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Der Israelit · 1928-05-17 · Heft 20 (17.5.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 20 (17.5.1928)
Date
1928-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Seite 5 11. Mai 1928 _ Würzburg, der katholische Theologe Dr. Hehn, in seiner Rektoratsrede an seine Studenten mit dem. Appell gewandt, sich jeder Ueberheblichkeit zu enthalten, die darin liege, daß eine studentische Gruppe der anderen die vaterländische Gesinnung abspricht. Er mißbilligte scharf den Ausschluß jüdischer Korporationen bei Universitätsfeierlichkeiten, wie sie z. B. auf dem letzten Würzburger Studententag erfolgt ist. Die demokratische Presse hofft, daß auch an anderen Universitäten führende Mitglieder des Lehrkörpers Toleranzparolen ausgeben werden. Gewissenszwang in Sachsen. Leipzig, 13. Mai. Der hiesige liberale Rabbiner Dr. Goldmann, Lessen Sohn von der Leitung.der städtischen Volksschule gezwungen werden sollte, am. Sabbat die Schule zu besuchen, hat sich beschwerdeführend an das sächsische Ministerium gewendet und unter Hinweis auf Art. 135 und Art. 91 der Reichsverfassung Befreiung vom Schulzwang verlangt. Der in dieser Richtung ausgeübte Zwang sei nicht nur verfassungswidrig, sondern auch unsittlich und verstoße gegen die Gleichberechtigung der Staatsbürger, da katholische Kinder an allen ihren Feiertagen und Adventisten auch am Sabbat nicht in die Schule zu gehen brauchen. Das Ministerium hat den Antrag des Rabbiners ab g e l e hn t, der nunmehr nach Erhalt der Strafverfügung es auf gerichtliche Entscheidung ankommen lassen wird. Man darf auf den Ausgang gespannt sein/ Ein Bekenntnis zur jüdischen Schule. Breslau, 3. Mai. Ein Bekenntnis zur jüdischen Schule haben die in Breslau vor einiger Zeit zur 45. ordentlichen Tagung versammelten israelitischen Lehrer Schlesiens abgelegt, indem sie die nachstehende Resolution angenommen haben. Es ist bezeichnend für die Einigkeit, welche in dieser Frage besteht, da in diesem Verein sowohl die liberalen, als auch die gesetzestreuen und zionistischen Lehrer inkorporiert sind. Alle drei Richtungen haben sich aber auf der Basis der nachstehenden Resolution geeinigt. Es ist kaum verständlich, daß die liberale Fraktion der Gemeindevertreter der Synagogengemeinde Breslau sich immer noch gegen die jüdische Schule ablehnend verhält, nachdem doch ihre eigenen Führer, die jüdisch-liberalen Lehrer (bis auf einen) der Resolution ausnahmslos zugestimmt haben und sich auf den Boden der jüdischen Schule stellen. Die Resolution lautet: „Die in Breslau zur 45. ordentlichen Tagung des Vereins israelitischer Lehrer Schlesiens versammelten israelitischen Lehrer sprechen nach Anhörung des Referates über den neuen Schulgesetzentwurf des Kollegen Czollack den Wunsch aus, daß die jüdische Schule dort, wo sie die genügende Anzahl von Erziehungsberechtigten findet, insbesondere in der Hauptstadt der Provinz Schlesien, in Breslau, von allen Juden unterstützt werde.!' i Münchner Wahlbrief. München, 12. Mai. Wenn ein mit den hiesigen Verhältnissen Unbekannter die Flut der ' Wahlplakate und die unerhörten Angriffe auf Juden und Judentum sähe, in denen sich die Nationalsozialisten für die bevorstehenden Wahlen ergehen, so. müßte, er zu der Meinung kommen, daß die Juden die ausschlaggebende Partei seien. Da die nationalsozialistische Partei, deren Brutalität und Gewissenlosigkeit aus ihrer Presse und aus ihrem Auftreten im Bayerischen Landtag und im Stadtrat genügend bekannt ist, anscheinend ihre eigenen Kräfte noch nicht für genügend erachtet, so hat sie sich einen Parteigenossen aus Berlin kommen lassen, und die Plakate, die dieser verfaßt, übertreffen an Roheit des Tones und Lügenhaftigkeit des Inhalts in der Tat alles bisher dagewesene. Den Gipfel dieses Auftretens, für dessen richtige Bezeichnung das Wörterbuch einer anständigen Zeitung kein Wort mehr hat, haben diese Menschen am letzten Freitag mit einem Plakat erreicht, das am Schlüsse eine Gotteslästerung enthält, die man hier nicht einmal andeutungsweise wiedergeben kann. Die anderen Zeitungen nehmen von diesen Unflätigkeiten keine Notiz/ denn dle drei großen hiesigen Tagesblätter sind sämtlich nationalistisch und unterscheiden sich hinsichtlich ihres antisemitischen Stand-. Punktes nur durch Nuancen; das sozialdemokratische Dlätt, auf das naive Gemüter immer noch vertrauen, hat mit seinen eigenen Angelegenheiten genug.-zu tun, Der Israelit und befleißigt sich auch in jüdischen Angelegenheiten einer großen Neutralität. Die katholischen Zeitungen werden nur -innerhalb ihres speziellen Kreises gelesen, und so bleibt uns zur Abwehr eigentlich niemand, da auch das zionistische Blättchen für diese uns doch eigentlich am nächsten liegenden Dinge anscheinend keinen Raum hat. Are Woche. Berlin In diesen Tagen ist die große eiserne Hängebrücke, die zu Ehren des Schöpfers der Reichsverfassung Hugo Preutz-Brücke benannt wurde, und die die Einfahrt zum Humboldt-Hafen vom Friedrich-Karl-Ufer zum Alexander-Ufer überspannt, dem Verkehr übergeben worden. — Der Wohlfahrtsausschuß des Preußischen L a n d e s v e r b a n d e s erläßt ein Preisausschreiben unter dem Titel: „Das großstädtische Wohnungsproblem und der Einfluß . auf die jüdische Bevölkerung". Es sind Preise von .1000 Mk. und 500 Mk. ausgesetzt. Die Arbeiten müssen bis zum 30. März 1929 an das Büro des Landesverbandes, Berlin N. 24, Oranienburgerstr. 29, eingereicht werden. Weimar. Die thüringischen Zeitungen teiken mit, daß das seit fast vier Jahren. gegen den früheren Präsidenten der Thüringer Staatsbank, Walter L o e b beim Landgericht Weimar schwebende Strafverfahren wegen angeblicher Untreue nunmehr endgültig eingestellt worden i st. Dresden. Der 7. or - d e n t li che D ele gi e r t e'nta g des Verbandes der jüdischen Jugendver- / eine Deutschlands findet am 27. und 28. Mai 1928 in Dresden, im Künstlerhaus, Albrechtstraße 6, statt. Warschau. Am 7. Mai wollten die Zöglinge der jüdischen Schulen und Chedarrm das Lag beomer - Fest in traditioneller Form durch Wanderungen im Grünen in der Umgebung der Stadt begehen. Die Polizei verbot aber diese Kinderzüge mit der Begründung, daß im Hinblick auf die Vorkommnisse am 1. Mai Ausschreitungen und Zusammenstöße zu befürchten feien. — Am 8. Mai beging die Jüdische Gemeinde in Warschau das 50jährige Jubiläum ihrer großen Synagoge in der Tlomackagaffe. An diesem Tage wurde in der Nähe der Synagoge der Grundstein zum Bau einer jüdischen Bibliothek gelegt. — Friedhofsschändungen kannte man bis dahin in Polen nicht. Diese neue Kulturerscheinung kam aus Deutschland über Posen, zuletzt auch nach Polen. Die letzte Friedhofsschändung erlebte die polnische Gemeinde C h o l nt, wo etwa 30 Grabsteine vollkommen zertrümmert und viele Gräber zerwüblt wurden. Rom. Auf der in Florenz stattfindenden Internationalen Buchau s st e l l u n g befindet sich ein vom jüdischen Buchverlag „Israel" in Rom eingerichteter j ü - d i s ch e r P a v i l l o n , in dem jüdische Standardwerke in italienischer und auch in anderen Sprachen gezeigt werden. Bukarest. Dr. Mauriciu Singer, ein angesehener Bukarester Arzt und bekannt als Führer der radikalzionistischen Gruppe, ist im Alter von 34 Jahren in- 'olge einer in Ausübung des Berufes entstandenen Vergiftung gestorben. — Die rumänische Regierung verfügte in einer offiziellen Verlautbarung die A u f l ö s u n g der U n i o n der christlichen S t u de n te n - Li g en. Als Grund wird das dem Frieden des Landes abträgliche Treiben der Ligen angeführt. Moskau. /Jüdische Kommunisten, in Smolensk sammelten Unterschriften für Umwandlung der großen sogenannten „Chor-Synagoge" in einen Arbeiter-Klub. Die Frauen dieser jüdischen Arbeiter traten aber dieser Propaganda entgegen, so daß die nötige Anzahl Unterschriften nicht aufgebracht werden konnte. — Die jüdisch-bolschewistische Zeitung „Emeß" stellt „mit Bedauern" fest, daß sie nur eine Auflage von 14 000 Exemplaren hat. Die gesamte jüdische Tagespresse in Sowjetrußland erscheint im Ganzen in 30 000 Exemplaren, die sich auf drei Zeitungen in Moskau, Charkow und Minsk verteilen. Das ist in der Tat nicht erschreckend . viel in einem Lande mit einer nach Millionen zählenden jüdischen Bevölkerung, die keine anderen politischen Zeitungen als die jiddischen •. liest. ■■■■■■niiMniwa——um iiiiii'iiTramnaMMM—— Oesterreich. Die österreichische Bundesregierung und die Wiener Kultusgemeinde. - W i e n, 14. Mai . Der Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeindehat in seiner letzten Sitzung den einstimmigen Des bürgerlichen Feiertags wegen kann die heutige Rümmer erst am Freitag ausgegeben werden. Beschluß gefaßt, die österreichische Bundesregierung offiziell aufzufordern, den ihr vom österreichischen Staatsgesetz aus Grund des Friedensvertrages auferlegten Verpflichtungen zu einer regelmäßigen Beitragsleistun,g für die sozialen und kulturellen Bedürfnisse des Wiener Judentums endlich nachzukommen. Die Wiener Judenheit, heißt es in der Aufforderung, ist nicht imstande, das wachsende Defizit im Gemeindebudget zu decken, da die Kultusgemeindesteuern sowie die Abgaben und Gebühren bei Geburten, Begräbnissen usw. bis zur Höchstgrenze gesteigert find. Die Kultusgemeinde fei entschlossen, ihre Forderung nach einer Beitragsleistung des Staates konsequent zu vertreten und — falls sich die Bundesregierung nicht von selbst entschließen sollte, ihrer Pflicht gegenüber den jüdischen Mitbürgern nachzukommen — eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes herbeizuführen. In dem Beschluß des Kultusgemeindevdrstandes wird u. a. auf die Tatsachen hingewiesen, daß der in das Staatsbudget eingestellte Posten für die Bedürfnisse der katholischen Kirche jährlich 17 Millionen Schilling betrug, und daß ein verhältnismäßig kleinerer Posten auch für die evangelische Kirche eingestellt ist, während für die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinden außer der lächerlich geringen Subvention von 500 Schilling jährlich für das Rabbinerseminar kein anderer Posten im Budget, vorhanden ist. Der Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat an die Kultusgemeinde der österreichischen Bundesländer einen Appell gerichtet, sich der Aktion der Wiener Kultusgemeinde anzuschließen und auch ihrerseits Forderungen an den Staat wegen einer pflichtgemäßen Beitragsleistung für die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Kultusgemeinden zu erheben. Die Wiener Kultusgemeinde bewilligt 50.000 Schilling für den Palästina-Aufbau. Wien, 14. Mai. Der Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat beschlossen, auch in das diesjährige Budget eine Summe von 50.000 Schilling für Zwecke des jüdischen Aufbaus in Palästina einzustellen. Diese Summe soll nach dem gleichen Schlüssel wie im vergangenen Jahre auf den Keren Hajessod, den Palästina-Arbeitersonds und den Keren Hajischuw der Agudas Jisroel verteilt werden. Polen. Eine neue große Jefchiwo in Polen. O st r o v c e , 8. Mai. Auf den Namen des verstorbenen Ostrovcer Rebben wurde hier.eine große Jefchiwa für hundert Bachurim gegründet und am letzten Sabbat mit einem halachischen und agadischen Vortrag des derzeitigen Rabbiners und Rebben, Rabbi Jecheskel Halevi, eröffnet. Uebre 2000 Menschen waren beim Vortrag und der Eröffnungsfeier zugegen. Es ist in kurzer Zeit die zweite oder dritte chaffidifche Jefchiwa, die in Polen eröffnet wurde. Litauen. Keine Verhaftungen in Slobodko. K o w n o , 16. Mai. Die in voriger Nummer des „Israelit" nach einem Bericht der ITA. gebrachte Notiz über Verhaftung von Bachurim der Slobodkoer Je sch iw oh, ist, wie uns telegraphisch mitgeteilt wird, vollkommen aus der Luft g eg ri ff en. Endgültige Ueberfiedlung von Rabbi Mosche Mordechai Epstein nach Hebron. Slobodke, 7. Mai. In einem dieser Tage hierher gelangten Schreiben gibt der bisherige hiesige Raw und Jeschiwoleiter, Rabbi Mosche Mordechai Epstein seinen Entschluß bekannt, dem Rabbinat in Slobodke endgültig zu entsagen und seinen Aufenthalt dauernd in Hebron zu nehmen. Rabbi Mosche Mordechai Epstein roird die von ihm in Hebron gegründete Zweiganstalt der Slobodkaer Jeschiwoh persönlich leiten.

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