Art bemerkbar. Der Waad Leumi hat den Beschluß gefaßt, das passive Wahlrecht der Mitglieder der „Ke nesses Jisr'ael" von der palästinensischen Staatsangehörigkeit derselben abhängig zu machen. Dieser Beschluß hat größte Aufregung bei den Einwanderern der letzten Jahre hervorgerufen, die aus irgend einem Grunde noch keine Zeit gefunden hatten, ihre Einbürgerung durchzuführen. In einer großen Versammlung in Tel Awiw wurde Protest gegen die Maßnahme eingelegt, mit Hinweis auf die schwierigen und langwierigen Formalitäten der Einbürgerung. Die polnischen Aulim sehen darin eine Entrechtung von Juden durch Juden im Nationalheime der Juden. Wenn man bedenkt, welchen Sturm berechtigter Enrrüstung es in den Ausländerkolonien in Deutschland hervorgerufen hat, als man in den Kultusgemeinden das Wahlrecht der Ausländer beschneiden wollte, so versteht man auch die Entrüstung in Palästina ohne weiteres. Daß die Gemeinde der Afchkenasim keine Teilung nach Staatsangehörigkeit kennt und kennen wird, ist ganz f e l b st v e r st ä n d l i ch. Das Provisorische Komitee zum Austritt aus dem Waad Leumi bringt nunmehr, nachdem der Aufruf des „Chofez Chajim" seine Wirkung getan hat, ein Schreiben von Rabbi Chajim Oser aus Wilna zur Veröffentlichung, in dem die Frage des Frauenwahlrechts erörtert wird. Rabbi Chajim Oser spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen das Frauenwahlrecht aus und hält es für unmöglich, einer religiösen Gemeinschaft anzugehören, die sich über die primitiven halachischen Grundsätze in dieser Frage hinwegsetzt. Neuchassidismus in Tel-Awiw. Tel Awjw, 12. Mai. Wie den Lesern des „Israelit" besannt, hat der Dichter CH. M. B i a l i k so etwas wie ein Zentrum für Sabbatheil i g u n g in der Form von gemütlichen Sabbatnachmittagen unter dem Namen nav mw gegründet. Diese Organisation soll nun aus den: Grundstück des Nationalfonds in der Achad Haam-Straße ein eigenes Haus erhalten. Vor kurzem wurde die Grundsteinlegung zu dem Hause des vav? any mit einer Feier und einer Rede Bialiks vollzogen. Bialik sagte u. a.: Wenn wir Juden in Palästina unser eigenes Gesicht behalten wollen, sch können wir es nur auf Grund des Sabbat, der älter sei als die Thora. Er sagte dann: „Der Sabbat ist Israel in die Hand gelegt, Besdin konnte mit dem Vorrecht der Kalenderberechnung und Festesbestimmung die Gottesuhr nach Belieben rücken Ba-pa mion naw" (Hierbei ist dem Dichter ein grober Irrtum unterlaufen. Was er hier sagt, gilt wohl von den Feiertagen, nie und nimmer aber von dein Sabbat, der wvrna iwvn festiteht.) Cs wurden noch weitere'Reden und Begrüßungen gehalten. Eine Urkunde wurde verlesen und in die Grundmauern versenkt. 1 Brief aus Hebron. Hebron, 10. Mai. > Zu Ehren des amerikanischen Phikantropen Hillr.iann, der der hiesigen „Slobodkoer Jeschiwo" einen Besuch abstattete, wurde im Hause des Leiters, Rabbi N. M. Epstein, ein Bankett abgehalten. Neben dem Herrn Oberrabbiner begrüßten noch den Gast der Ortsrabbiner Rabbi S l o n i m, Rabbiner D w o r e z und Rabbi Haßmann. Der Gast selbst hielt eine herzliche Rede, in der er auch im Namen seiner amerikanischen Freunde versprach, sich der Jeschiwo wärmstens anzunehmech Eine Aktionärenversammlung der hiesigen Bank „zur Entwicklung Hebrons" beschloß, das Grundkapital der Bank von 20.000 auf 50.000 Lst. zu vergrößern. Rabbi Israel Sisel D w o r e z ließ ein neues Heft seines Mustarjournalp nrnn erscheinen, das ganz dem verstorbenen fpiritus rector der Slobodkoer Jeschiwo, Rabbi Finkel gewidmet ist. Eine Fülle kulturgeschichtlichen Materials enthält das Heft und spiegelt Werdegang und Entwicklung der Mussarbewegung in Litauen von Rabbi Israel Sakanter bis zur Gegenwart in klaren Umrissen wider . Auch die Gründung der Slobodkoer Filiale in Hebron nimmt einen Teil dieser Abhandlungen ein. Herrliche Mussarproben aus Briefen und Gesprächen des „Alten" verleihen dem Buch einen besonderen Reiz. Eine ähnliche Schrift ist fast zur gleichen Zeit auch in S l o b o d k o unter dem Titel ->ir pv2v zu Ehren und zum Andenken des „Alten" erschienen. Amerika. Die Union rumänischer Inden in Amerika und die rumänische Anleihe. Newyork, 18. Mai. Die Union rumänischer Juden in den Vereinigten Staten, die bekanntlich wegen der Bedrückung und Verfolgung der Juden in Rumänien eine sehr eindrucksvolle Protestaktion durchgeführt hat, hat heute eine Erklärung veröffentlicht, die sich für die Gewährung einer 60 Millionen Dollar-Anleihe an die rumänische Regierung seitens amerikanischer Bankiers ausspricht und darauf hinweist, daß der rumänische Gesandte in Washington kürzlich versichert hat, die rumänische Regierung werde strenge Maßnahmen treffen, um jüdisches Leben und jüdisches Eigentum zu schützen. Die Aufbauarbeit des Ioint. Newyork, 13. Mai. Vor kurzem wurde in Newyork eine außerordentliche Sitzung der Leiter des United Jewifh Campaig des Joint Distribution Committees abgehalten, in der der Vorsitzende des Campaign, David A. Brown, über die nächsten Aufgaben des Joint referierte und darlegte, daß zur Fortsetzung der unmittelbaren Aufgaben des Joint-Aufbauwerkes in Rußland mindestens 2 Millionen Dollar sofort nötig sind, ferner eine Million Dollar für die Arbeit auf anderen Gebieten. Es entspann sich eine Diskussion darüber, ob das Joint Distribution Committee auch nach Beendigung der gegenwärtig in Fluß befindlichen 25 - Miklioen - Dollar-Kampagne seine Arbeit fortsetzen, oder in Liquidation treten solle, wobei selbstverständlich der Agro-Joint in Amerika als selbständige Organisation zur Fortführung des Rußland-Werkes weiter zu bestehen hätte. Louis Marshall und andere Redner verfochten den Standpunkt, daß Joint mindestens noch weitere fünf bis zehn Jahre fein Werk in der bisherigen Form fortsetzen solle. Dieser Standpunkt drang durch. Es wurde beschlossen, bis spätestens 1. Juli d. I. eine Summe von 3 100 000 Dollar für die unmittelbaren Aufgaben aufzubringen. In der gleichen Sondersitzung hielt Herr Louis M a r s h a l l eine großangelegte Rede, in der er sich für die Fortsetzung des Joint-Werkes auch nach Beendigung des gegenwärtigen Drives einsetzte und weiter ausführte: In einem Teil der jüdischen Presse wurden die Herren Julius Rosenwald und' Felix M. Marburg sehr scharf kritisiert, weil sie wiederum Millionenbeträge für die jüdische Kolonisation in Rußland gespendet haben. Sie hätten, heißt es in diesen Aussätzen, besser getan, diese Beträge dem Palästina-Werk zuzuwenden. Palästina, fuhr Marshall fort, wird nicht vergessen; aber es würde seiner zehnmal mehr gedacht werden, als es schon jetzt der Fall ist, wäre nicht die Unterminierungspolitik derjenigen Kreise gewesen, die versuchen die persönliche Ueberzeugung anderer Menschen zu vergewaltigen und ihnen vorzuschreiben, was sie mit ihrem Gelde tun sollen. Im weiteren Verlauf seiner Rede wandte sich Louis Marshall scharf gegen diejenigen Kreise, die für Sabbotierung von Anleihen an diejenigen Länder, in denen Juden schlecht behandelt werden, eintreten. Man solle die Durchführung solcher Anleihen nicht stören, durch die die wirtschaftliche Position der betreffenden Länder gebessert wird, was ja auch der jüdischen Bevölkerung dieser Länder zugute kommt. Herr Felix M. Marburg, Präsident des Joint, wies darauf hin, daß die Not unter den Juden jenseits des großen Meeres immer noch sehr groß ist. Die jüdischen Bauern in Rußland, die eine Zukunft haben, bilden einen nur kleinen Teil der jüdischen Gesamtbevölkerung. In Palästina ist die Lage ebenfalls hoffnungsvoll, aber gegenwärtig noch ernst. In Polen, dessen Kredit gestiegen ist, ist eine Besserung der Position der Juden zu verzeichnen, aber sie können unsere Hilfe noch nicht entbehren. Herr James N. Rosenberg, Präsident des Agro- Joint, sagte, die elementare Bewegung unter den russische» Juden, zur Arbeit auf eigenem Boden, beanspruche die weiteste Aufmerksamkeit. Vor zwei Jahren hatten sich im Moskauer Hauptbüro des Agro-Joint 40 000 jüdische Familien als Bodenanwärter eingetragen. Trotzdem eine beträchtliche Zahl von ihnen inzwischen angesiedelt worden ist, sind die Listen nicht kürzer, sondern länger geworden. Es sei gebieterische Notwendigkeit, das in Rußland begonnene Wiederaufbauwerk zu einem guten Ende zu führen. Personalien. . Hamburg, 20. Mai. Zum Ableben des Berliner Rabbiners Dr. Abraham Loewenthal wird uns aus Hamburg geschrieben: Als Rabbiner der Berliner Jüdischen Gemeinde ist Dr. Loewenthal gestorben, uns Hamburgern ist er vor allem in treuer Erinnerung aus der Zeit seines hiesigen Wirkens. „Ich lenke meinen Blick in die Ferne vergangener Zeiten", wo Rabbiner Dr. Loewenthal der gesetzestreuen Jugend hier als Dozent im damals blühenden I üdi sch-Wi st en fcha ftl lchen Jugendverein und späterhin in der Agudas Jisroel-Jugendgruppe immer und in selbstverständlichster Weife zur Verfügung stand, ihr den Inhalt der Piutim, die Gedankenwelt eines Jehuda Halevi erschloß. Damals schon, als dem Kindesalter kaum entwachsene Jünglinge spürten wir, daß der Grundzug seines Wesens die Treue und die Sehnsucht seiner Seele eine Stätte war, wo er für Jiras schomajim kämpfen, seine ganze Persönlichkeit für die Jüdischkeit einsetzen konnte. Vor wenigen Wochen noch hatte ich die große Freude, bei ihm zu sein. Ich wollte den überlasteten und vielbeschäftigten Mann nicht lange stören und blieb dann — stundenlang. Und diese Unterhaltung wurde mir zum Spiegel, aus dem mir das Bild dieses wai»« v-n und an entgegentrat, zu ewigem Gedächtnis! Er nannte, wie vorahnend, Berlin ein ni»aiR ps mawr- und fügte hinzu: Und doch, wie man sein Land liebt, so muß man dies Berlin lieben, so viele Möglichkeiten gewährt es, für mn pim zu leisten. Und als ich ihn fragte, ob man sein Wirken denn würdiges antwortete er froh: „Ja, die ">§a naiv fürchten mich, also muß ich fürs Kafchrus was geleistet haben." Und Ehren? Bei irgendeiner festlichen Gelegenheit in seiner Familie habe er von feinem Kollegen, Petuchowsky, s. A. ein hebräisches Gedicht erhalten, einen Hymnus auf ihre Freundschaft, — dies Gedicht fei die einzige Ehrung, die ihn je beglückt habe. Er las mir das Gedicht vor, und Tränen traten in seine Augen. Von einer Schalo erzählte er mir: Im Norden Berlins war der christliche Ehemann einer jüdischen Frau gestorben. Diese erbat seine Beisetzung auf dem Bes hachajim der Gemeinde und begründete dies mit feiner früher geäußerten Absicht, zum Judentum überzutreten. Der Gemeindevorstand ersuchte Dr. L. und zwei Kollegen um gutachtliche Aeußerung. Die anderen Herren übersandten ein großes Gutachten, Dr. Loewenthal fuhr hinaus zur Witwe, fand nicht sie, wohl aber die Kinder daheim. Diese, sämtlich als Christen erzogen, betrauerten den Vater und rühmten das glückliche Eheleben der Eltern, obgleich der Vater ein so guter und fester Christ bis an sein Ende geblieben war. Loewenthal übermittelte der Gemeinde an Stelle des Gutachtens den Tatbestand, daraufhin wurde die Beisetzung selbstverständlich verweigert. Weil er '’n ein Mann der lebendigen Praxis, b-^b a-v ein Mann der praktischen Tat war, darum war er auch v'awn V'rr. der Hüter der Gesetzestreu«! Und dann sprachen wir von der Situation in der deutschen Orthodoxie und von seiner Stellung innerhalb der Agudas Jisroel. Und auch da zeigte er sich als „Mann der Treue". Ihn könne nichts von der Agudo abbringen, das hieße für ihn seinem Wahlspruch untreu werden: Tun'» ivn ■»i« “ian „Genosse bin ich allen, die dich ehrfürchten." Und wenige Tage später schrieb er mir, daß er eine Besprechung der konservativen Mit-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.