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Der Israelit · 1928-05-24 · Heft 21 (24.5.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 21 Der 8 s ra eilt 24. Mai 1928 folge des Schulzwanges in eine ganz neue Lage kommen. Ohne Chedarim keine Jeschiwaus. Die Zwangssonntagsruhe gefährde den Sabbat von außen, aber auch von innen heraus entstehen diesem Bollwerk des Judentums, der Sabbatheiligung, schwere Gefahren, die behoben werden müssen. Von einschneidender Bedeutung für die Zukunft des gesetzestreuen -Judentums sind auch die bevorstehenden Gemeindewahlen. Wo es bei denselben um die Verteidigung religiöser Interessen geht, darf es keine Scheidung nach politischen Gruppen geben. Bei dem Oeffentlichkeitscharakter des jüdischen Lebens, wie es sich nach dem Kriege herausgebildet hat, schreien auch die Verhältnisse der Gemeinderabbiner nach zeitgemäßer Regelung. Ein Referat über die Aufgaben der Rabbinerkonferenz hält Rabbi Menachem Krak o w s k y. Er betont, daß, wenn auch die ökonomische Lage der Juden kritisch sei, uns noch weit mehr die g e i st i g e Not der Gemeinden erschüttern müsse. Dem Heldentum der Sabbatheiligung bei völliger Sonntagsruhe ist die Bevölkerung nicht mehr in allen Teilen gewachsen. Auch die S i t t e n r e,i n h e i t in- und außerhalb der jüdischen Familie weist eine große Trübung auf. Mit den Kaschrusinstitution e n stehe es genau so schlecht wie mit der Frage der T r a u u n g e n und E h e s ch e i d u n gen, die oft von Unbefugten Und Unwissenden besorgt werden. Anarchie herrsche auch im S o f r i m - Gewerbe. . Die Koscherverpflegung der jüdischen Soldaten stoße auf namhafte Schwierigkeiten. Alle diese Dinge rufen gebieterisch nach Zusammenschluß, nach intensiver gemeinsamer Arbeit. „Man sagt uns, wir sollten die Kulturarbeit der anderen nicht stören und unsere eigene Sache ausbauen. Wenn man aber den Cheder bekämpft, so läßt man uns eben nicht nach eigenem Gusto bauen." Ein ernstes Problem ist die jüdische T ö ch t e r e r z i e h u n g, für die bis jetzt so gut wie gar nichts getan worden ist. Abendkurse für Erwachsene , und Lerngelegenheiten . für Baale Battim sind eine dringende Notwendigkeit. Die Jeschiwäus in Zentrallitauen zählen über 5000 Hörer, und nur wer die ablehnende Haltung der Gaste gegen Jeschiwa und Bachur kennt, weiß den Heldenmut der Jünger zu schätzen, die Zurücksetzungen und auch materielles Elend im Namen der Thora auf sich zu nehmen. Zum Thema der K e h i l l a berührt er die Einrichtung desReligiösem Rates. Dieser gibt zu großen Sorgen Anlaß. Wird er ja zu zwei Dritteln, aus weltlichen Laien bestehen, die, je nachdem wie sie eingestellt sind, als „oberste Beschützer der Religion" vielleicht gar gegen die Thora arbeiten. Und ob das Drittel der rabbinischen Mitglieder ihnen ein nennenswertes Gegengewicht bieten können, wird ganz davon abhängen, welche Rabbiner in diesen Rat gewählt werden. Man muß also hierin noch zu retten suchen, was zu retten ist. Einer scharfen Kritik unterzieht auch Rabbi K o s o w s k y aus Wolkowisk das Gemeindegesetz. Kaum ein Punkt darin, der die religiösen Kreise befriedigt. Es sei unerhört, daß man die einzelnen kleinen Gemeinden zwinge, sich mit anderen zu einem Verbände zu alliieren, unabhängig davon, ob sie geistig zusammen gehören oder rsicht. Die siebzehn Rabbiner in dem aus 34 weltlichen Mitgliedern bestehenden religiösen Oberrate werden wenig ausrichten können. Die Kompetenzen des religiösen Oberrates sind ungemein groß. Die Regierung mag es recht gut gemeint haben. Aber Zentrallitauen muß sich dem Beschlüsse des Rabbinerverbandes in.Polen Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Juni! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M, Auspowerung und Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung in den größeren und mittleren Stödten erdacht, vielleicht um die Juden auf diese Weise zwangsmäßig in die Kolonien hineinzutreiben. Die Steuern erreichen eiye Höhe, daß sie den Ruin der 'Kaufleute zur Folge haben, und wer nicht zahlen kann, wird erbarmungslos ins Gefängnis gesteckt. Für die geringste Uebertretung. drohen drei Jahre Gefängnis. Die wirtschaftliche Lage ist, ohne daß man .hier Ursache und Wirkung genau auseinanderhalten kann, trostlos, der Antisemitismus im Wachsen. Die Korrespondenten weisen darauf hin, daß natürlich jede wahrheitsgemäße 'Dorstellung des Sachverhaltes für die Urheber äußerst gefährlich ist. Es ist aber unmöglich, zu diesen Dingen zu schweigen, die von den berufenen Instanzen des Auslandes mit allem Ernste untersucht werden müßten. anschließen, wonach der ganze religiöse Oberrat als Unding zu streichen sei. Der Redner appelliert an den Pressetisch, sich nicht immer in das Schlepptau der Liberalen ziehen zu lasten, und die Rabbinen, die in Wahrheit die Interessen der Bevölkerung in höchst liberaler Weise wahren und vertreten, als die „Klerikalen" zu verschreien. Das Referat stellte eine Gesamtabrechnung dar und zeigte Wege zur Besserung, zur Erlangung der Rechte, die de^ jüdischen Bevölkerung zustehen. Es sind u. a. folgende Resolutionen angenommen worden: Mit aller Energie und allen Mitteln sei sowohl bei den Behörden wie in den Gemeinden für den Sabbat einzutreten: durch Bewirkung einer Milderung der Sonntagsruhe, Gründung von Sabbat- und Lernvereinen, Abfassung von Aufrufen usw. Durch Intervention bei den Behörden soll auf Aenderung aller schädlichen Punkte im Gemeindegesetze hingearbeitet werden, besonders des Paragraphen, der den O b e r r a t betrifft. In der Hauptsache sei zu bewirken, daß die rabbinischen Mitglieder des Oberrates von Rabbinern gewählt werden, ebenso die Kommission beim Oberrat für Erteilung von Rastbinatsautorisationen. Die Klausel, die die Zwangsverbindung von einzelnen Gemeinden vorsieht, muß gestrichen werden. Jeder Rabbiner verpflichtet sich won 'Neuem, mindestens zweimal im Jahre zugunsten der Jeschiwaus aufs Land hinauszufahren und in der Provinz tätig zu sein. Auch der greise „Chofez Chajim" unterschrieb diese Verpflichtung. Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Alarmberichte aus der Ukraine. Frankfurt«. M., 21. Mm. Schon feit einigen Wochen gehen uns von zuverlässigen Korrespondenten Nachrichten zu, die eine geradezu verzweifelte Stimmung der jüdischen Bevölkerung in der Ukraine widerspiegeln. Aus politischen Zusammenhängen heraus, die aus den Darstellungen der Korrespondenten nicht ohne weiteres ersichtlich werden, haben die Behörden anscheinend ein ganzes System zur Die Tragödie der jüdischen Staatenlosen. Breslau, 17. Mai. Das Breslauer Amtsgericht hatte sich mit einem besonders krassen Fall eines Staatenlosen zu beschäftigen. Es hatte -einen gewissen H. verhaften lassen, der hier ohne Paß angetrofsen wurde. Dieser hatte folgendes Schicksal. Sein Vater war Oesterreicher und mit seiner Familie am Ende des vergangenen Jahrhunderts von Wien nach München gezogen. Dort hatte er im Jahre 1912 die Entlassung aus dem österreichischen Staatsverbande erhalten. Bevor er jedoch seine Absicht verwirklichen konnte, die bayerische Staatsangehörigkeit zu erwerben, brach der Krieg aus. Der junge H., der jetzt hier verhaftet, wurde nunmehr in Oesterreich eingezogen und kämpfte im österreichischen Heere an der Front. Nach Kriegsende kehrte er nach München zurück und hatte dort seinen Erwerb. Im Jahre 1925 ließ er sich eine Hehlerei zuschulden kommen, was ■ die bayrische Regierung sogleich zum Anlaß nahm, um ihn aus Bayern auszuweisen. Oesterreich aber wollte, trotzdem er für dieses seine- Haut zu Markte getragen hatte, nichts von ihm wissen und erklärte, er sei im Hinblick auf die Entlassung seines Vaters im Jahre 1912 nicht mehr Oesterreicher. Er wurde nach der Tschecho-Slowakei abgefchoben. Dort wurde ihm bedeutet, daß er auch da nicht heimatsberechtigt sei. Man schaffte ihn von Preßburg von einer Station zur andern, bis er schließlich an der deutschen Grenze bei Oderberg angelangt war. Dort übergab man ihn den Grenzbeamten, die ihn aufforderten, sofort über die „grüne Grenze" nach Deutschland 'zu gehen und sich in der Tschecho-Skowakei nicht mehr blicken" zu lassen. So kam H. wieder nach Deutschland zurück, und wurde wegen Bannbruchs in Breslau inhaftiert,- denn der bayrische Ausweisungsbefehl erstreckte sich auf das ganze deutsche Reichsgebiet: Das Landgericht hat den Haftbefehl gegen,H. aufgehoben, indem es erklärte, daß H. sich in einem die Strafbarkeit ausschließenden Notstände bei Ueberschreitung der deutschen Grenze befunden habe. Der neu einzurichtende „Gemeindegottesdiensk nach altem Ritus“ in Dresden. ’ Dresden, 16. Mai. Es ist schw ierig, im engen Rahmen einer Zeitungskorrespondenz dieses Thema zu behandeln, das seit langer Zeit die beteiligten und betroffenen Kreise bewegt; denn so anziehend und verlockend es auch für Außenstehende ich Interesse der Dresdener konservativen Ju- Wochenkalender. Mai bis 2. Juni 1838. v. 7 14. Eiwan Samstag 26 p'v 7 nwrisn - Sonntag 27 8 Montag Mai 28 9 Dienstag 29 10 Mittwoch 30 11 Donnerstag 31 12 Freitag Jun 1 13 Samstag 2 14 rrm 3 '8 p*is

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