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Der Israelit · 1928-05-10 · Heft 19 (10.5.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 19 (10.5.1928)
Date
1928-05-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 19 fcer israelitischen Landesorganisation in die Hand der von den Juden gewählten Landesversammlung und des von dieser gewählten Oberrates gelegt wurde . — Line amtliche Bekanntmachung des Stuttgarter Rabbinats über Schächkverfuche mit elektrischer Betäubung. Stuttgart, 2. Mai. Das Stadtrabbinat, gez. Dr. Rieger, gibt amtlich bekannt: „Am Donnerstag, den 19. ds. Mts., nachm. 3 Uhr, haben auf dem hiesigen Schlachthof drei Schlachtungen von Großtieren unter Anwendung von Betäubung durch Elektrizität stattgefunden. Nach den in hiesigen Zeitungen über diese Versuche verbreiteten Mitteilungen wird behauptet, daß bei dieser Methode sowohl den Forderungen des Tierschutzes wie auch der israelitischen Religionsgemeinschaft entsprochen sei. Demgegenüber muß von hier aus daraus hingewiesen werden, daß die Bayerische Rabbinerkonferenz als einzige bisher in dieser Frage angegangene rabbinische Gemeinschaft erklärt hat,, daß sie eine Entscheidung über die rituelle Zulässigkeit der Betäubung der Schlachttiere durch Elektrizität noch nicht abzugeben imstande ist, da die bisherigen Versuche den Erweis der religionsgesetzlichen Zulässigkeit nicht erbracht haben. Im Einvernehmen mit dem Rabbinat der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Stuttgart wird erklärt, daß solange die religionsgesetzliche Zulässigkeit dieser Schlachtungen nicht einwandfrei ausgesprochen ist, der Genuß des Fleisches von derartig geschlachteten Tieren religionsgesetzlich nicht erlaubt ist." Bulgarien. Hilfe für die von der Erdbebenkatastrophe betroffenen jüdischen Gemeinden. Sofia, 27. April. Mehrere jüdische Gemeinden in Südbulgarien haben unler der Erdbebenkatastrophe, von der dieser Teil des Landes betroffen worden ist ,schwer gelitten. Den größten Schaden haben öte. Gemeinden in Tschirpan und Philippopel zu verzeichnen. Von den 59 von Juden bewohnten Häusern Tschirpans wurden 17 so zerstört, daß kein Stein auf dem anderen blieb, während die übrigen mehr oder weniger schwer beschädigt wurden. Die Synagogen und die jüdische Schule sind vollkommen zerstört. Drei Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden verletzt. Die jüdische Gemeinde in Philippopel, die rund 1500 Familien zählt, ist schwer heimgesucht. Die von Juden bewohnten Gassen haben am meisten gelitten. Man zählt unter den Juden zwei Tote und eine Anzahl Verwundete. Da die Bevölkerung in provisorischen Zelten und zum Teil im Freien die Nächte zubringen muß, befürchtet man das Aufkommen von Epidemien. Das Zentralkonsistorium der jüdischen Gemeinden Bulgariens hat einen Appell um Hilfe veröffentlicht. Die jüdische Gemeinde in Sofia hat bis jetzt für den Hilfsfonds 160 000 Lewa aufgebracht: es ist dringend not- D e r Israelit wendig, daß auch auswärtige jüdische Gemeinden den unglücklichen jüdischen Brüdern zu Hilfe kommen. Polen. Die blutige Maifeier in Warschau. Warschau, 3. Mai. Die Zusammenstöße zwischen Sozialisten und Kommunisten, sowie zwischen demonstrierenden Arbeitern und Polizei am 1. Mai in Warschau scheinen viel ernsterer Natur zu sein, als anfangs angenommen wurde. In den Spitälern und in Privatwohnungen liegen 559 Verletzte darnieder, unter chnen nicht weniger als 489 Juden, außer den auf dem Platze liegen gebliebenen drei jüdischen Toten. Bei den Zusammenstößen haben es die angreifenden aus Kommunisten und Huligans gemischten Trupps besonders auf die jüdischen Teilnehmer in den Maifestzügen der sozialdemokratischen Partei Polens abgesehen. Aber auch wo die Polizei eingrisf, waren meist Juden die Opfer. Der Zug der Poalezionisten war ebenfalls starken Attacken ausgesetzt, bei welchen 60 Poalezionisten verletzt wurden. Auf den Festzug der jüdischen Arbeiterpartei „Bund" im Arbeiterviertel der Stadt hat die Polizei einen Angriff unternommen, wobei 20 .jüdische Arbeiter verletzt wurden. Am 2. Mai suchten Polizisten in den Spitälern und Privatwohnungen nach verwundeten Kommunisten. Auch hier hat man es besonders auf Juden abgesehen. Von den insgesamt 236 Verhafteten sind der weitaus größte Teil Juden, die entweder an den von der Behörde erlaubten Maikundgebungen der sozialdemokratischen Partei teilnahmen oder zufällige Zuschauer waren. Das Vorgehen der Polizei, die an der verkehrten Stelle zufaßt, ruft unter der Warschauer Judenschaft Empörung hervor. (ITA.) Liksuen. Unzufriedenheit in Litauen. K o w n o, 1. Mai. Die Judenheit Litauens ist infolge erneuerter Unterdrückungsmaßnahmen der litauischen Behörden gegen jüdische öffentliche Institutionen und Parteien in große Unruhe versetzt worden. Die Unterdrückungsmaßnahmen machen auch vor den religiösen Institutionen nicht halt. Nachdem eine ganze Nacht hindurch in den Kownoer zionistischen Büros sowie in der Redaktion und Administration der nationalen jüdischen Tageszeitung .,-Wdische Stime" von Geheimagenten und Polizisten Haussuchungen vorgenommen worden waren, wurde ein besonderer Schlag gegen die berühmte Jeschi - wa zu Slobodka geführt. Unter der absurden Annahme, daß die Jeschiwa-Bachurim Verbindungen zu Kommunisten unterhalten, wurden zahlreiche Bachurim verhaftet. Außerordentlich groß ist die Zahl der verhafteten jüdischen Arbeiter. Die gemäßigte jüdische Arbeitspartei „Hitachduth" ist verboten worden, ebenso die zionistisch-sozialistische Partei „Poale Zion". 10. Mai 1928 Schweiz. Gemeindeversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde Zürich. Zürich, 3. Mai. In der ordentlichen Gemeindeversammlung am 29. April nahm der Geschästs>be r i ch t pro 1927, und in demselben der Bericht des Vorstandes, den größten Teil der Debatte in Anspruch. Die Gemeinde nahm mit 210 von 285 Stimmen den Antrag von Nationalrat Dr. D. Färb st ein an, wonach das im Geschäftsbericht des Vorstandes erwähnte - Vorgehen des Subkomitees des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes zur Bekämpfung des Antisemitismus nicht gebilligt wird. Die weiteren Berichte gaben zur Debatte Anlaß, als das Verhalten einiger Beamter zu teilweise scharfer Kritik rief, — Die Jahresrechnung fand die Genehmigung der Gemeinde und das Budget wurde gemäß den Anträgen der Rechnungsprüfungskommission bestätigt. Die Gemeinde bewilligte ferner das Kreditbegehren auf Bewilligung eines Beitrages von Fr. 5000.— an die Erstellung eines jüdischen Friedhofes in D a o o s. Sodann wurden die Gemeindekollegien neu bestellt. Zum Präsidenten des Vorstandes wurde neu gewählt: Rechtsanwalt Dr. Martin Bloch; dem Vorstand gehören an die Herren Hugo Justiz, Sally Lepy, Sally Braunschweig- Schmuklerski, Oskar Gutmann, Albert Adler und Isidor Horn. — Herr Dr. Farbstein wurde u. a. wieder als Delegierter in den.Israelitischen Gemeindebund gewählt. Frankreich. Juden im französischen Parlament. Paris, 1. Mai. Während beim ersten Wahlgang nur zwei Juden, der Handelsminister Bokanowski und Baron Maurice de Rothschild, Sohn des Barons Edmond de Rothschild, in das französische Parlament gewählt worden sind, haben die am letzten Sonntag durchgeführten Stichwahlen den Sieg mehrerer jüdsicher Kandidaten gebracht. Gewählt wurden u. a. die folgenden Juden: der Radikal-Sozialist, Baron, der Radikal-Sozialist und frühere Minister Andre Hesse, der Sozialisten Spinas, Morel, Bedouce, Groc, Ury, Grumbach, die Radikal-Sozialisten Berger, Levy Alfanderi, Lerman, Linker, der frühere Minister Leon Mayer, der Demokrat George Mandel, ferner Schuman (radikale Union) u. a. m. Bon bekannten Juden sind unterlegen der sozialistische Führer Leon Blum, der Verteidiger Schwarzbarts Henri Torres, der Zionist Corcos und der Leiter des Jüdischen Nationalfonds in Frankreich,. Mirtil. Türkei. Besserung der Lage der türkischen Juden? Konstantinopel, 30. April. Die türkische Regierung hat zwar die Verordnung, wonach die Juden den Städte nur mit besonderer Erlaubnis sich auf das ° flache Land begeben können, aufisss Verkaufshaus: llMlllll S. 11, GOeliieStf. 4 Moderne Gardinen n. 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