Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1928)
- Date
- 1928-05-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 8 Nr. 19 «r Israelit deren, Gott horcht auf und hört, und es wird eingeschrieben in das Buch für die Gottesfürchtigen und die, die feines Namens gedenken." Der gütige Gott breite die Hütte feines Friedens über fein Volk und be schleunige unsere Erlösung. Israel Meier Hakohen." Der Vertrauensmann, der diese Erklärung vom Cho fez Chajim entgegennahm, Rabbi Elchanan Wassermann aus Baranowitsch, fügt in einem Begleitschreiben vom 4. Nissan folgendes hinzu: „Gestern um die Abendstunde habe ich mit unserem Lehrer, dem Chofez Chajim, gesprochen. Ich teile Ihnen noch mit, was ich bei dieser Gelegenheit mündlich von ihm hörte. Er sagte, daß Rabbiner Hirsch s. A. gut getan habe, daß er sich von den Liberalen trennte. Damit habe er den Ueberrest der Treuen in seinem Lande gerettet. Der Chofez Chajim sagte mir auch, er habe ein Schreiben von Rabbi Akiba Eger gesehen, in dem es heißt, daß man sich von den Liberalen trennen muß." Die Bekanntgabe der Proklamation des Chofez Chajim hat einen außerordentlich tiefen Eindruck in der ganzen Bevölkerung hervorgerufen. Personalien. Rabbiner Dr. Abraham Löwenthal Berlin, 3. Mai. Am 2. Mai verstarb im Alter von 60 Jahren der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin, Herr Dr Abraham Löwenthal. Aus dem Berliner Rabbinerseminar hervorgegangen, war er zuerst Rabbiner in Tarnowitz, Oberschlesien, kam ' dann an die Dammtor-Synagoge zu Hamburg, von wo er nach Berlln berufen wurde. Er hat sich um die Ausgestaltung und Ueberwachung des gesamten Ritualwesens der Berliner Gemeinde besondere Verdienste erworben. Er hat Kurse zur Ausbildung konservativer Religionslehrerinnen eingerichtet und auch die jüdischen Insassen in den Berliner Gefängnissen geistlich und sozial betreut. . Am Donnerstag, den 3. Mai, 2 Uhr nachm., fand in der Alten Synagoge eine Trauerfeier statt. Um 4 Uhr nachm, wurde Rabbiner Dr. Abraham Löwenthal von der Alten Halle des Früedhofes zu Weißensee aus unter Beteiligung einer großen Trauergemeinde zu Grabe getragen. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin widmete dem Verstorbenen einen Nachruf, in welchem es heißt: „Elf Jahre hindurch hat Dr. Abraham Löwenthal als Führer und Lehrer in der Gemeinde gewirkt. Tiefgründige Kenntnis des jüdischen Schrifttums und innige Religiosität erfüllten ihn be! der opferfreudigen Ausübung der mannigfaltigen Pflichten seines hohen Amtes. Als Vertreter der gesetzestreuen Richtung des Judentums hat er sich um die Ritualeinrichtungen der Gemeinde bleibende Verdienste erworben. Lm Geist des Friedens und der Eintracht hat er allzeit gewirkt und sich dadurch die Hochschätzung weitester Kreise erworben. Sein Andenken wird in unserer Mitte dauernd fortleben." Vermischtes. Zehnjähriges Jubiläum des Berliner „Esra".., , Berlin, 7. Hai.',:.' Am v'b feierte der Berliner „Esra" fein zehnjähriges Bestehen. Zum Andenken cm feine leider so früh verschiedenen Führer Kurt Alexander und Hans Feuchtwanger b-si hat der Berliner „Esra" eine „Kurt Alexander—Hans Feuchtwanger-Jeschiwoh-Kasse" (Heinz Weichselbaum, Berlin NW. 6, Albrechtstr. 14, Postscheckkonto: Berlin 29 498 Josef Weichselbaum „für Esra") errichtet. Diese Kasse dient zur Unterstützung der Berliner und auswärtigen Esräer, die eine Jejchiwoh besuchen. Alle Esrasührer und Esraführerinnen im Reich sind berechtigt, Spenden und Monatsbeiträge für diese Kasse entgegenzunehmen. — Am Donnerstag den 17. Mai findet anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Berliner „Esra" eine Treffahrt der Berliner aktiven Führerschaft mit den ehemaligen bezw. älteren Esräern und Esräerinnen statt. — An den beiden Pfingsttagen veranstaltet die Hamburger Gruppe ein Treffen der Gruppen Berlin, Hamburg, Leipzig und Lübeck in Grande. — In den und Literatur in Deutschland statt, der hauptsächlich über die Organisierung der Verbandsarbeit beraten soll. Anmeldungen sind an Herrn Benas Levy, Berlin C. 2, Spandauerstraße 41, zu richten. Fürth, 22. April. Ein sehr genußreicher Abend wurde vor einigen Wochen im-. Berolzheimerianum einer zahlreichen dankbaren Zuhörerschaft geboten. Kantor B. Adler (Fürth) veranstaltete ein Konzert zugunsten sozialer Einrichtungen der israelitischen Kultusgemeinde Fürth. Ein in unserer Stadt hinreichend bekanntes Künstlerehepaar, Herr und Frau Lauer-Portner hatten sich ebenfalls in liebenswürdiger Weife zur Verfügung gestellt. Eine glänzende Leistung bot Frl. Elisabeth Friedrich von der Frankfurter Öper. Der Veranstalter, Herr Kantor B. Adler, verstand es durch äußerst geschmackvolle Zusammenstellung des Programms und durch, sorgsamste Auswahl der Mitwirkenden den Abend zu einem Erlebnis für die Fürther Musikwelt zu gestalten. Nürnberg, 17. April. Am 25. März fand die Generalversammlung der Kinderheilstätte Bad Kissingen E. V. in Nürnberg statt und waren u. a. Vertreter der Vorstandschaft der Israelitischen Kultusgemeinde, der Logen und Schwesternvereinigung der Logen und der Nürnberger Wohltätigkeitsvereine vertreten. Der Jahresbericht, versaßt von Herrn San.-Rat Dr. Münz, wurde verlesen und daraus entnommen, daß im Jahre 1927 393 Kinder aus allen Teilen Deutschlands Aufnahme fanden. Die Heilerfolge waren in unserer Anstalt ganz vorzügliche. Die Statutenänderungen wurden angenommen. Dem Kassier, Herrn W. Ottensooser, wurde Entlastung erteilt. Es wurde leider festgestellt, daß ein sehr großer Rückgang an Mitgliederbeiträgen zu verzeichnen ist, so daß durch entsprechende Propagandatätigkeit diesem Ausfall gesteuert werden möge. Dem „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten", Ortsgruppe Nürnberg, wurden 2 Freiplätze zugestanden, wie auch im Organ des „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" zu veröffentlichen fei, daß bedürftige Kriegs- oder Kriegs-Witwenkinder bevorzugt berücksichtigt werden. Auch für heuer liegen bereits zahlreiche Aufnahmegesuche aus allen Teilen Deutschlands vor. Gsilingen, 15. April. Am fand, wie alljährlich, die öffentliche Religionsprüfung statt. Es kamen so viel Zuhörer, daß das geräumige Prüfungszimmer die Menge kaum fassen konnte. Eindringlicher hätte den Schülern nicht gezeigt werden können, daß der jüdische Unterrichr wichtigster Bestandteil des Gemeindeaufbaues ist. Den staunenden Zuhörern aber präsentierte sich eine frohe, aufgeweckte, lernbegeisterte, arbeitsfreudige Jugend, die in flottem Frag- und Antwortspiel eine Fülle von Kenntnissen auf den verschiedensten Gebieten wie Bibel, Grammatik, Uebersetzen offenbarte. Eindrucksvoll war die in Hebräisch geführte, wenn auch auf elementarste Sätze sich beschränkende, Unterhaltung mit den Kleinsten, den Schülern. der beiden untersten Klassen. Herr Rabbiner Dr. Bohrer. leitet den Gesamtunterricht der ganzen Schule, und ist dieser Erfolg seiner Liebe zur Jugend und seiner Hingabe zu danken. Den Mitgliedern, die so oft voll banger Sorge an die immer kleiner werdende Gemeinde dachten, war diese Stunde Trost,. Erhebung und Zuversicht für die Zukunft. Nicht die Zahl entscheidet das Schicksal einer Gemeinde, sondern der Geist, mit der sie erfüllt ist. Hamburg, 6.. Mai. Zu Sonntag, den 9. Jjar, hatte das Kuratorium der hiesigen Jeschiwah zu einem öffentlichen Verhör ihrer drei Oberabteilungen eingeladen. Als Herr Jacob Goldschmidt, der Vorsitzende des Kuratoriums, pünktlich um 5 Uhr die Veranstaltung eröffnet?, war der große Zeichensaal der Talmud-Thora von, einem zahlreichen interessierten Publikum gefüllt, welches dem mehrstündigen Verhör in angespannter Aufmerksamkeit bis zum Schluß folgte. In feiner einleitenden Rede führte Herr Goldschmidt aüs, daß Hamburg-Altona von jeher klassischer sthoraboden gewesen sei, Hamburg, das die älteste Talmud-Thora Deutschlands beherberge, die einen Mann wie den Chacham Vernays zum Leiter, Größen wie Samfün Raphael Hirsch zu Schülern gehabt habe. Fünf verschiedene Abteilungen hatten Proben ihres Könnens abzulegen. Während die Schüler des Herrn Rabbiner Rabbinow, in erster Reihe junge Leute aus dem Ausland, fesselnde mv '©nn sagten, bewiesen die Untergruppen der bei den Herren Rabbinern Dr. Lichtig und Joffe lernenden Schljler, daß sie das Gelernte mit Rafchi und Tausfaus gut beherrschten und sich auch durch Querfragen nicht aus der Fassung bringen ließen. Die Darbietungen der beiden Obergruppen genannter. Herren fanden besondere Aufmerksamkeit und herzlichsten Beifall. Die Schüler, im Durchschnitt junge Bachurim von 15—18 Jahren bewiesen in zusammenhängenden Vorträgen, daß sie das Gelernte von Grund auf beherrschen und imstande sind, die Begriffe, die sich aus der Materie ergeben, klar und deutlich herauszuarbeiten. Es dürften ca. 35 „Hamburger Jungens" verhört worden sein. Sie brachten den Beweis dafür, daß auch aus der Hamburger Sommerferien eröffnen die Gruppen Berlin. Hamburg _ und Leipzig ein eigenes Ferienheim. Es werden noch Jeschiwah BaleBattim hervorgeheV werden,'di«"einst'als einige Esräerinnen gesucht, die bereit sind, gegen^freie nmn *ä den Ruhm Hamburgs als Stadt des Lernens Kost und eine kleine Vergütung in diesem Heim die Wirtschaft zu führen. — Im Erholungsheim des Reichsausfchusfes der jüdischen Jugendoerbände in Seesen im Harz (unter Aufsicht S. E. Herrn Rabbiner Dr. Auerbach, Halberstadt) sind noch einige Plätze für die Monate Mai bis September frei. — Nähere Auskunft bei Heinz Weichfelbaum, Berlin NW. 6, Albrechtstr. 14. v Berlin, 7. Mai. Donnerstag den 31. Mai cr., vorm. 10 Uhr findet in Berlin, Artilleriestr. 14, ein Delegierten mehren werden. Zum Schluß richtete Oberrabbiner Dr. Carlebach-Altona an die Bachurim Worte der Aufmunterung und des Dankes und forderte die Anwesenden auf; : überaH Gönner und Freunde für die zu werberst für diese Anstalt,, die nichts anderes will als düs Lernen! rmvb zu pflegen Frielendorf. 1. Mai. Der Tag des 80jahrigen Bestehens der Chewra-Kadifcha in Frielendorf wurde am Sonntag, 22. April, durch einen Festakt'in den Schultage des .Verbandes ..der Vereine für. Wische Geschichte j räumen 'der' Synag'ogengemeinde begangen. Den Auftakt zu der schönen Feier bildete der Sabbatgottesdienst, in dessen Mittelpunkt die ergreifende Festpredigt des Herrn Lehrers Metzler stand. Der Vorsteher der Synagogengemeinde, Moses I, ernannte im Aufträge genannter Vereinigung die 6 ältesten Mitglieder zu Ehrenmitgliedern. Sonntag vormittags war gemeinsamer Gang, zum c>"nn m woselbst zu Ehren der verstorbenen Mitglieder eine Trauerfeier stattfand. Zu dem nach dem Abendgottesdienst stattfindenden Festakt war Herr Prov.- Rabbiner Dr. Cohn-Marburg erschienen, der tief durchdachte Worte an die Gemeinde richtete .Ein Festessen bildete den Abschluß der schön verlaufenen Feier, deren Leitung in den rührigen Händen des Lehrers Cohn lag. Bruchsal, 3. Mai. Am Sonntag den 20.-Mai 1888 versammelten sich in Karlsruhe 46 Herren aus allen Teilen des Landes, die dem Aufruf des Bezirksrabbinates und Synagogenrates in Bruchsal gefolgt waren, um die Gründung eines Vereins zu beschließen, welcher der Fürsorge für die hilfsbedürftigen isra-elitischen Waisen des Landes gewidmet fein sollte, dem „Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden", wie er damals genannt wurde. Die Anregung zu diesem Werke der Barmherzigkeit ging von dem damaligen Bezirksrabbiner Dr. Josef Eschelbacher in Bruchsal (der später als Stadtrabbiner in Berlin wirkte) aus, der sich auch eifrig bemühte, Freunde und Mitarbeiter zu gewinnen. Ein Beweis für die dringende Notwendigkeit der Errichtung des Vereins war die Tatsache, daß eine große Anzahl von Gesuchen um Aufnahme von Waisenkindern einlies. Die durch allgemeine Opferwilligkeit sich günstig gestaltende finanzielle Lage erlaubte bereits im ersten Jahre die Aufnahme von 15 Waisenkindern. Die Vollwaisen wurden bei ausgewühlten, gut empfohlenen Familien gegen Vergütung der Kosten in Pflege gegeben, während die Halbwaisen von den Müttern weiter versorgt wurden, wofür der Verein angemessene Erziehungsbeiträge bewilligte. Im April 1914 war die Zahl der Kinder, die der Verein seit dem Beginn seiner Tätigkeit betreut hatte, auf insgesamt 460 gestiegen. Welche Fülle von fürsorgender Liebe und erzieherischer Beratung, welche Mühewaltung bei der Einführung in geeignete Berufe und welche große Güte und GeduÜ» von Nöten waren, um diese 460 Kinder zu lebenstüchtigen Menschen heranzubilden, kann nur der ermessen, der innerhalb des Vorstandes wirkend, Kenntnis von jedem einzelnen Fall erhält. Als in der Gesamtvorstandssitzung im März 1914 Jacob Oppenheimer zum Vorsitzenden gewählt wurde (in der Zwischenzeit waren die Geschäfte durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Bez.-Rabb. Dr. Grzymssch, mit Umsicht und Tatkraft geleitet worden), ahnte man nicht, welche schweren Zeiten bevorstanden. Das gewaltige Kriegsereignis, welches 1914 über uns hereinbrach, beeinflußte die Vereinstätigkeit wesentlich und ist mit seinem direkten und indirekten Folgen noch heute zu spürem Die unschuldigen Kriegsopfer, ihres Vaters und Ernährers beraubt, müssen in der Fürsorge des Vereins die notwendige Verpflegung und Erziehung finden. Ein volles Jahrzehnt wird noch mit dieser Belastung zu rechnet sein, bis die Jüngsten der Kriegswaisen sich selbst ernähren können. An den indirekten Folgen des Krieges,! welche sich durch den Zusammenbruch der Geldwährung ergaben, muß der Verein 30 Jahre tragen, und auch dann wird er nur einen Bruchteil des ehemaligen Vereinsvermögens zurück erhalten. Dem rastlosen Streben und unermüdlichen Eifer des Vorsitzenden, der den Verein seit 14 Jahren trefflich leitet und mit Umsicht über die schweren Kriegs- und Jnflationsjahre führte, gebührt hohes Lob und wärmster Dank. Wenn auch bei .der Gründung, des Waisenvereins der Gedanke an ein eigenes Waisenhaus eine große Rolle spielte, so entspannen sich schon in den ersten Sitzungen lebhafte Debatten über die Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit eines solchen, die unentschieden blieben. >/. :i Bei der Gesamtvorstandssitzung amII^Dezember 1927 gaben die anwesenden 12 VorstanosmitWeder ihre Zustimmung zur Beibehaltung der, Fa'mili.enerziehung. Es kann nach so langer Probezeit rnsthollet Sicherhe-it unr» mit Recht behauptet werden, daß.her eingeschlagene Weg der richtige ist. Die Familienpflege des Landeswaisenvereins wurde bei verschiedenen Wohlsahrtstagungen in Berlin und in andern Städten des Reichs als mustergültig hervorgehoben: Leiter von Waisenhäusern aller Konfessionen haben dem Verein ihr Lob und ihre Anerkennung ausgesprochen. Möge, das 40jährige Jubiläum in jedem den Gedanken erwecken^ hier helfend einzugreifen, damit das Werk unserer Väter, um dessen bewährte Einrichtung wir im ganzen Reich beneidet werden, wachse, blühe und gedeihe! Berichtigung. Im Berichte aus Hamborn in der jüngsten Nummer fehlt der Passus, der besagte, daß der Redner mit der Feier die Gedenkfeier des Volkstrauertäges verband und de r j ü d i s che n 'H e ld e n des Weltkrieges gedachte, was hier nachgetragen werden soll. ' FamMennachrichten. Barnit zwo: Hermann, Sohn von Frau Berta Kahn. Baisingen. 22 Jjar. Silberne Hochzeit: Aerr Max Kokisli und Frau aeb. Lettner, Besitzer der allbebonnten Hotels- und Restaurants in San-R-mo und Badgasteirr feiern das Fest der silbernen Hochzeit.