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Der Israelit · 1928-05-17 · Heft 20 (17.5.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 20 (17.5.1928)
Date
1928-05-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 20 Der Israelit 17. Mai 1928 6. Objektivität. Reichten unsere geistigen Mittel aus, die rechte Objektivität zu finden, so dürften wir nicht zaudern, sie zu unsrem Standpunkte zu machen, denn sie führte uns zur Wahrheit. Aber wie wir oben schon zu zeigen versuchten und wie wir es weiterhin durch den Ausspruch eines unserer Größten noch anerkannt sehen werden, ist unser ungerüsteter Geist zu sehr Spielball augenblicklicher trügerischer Einflüsse, als daß wir uns auf ihn verlassen dürften, wo Irren schlimmer wäre als der Tod. Besonders das unentlarvte, weil unter der Schwelle des Bewußtseins mächtig beeinflussende Triebleben, derix'- spielt uns auch hier böse mit. (Die starke „Trieb"-kraft eben gab dem Trieb den Namen ix’' das stetig Schaffende, Bildende, Motivierende). Der U m - w e l t stehen bei dem eng begrenzten menschlichen Geiste zur Annäherung an die Wahrheit außer Jisroel nur Vorbilder zur -Verfügung, die ihr doch letzten Endes nie über das Instinktive hinaufhelfen. nnn miu kV ’VoVk liii' mi’a kiirni - nVa:a Vnv Vinna njpjs j'iaV Vujina pK „Wäre die Tauroh nicht gegeben, so müßten wir die Zurückhaltung von der Katze, das Verbrechen cher Veruntreuung von der Ameise, die Züchtigkeit von der Taube, den Anstand vom Hahne' lernen". Die Anhänger Darwins suchen im T i e r l e b e n die Prinzipien für die menschliche Lebensführung zu finden und gelangen in Wirklichkeit oft in richtiges Fahrwasser. Das Spielen mit einer unmöglichen Objektivität, die unter der Flagge unfehlbarer. Wahrheit segeln möchte, ist furchtbar gefährlich, frevelhaft aber geradezu der jüdischen Jugend gegenüber. (Moderne, viel zitierte Lehrer predigen sie zwar; zu deren Charakteristik sei gesagt, daß ihnen teilweise sogar einzelne der noachidischen Grundgebote nicht verpflichtend sind.) Wir wissen, daß es nur eine, die göttliche, uns offenbarte, objektive Wahrheit gibt, und wir müssen sie, die bis in die äußersten und unscheinbarsten Verzweigungen jeden unserer Gedanken und jede Handlung bestimmt, bis zum letzten Blutstropfen verfechten. Dies gilt auch einer Umwelt gegenüber, die uns darob den Vorwurf der Subjektivität macht, weil sie u n s e r e m göttlich erleuchteten Standpunkt ihren irdisch dunklen entgegenstellt. Beim Nichtverpflichteten Cm) darf ich diesen menschlichen Standpunkt wohl gelten lassen und verstehen, er verstoße denn gegen die noachidischen Verbote. (a’pm Ksn aVis?V pVn anV bp nun „die Gerechten der Völker haben Anteil an der künftigen Welt"). Von uns geübt aber, assimiliert, ist solcher Standpunkt schwerste Sünde, Verrat an Gott, 'a ViVn und als solcher auch aaitfa sträflich: denn seine Folgen sind' unabsehbar. Hören wir, wie Rambam, gewiß ein rationalistischer, freier Denker, der auch die ganze profane Wissenschaft seiner Zeit im Kopfe hatte, „subjektiv" ist, sogar bei der Auswahl der zu lesenden Bücher. (Möge manch Kleiner unserer. Zeit vorsichtiger werden im Zitieren und daher-Verbreiten von Werken, die voll mra sind.) Ich setze hier eine wörtliche Verdeutschung aus am niaV.i her. Zuerst wird gewarnt vor der-Lektüre von Büchern, die heidnische Uebungen zum' Gegenständ ihrer Betrachtung haben. Dann heißt es weiter: „Nicht nur dem Götzendienst allein darf nicht nachgesonnen werden, sondern jeder Gedankengang, der Entwurzelung eines der Thoragrundsätze bedeutet, ist uns untersagt; wir dürfen ihn nicht aufkommen lassen in unserem Herzen und unseren Geist nicht solche Wege gehen lassen. Wir dürfen da den Gedanken unseres Herzens nicht freien Lauf lassen; denn des Menschen Geist reicht kurz, nicht alle Vernunft vermag zur Wahrheit über ihren Schöpfer durchzudringen. Und ginge jeder Mensch seinem Herzen nach, am engen Geiste mühte die Welt zu Grunde gehen." So der Rationalist Maimonides. Könnte man's moderner hören?! Im 'i2v pVn des 6. Heftes von „Unser Weg" warnte Hern Rabbiner , Dr.. .Chrentreu in einem Artikel, der besonders unserer.-geistigsich' betätigenden Jugend dringend ans Herz gelegt fei: „Besonders in der Jugend ist es eine große Gefahr, auf zwei Seiten--zu hinken, apikorsische Reden zu hören, in Büchern von Gottesleugnern zu sinnen." In wessen Augen wäre der kein jämmerlicher Tropf, der sich „neutral" erklärte, wenn es gälte, für die Mutter einzutreten? oder der sich fürchtete, den Kindern die Pflicht der Elternliebe einzuprägen, - weil dann .ja ihr „objektives- Urteil"' über "Väter und Mütter getrübt wäre? Mit meinem „Jüdischdenken" ist es dasselbe. Muß ich nicht meine Zöglinge lehren, daß der ihr gefährlichster Feind ist, der der Feind ihrer Mutter, unserer nun ist? Fluch über eine Objektivität, die Verrat ist am Heiligsten. Objektiv sein, heißt voraussetzungslos fein und das darf ich eben nicht, oder ich bin kein — VniV' („Gotteskckmpfer"). Wenn ich für eine Sache kämpfe, als Gotteskämpfer, kann ich doch nicht zugleich neutral, farblos zu ihr stehen. Und wenn ich dürfte, könnte ichs nicht, aus naturgesetzlichem Grunde: Eindringen eines Gegenstandes in mein Bewußtsein und Stellungnehmen zu ihm, ist mir ein und dasselbe. Wie normaler Weise ein physikalisches Vacuum unmöglich ist, so auch ein geistiges. Aber wie gesägt, ich darfs auch nicht als Jisroel. Unsere Brust ungewapp- Net vom göttlichen Wort, . wird wehrlos der Kampfplatz willkürlich zügelloser und unsteter Gewalten. Nichts anderes als der nr in seiner jeweiligen Form regiert. Der Sieger wechselt leicht und oft in solch kampfzerrissenem Herzen und es selbst muß dabei verbluten. Wenn man diese Erziehung zur ausgesprochen jüdischen Subjektivität (richtiger: zur Objektivität gemeinhin) wirklich Politik nennen will — mir scheint das Blasphemie — so müssen wir eben schon unsere Kinder „Politik" lehren. Die braucht ihnen darum noch nicht als persönliche Abwehrbereitschaft klar zu werden. Wir versuchten die Grundlagen aufzudecken, aus denen zwingend einleuchtet, daß und warum die jüdische und die umvölkische Idee jede ein Besonderes für sich darstellt. Wir zeigten die unterschiedliche Grundlage unseres Denkens, und welche Bahn und Schranken ihm gesetzt. Die klare Erkenntnis, wo sich die beiden Ideenwelten scheiden, schützt uns allein vor sonst allzu verführerischen Jrrtümern. Die umvölkische Ideenwelt ist durch keinerlei Verpflichtung, an Voraussetzungen gebunden. Mit rein „menschlichem" Instrument erarbeitet und so deutlich menschliche Schwächen und Grenzen zeigend, ist sie uns mit ihren letzten Folgen ein lehrreiches Objekt der Beobachtung und — Warnung. Ihr steht gegenüber die jüdische Ideenwelt mit dem Gotteswort als verpflichtender Grundlage. Ansetzend mit den grundlegenden schon durchgedrungenen „noachidischen Geboten", erobert sie sich deutlich Schritt -für. Schritt 'die' Welt. Sie allein gewährleistet, . endgültig Siegerin, einst den ewigen Bestand' der Welt im' ewigen Frieden. Dieselbe Zeit ists, von der Jeschaijoh sagt: '2 -'Vip in Van iri'kw' rrVi-.ip'!nV ama a^V a^aa m rirr njrr pKrr rwVa ■ „Auf all meiner heiligen Höhe werden sie nicht mehr Unheil, anrichten, denn voll ist die Erde oon Gottes Erkennen, wie'Wasser, den Meerieß-' grund bedecken", und Secharijo: rrrr Kinn ara Inn lasn inK n „an jenem Tage wird Gott allüherall gleich erkannt und genannt". Korrespondenzäi « vWichte«. Deutsches ReiM Gesamtvorstandssihung der Zenkralwohlfahrts- :T,; stelle der deutschen Juden, '' B e r l i n3 Mai. Unter Vorsitz von Herrn- Rabbiner Dr. Ba-eck fand am Sonntags dev. 29U April Ms AesMftgb Msinnllrö'r-' standssitzung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden -im Nepräsentantensitzungssaal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin statt. Zu der zahlreich besuchten Sitzung hatten fast alle delegationsberechtigten Organisationen, Gemeinde- und Wohlfahrtsverbände Vertreter entsandt. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden wurde vom Geschäftsführer, Dr. Ollendorff, der. Tätigkeitsbericht über die Arbeit der Zentralwohlfahrtsstelle erstattet, der, ebenso, wie der vom^ Schatzmejsher, Herrn Otto Eskeles, gegebene Finanzbericht; dem Gefamtvorstande schriftlich vorlag. Dem geschäftsführenden Vorstand wurde Entlastung -erteilt. Sodann folgte ein Referat von Herrn Bankdirektor Wilhelm Kleemann, Berlin über: „Gesichtspunkte, welche für die Errichtung der feit -einiger. Zeit in Berlin bestehenden jüdischen Kreditgenossenschaft maßgebend gewesen sind". Daran und an die Berichte schloß sich eine eingehende Diskussion unter lebhafer Beteiligung besonders auch der auswärtigen Vertreter. Die Aussprache -ergab einö große Reihe von Anregungen für die künftige Ausgestaltung der verschiedenen Arbeitsgebiete, insbesondere des Kreditwesens, der Gesundheitsfürsorge (vor allem der Tuberkulosenfürsorge und der Fürsorge für Nerven- und Geisteskranke) sowie der Ge- .fährdetenfürsorge (Frage der Bewahrungsheime). Schließlich wurde eine von Herrn Dr. T i e tz (Reichsausschuß, der jüdischen Jugendverbände) vorgelegte Entschließung zur tatkräftigen Förderung der jüdischen Gemeinde- und Jugendheime einstimmig angenommen: Ein Opfer der amerikanischen Einwanderungs- Vorschriften. Berlin, 14. Mai. Dem Berliner Büro von „Hias-Jca-Emigdirekt" wird aus Charbin mitgeteilt': Das jüdische Mädchen Heni Estrin reiste vor drei Jahren als Studentin außerhalb der Quote von Charbin nach Amerika, heiratete dort einen „Deklaranten" (Einwanderer, der die Anwartschaft auf Bürgerschaft erlangt hat) und gab das Studium auf. Sie wurde nun aus Los Angelas zurück nach Charbin deportiert. Am 21. April 1928 traf sie in Charbin ein. Ihren Vater, Leib Estrin, einen angesehenen jüdischen Funktionär in Charbin, traf das Schicksal seiner Tochter so schwer, daß er vor Aufregungeinen Herzschlag erlitt. Leib Estrin hatte -eben aus Grund des Quotengesetzes die Erlaubnis erhalten, sich mit seiner Familie zu seinen anderen Verwandten nach Amerika zu begeben. — Das ist eine der vielen Tragödien, die durch die harten amerikanischen Einwanderungsvorschriften verursacht werden.. Die verfassungstreuen Parteien gegen den Judenhaß. Berlin, 13. Mai. „Die großen Entscheidungen des 20. Mai" war das Thema einer Kundgebung, zu der der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am 9. Mai in die Spichernsäule eingeladen hatte. Der Vorsitzende des Central-Vereins, Justizrat Dr, Brodnitz, begrüßte die nach'Hunderten zählenden Erschienenen- und wies darauf hin, daß der Central-Verein fest: ach dem Boden der Weimarer Verfassung stehe upd, deshalb allen. Parteien gegenüber, die j diese Verfassung .- Wem Wortlaut und ihr-e^n Geiste nach achteten, :mit völliger Neutralität gegenub erstehe. Rechtsanwalt,Dr>. Bruno Weil zeichnete die'Entwicklung des Gedankensvon. der Gleichheit aller Menschen -nach und wies darauf -hin, wie jung im Verhältnis zu., and^r^n Stationendas . Nationalgefühl des deutschen "Juden sei, und in welchem Umfange demgegenüber die deutschen Juden, die seit einem Jahrhundert -erst als Bürger an dem Schicksal ihres Vaterlandes Anteil haben dürfen, deutsches Nationalgefühl auch durch die Tat schon bewiesen hätten. Es sprachen noch Landtagsabg-eordneter Obervegierungsrat Dr. Merten, der Vorsitzende der Berliner Demokratischen Partei, Dr. D o m k e, der zweite Vorsitzende der Berliner Z ent r um spar t ei und Reichsminister a. D. Dr. v. Raumer, der namens der Deutschen'Volkspartei betonte, daß diese stets eine liberale Partei gewesen sei. Alle Redner! wiesen nach, wie der' Judenhaß und seine Auswirkungen die Verfassung und die Gnlndlagen des Staatswesens untergraben. Toleranz-Parolen an deutschen Universitäten. . W ü r z b u r g, 13. Mai. Dem Beispiel des Rektors der . Universität Köln fol- 'gend, hat.chug MA.her He htp r dtz-r-'llnivers i t8-t

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