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Der Israelit · 1928-05-03 · Heft 18 (3.5.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 18 (3.5.1928)
Date
1928-05-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. ,8_ uns Seite an Seite findet neben Kant und allen seinen Nachfolgern, uns mit all denen verbindet, die es aus tiefster Ueberzegung ablehnen, daß Welt- und Lebensanschauung ahnungsweise zu einem Grundriß der Physik oder der Chemie gelehrt werden, denen vielmehr die Gewinnung einer Weltanschauung Gegenstand eigener Wissenschaft mit eigener Methode ist — wir brauchen uns dieser Gemeinschaft nicht zu schämen: Es sind die tiefsten Köpfe Deutschlands." Es ist ein Zeichen der Zeit, daß die polemische Note gegenüber dem führenden Blatte des geistigen Deutschland, die vor zwanzig Jahren notwendig war, heute gegenstandslos geworden ist, daß die schweigende Ehrfurcht vor dem Unerforschlichen doch heute in ganz anderer Weise Gemeinbesitz aller wahrhaft Gebildeten geworden ist, als es damals der Fall war. In den Tiefen der überlieferten jüdischen Weltanschauung aber liegt der Schlüssel zur ahnenden Deutung auch der furchtbaren Probleme geborgen, vor die sich die fühlende Menschenseele mehr noch als der forschende Menschengeist angesichts solcher Naturkatastrophen gestellt sieht. Es ist das Geheimnis der beiden nw des D’pbs ow und öes 'n vV. das Geheimnis der auf die unverbrüchliche Kausalität der Erscheinungswelt gegründeten gottgeborenen Naturordnung und des hinter und über ihr in ewiger Freiheit waltenden Schöpfers, an das sich die Lösung jener Probleme für den Juden knüpft, und das mit jedem Sabbath wie mit jedem wahrhaft verstandenen „Schma Jsroel" tröstend und Ruhe spendend in seine nach Klarheit ringende Seele emzieht. lVochenrundschau. Zum Schutz der jüdischen Minderheitsrechte. Vor einigen Jahren tagte in Zürich eine internationale Konferenz zum Schutze der jüdischen Minderheiten. Die großen ausschlaggebenden jüdischen Organisationen waren zu der von zionistischer Seite mit großem Pomp inszenierten Konferenz nicht gekommen und hatten ihre guten Gründe für ihr Fernbleiben. Wir haben sie seinerzeit an dieser Stelle ge- Vom Omerzählen. Daß Tradition und Hebung aus der landwirtschaftlichen Einrichtung des Omerschneidens und aus der Erinnerung daran ein Memento und ein Symbol für innere Ausrichtung, Jnsichgehen und seelische Läuterung gemacht haben, hat seinen geschichtlichen Hintergrund. Der Zusammenbruch des Barkochbanischen Aufstandes, das große Sterben unter der Jüngerschar Rabbi Akibas, Kreuzzüge des Mittelalters und anderes mehr haben den Tagen des Zählens zwischen Auszug und Gesetzgebung ihren schwarzen Stempel ausgedrückt. Allein nach dem Grundsätze swnisa sran s^n sn^>a sa1!? wissen dre Kommentatoren auch aus dem nackten Wortlaute der Thoravorschrift über das Omerzählen alles herauszulefen, was die jüdische Seele allabendlich bei Nennung der wachsenden Zahl so mächtig in Schwingung setzt, am nnum nnnaa aa*? nnnsoV ru’Wi jiio’nn mnn? jpv nsninn nasr ns aairnn* Schon das annaoi löst Vorstellungen der Lauterkeit und der Läuterung aus, TSonnwS Saphirglanz erhalte unsere Seele, daß sie rein dastehe, wie am ersten Tage, da sie uns Gott eingehaucht hat. Wie im Buche Job: -,isvn v73?s Va »Alle meine Schritte zählst Du" kein Zählen im Sinne eines Aneinanderreihens von Zahlen bedeuten kann; Der Israelit nügend erörtert, und daraus ergab sich auch unsere ablehnende Haltung zu dem Versuche einer einheitlichen internationalen Regelung der jüdischen politischen Rechte, die in jedem Lande nach Struktur des Landes und nach den politischen Verhältnissen anders gelagert sein müssen. Abgesehen davon, daß in einer Reihe von europäischen Ländern der Jude mit der Beanspruchung eines eigenen Minoritätenrechtes sich bewußt außerhalb des allgemeinen Rechtsschutzes stellen und den Antisemiten eine billige Handhabe zu weiterer Hetzarbeit, bieten «würde. All diesen Bedenken zum Trotze fand die Konferenz in Zürich statt, bei der freilich die Nationalen so ziemlich unter sich blieben. Sie bildete auch eine Exekutive, von der man bislang herzlich wenig zu hören bekam. In diesen Tagen trat aber die „Exekutive zum Schutz der jüdischen Minderheitsrechte" in Berlin zu einer Beratung zusammen und erinnerte mittels des Nachrichtendienstes der I: T. A. die Welt wieder an die ganz in Vergessenheit geratene Züricher Konferenz und ihre Ziele. Was Herr Dr. Motzkin, als Vorsitzender, auf der Berliner Versammlung zu berichten wußte, bezieht sich auf die Arbeiten der jüdischen Völkerbundligen, des „Komitee der jüdischen Delegationen" und ähnlicher Einrichtungen, die zum Teil schon vor der 'Züricher Konferenz bestanden haben, zum andern Teil mit den Wünschen und Bestrebungen derselben wenig gemein haben. Die Beschaffung des Materials für den Verteidiger Schwarzbarts im Pariser Prozeß zum Beispiel, über die Motzkin in diesem Zusammenhang ebenfalls berichtet, lag keinesfalls im. Arbeitsbereiche der in Zürich bestellten Exekutive und ist auch nicht von ihr besorgt worden. 'Von eigenen Leistungen war so gut wie nichts zu sagen. Viel wurde in der Diskussion über die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit den anderen Organisationen gesprochen. Diese aber waren damals der Züricher Einladung nicht gefolgt, aus Gründen, die heute noch zu Recht bestehen, und werden auch die Berliner Lockungen der Exekutive wenig daran ändern. Hätte die Exekutive einige Taten und Erfolge aufzuweisen gehabt, wir hätten diese aus den oben ausgesprochenen Erwägungen mit dem Satze der Vätersprüche invsna nai? 88' quittieren müssen. Aber nun steht der schädlichen Tatsache ihrer Existenz gar kein Verdienst gegenüber, das sie irgendwie rechtfertigen' könnte. wie ferner das nsvi und r\b nnsoi im Gesetze des und der Unreinen ja nur ein „Warten und Zählen der Reinheit entgegen" ausdrücken mutz, io besagt auch das aaV annsvi in erster und letzter Reihe etwas für Geist und Seele. In diesem Sinne bemerkt R. Schimeon bar Jochai (-»»a w"nnaa) zum onnsoi des Omerabfchnittes.- .nsairn^ 'van V2 na 'Sn sin npa SEmp> ’D^a Es peht um den Menschensohn, der sich anschickt, sich zu reinigen vor dem Heiligen, gelobt sei Gr". Zä b len wollen wir im Sinne des Psalmwortes: naan aa^> S'an smn p im* nuaV- »Unsere Tage zu zählen lehre uns, daß wir ein weises Herz gewinnen". Hüten wir das Kleinod unserer Seele in uns, um es dermaleinst ihm wieder rein und lauter in die Hand zu legen. Wie, nach einem bekannten Beispiel des Midrasch, die klugen Diener die kostbaren Gewänder, aus der Hand des Königs empfangen, in leuchtender Reinheit anlegen können, so sie vor den Thron ihres Herrn gerufen werden.- Das zweite Wort aa^ besagt nicht mehr und nicht weniger, als das, was Gott mit dem unserem Vater Abraham sagen wollte: ..Für dich", zu deinem Nutzen und deinem Wähle. So auch hier: „Zählet für euch!" Was wir hier zählen, an geistigen Gütern, an f ee l is ch e n Errungenschaften, dieser Besitzstand ist und bleibt uns. Was wir sonst im Leben mit hungrigen Augen, als hinge alles letzte Glück davon ab, zählen, zählt nicht, wenn die Hülle irdischen Lebens einmal abgestteift ist. nv^ nnaiy inpnxi in'aa nwi rin .Gut und Gold, sie verbleiben im Hause, die Guttat besteht für die Dauer". Von den Freunden - ebenfalls ein altbekanntes Gleichnis — die der Mensch über alles 3. Mai 1928 Der Fluch der Inkonsequenz. Der Jerusalemer Misrachi hatte sich zu einer Tat aufgerafft. In einem Memorandum an den „Waad Haleumi" stellte er mit Hinblick, auf die kommende „Asiefat Haniwcharim" die klare Forderung, das passive Wahlrecht für die Frau in ganz Palästina aufzuheben. In Jerusal e m und anderen Städten des alten Jischuw, wie S a f e d und Liberias, sollte die altgeheiligte Tradition dahin gewürdigt werden, daß die Frau auch vomaktiven Wahlrechte ausgeschlossen bleibt. Man staunte ein wenig über den Energieanfall der gleichen Männer, die früher grundsätzlich das Frauenwahlrecht . genehmigt hatten, aber man begrüßte es als Ausdämmern einer besseren Erkenntnis und ein Jnsichgehen, als einen Schritt zur. Umkehr, für den es nie zu spät ist. In der zionistischen Presse, so im „Haarez", wurde dem Misrachi gut zugeredet, doch ja den Wahlen im letzten Augenblicke keine Schwierigkeiten zu bereiten. Unter den Gesetzestreuen außerhalb des Misrachi waren die Meinungen geteilt: Die einen, die im Frauenwahlrecht den einzigen Schönheitsfehler des „Waad Leumi" sehen, hegten Hoffnungen; die anderen, umgekehrt . Befürchtungen, es könnte ein Nachgeben des „Waad Leumi" ihm neue Herzen aus dem Lager der Gesetzestreuen zutragen und ihnen das Auge für die anderen von chm drohenden Gefahren blenden. So hielten sich Furcht und Hoffnung die Wage und Man sah dem Ausgang der Sache mit großer Spannung entgegen. Es kam nichts. Der Waad Leumi trat zur Beratung der Statuten für Vsnff’ noiazusammen und — die Anträge des Misrachi in: Sachen des Frauenwahlrechtes kamen überhaupt n i ch t a u f die Tagesordnung, wie man hört, aus Mangel an Unterstützung derselben. Wie es kommen konnte, daß die Interpellanten nicht einmal ihre Interpellation verteidigten und zur Verhandlung brachten, was die misrachistifchen Mitglieder im Waad Leumi in Schweigen erstarren ließ, ist nicht geklärt. Freunde des „Misrachi" waren geneigt, es mit einem unglücklichen Zufall zu erklären, etwa Abwesenheit der prominenten Misrachiführer bei der Sitzung, und sie erwarteten eine scharfe Abrechnung mit dem Waad Leumi in der Presse. Mindestens, mußte man annehmen, daß das Misrachiorgan, der „Hathor", sich nunmehr veranlaßt sehen würde, der Organisation und ihren zuständigen Körperschaften die Existenz des Misrachi in Erinnerung zu rufen und ihnen eine Anstandslektton zu erteilen, wie man mit dessen Wünschen und Forderungen umzugehen hätte. Diese überhören und hinieden liebt:. Gold und Familienkreis, rührt sich der erste, wenn die Stunde des Abschieds geschlagen» nicht vom Flecke, der zweite begleitet uns bis zur Türe des Gerichtes und wendet sich mit tränenvollen Augen ab, um zum Leben zurückzukehren, der dritte Freund, den wir im Leben vielleicht weniger hochgeschätzt: der fromme, wohltättge Sinn, der uns zu Werken der Liebe und Güte geführt, er begleitet uns hinaus und hinauf zum Richter throne Gottes. Was wir mit den Sefirozahlen an seelischem Gut, täglich mehr zählen, das ist uns: aa!?. nawn nnnaa* Das Wort führte bekanntlich zu Mißdeutungen und Kämpfen mit den Gottesleugnern. Sie nahmen hier den „Sabbat" wörtlich, fingen danach mit dem Omerschneiden und Omerzählen erst am Sabbatausqang nach dem Fest an, um dementsprechend das Wochenfest.später und je am S onnt a g zu feiern. Die Tendenz war klar: ..Los vom Sinai!" Daher mutzte oder durste das Wochenfest nicht an den sechsten Siwan gebunden sein. Ein Fest der Erde und der Ernte, ohne Gesetz und Gesetzgebung, ein Diesseits ohne Jenseits, ein Dasein in der Niederung ohne Höhenleben des Sinai — das der letzte Grund der eigenen Rechnung, alle anderen waren ttügerischer Schein. Denn die Vorhaltungen der Rabbinen, daß auch Festtage Sabbat genannt werden und daß in diesem Falle unter „Sabbat" nur der erste Festtag gemeint sein kann, waren schlagend und überzeugend. Für sie. die Sadduzäer in jeder Gestalt und jeder Zeit war ausschlaggebend die Tendenz der Entgöttlichung von Welt und Judentum, das Wort wurde in den Dienst dieser Antistnaitendenz gezerrt. Denken wir beim Lesen des nmn nnnaa an die enge Verbundenheit zwischen Auszug und Gesetzgebung, an, um mit den Büchern der Kabbala zu

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