Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1928)
- Date
- 1928-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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9lr. 20 Seite 3 17. Mai 1928 Der Israelit paar Schreier, die die Gasse beherrschen, einmal auch die Chederschule aufs Korn nähmen. Das Bedenkliche liegt, wie gesagt, darin, daß Behörden geneigt sind, in solchen Explosionen die öffentliche jüdische Meinung zu erblicken, und sie hätten oann gar keinen Grund, mit der Erfüllung solcher Wünsche zu zögern. Für Entziehung von Subventionen ist die Regierung leicht zu haben, und sie hat auch Büttel genug, um, nach russischer Art, Melamdim und Kinder heimzujagen. Die polnische Regierung denkt aber im Grunde ganz anders über religiöse Dinge als die Herren im Kreml. Es tut daher doppelt not, die wahre Ansicht der jüdischen Bevölkerung der Regierung zur Kenntnis zu bringen. Das kann nur auf der Basis einer großen, starken Organisation geschehen, die die vorhandenen Kräfte und Elemente sammelt und sie in ihrer tatsächlichen Stärke repräsentiert. Der Weg zu dieser Organisation ist in Polen beschritten, aber das Ziel ist noch lange nicht erreicht. Sollten nicht solche Konferenzen, solche Attacken und die daraus drohenden Gefahren für die Grundlagen des Thorajudentums in Polen das Tempo der Arbeit ein wenig beschleunigen? Die Emanzipation der jüdischen Idee. Beitrag zur Orientierung in einer jüdischen Weltanschauung. Von Dr. Josef Levi in Mannheim, l (Schluß.) Doch gibt es noch eine andere Art von „Gefühl" in uns, die ich gelten lassen möchte. Der größte Teil des Schatzes an Gelerntem und Erfahrungen ruht im' Unbewußten in mir. Ohne daß ich mir darüber Rechenschaft geben könnte, wird von dort aus, stärker als vom bewußten Denken mein Handeln regiert. So ist es klar, daß Männer, die durch ständige und eindringende Beschäftigung mit dem Gotteswort auch seines Geistes voll sind, da wo sie „gefühlsmäßig" urteilen eben ihre Meinung aus den rechten Bausteinen bilden, deren ihr Unbewußtes voll ist. Dem Talmid Chochom ähnlich sein, kann in diesem Sinne noch der durch mm* den Umgang mit rrn, recht Orientierte, bv wiatr nbm mia^a ini' mm „fruchtbarer als Lernen ist Thoralehrerdienst." Beim „gefühlten" Urteile wollen wir also sowohl uns selbst gegenüber, wie anderen, die auf ihr „jüdisches Gefühl" pochen (in unseren, wissensarmen Tagen tun es nur zu viele) recht vorsichtig fein. In einer Zeit, in der die Mehrzahl von uns bis zum Aeußersten erfüllt und vollgesogen ist mit umvölkischen Anschauungen und Begriffen, die zu allen Poren gierig und wahllos einströmen (Zitate beweisen oft kraß), spreche ich demjenigen, der weder Limud noch Schimusch aufweisen kann, das geringste Recht ab, auf sein „jüdisches Gefühl" zu pochen, wie das heute so oft geschieht.' Zum mindesten muß er es erst von Anerkannten prüfen lassen. Wir haben ganz Sicheres, den unfehlbaren Pfad der Halocho, aus dem sich alles Rechte kristallisieren läßt. Nur eine Voraussetzung, an deren Untergrabung, dem Vorbilde der Umwelt folgend, bei uns heute viel gearbeitet wird, ist zu seiner Erkenntnis nötig. Die Anerkennung dex^ „Autorität", des Pfeilers unseres Judentums. 5. Autorität. Die absolute Wahrheit, deren Quelle die Tauroh ist, rann uns Menschen, wie oben angedeutet, nicht selbst erfindbar sein. Von außen strömte sie uns zu, vom Sinai, durch das Wort der schriftlichen und mündlichen Lehre. Wohl wird von uns gefordert^ im Lernen die innere Mechanik der Mizwos zu ergründen, die psychologische Entwicklung der zu Grunde liegenden Prinzipien zu erkennen, aber das Verstehen dieses letzten grundlegenden Prinzips selbst ist mir unmöglich, wie auch alle Gesetze des Falles mich die Schwerkraft nicht verstehen lassen. Die göttliche Lehre ist uns eine Wahrheit, die durch ein historisches Ereignis uns mitgeteilt wurde und die wir nur auf dem Wege der Ueberlieferung erhalten können. Das Wort ist uns verbürgt durch die auf Autorität gegründete Kaboloh. . . . nwa VVi.i'h rnvai »roa mm bap- Historische Wahrheit ist nie in Schrift erschöpfend niederlegbar. Das erhellt schon daraus, wie selbst rrn von den Fremden mit fremdem Geiste erfüllbar ist, gegen den nur mit £j"3nwn angekämpft werden kann. n"y nt '->n rrn waw rr^i «wi mp „Wer mündliche und schriftliche Lehre studiert, ohne eines Gelehrten Umgang zu pflegen, ist Amhoorez. (Raschi: „Schimusch" hier — die aus der Besprechung entstandene und von den Amoroim geordnete Gemoro.) So sind immer objektive Träger, über der BiOXULTBA Die stark schäumende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als-beste Zahnvatta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 60 Pf BIOX-MUNDWASSER Flasche l.— und 8.— Mk. Gegen lockere Zähne. Probe-Flasche gratis. Max Elb A. G., Dresden Masse und ihrer Zeit stehend, hervorragende Geister, notwendig, die eine nicht persönlich verfärbte Ueberlieferung gewährleisten. Mit Stolz blickten die maiao letzten Endes auf Moscheh Rabenu als ihren persönlichen Lehrer zurück. An einem Gliede nur unterbrochen wäre die Kette nicht mehr Verbindung mit Sinai. So erklärt sich die überragende Bedeutung, die im jüdischen Gesetze der Erziehung zur Autoritätsanerkennung des Weisen und Alten eingeräumt ist. Nicht etwa dem schönfühlenden Geiste bleibt diese Verehrung frei überlassen, sondern direkt in den ms» y^nnift die Pflicht der Ehrung verankert; denn nochmal sei es wiederholt: es steht und fällt die Ueberlieferung mit der Autorität. Darum muß sie so sorgsam gepflegt werden. Sei es die des Alten gegenüber dem Jüngeren, des Weisen gegenüber dem Unerfahrenen, des Gelehrten (rrm gegenüber dem Laien, der Eltern gegenüber dem Kinde und endlich als höchstes in dieser steigenden Reihe die des Lehrers gegenüber dem Schüler. Diese Klimax stellt sich aus dem pi im i"' dar. U e b e r Elternehre noch, steht Lehrerehre a au? Kiiaa “pn «rna- Mit der Ehrfurcht vor Gott wird die vor dem Lehrer verglichen. Der Vater als hauptsächlicher Lehrer wird vom Sohne '2-> gerufen. Wer innerhalb eines gewissen Raumes vor seinem Lehrer form» ian) entscheidet, ist nrna a"N- Sogar Verzicht des Lehrers vermag ihm dies nicht zu gestatten (siehe dazu nsn mvO- Gerade weil der Welt von heute all diese Anschauungen fremd und feindlich sind, müssen wir in unseren Kreisen mit aller Macht uns für sie einfetzen. Das System und Prinzip der Schülerräte — ein Nonsens an sich — bedeutet, wo und in welcher Form es sich zeige, einen Schlag ins Gesicht all dessen, was „jüdisch" heißt. Hier greift ein nur zu gern ausgesaßter neuer Gedanke an * 'die Wurzel unserer Existenz. Hüten wir uns, ihm und damit der Zerstörung ein Heim zu geben. W i r haben nicht das Recht, Zeit und Leben mit Experimenten zu vergeuden, wie die anderen Völker, da wir in den durch die-min gegebenen, durch die v'rr'aiund v'aan erläuterten Wegen die objektive, welterhaltende Wahrheit haben. Wir als Vorbild und Gewissen der Völker dürfen solchen Wahnwitz einer kranken Zeitpsyche nicht mitmachen, selbst nicht unter dem gleißenden Vorwände, rein objektiv der Entwicklung unserer Kinder und Jungen gegenüberstehen zu wollen, wie die Zeit heute es verführerisch fordert. Und damit komme ich auf unsere Stellung zur Objektivität, die auch einen grundlegenden Unterschied zwischen unserer Denkart und der unserer Umgebung ausmacht. Kleines Feuilleton Die Zeschiwo in Preßburg. Von 5. Grünsfeld in Berlin. Als der aus Frankfurt a. M. stammende Thorafürst, R. Mosche Sofer als Jüngling feinem großen Lehrer R. Nathan Adler ben er von Frankfurt am Main nach Mähren begleitete, wieder nach Frankfurt das Geleite geben wollte, befahl ihm der Lehrer, ihn nicht weiter zu begleiten, sondern sich wieder nach Mähren zu begeben, um dort Tauroh zu verbreiten. Don dem mährischen Städtchen Prohnitz, woselbst R. Moscheh Sofer einige glückliche Jahre lehrend verbrachte, ging er nach Dresnitz, um dort fein erstes Rabbinat anzutreten. Nach fünfjährigem, überaus segensreichem Wirken in Dresnitz übernahm R. Moscheh Sofer das berühmte Rabbinat in Wattersdorf (Ungarn). Viele große Gemeinden waren bestrebt, den berühmten Gelehrten und Lehrer, als Rabbiner zu gewinnen, aber R. Moscheh Sofer lehnte stets ab, trotzdem fein Einkommen in Mattersdorf ein sehr kärgliches war.' Erst als er im Jahre 1808 den ehrenvollen Ruf nach Preßburg erhielt, leistete er diesem Folge: in der Hauptsache mit Rücksicht daraus, daß sich ihm dort ein großes Arbeitsfeld eröffnete. In Preßburg begann der Vst isiv onn eine Lehrtätigkeit, deren segensreiche Folgen bis zum heutigen Lag, nicht nur im vorkrieglichen Oesterreich-Ungarn, sondern auch in Deutschland und im übrigen Ausland nicht geschwunden sind. Cr verstand es. Taufende von Schülern heranzubilden, die die Tauroh nach allen Himmelsrichtungen hinaustrugen. S. R. Hirsch erwähnt des iwv vnn (Gef. Schriften Bd. IV, 40, 1) als . . ." des größten unter allen im zeitgenössischen Andenken lebenden Größen, des Mannes mit dem hellen Auge, mit dem milden Sinn, mit dem scharfen Geist, mit dem umfassendsten Wissen, mit dem gradesten Urteil, vor dessen Namen Sie und ich und die 400, wie alle lebende Rabbinen tief und willig ihr Haupt neigen ... den wahrlich nicht als Floskel die jüdische Welt r&ian »a bv p-i, den Lehrer der ganzen Judenheit nennt." Dieser große R. Moscheh Sofer hat einen „Derech Halimud" der jüdischen Welt gebracht, ein üehrsystem, welches bis heute noch kein Gleiches hat. Dieser durch und durch sich bewährte „Derech Halimud" wurde von feinen großen Nachfolgern V'xt gepflegt und findet heute noch Anwendung in der Preßburger Chassam- Saufer'schen Jeschiwoh. Auch wir in Deutschland besaßen und besitzen G. s. D. noch eine ganze Reihe Rabbiner, welche ihr bedeutendstes talmudisches Wissen dem „Chassam-Saufer'schen Derech Halimud" verdanken, sei es, daß sie sich dieses an der Preßburger Rabbinatshochschule direkt aneigneten, oder es ihnen von den gewesenen Preßburger Zöglingen indirekt übermittelt wurde. Ob zur Neubelebung dieser bewährten Jeschiwoh, ähnlich wie für die neueren und neu gegründeten Jeschiwaus, die Werbetrommel gerührt werden soll, oder was sonst zu geschehen hätte, um der Preßburger Rabbmatshochschule im Ausland wieder ihr altes Ansehen zu geben, die Beantwortung dieser für das gesamte orthodoxe Judentum so wichtigen Lebensstage, möchte ich hierdurch zur Diskussion stellen. (Das Rockefeller-iNufeum in Jerusalem.) Das Departement für öffentliche Arbeiten der Palästina-Regierung hat die Pläne für das in Jerusalem aus der bekannten Rockefeller-Spende zu erbauende Museum in Anlehnung an die in Deutschland bestehenden Museen entworfen. Von den 400.000 Pfund, die Rockefeller gespendet hat, werden 240.000 Pfund für den Bau ausgegeben werden, der Rest in Höhe von 160.000 Pfund wird als Fonds zur Erhaltung des Museums benutzt werden. Das Museum, das 1930 vollendet fein wird, wird die ausgegrabenen Schätze Palästinas beherbergen und der archäologischen Forschung in Palästina eine Stütze sein. Das Ausgrabungsprogramm ist für dieses Frühjahr und den Sommer ungewöhnlich ausgedehnt. Die Archäologen werden das ganze Gebiet von Dan nach Beerscheba unter die Spitzhacke nehmen; 14 Expeditionen aus amerikanischen, englischen, französischen, deutschen, italienischen, österreichischen und dänischen Forschern bestehend, sind bereits auf dem' Wege zu neuen Entdeckungen. Zu den Stätten, denen man diesmal besondere Aufmerksamkeit widmet, gehören die Ueberreste der Stadt Davids, das Grab Josaphats, der Hain Mapire, die Stadt Kirjath Sefer, die Ueberreste von Mizpäh, sowie die bereits begonnenen Ausgrabungen-in Schechem bei Nablus und in Beisan in Galiläa. Ferner wird man mit der Rekonstruktion der Stadtanlage des alten Jerusalem fortfahren. Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Qualitäts- Zigarren Moritz Wolf Zeil 49 Telefon Römer 903 i