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Der Israelit · 1928-05-17 · Heft 20 (17.5.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 20 (17.5.1928)
Date
1928-05-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 20 Der Israelit 17. Mai 1928 Rumänien. Tragödie jüdischer Soldaten in der rumänischen Armee. Czernowitz, 13. Mai. Vor dem Czernowitzer Kriegsgericht hatte sich ein Jude namens Lungu Avram wegen Desertion zu verteidigen, die er vor mehr als 10 Jahren angeblich sich hat zuschulden kommen lassen. 1916 diente er in der rumänischen Armee als einfacher Soldat, machte heiße Kämpfe mit und geriet schließlich in deutsche Gefangenschaft. Nach Beendigung des Krieges kam er heim, meldete sich wieder bei feinem Regiment und kämpfte tapfer gegen die Bolschewisten. Wiegegen viele andere Juden, die aus der Gefangenschaft heimkehrten, wurde auch gegen Avram die Klage erhoben, daß er sich den deutschen Truppen ergeben hat. Vor fünf Jahren verurteilte ihn das Jassyer Kriegsgericht wegen Desertion zu fünf Jahren Zwangsarbeit. Gegen dieses Urteil legte er nach Verbüßung der Strafe Berufung ein, die nun vor dem Czernowitzer Kriegsgericht zur Entscheidung stand. Der Angeklagte sagte aus: „Ich war dem „Judenpluton" zugeteilt, das, wie die übrigen Judenplutons, dazu ausersehen war, den Rückzug der rumänischen Armee zu decken und sich dem Feuer des Feindes auszusetzen. Wir mußten stehend schießen und konnten uns nicht decken. Während alle anderen jüdischen Kameraden sielen, wurde ich plötzlich von deutschen Soldaten umzingelt und gefangen genommen. Nach zwei Jahren der Gefangenschaft wurde ich entlassen. Ich meldete mich sofort bei meinem Regiment. Man reihte mich wieder ein und ich nahm an den Kämpfen gegen die Bolschewisten teil. Wäre ich Deserteur gewesen, so hätte ich sicherlich nicht den Weg zu der Armee zurückgefunden." Die militärischen Vorgesetzten von Avram stellten ihm das beste Zeugnis aus. Er sei ein arbeitsamer und pflichttreuer Soldat gewesen, der jeden Befehl ausführte. Advokat Dr. Basiliu, der den Zug kommandierte, dem Avram vor seiner Gefangennahme durch die Deutschen zugeteilt war, sagte aus: Avram gehörte dem sogenannten „Judenpluotn" an. Cs existierten mehrere Plutons, die ausschließlich aus Juden bestanden. Diesen Plutons wurde an dem kritischen Tage der Befehl gegeben, in die Feuerlinie zu gehen, um den Rückweg rumänischer Armeeteile zu decken. Von den 100 jüdischen Soldaten, die dem Pluton Avrams angehörten, sind damals nur 21 zurückgekehrt, die übrigen sind, von den deutschen Kugeln zerfetzt, auf dem Schlachtfeld geblieben. Nur Avram wurde vermißt. Cs war finstere Nacht, und Avram hat wahrscheinlich die Orientierung verloren. Denn es ist sehr schwer, während des Kampfes zu desertieren. Diese Aussage wurde von dem gewesenen Kompanie-Kommandanten, Major Dimitriu, vollkommen bestätigt. Der Verteidiger, Advokat Rodos, hielt dem Major Dimitriu vor, daß er vor fünf Jahren durch ungünstige Aussagen die harte Verurteilung Avrams verschuldet habe. Dimitriu habe starke antijüdische Neigungen. Es ist aber auch Tatsache, daß sämtliche dem „Pluton evreese" (jüdischen Hundertschaft) angehörenden Soldaten, die an den gefährlichsten Stellen verwendet wurden, bei jeder geirngsten Absentierung als Deserteure bezeichnet und behandelt worden sind. Das Czernowitzer Kriegsgericht sprach Lungu Avram frei. Zum ersten Male wurde vor einem Gericht amtlich die von rumänischen amtlichen Personen bisher geleugnete Tatsache festgestellt, daß im Kriege sogenannte jüdische Plutons geschaffen wurden, deren besondere Aufgabe es war, die Rückzüge der rumänischen Armee zu decken und sich dabei aufreiben zu lassen. Bekanntlich wurde vor kurzem der Versuch gemacht, auch jetzt noch innerhalb der rumänischen Armee eigene jüdische Bataillone zu bilden; der Versuch scheiterte an dem einmütigen Protest der gesamten jüdischen öffentlichen Meinung. Frankreich. Ein Abkommen zwischen IEA und Sowjekrcgiernng. Paris,?. Mai. Zwischen der Jewish Colonisation Association (JCA) und der Regierung der russischen Sowjet-Union ist vor kurzem ein Abkommen betreffend die Regelung der Auswanderung von Juden aus Rußland getroffen worden. Laut diesem Abkommen besteht die Emigrationsarbeit der JCA in Rußland in folgenden Funktionen: 1. Aufklärung der Emigranten über die bei der Auswanderung zu beachtenden Vorschriften, besonders über Dokumente, die sie haben müssen, um aus Sowjetrußland auswandern und in ein anderes Land einwandern zu können: 2. Aufklärung der Emigranten über die Bedingungen der Seßhaftmachung in den Einwanderungsländern; 3. Versorgung der Auswanderer mit Eisenbahn- und Schiffskarten zu günstigen Bedingungen; 4. Ausbildung der Auswanderer in beruflichen Fächern, sowie in den Sprachen der Einwanderungsländer. 5. Uebermittlung von Geldunterstützungen seitens im Ausland wohnender Juden an ihre Familienangehörigen in Rußland. Palästina. Briefe aus Palästina. Jerusalem, 10. Mai. Herr Mabromrtas, der Besitzer der Konzession für die Elektrifizierung Jerusalems, ist hier angelangt und gleich an die Vorbereitungsarbeiten für die Errichtung des Wasser- und Elektrizitätswerkes gegangen. Man rechnet damit, daß die Kanalisation und das Wasserwerk bis zu Ende des Jahres durchgeführt sind, und daß dann unverzüglich an die Einführung der Elektrizität herangegangen werden kann. In „Machne Jisroel" siedelte sich dieser Tage ein amerikanischer Jude an, ihm folgte eine Frau mit Tochter. Weitere Ansiedler werden erwartet. In der Wohnungskolonie des Vereins „Nerve Israel", in der nächsten Umgebung der Stadt, begründet von den „Jeire Jisrael" mit dem Zwecke, dort ein neues jüdisches Viertel auszubauen-, haben dieser Tage drei Ansiedler ihre festen Wohnsitze bezogen. Es hängt von dem zu erhaltenden Kredit ab, ob und in welchem Tempo die anderen Ansiedler folgen. Die Kolonie ist in schönster Gegend gelegen und die schön errichteten Häuser sind in Jerusalem schon von weit her sichtbar. Die klimatischen Verhältnisse sind dort die denkbar besten. Die Niederlassung zieht je am Sabbat viele Spaziergänger aus der Stadt an, die voller Bewunderung, sind über das blühende Leben, das auf vor kurzem noch steinigem Boden entstanden ist. Tief deprimierend ist die Angabe im offiziellen Bericht des Erziehungsgepartements über die Zahl der jüdischen Kinder, die die Missionsschulen besuchen. Es sind mehr als 500 jüdische Schüler und Schülerinnen aus den ärmsten Schichten der Bevölkerung, die bei der Mission neben Schulunterricht auch Kleidung und Verpflegung erhalten. Wie wichtig wäre es nun, wenn die Diaspora die Aguda in Palästina in den Stand setzen würde, durch ein ausgedehntes Schulwerk der Mission ihre Opfer zu entreißen. Hunderte von jüdischen Kindern wurden bereits durch die Aguda aus den Schlingen der Mission gerettet. Leider reichen die Mittel nicht aus, neue Schulen zu eröffnen, da wo sie am nötigsten wären. Die jüdische Oeffentlichkeit ist an der Tragödie des jüdischen Kindes im heiligen Lande nicht unschuldig. In Tel - Awiw wurde eine gesetzestveue Kehila gebildet, die eine große Propaganda dahin entfaltet, daß die Thoratreuen sich vom „Waad leumi" zurückziehen. Neben dem bereits veröffentlichten Gutachten des „Chofez Chajim" liegen noch andere Schreiben von Leuchten der Thora vor, die als Material dienen. Man darf hoffen, daß das gesetzestreue Judentum bald in Tel-Awiw den ihm gebührenden Platz findet. Amerika. 10 Iahre amerikanisch-jüdischer Kongreß. Newyork, 8. Mai. In diesen Tagen beging der ~ Amerikanisch-Jüdische Kongreß das Jubiläum seines 10jährigen Bestandes. Aus diesem Anlaß fand unter dem Vorsitz seines Präsidenten Dr. Stephen Wise eine Feier statt, in der Advokat Schapiro über die Zukunstsaufgaben des American Jewish Congreß sprach und u. a. ausführte: „Wir erkennen stets die Notwendigkeit an, für die Rechte der jüdischen Minderheiten in Europa zu kämpfen; wir dürfen aber nichr vergessen, daß wir auch in unserem eigenen Land, in Amerika, einen Kampf durchzufechten haben. Ungeachtet der mehr als hundertjährigen Freiheitstradition läßt Amerika es zu, daß Minderheiten von der Mehrheit unterdrückt werden, es fehlt nicht an Aeußerungen des Antisemitismus, die Taten des Ku-Klux-Klan sind noch frisch in unserer Erinnerung. Den Antisemitismus kann man hier wie anderswo nicht mit Beten und Flehen beschwören, sondern nur im offenen Kampf überwinden. Der Ku-Klux-Klan wurde bei uns im offenen Kampf erledigt. Das gleiche muß in Europa getan werden: Offener Kampf und offener Protest sind die besten Mittel gegen Unterdrückung." Der Sekretär des American Jewish Congreß, Bernard Richards, erklärte, der Kongreß müsse sich entschließen,, entweder sich auszulösen oder sich zu reorganisieren und eine erneuerte Aktivität zu -entfalten. Die Jubiläumsversammlung beschloß daraufhin, eine Kommission zu wählen, die einen Reorganisierungsplan auszuarbeiten und vorzulegen haben wird^ Geschmackvolle Fenster- "' " erhöhen die Behaglichkeli Ihres Heims! Bei Beschaffung preiswerter, moderner u. wirkungsvoller Vorhänge verabsäumen Sie nicht, , unsere Riesenauswahl geschmackvoller Gardinen und Dekorationen zu berücksichtigen, Fenster von Siedlungsbaulen neuzeiflich zu bekleiden, Ist eine Spezialiläl von uns! Vertrieb von Erzeugnissen sHcbsiscber Gordinen-Fabriken ■ Frankfurt a. M. Stiftstr. 29-33 I

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