Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1928)
- Date
- 1928-05-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 19 Sette s 10. Mai 1928 _. Körpers gewissermaßen abgetreten und verficht seine Interessen aufs Rücksichtsloseste. Es ist derselbe Bezirk, den das Tier überhaupt allein als Geistesleben besitzt. Diese unsere Zweiteilung in rein geistiges Seelenleben und eine sinnliche Triebsphäre ist auch die Ursache all unserer Kämpfe mit uns selbst. Nur geleitet durch göttliche Wahrheit kann der Mensch würdig gegenüber seinen Trieben bestehen. Das Gesetz mahnt und warnt hier oft genug, nr> '2 myin in man „Im Grunde ist der Trieb des Menschenherzen böse." aim*? ■nnx mnn rrb darauf sagt Rasch! *■ - - - pan Tin» i»2" „Wie der Kundschafter den Weg weist im Lande, so sind das Herz und die Augen der "Kundschafter der im Körper eben nur dessen Lust anstrebt." Lgßt eure Handlungen ebenso wenig wie von den Sinnen, vom Herzen, vom Gefühl bestimmen, auch ihm liegen letzten Endes rein animalische Motive zu Grunde! Selbst scheinbar rein ethische Gefühle wie Ehrgeiz, Stolz, Mitleid, schmeicheln, nach menschlichem Gutdünken geübt, im Grunde doch nur den Instinkten ihrer Träger. Wenn wir uns dabei nicht vom Geiste der Thora leiten lasten. Vor der Selbstherrlichkeit des „Gefühls" in unserem jüdischen Leben warnt uns, wie wir sahen, die Thora ausdrücklich. (Fortsetzung folgt.) Wochenrundschau. Ein Münchener Arkeil und feine Begründung. Die I u st i z k r i s e , wie man sie heute in Deutschland erlebt, wird von den Linksparteien weidlich für die Wahlpropaganda ausgenutzt. Daß Juden und jüdische Religion mit ein Objekt dieser Justizkrise bilden, bedarf keiner näheren Erörterung angesichts der täglichen Zeitungsberichte über geringe Strafen für Judenhetzer, Friedhofsschänder, öffentliche Ehrabschneider in Vortragssaal und Presse und über deren Begnadigung. Ein dieser Tage in München gefälltes Urteil gibt besonders zu denken. Der „Illustrierte Beobachter", einer der lautesten Rufer im „Chore der Rache", hielt es in Ermangelung neuen Hetzstoffes für gut, nach altem Besitzstände zu Kleines Feuilleton, mua na'V' nma Von Menasche kleimann in Frankfurt a. 21t. Wie bekannt, wurde in Montreux, an den Ufern des Genfer Sees, die alljährlich durch ihre Schönheit eine große Zahl von Menschen aus allen Herren Ländern anlocken, wo man aber früher vergeblich eine Stätte jüdischen Wirkens suchen mußte, durch Initiative des Herrn R E. Botschko, Montreux, eines Mannes für den Thoralernen und -lehren die höchste Ausgabe des Lebens bedeutet, eine Schweizer Thoralehranstalt ..Ez Chojim" gegründet. — Dort hat sich ein ansehnlicher Kreis von Bachurim zusammengesunden, um in wahrhaft jüdischem Sinne all ihr Trachten und Denken dem ,Ez-Hachajim", dem Baume des Lebens zuzuwenden, aus dem allein dem Judentum in allen Zeiten Kraft und Lebensmut erwachsen sind. Trotzdem eie Jeschiwo erst auf ein einjähriges Bestehen zurückblickt, kann sie dennoch schon einen großen Erfolg ihr eigen nennen, bedenkt man, daß sie in kurzer Zeit ihre Bachurim soweit förderte, daß diese ein Stück Gemoro selbst vorbereiten und gut verstehen. Ein Erfolg, der auf den litäuischen Derech- Haltmud und die individuelle' Behandlung eines jeden Schülers zurückzuführen ist. Sie ist in schönen, gesunden Räumen untergebracht, und hat auch eine eigene Küche, in der die Mahlzeiten für die Bachurim zubereitet werden, die auch größtenteils in der Jeschiwo wohnen. In der Jeschiwo können durchschnittlich 20—25 Bachurim Ausnahme , finden, die aus der Der Israelit greifen und er wärmte die bald dreißig Jahre alte Konitzer Ritualmord hetze auf. Ein Bild des Opfers, des Gymnasiasten Winter, illustrierte einen Text, der an perfiden Verleumdungen^ der Juden, des Judentums und des Talmuds alles bisherige übertraf. Von jüdischer Seite wurde gegen den verantwortlichen Redakteur Esser Klage erhoben, und das Münchener Schwurgericht hatte sich mit der Sache zu befassen. Zum so und sovielten Male wurde ein Sachverständiger über die Möglichkeit der Ritualmordlehre im Talmud und deren Betätigung bei den Juden befragt, und zwar der katholische Theologieprofessor an der Münchener Universität, Geheimrat Göttesb e r g e r. Er erklärte, „es gäbe zwar Stellen im Talmud, die als Belege für den Ritualmord unter Umständen ausgelegt werden könnten", aber eine solche Auslegung sei zweifellos falsch. Wo sind die Stellen, die auch bei blühendster Phantasie und schlimmstem Uebelwollen als Lehren des Ritualmordes ausgelegt werden könnten? Es ist schade, daß der Herr Professor diese Stellen nicht nannte. Die andere Behauptung des antisemitischen „Beobachters", der Talmud predige die Schändung von nichtjüdischen Frauen, erklärte der Sachverständige als v ö l l i g e n U n s i n n. Er bestätigte gerechterweise, daß der Talmud eine Grundlage der jüdischen Religion sei, so daß sich die Beschimpfung des Talmud unstreitbar als Beschimpfung der jüdischen Religion qualifiziert. Auf Grund dieses Gutachtens mußte zwar das Schwurgericht den Angeklagten verurteilen,^ aber er kommt ziemlich glimpflich davon. Die Gefängnisstrafe von einem Monat (der Staatsanwalt hatte drei Monate beantragt) wurde in eine Geldstrafe von 500 Mark umgegewandelt. Das ist nicht von Belang. Wir sind weit davon entfernt, nach dem Kopfe eines jeden Radauantisemiten, der einmal über die Stränge haut und vom Gerichte gefaßt wird, zu schreien. Ein schlimmes Dokument für richterliche Milde am falschen Platze, für das Spielen mit der Ehre ganzer Volksteile, erscheint uns die Urteilsbegründung. Die Behauptung vom Ritualmord, heißt es darin wörtlich, fei durch nichts erwiesen. Selbst wenn einzelne Juden eine solche Tat begangen hätten, dürfe Bei Kopfschmerz, Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile: Phenac. Pbenyldimettylp. kJ | nf| Acetylsai., Coff.nl. I.&u in allen Apotheken Schweiz selbst, größtenteils auch aus Deutschland. Ungarn und Litauen kommen. — Die Jeschiwo „Ez Chäjim" wird von dem Gründer Herrn Botschko geleitet, in dem die Schüler einen hervorragenden Lehrer und geistigen Führer besitzen. — In seiner Arbeit wird er von 4 litauischen Dozenten, die der Elite der weltbekannten Jeschiwo in Telschi (Litauen) entnommen sind, aufs Beste unterstützt. Neben den im Laufe des Vormittags stattfi^- denden Kizzur-Schulchan Aruch- und Tnachschiurim, verdient der Hauptgemorreschiur des Tages, der von Herrn Botschko selbst geleitet wird, einer besonderen Erwähnung. x An diesem Schiur. zu dem sich vorher alle Bachurim vorbereitet hoben. wird den Bachurim auf all ihre Fragen von Herrn Botschko in seiner plastisch veranschaulichenden und klaren Art über alle gehabten Schwierigkeiten hinweggeholfen. Erst dann kommen die oft aufgereaten Gemüter zur Ruhe. — Das zweistündige anstrengende Lernen wird dann durch eine Mittagspause unterbrochen. — Um 3 Uhr beginnt der Nackmittagsseder. Die Bachurim vertiefen sich in die Gemoraus und wieder ist die Jeschiwoh erfüllt von angespanntester Arbeit — Der Gemoro- Sch'mr wird je nach Begabung der Schüler in drei getrennten Klassen abgehalten. Auf die nun wiederum gu'tauchenden Fragen wird den Bachurim nach dem litauischen Derech-Halimud von einigen Dozenten aus der Telfcher Jeschiwo, die neben Herrn Botschko die Schiurim in vorbildlicher Weise leiten Antwort erteilt. Im Laufe des Nachmittags wird eben noch anderen kleineren Sckiurim. noch ein Muffarlchiur abg-halten und' mit dem Maariwgebet schließt der Tag der Arbeit. So ist die Jeschiwo „Ez-Chajim" Montreux, doch den Juden nicht vorgeworfen werden, daß der Rtiualmord bei ihnen üblich sei. „Nicht erwiesen!" Warum fragt man nicht Hermann Strack und andere Orientalisten von Ruf, um positiv zu beweisen, wie falsch, blöde und abgrundtief das Märchen vom Ritualmord, einstmals von Chinesen und Brahmanen gegen Christen erhoben und jetzt von den Anbetern Wotans gegen die Juden aufgegriffen, ist? „Selbst wenn einzelne Juden eine solche Tat begangen hätten." Soll das auf Könitz anspielen und wollten die richterlich geschulten Verfasser der „Begründung" damit die Möglichkeit des dortigen Ritualmordes gelten lasten? Dann hätten sie sich schon die Mühe nehmen müssen, die Akten des Konitzer Prozesses und die von ihm geschaffene Literatur durchzustudieren, um zu erfahren, aus welchem Tiefstand der Kultur damals die ganze Hetze gegen ehrbare jüdische Handelsleute und damit gegen eine jüdische Gemeinde geboren ward. Merken die Herren, die es angeht, wie sehr ein solches Urteil und eine solche Begründung dazu angetan sind, die ohnehin vergiftete und haßgeschwängerte Atmosphäre noch weiter zu verseuchen? Jüdisch demokrsttfche Anion in Polnifch-Schlefien. Wie uns — und durch die Presse mit großem Getöse aller Welt — mitgeteilt wird, ist in der früher deutschen, heute polnischen Provinz Oberschlesien eine „Union demokratischer Juden Polnisch-Schlesiens" gebildet worden, die, nach etwas dunklen Angaben, „verärgert und überdrüssig aller nationalen Irrlehren, eine Umorientierung der Judenheit Polnisch-Schlesiens nach der Richtung der alten Tradition der Väter und Großväter anstreben will." Noch kennen wir das neue Gebilde zu wenig, um uns ein definitives Urteil über seine Wege und Ziele anzumaßen. Zuerst schien es uns, als handelte es sich um eine rein politische Partei als Gegengewicht gegen die jüdisch-nationalen Parteien in Polen, deren Führer im Parlamente die jüdische Bevölkerung als eigene Nationalität vertreten. Was aber in der „Schlesischen Zeitung" in seitenlangen Artikeln über die „Union" zu lesen ist, läßt auch auf andere Aspirationen schließen, auf eine Sammlung der Kräfte nach innen. Und da will es allerdings scheinen, als läge der „Union" weniger an der „Rückkehr zur Tradition der Väter und der Großväter", als vielmehr an der „Bekämpfung der nationalistischen Irrlehren", um Platz zu machen für andere Lehren, die uns „andere" bleiben . . . ihrer ganzen E nftellung nach, ein Werk, das nicht nur den Schweizern, sondern auch den jungen, jüdischen Manschen der Nachbarländer, Gelegenheit givt, mit jüdischem Geist und Wissen vertraut zu werden und sich darin immer mehr zu vertiefen und vervollkommnen, um später ihr ganzes Sein und Wirken in den Dienst des Judentums stellen zu können. Möge sie sich zum Zentrum des Thorageistes in Westeuropa entfalten und vieles mwn pp rivnnb beitragen. (Alte jüdische Gräber in Jerusalem.) In einer Höhle in der Nähe von Jerusalem wurden dreizehn Sarkophage, die hebräische und griechische Inschriften tragen, mit Gebcrnen entdeckt. Aus den Inschriften ist zu ersehen, daß die Gräber aus der Periode des zweiten jüdischen Tempels stammen. Das Oberrabbinat hat an die Regierung das Ersuchen gestellt, die Gebeine zur Beerdigung nach jüdischem Ritus freizugeben. Eine Antwort auf das Ersuchen von Rabbi Kook ist noch nicht gegeben worden. (Einsturz der Ilekigionsdisput-Kirche in Zlom). Die St. Augelo-Kirche in Rom ist eingestürzt. Die Kirche war die historische Stätte der einstigen Relig'onsdispute zwischen christlichen Geistlichen und jüdischen Gelehrten: mindestens einmal im Jahre mutzten die Juden befehl-gemäß in der Kirche erscheinen. um den Bekehrung-Predigten der katholischen Mönche und ihren Angriffen gegen die jüdische Religion zuzuhören. Verantwortlich für den allgemeine» TeU und da» truruelo» S. Schachnowttz, Frankfurt a. SR.; Inserate!. 58.: 8.8 chach» nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag .Israelit", G.m.b.H., Frankfnrt a.M, — DruS Liermou «erlag»» Mtiengefellfchast. Frankfurt a. 9t. Helen