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Der Israelit · 1928-05-03 · Heft 18 (3.5.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 18 (3.5.1928)
Date
1928-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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1Z Mai 1928 Der Israelit Nr. 18 Seite 5 getragen a l s d e r U m st a n d, j) a ß diese T a ts a che erst zu der Ze it, d a nichts mehr zu retten war, der M'asse des Volkes enthüllt wurd e." Seite 241. Was sagt Ludendorff zu solcher Sprache eines Falkenhayn? Auch Helfferich schlägt in die gleiche Kerbe. In seinem Buche „Der Weltkrieg" schreibt er: „Wenn die Karte des rücksichtslosen U-Bootkrieges ausgespielt wird und sie sticht nicht, dann sind wir verloren, dann sind wir auf Jahrhunderte hinaus verloren." Nun, wir wissen, sie hat nicht gestochen! Helfferich aber sagt ganz folgerichtig weiter: „Es mußte schließlich das e r d r ü ck e n d e U e b e r - gewicht anZahlund Massen in diesem V öl k e r r i n g e n de n letzten Ausschlag geben."- Zum Schlüsse aber wollen wir noch als Pendant zu Ludendorffs mittelalterlichem Haß- und Wahngebilde ein ebenso mittelalterliches Gaunerstückchen hierhersetzen, das General von Schulenburg dem Kaiser „als letztes Mittel" zur Rettung empfahl: „Majestät setzen Sich an die Spitze Ihrer Truppen, eilen in Dauermärschen bis ins Rheinland und führen das „schon genügend bearbeitete Heer" gegen die innere Gefahr. Es wird verbreitet, die Juden hätten das Land dem Fein de verraten, das Volk an die Feinde verk a u f t, man wird Majestät zujubeln und über der Rache an den Verrätern vergessen, daß man an Revolution dachte. Inzwischen eilen wir nach Berlin und schaffen Ordnung!" — Der Geschichtsschreiber wird einst mit Schauer und Scham diesen geplanten Gaunerstreich zu buchen haben. General von Schulenburg, General von Ludendorff Arm in Arm, Hand in Hand! Wie stellt die Lüge uns bloß vor den Augen der gesamten Kulturwelt und verewigt unsere Schande in ddr Geschichte! Als vor 6 Jahren Hitler und Ludendorff Bayern mit ihren „Lehren" verseuchten, entblödete sich der General nicht, selbst Städtchen mit 2000 Einwohnern zu ,-beehren". Vielleicht tut er es jetzt vor den Wahlen wieder. Da dürften vorstehende Dokumente von, geschichtlicher Beweiskraft und Bedeutung manchem Leser nicht unwillkommen sein, falls er in die Lage käme, einmal in den Abwehrkampf einzutreten. Das scharfe Steinchen der Wahrheit wird einst dem Goliat der Lüge die freche Stirn mit dem kleinen Hirn tödlich verwunden. Konezpongenren « Racbricbten. Deutsches Reich. Erhebung einer besonderen Steuer für die jüdischen Gemeinden. Berlin, 25. April. Der Preußische. Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung eröffnet in den für das Rechnungsjahr 1928 veröffentlichten Richtlinien für die Erhebung der Kirchensteuer für die jüdischen Gemeinden die Möglich--- keit, neben Zuschlägen zu staatlichen Steuern gemäß 8 9 fg. des Kirchensteuer-Gesetzes von 1905 eine von Staatssteuern unabhängige Abgabe unter dem Namen „Kirchgeld" zu erheben. Diese für die jüdischen Gemeinden wichtige Bestimmung erscheint in einem gleichzeitig veröffentlichten Muster für diese Erhebung. Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin, 30. .April. Bei der schon mitgeteilten Eröffnung des Sommersemesters am Rabbinerseminar hielt zunächst Herr Dozent Dr. Wohlgemut h eine Ansprache, in der er die Gefahren, die zumal der Jugend aus den geistigen Kämpfen der Gegenwart drohen, schilderte, worauf sich Herr Dozent Dr. M. Auerbach mit den Zeitberech*- nungen des Seder Olam beschäftigte. Am folgenden Tage gab Herr Dozent Dr. I. Weinberg, wie üblich, eine halachische Einleitung zu seiner Talmudvorlesung, für die vorher ein Quellenoerzeichnis bekannt gegeben war. Die Aufnahmeprüfung haben sieben in Deutschland gebürtige Studenten bestanden. Der Wahlaufruf des Lentralvereins. Berlin, 1. Mai. Der C e n t r a l - V e r e i n deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erläßt seinen ersten Wahlaufruf. Er bekämpft die Völkischen, legt sich aber auf keine von den liberalen Parteien 'fest. Er schließt seinen Aufruf: „Wer mit uns die umfangreichen Aufgaben, die dem Eentralverein obliegen, klar erkennt, wird am Die Woche. Berlin. In der letzten Sitzung der Repräfentanten-Versammlung. wurde Herr Landgerichtsrat Dr. Arthur L i l i e n t h a l (liberal), der Sohn des verstorbenen Justiz- . rates Lilienthal, zum stellvertretenden Mitglied des Gememdevorftandes gewählt. Brüssel. In Brüssel starb dieser Tage der weißgardistische General Wränget. Wrangel gehörte wie Petljura und Denikin zu den Pogromführern, die in den Jahren nach dem Kriege in Südrußland jüdisches Blut in Strömen vergossen haben. London. „London Gazette" teilt mit, daß der Oberkommissar für Palästina, Feldmarfchall Lord P l u m e r „ jetzt auch zum Oberkommt s s a r für T r a n s j o r d a n i e n ernannt worden ist. Bukarest. In der Nacht auf Montag find in Galatz im Inneren der Stadt 9 sieben Gebäude und die Synagoge einem gro- I ßen Schadenfeuer zum Opfer gefallen. Man 9 schätzt den Schaden auf mehr als 50 Millionen I Lei. Manchester. Im Alter von 81 Jahren 9 verstarb der Rabbiner der Großen Synagoge von Manchester, Dr. Brandt Solomon. 1846 in Kopenhagen geboren, studierte er unter Dr. Hildesheimer in Berlin und in Eisenstadt. Vor 45 Jahren kam er als Rabbiner nach Manchester. Moskau. 162 Juden, unter ihnen 149 aus Weißrußland, haben sich soeben nach V i r o- Vidschan begeben, um sich dort als Kolo- 9 nisten seßhaft zu machen. — Im Distrikt Geg nitschesk in der Krim wurden 700 Desjatin » Boden für die Landansiedlung von Juden von 9 der Regierung zur Verfügung gestellt. New- 9 York. Herr Felix M. Marburg. Präsident des American Joint Distribution Committee, hat für den Zehn Millionen Dollar- Fonds, den der Chicagoer Philantrop Julius Rosenwald zu Zwecken einer neuen j ü - bischen Aufbauarbeit in Rußland inauguriert hat, den Betrag von einer Million Dollar gezeichnet. Jerusalem. Wie hier mitgeteklt wird, werden in kurzem die Visumsformalitäten im Verkehr zwischen Palästina und Syrien, sowie Libanon-Provinz a b g e s ch a f f t werden. Bewohner der genannten Länder werden bei Ueberschreiten der Grenze nur die Pässe vorzuzeigen haben. — Die Arbeiter-Krankenkasse „Kupath Cholim" veranstaltet vom 1. bis 8. Mai d. I. in ganz Palästina eine „Woche für soziale Hygiene", in deren Verlauf überall Referate über praktische Hygiene gehalten, sowie Broschüren und Aufrufe, die über die verschiedenen Fragen der Sozialen Hygiene und über die Tätigkeit der „Kupath Cholim" aufklären, verbreitet werden sollen. — Die Heusch^eckenschmärme. die aus der Gegend von Jericho angekündigt worden waren, bewegen sich jetzt in der Richtung auf Galiläa. Die Regierungsbehörden haben im Liberias-Distrikt 600 Einwohner zur Bekämpfung der Heuschreckenplage mobilisiert. Hierbei wurden in der Gegend von Jericho durch Flammenschleudern ein Araber getötet und e i n Jude schwer verletzt. 20. Mai in unbeirrbarer politischer Einsicht sein Wahlrecht ausüben. Er wird d i e Parteien unterstützen, die seine politische Weltanschauung vertreten und die eindeutig jede Entrechtung der deutschen Juden ablehnen. Er wird mit uns kämpfen und uns Herz und Hand darbieten. Er hilft dabei sich selbst und wirkt mit an dem Aufbau einer glücklichen Zukunft des deutschen Vaterlandes!" Ungarn. Von der neologen Landeskanzlei Ungarns. Budapest, 24. April. Der VI. Gemeindedistrikt der neologen Israelitischen Religionsgemeinde Ungarns hat sich am Sonntag neu konstituiert und hat zu seinem Präsidenten einhellig Baron Adolf Kohner gewählt. Nach der Generalversammlung, in der die feierliche Installierung Baron Kohners erfolgt war, hielten die in Budapest versammelten Präsidenten der 8 Gemeindedistrikte des jetzigen Ungarn eine Sitzung ab und wählten Baron Adolf Kohner zum Präsidenten der Landeskanzlei. Polen. Der Slonimer Rebbe Isochor Leib Weinberg b"xr» Warschau, 25. April. Am 24. April verstarb in Slonim der berühmte Rabbi Isochor Leib Weinberg im Alter von 55 Jahren. Er war der Sproß einer berühmten Rabbi- Familie und stand bei den Chassidim in hohem Ansehen. Zu seinem Nachfolger wurde sein Bruder Abraham erwählt. Rabbiner-Konferenz in Wilna. Warschau, 25. April. Am 24. April wurde in Wilna eine Konferenz der Rabbiner der Ostprovinzen Polens bei Anwesenheit von etwa 140 Rabbinern eröffnet. Der unterdem Namen seines Lebenswerkes „Chofez Chajim" unter den orthodoxen Juden der ganzen Welt berühmte greise Rabbi Israel Meir von Radin eröffnete die Konferenz mit einer Ansprache, in der er es als die Aufgabe der Konferenz bezeichnete, die Position der Gemeinden in den Ostprooinzen zu stärken. Intervention gegen die Auflösung jüdischer Gemeindeverwaltungen. Warschau, 27. April. Die Sejm-Deputierten Oberrabbiner Dr. Thon-Krakau und Dr. Leon Reich-Lemberg intervenierten beim Vizekanzler Professor Bartel wegen der Auflösung einer größeren Zahl jüdischer Gemeindeverwaltungen in Galizien, darunter in der hochangesehenen Gemeinde Neu- Sandec, die vom Krakauer Wojwoden verfügt worden war, weil die Mehrheit der Vorstandsmitglieder Zionisten waren) Der Vizekanzler Prof. Bartel versprach, sich mit dem Innenminister dahin zu verständigen, daß die Auflösungsdekrete zurückgezogen werden. Nutzland. Schwere Hagelschäden in den jüdischen Kolonien der Ukraine. Moskau, 25. April. In den vom Verbände „Orr" und der amerikanischen Gesellschaft Jcor und in einem Teil der von Agro-Joint geleiteten jüdischen Kolonien der Ukraine haben Hagelschläge schweren Schaden angerichtet. In einem Teil des Schadengebietes ist die Ernte bis zu 75 Proz. vernichtet worden. Da die Hagelperiode noch andauert, hegt man Besorgnisse auch mit Bezug auf den noch verschont gebliebenen Teil der Ernte. (ITA.) Der Kampf der Sowjet-Regierung gegen den Antisemitismus. Moskau, 27. April. Das Zentralkomitee der kommunistischen Partei Rußlands hat den Beschluß gefaßt, zwecks Bekämpfung des Antisemitismus ein Sammelwerk erscheinen zu, lassen, das Beiträge von den führenden Männern der Sowjetregierung, sowie Statistiken, die die Position des jüdi- AUSVERKAUF wegen AUFGABE DES LADENGESCHÄFTS Auf Glühlampen keine Preisermäßigung BEIIUWEDEMEIER KAISERSTRASSE 42

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