Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1928)
- Date
- 1928-05-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 21 Der Israelit 24. Mai 1928 heute in Geltung sind, endlich abzuschassen. In dem Antrag sind diese zarischen Gesetze im Wortlaut angeführt. Austritt aus den Gemeinden. Warschau, 20. Mai. Das Warschauer Rabbinat hielt soeben eine söge-- nannte „große Beratung" ab, die der Frage der überhand nehmenden Austritte aus den jüdischen Gemeinden gewidmet war. Solche Austritte erfolgen überwiegend aus Gründen der Steuerscheu. Das Rabbinat kam zu dem folgenden Urteil: „Kein Rabbiner darf die Trauung eines Paares vornehmen, wenn der Bräutigam nicht einer jüdischen Gemeinde angehört. Stirbt ein Mann, der aus der Gemeinde ausgetreten ist, so darf er aus einem jüdtfcheu Friedhof nicht bestattet werden." Das Rabbinat forderte den Vorstand der jüdischen Gemeinde auf, an alle diejenigen, die aus der Gemeinde ausgetreten sind, eine Warnung ergehen zu lassen und sie aufzusordern, binnen 30 Tagen ihren Wiedereintritt in die Gemeinde zu vollziehen, ansonsten das obige Rabbinatsurteil auf sie endgültig Anwendung findet. Die Feier der Unabhängigkeit Litauens. K o w n o , 16. Mai. Am 15. Mai wurde in ganz Litauen die Feier des zehnjährigen Bestehens des unabhängis ch e n Litauen begangen. Die nationalen, religiösen und wirtschaftlichen Organisationen und Institutionen der litauischen Judenheil haben an den Festlichkeiten aktiv teilgenommen und hielten Festsitzungen ab. In den S y - n a g o g e n wurden Gebete für Litauen gesprochen. Die Regierung hat aus Anlaß der Feier Erinnerungsmedaillen verliehen und dabei auch eine Anzahl jüdischer Persönlichkeiten bedacht. Auf Einladung der Regierung hielt der Präsident der jüdischen Gesellschaft „Esra", Dr. S. Wolf, durch Radio eine Festansprache in jiddisch über die Bedeutung der Unabhängigkeit Litauens für die litauischen Juden. In der litauischen Freiheitsbewegung haben Juden stets «ine große Roll« gespielt. In Verbindung mit der Jubiläumsfeier hegte man die Hoffnung auf eine weitgehende politische Amnestie. Diese Hoffnung hat sich nicht ganz verwirklicht. Von sehr vielen jüdischen Verurteilten sind im ganzen drei durch Amnestie befreit worden. Tschechoslowakei. Gründung einer neuen orthodoxen Gemeinde im Rabbinatsbezirk Stupava. Preßburg, 16. Mai. Das dicht am rechten Donauufer gegenüber Preßburg gelegene P e t r z a l k a (A udorf) entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem ansehnlichen Orte, dessen Bevölkerung in stetiger Zunahme begriffen ist. Früher wohnten dort nur vereinzelte Juden, die zwar zum Rabbinatsbezirk Stupava zählten, aber aus Mangel eigener Institutionen in religiöser Beziehung ganz auf Preßburg angewiesen waren. Allmählich zogen aber immer mehr jüdische Familien nach Audorf hinüber, so daß sich bei ihnen das Bedürfnis nach einem selbständigen jüdischen Gemeindeleben fühlbar machte. Um diesem Bedürfnis abzuhelfen, wurden bereits vor einem Jahre die ersten Schritte zur Gründung einer Gemeinde getan. Ein Bethaus wurde eröffnet, in dem jeden nav mit Minjan gebetet wird und in mehreren Versammlungen auch schon das Statut zu einer eigenen Gemeinde vorbereitet. Eine endgültige legale Form erhielt diese Gemeindegründung jedoch erst in der Sitzung, die am 15. April in Gegenwart des Präses der Stupavaer Muttergemeinde, Herrn Markus Weber, stattfand. Einige Tage zuvor besuchte Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Herzog aus Stupava seine neue Filialgemeinde und legte den Gemeindemitgliedern in herzgewinnender Weise die religiösen und organisatorischen Prinzipien dar, auf die sich eine jüdsche Gemeinde aufbauen müsse, wenn sie Sinn und Bestand haben will. In der Gemeindeversammlung vom 15. April wurden nun die divergierenden Anschauungen geklärt und Charakter und Basis der Gemeinde, sowie ihr zukünftiges Verhältnis zur Stupavaer Muttergeemeinde und zum Rabbinat« in bindender Form beschlossen und vertragsgemäß endgültig festgelegt. Unter den Anwesenden herrschte nach Ausgleichung der bei solchen Neugründungen unvermeidlichen Meinungsverschiedenheiten allgemeinste Zufriedenheit mit dem vollbrachten Werke. Die Wahl des Gemeindevorstandes ergab folgendes Resultat: M. Keller mann (Ehrenpräses), Arlur Spitz (Präses), Mor Fried (Vizepräses), Nathan Müller (Sekretär). F e l d m a n n (Stellvertreter - Sekretär), Mahler (Komrollor), Maus (Kassier) und Grünb e r g e r (Kurator). Die kritische Lage in den jüdischen Kolonien Rußlands. Moskau, 15. Mai. Infolge des Mißwachses und der Wetterschäden wird die Lage in den jüdischen Kolonien Rußlands immer krilischer. Es fehlt in den Kolonien an dem Notwendigsten'. Die jüdischen Kolonisten wandern täglich 30 und 40 Meilen weit in die ihnen erreichbaren kleinen Städte, um sich dort Brot zu beschaffen. Die Regierung hat 300.000 Rubel zur Beschaffung von Nahrungs- und Futtermitteln für die jüdischen Kolonisten zur Verfügung gestellt. Die Regierung beschloß ferner, aus staatlichem Bestände monatlich 60 Waggons Brot und 30 Waggons Kartoffeln in die jüdischen Kolonien zu senden und diese Sendungen so lange fortzusetzen, bis sich die Lage gebessert hat. Dem JTA-Vertreter erklärte der Generaldirektor von „Ort", Agronom Zegelnicki, daß die jetzige Mißernte eine doppelte Ursache habe. Der sehr regenarme Herbst des Jahres 1927 hat es vielen Kolonisten unmöglich gemacht, die Wintersaat durchzuführen. Wo Wintersaat angebaut wurde, ist sie zu 50 Prozent durch Frost, zu 40 Prozenr durch Unwetter vernichtet worden; nur 10 Prozent dieser Ernte konnten erhalten bleiben. Unter den Kolonisten herrscht eine tiefe Depression. Um die Rot so weit als möglich zu lindern, hat „Ort" in einem gewissen Maße helfend eingegriffen. Um das lebende Inventar in den Kolonien zu erhalten, sandte „Ort" in die Kolonien 12 Waggons Mais und andere Futtermittel. Der Atheisten-Kongreß in Charkow stellt eine Stärkung der jüdischen religiösen Bewegung fest. Moskau, 20. Mai. In Charkow, der Hauptstadt der Ukraine, tagt gegenwärtig der Kongreß der Atheisten der gesamten Ukraine. Mehrere Redner führten Klage darüber, daß die Rabbiner eine erhöhte religiöse Propaganda entfalten. Die die „Chedarim" besuchenden Kinder erhalten Nahrung und Kleidung unentgeltlich, auch werden religiöse Konzerte arrangiert, um die Bevölkerung zu religiösen Hebungen heranzuziehen. Religiöse Lesehallen werden errichtet, die „Maggidim" (orthodoxe Prediger) haben starken Zulauf auch von der Seite der kommunistischen Jugend. — Es wurde beschlossen, Atheisten- Seminare zu gründen, die einen systematischen Kampf gegen die religiöse Bewegung führen sollen. Äntireligiöse Schriften sollen herausgegeben und verbreitet, eilt antireligiöses Museum mit angeschlossenem Kino soll eingerichtet ' werden. Schweiz. Palästina im Jahresbericht des Internationalen Arbeitsamtes. Genf, 18. Mai. Der Leiter des Internationalen Arbeitsamtes des Völkerbundes, Albert Thomas, hat für die am 30. Mai in Genf beginnende 11. Internationale Arbeitskonferenz einen Bericht hergestellt, in welchem es mit Bezug auf Palästina u. a. heißt: Im Jahre 1927 kamen zu viele Einwanderer nach Palästina, als daß sie sofort vom Lande hätten absorbiert werden können. Dies mutzte Arbeitslosigkeit im Gefolge haben. Die Regierung und die zionistische Organisation waren sehr bemüht, die Arbeitslosigkeit zu lindern. Einer Besserung der Arbeitsbedingungen steht der- Umstand entgegen, daß die Lebensbedürfnisse und die Kulturstufe der arabischen Arbeiter ganz andere sind als die der jüdischen Arbeiter. Eine Sonderkommission beschäftigt sich mit der Frage der Einführung eines Mindestlohnes, der höher fein. soll als der Lohn des arabischen, aber niedriger als der des jüdischen Arbeiters. Den Resultaten der Arbeiten dieser Kommission wird mit "Interesse entgegengesehen. Untrügbare Anzeichen einer Annnäherung zwischen den beiden Beoölkerungsschichten in Palästina sind vorhanden. Vom wirtschaftlichen wie vom politischen Standpunkt ist es sehr wichtig, daß die jüdischen Arbeiter auch solche Arbeit tun, die früher ausschließlich von Arabern geleistet worden ist. Der Bericht weist aus die von der Palästina-Regierung im Jahre 1927 herausgegebenen Arbeitsschutzgesetze hin und stellt fest: „Ungeachtet aller Schwierigkeiten, mit denen die Arbeiterorganisationen in Palästina zu kämpfen haben, entwickeln sie eine mutige und umfangreiche Tätigkeit und unternehmen allerlei Versuche, die Erfolg haben und das Land zu einem ausgezeichneten Beobachtungsfeld machen. Der astgemeine jüdische Arbeiterverband (Histadruth Haowdim), der rund 25 000 Mitglieder zählt, hat verschiedene technische und soziale Institutionen geschaffen, die nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit verwaltet werden, wie eine Kranken- und Unfallversicherung (Kupath Cholim) usw. Im allgemeinen ist festzüstellen, daß die Lebens- und Arbeitsbedingungen der jüdischen Arbeiter in Palästina sich den Bedingungen in Europa nähern. Die Araber besitzen noch keinerlei eigene Arbeiterorganisation, aber eine große Zahl von ihnen ist den jüdischen Organisationen bergetreten." Die Amtsniederlegung Oberrabbiner Dr. Ritters. Rotterdam, 1. Mai. In der letzten Sitzung des Gemeindevorstandes wurde über das Rücktrittsgesuch von Oberrabbiner Dr. Ritter wegen der Ablehnung der bekannten Forderungen des Rabbinerverbandes verhandelt. Aus der Gemeinde ist ein Gesuch mit 292 Unterschriften eingegangen, den Entschluß des Vorstands zu ändern. Man hat versucht, mit dem Oberrabbiner noch nachträglich eine Einigung herbeizuführen, aber ohne Erfolg. Im Verlaus der Sitzung wird noch der Vorschlag gemacht, einert Entschluß zur Abänderung der Statuten im Sinne des Oberrabbiners anzunehmen. Der Vorschlag wird aber mit12 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Hiernach wird beschlossen, das Entlassungsgesuch des Herrn Oberrabbiners Ritter anzunehmen. Der Vorsitzende spricht noch einige Worte des Bedauerns, wonach die Sitzung geschlossen wird. Australien. Jüdische Siedlungen in Australien. Melbourne, 15. April. Die jüdische Cinwanderer-Schutzgesellschaft in Melbourne hat einen Appell an die Juden in Australien zur Schaffung eines Fonds von 50.000 Pfund zwecks Gründung einer neuen jüdischen Kolonie in Australien erlassen. Eine jüdische Kolonisationsgesellschaft ist bereits begründet und von der Regierung genehmigt worden. In der zu gründenden Kolonie sollen jüdische Einwanderer als Landwirte seßhaft gemacht werden. Die jüdischen Gemeinden von New South Wales und Queensland haben ihre Bereitschaft erklärt, an der Verwirklichung des Planes mitzuarbeiten. In Australien existieren bereits einige kleine jüdische landwirtschaftliche und Gartensiedlungen, die sich sehr gut entwickeln, so die Kolonie in Shepparton, in Berwick usw. Die australische Regierung fördert alle Siedteirauenssacfte {J/ertFwwissacfie ift die Wahl eines erftkldffigen und einwandfreien \g> Hautpflegemittels^ dem täglichen Wdfchwaffer zugefetzt erfrifcht, reinigt, klärt und befähigt die Haut aus eigener Kraft gefund und fchön zu fein. Heinrich Mack Nachf., Ulm a. D. SS