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Der Israelit · 1928-05-03 · Heft 18 (3.5.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 18 (3.5.1928)
Date
1928-05-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 18 Der Israelit scheu Elements in Rußland beleuchten, enthalten wird. In dem Buch soll besonderer Bedacht auf die Widerlegung der unrichtigen Behauptungen der Judengegner genommen werden. Soeben ist im Staatsverlag eine „Kampf dem Antisemitismus" betitelte Schrift von S. Gorew erschienen, die eine Geschichte der antisemitischen Bewegung in Rußland enthält und die Lage der Juden im jetzigen Rußland skizziert. Die Schrift gibt auch eine Uebersicht über die jüdische Kolonisationsbewegung und bringt statistische Daten über die Teilnahme der Juden in den Sowjet- Institutionen. England. Halbjahresversammlung der Anglo-Jewish Association. Manchester, 23. April. Am Sonntag, den 22. April, fand in Midland Hotel zu Manchester die zweimal jährlich stattfindende Generalversammlung der Anglo-Jewish Association statt. Der Vorsitzende, Leonard G. Montefiore, berichtete über die auswärtige Tätigkeit der Association und stellte fest, daß sich die politische und die Rechtslage der Juden in verschiedenen Ländern verbessert hat. Die Anglo-Jewish Association und die mit ihr zusammenarbeitenden Board o f D e p u t i e s und Joint Foreign Committee sind jetzt in der Lage, im Verkehr mit fremden Ländern eine völlig neue Richtlinie zu befolgen. Früher war man genötigt, an die Barmherzigkeit der rückständigen Nationen zu appellieren, jetzt aber sind die jüdischen Rechte legal verankert und vom Völkerbund garantiert. Wenn diese Rechte nicht beachtet werden, so kann man zu Rechtsmitteln greifen. Wenn man an Rumänien denkt, so muß man sich vor Augen halten, daß dort noch mittelalterliche Zustände herrschen: dennoch wurden auch in Rumänien Besserungen erzielt. In früheren Jahren durste sich Rumänien erlauben, die auswärtigen Proteste in den Wind zu schlagen, heute aber ist die öffentliche Meinung im Auslande — wie das Echo der Vorgänge in Großwardein bewiesen hat — so hoch entwickelt, daß die rumänische Regierung mit ihr unbedingt rechnen muß. Der Vorsitzende berichtete auch über die Erziehungsarbeit in den Ländern des Orients. Die Hauptaufmerkfamkeit wird der Evelina de Rothschild-Schule in Jerusalem zugewendet, die fast die Hälfte des Budgets der Association absorbiert hat. Die 550 Kinder dieser Schule rekrutieren sich aus den ärmsten Schichten, sie machen trotzdem ausgezeichnete Fortschritte. Jetzt soll die Shabboth-Schule in Bagdad übernommen werden. Herr und Frau Frockman sind zu Erziehungsbeiräten der jüdischen Gemeinde des Irak ernannt worden. Die Bene Israel-Schule in Bombay, die unter der Leitung von Miß S. Rubin steht, erzieht die Kinder dieses eigenartigen Stammes, über dessen Ursprung man sich heute noch nicht klar ist, in den Grundsätzen des Judentums. Diese Arbeit paralysiert die Anstrengungen der Missionare, die sich um die Bekehrung der Bene Israel bemühen. Was die Kolonisationsarbeit betrifft, so nimmt die Anglo-Jewish Association an dem Werk der JCA teil. In Rußland ist die Kolonisationsanlage eine solche, daß man mit dem gleichen Geldbetrag die dreifache Zahl von Familien als in Argentinien, Palästina oder anderswo ansiedeln kann. Die Kolonien in Südrußland gedeihen gut, das Werk entwickelt sich. Eine 250.000 Pfund-Anleihe der Paleftine Electric Corporation. London, 25. April. Im Unterhaus« teilte der Minister für die Kolonien, Herr Amery, auf eine Anfrage mit, daß die Palestine Electric Corporation, die vom Ingenieur Pinchas Ruthenberg geleitet wird, über ein autorisiertes Kapital von einer Million Pfund verfüge und daß Aktien in Höhe von 657.000 Pfund ausgegeben worden find. Es feien Arrangements zur Gewährung einer Anleihe an die Corporation in Höhe von 260 000 Pfund, die von der Regierung auf Grund des „Trade Facilities Act" (Jndustrieschutzgesetz) garantiert wird, getroffen worden. Die Konzession wurde an die Corporation' am 5. März 1926 erteilt, das Gesamtwert müsse bis 5. März 1931 vollendet fein, wenn nicht besondere Gründe für eine Ausdehnung der Arbeitsperiode bestehen sollten. Colonel Howard Bury fragte, ob die auf Grund des Trade Facilities Act zu erteilende Garantie wirklich mit den Gesetzesvorfchriften übereinstimmt. Minister Amery erwiderte: Ja. Die United Synagogue in London. London, 25. April. Am 24. April wurde in London die Jahresversammlung des Rates der United Synagogue zu London abgehalten. Dem Bericht, der in der Versammlung erstattet worden ist, ist zu entnehmen, daß in den Monaten September und Oktober 1927 sechs neue Synagogen eröffnet und zwei ältere Synagogen umgebaut wurden. In der Hammeresmith-Synagoge wurden Schulräume und ein Gemeindesaal eingeweiht, die Brixton-Synagogengemeinde hat ihr früheres zeitweiliges Bethaus in eine ständige große Synagoge mit Schulräumen und einer Sukkah umgewandelt. Trotz des Aushörens einer Fremden-Einwanderung feit 1914 erfordert das Wohlfahrtswesen noch viel Geld und Kräfte, da in East End noch manche soziale Probleme einer Lösung harren. Das Wohlfahrtskomitee appelliert an die gesamte Judenschaft, an der Lösung dieser Probleme tätig mitzuwirken. Im vergangenen Jahr wurde ein neues Wohlfahrtszentrum errichtet, das zu einer besonderen Siedlung ausgebaut werden wird. In den alten Wohlfahrtszentren wurde die Arbeit intensiviert. Das neu in Kraft getretene Gesetz über die Versicherung von Greisen- und Witwen-Pensionen hat einen neuen Zweig der Wohlfahrtsarbeit geschaffen«. Auch auf dem Gebiete des Rechtsschutzes zugunsten der noch nicht eingebürgerten Juden wurde viel geleistet. Das Beth Din von London wird sehr häufig um seine Entscheidung in Fragen religiöser und ritueller Praxis angegangen. Die Entscheidungen des Beth Din werden von den streitenden Parteien in den weitaus meisten Fällen anerkannt. Das Rabbinergericht entschied in zahlreichen Konflikten zwischen Hausbesitzern und Mietern, in kaufmännischen und in häuslichen Angelegenheiten. Zwistigkeiten zwischen Ehegatten wurden beigelegt. Sogar das Zivilgericht von Cast-End nimmt häufig die Dienste des Beth Din in Anspruch und überläßt ihm die Entscheidung in gewissen, das Jüdische berührenden Fällen. Nur sehr selten kommt es vor, daß gegen die Entscheidung des Beth Din Berufung beim öffentlichen Gerichte erhoben wird, dann aber erfolglos. 39 religiöse Ehescheidungen wurden im vergangenen Jahre nach erfolgter ziviler Lösung der Ehen ausgesprochen. 126 Nichtjuden in London und 41 aus der Provinz bewarben sich um die Aufnahme in die jüdische Glaubensgemeinschaft. Für das Beth Din ist dies ein schwieriges Problem. Es bemüht sich auch, der Mischehe, oft mit Erfolg, entgegenzuwirken: aber das Problem der Mischehe verliert nicht an Schärfe und erfordert zu seiner Lösung die Mitarbeit Aller. Amerika. Die „Jizchak Elchanan-Jeschiwa" eine Rabbiner- Hochschule. N e w y o r k, 24. April. Dr. Bernhard Revel, der Präsident des Rates der „Jizchak Elchanan Jeschiwa", teilte soeben mit, daß die Universität des Staates Newyork eine offizielle Urkunde über die Errichtung eines Hochschul-Kollegs bei der Jeschiwa unterzeichnet hat. Dieses College wird den Rang einer Rabbiner-Hochschule besitzen. Die Studenten des College werden außer in den rabbinifchen Wissenschaften auch in den weltlichen Studien unterwiesen werden. Das Jeschiwa-College fft auf einen vierjährigen Studiengang berechnet, die Absolventen erhalten der Grad eines Bakkalaureus der Wissenschaft. Das Jefchiwa-College wird in einem der drei Gebäudekomplexe des mit einem Kostenaufwand von 2% Millionen Dollar errichteten Jeschiwa-Hauses untergebracht und im September 1928 eröffnet werden. Es wird dies die erste jüdische Hochschule in den Vereinigten Staaten sein. Dem Bericht schloß sich eine lebhafte Diskussion an. Erklärung von Dr. Stephan S. Mise. Newyork, 15. April. Dr. Stephan S. Wise veröffentlicht eine Erklärung über die Gründe seines Austrittes aus dem Administrativ- und Exekutivkomtiee der amerikanischen zionistischen Organisation: „Meine Demission vom Administrativ- und Exekutivkomitee der zionistischen Vereinigung von Amerika ist 3. Mai 1928 gedacht als Bekundung eiesn tiefen und unmißverständlichen Gegensatzes zu den herrschenden Methoden der zionistischen Leitung. Sie soll einen Protest darstellen gegen das jetzige Regime in zionistischen Angelegenheiten, welches — wie ich glaube — die zionistische Sache — den Aufbau einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina — bedroht." Wise erinnert daran, wie er als Vorsitzender der poltischen Komission versucht hatte, in Basel eine Methode zu finden, um wenigstens teilweise den Schaden wieder gut zu machen, der dem zionistischen Programm dadurch zugefügt wurde, daß England als Mandatsmacht für Palästina und der Völkerbund ihr feierlich gegcgebenes Versprechen, die Errichtung eines jüdisch-nationalen Heims in Palästina zu erleichtern, nicht erfüllt habe. Sein Vorschlag sah die Bildung einer Fünfer-Kommission durch den Kongreß vor, die von Dr. Weizmann geleitet werden, aus Vertretern Amerikas, Englands, Osteuropas und Palästinas bestehen und die Aufgabe haben sollte, gemeinsam mit der englischen Regierung, die. Grundlagen des jüdischen Wiederaufbaus Palästinas festzulegen. Die Nichterfüllung liege nicht am bösen Willen der britischen Regierung, sei. vielmehr ein Mißerfolg der zionistischen Leitung, die die Notwendigkeiten und berechtigten Forderungen des jüdischen Volkes gegenüber der Mandatarmacht nicht durchzusetzen vermochte. Sein Projekt wurde durch ein herrisches Veto zu Fall gebracht. Das bedeute, daß bei einer scheinbaren Abstimmungsfreiheit der Zionisten ein absolutistisches Regime in der zionistischen Politik in Jerusalem, London und Newyork herrsche. Er würde einem absolutistischen Regime nicht zustimmen, auch wenn es ausgeübt würde durch einen Führer von dem moralischen und geistigen Gewicht eines Justice Brandeis; um wie viel weniger könne er sein zionistisches Urteil und Gewissen dem jetzigen zionistischen Regime unterordnen. Palästina. Weitere Proteste gegen die Misstonstätigkeit. Jerusalem, 24. April. Die Führer der Moslemiten in Palästina haben eine Protest-Resolution gegen die Ereignisse in Gaza, sowie gegen die christliche Missionstätigkeit im Orient an Lord Plumer, das Londoner Kolonialamt, den König von England, die. Regierungen Italiens und Frankreichs und an alle mohammedanischen Herrscher telegraphisch gesandt. — In Gaza wurde bekanntlich auf Moslemiten, die gegen die Abhaltung des Missionskongresses in Jerusalem protestierten, geschossen. Die Sefardim und der Waad Leumi. Jerusalem, 23. April. In einer Plenarsitzung des Ausschusses der sephardischen Gemeinden in Tel-Awiw und Jaffa wurde beschlossen, angesichts des ablehnenden Verhaltens des Waad Leumi gegenüber der Forderungen der Sephardim hinsichtlich des Frauenwahlrechtes an den Vorbereitungen für die Zusammenstellung der Wählerlisten nicht mehr teilzunehmen und die Einzeichnung in die Listen zu verweigern. Personalien. Frankenthal i. Pfalz. 22. April. Der Kantor und Rechner der israelitischen Kultusgemeinde Landau i. Pfalz, Herr Sally Rosenberg und seine Ehefrau Emma, geb. Wälder feiern am 2 .Mai das Fest der g v l d e n e n H o ch z e i t. Hagen i. W., 25. April. Am Mittwoch, den 28. Nissan verschied nach längerem Leiden im Alter von 64% Jahren David Lewin und wurde am folgenden Tage unter Beteiligung sämtlicher hiesigen Ostjuden zur ewigen Ruhe bestattet. Er war ein schlichter, einfacher Jehudi mit einem seltenen aiv aV, Unermüdlich für seine Familie tätig, opferte er gern und nixa rn’na viel Zeit Wan naiW Als er vor 17 Jahren nach Hagen kam, gründete er bald mit den wenigen damals hier wohnenden Ostjuden ein Minjan, war naima-na->x’anxa poiy-ra’W und übte non wie und wo er nur konnte. Schon in seiner Heimat lange Jahre im Dienste der rrv-np nnan eifrig tätig, übte er auch hier die Mizwoh narri non mit großem Pflichteifer und ganzer Hingäbe. Bon viel Leid und Kummer wurde er heimgesucht, besonders im letzten Jahre, doch ertrug er alles mit großer Geduld und Ergebung. Viele Zeichen verdienter Ehrung wurden ihm an der Bahre und am Grabe, wo mit Rücksicht auf Nissan kein nsvn gehalten werden konnte, erwiesen. n-asan Alzenau, 30. April. In körperlicher und geistiger Frische feiert am 5. Mai Frau Babette Marx geb. Frank in Alzenau b. Kahl ihren 84. Geburtstag. Nicht asw».

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