Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1928)
- Date
- 1928-04-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 17 Seite 8 . 26 April 1928_____ Aus dem bayrischen Landtag. München, 24. April. In der heutigen Sitzung des Bayerischen Landtags forderten die Völkischen die unverzügliche Vorlegung des vom Landtag früher geforderten Gesetzes über die Betau b u n g d e r S ch l a ch t t i e r e. Der Minister erwiderte, er sei vom Präsidenten des Landtages erfuchr worden, nur noch dringende Angelegenheiten zur Besprechung zu bringen, wozu er diese Angelegenheit n i ch t rechne. Die Völkischen verlangten darauf eine'' Besprechung über diese Antwort, konnten aber für ihren Antrag nicht die genügende Unterstützung finden. Es ist demnach zu hoffen, daß das geplante Schächtverbot während der Restsession des gegenwärtigen Landtagesdessen Mandat am 20. Mai erlischt, nicht zur Verhandlung gelangt. Näherer Bericht folgt. Angarn. Ehrung des Präsidenten der Budapester orthodoxen Gemeinde. B u d a p e st, 19. April. Während der verflossenen Pessachtage war der Präsident der Budapester aut. orthodox, isr. Gemeinde, Abraham v. Freudiger, Gegenstand herzlicher Ovationen. Anläßlich der Vollendung seines 60. Lebensjahres erschienen bei ihm der Gemeindevorstand und Vertreter sämtlicher im Schoße der Gemeinde wirkenden Vereine und Institutionen und überreichten ihm eine Dankadresse, in der sie ihre Anerkennung zum Ausdruck bringen für die großen Verdienste, die sich der Jubilar um die Entwicklung der Gemeinde erworben hat. Polen. Der Lhofez Lhajim überdie polnischen Se-mwahlen. Wilna, 15. April. In einer geradezu bewunderungswürdigen Lebendigkeit verfolgt der hochbetagte Weife von Radin, Rabbi Jisroel Meier, der „Chofez Chajim", di« Ereignisse des Alltags, und er versäumt fast nie die Gelegenheit, mahnende oder zurechtweisende Worte darüber zu äußern. So finden wir in der neuesten Nummer des Wilnaer Organes „Das Wort" folgendes Sendschreiben des Chofez Chajim aus Anlaß der polnischen Sejmwahlen. Wir geben das Schreiben in wörtlicher Uebersetzung wieder: „Es heißt in den salomonischen Sprüchen: „Wer des Armen spottet, lästert seinen eigenen Schöpfer, wer sich des Schmerzes anderer freut, wird nicht straflos ausgehen." Durch dieses Wort find wir davor gewarnt, uns zu freuen, oder gar zu spotten, wenn über einen Menschen Not und Kummer kommt. Wer es tut, wird nicht frei von Strafe bleiben. So heißt es auch in Mischle: „Wenn dein Feind fällt, freue dich nicht, wenn er strauchelt, frohlocke, dein Herz nicht" und so heißt es in Koheleth: „Gott nimmt sich des Verfolgten an", und unsere Weifen gesegneten Angedenkens haben bekanntlich in der Agada dazu bemerkt: „Selbst wenn ein Gerechter einen Frevler verfolgt, so wird sich Gott des Verfolgten annehmen." So mögen sich denn diejenigen Menschen sehr in Acht nehmen, die Freude empfinden über die Not ihrer Mitmenschen, und die ihren Mund mit Lächeln füllen beim Schmerze ihrer Nächsten; sie werden nicht frei bleiben vom himmlischen Gericht. Diejenigen ■aber, über die die 9lot ober bie Schmach gekommen ist, mögen sich nicht Niederdrücken taffen von denen, die ihrer spotten: stark ist ihr Erlöser, Gott streitet ihren Streit, und Gott steht zur Rechten des Gedrückten, ihm zu helfen. In den letzten Tagen ist leider Polemik und Streit unter unseren Brüdern in unserem Lande im Gefolge der Sejmwahlen aufs Höchste gestiegen. Es finden sich Männer, die einen Kampf führen gegen die Gottesfürchttgßn, die auf der Wacht stehen für unser Gesetz, für unsere heilige Thora in allen Fragen, die die Zeit bewegen. Mit allen Mitteln und allen Ränken tritt man gegen jene Gottesfürchttgen auf, überschüttet sie mit Spott und Schmach, gibt sie dem Gelächter und dem Hohne preis, daß die Ohren jedes Hörers gellen und fügt auf diese Weise unserem Volke unendlichen Schaden zu, indem sie die Zahl der jüdischen Vertreter im kom- Me Woche. Berlin. Der Leiter der Abteilung 1 im Berliner Polizeipräsidium, Regierungsrat Abramowitz, ist zum Regierungsdirektor ernannt w'orden. In sein Dezernat fällt auch die Bearbeitung 'der Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, insoweit der Polizeipräsident, bezw. die Regierung als Aufsichtsinstanzen zu fungieren haben. — Am Sonntag, den 22. April, begann in Berlin die erste Sitzung des Komitees für Schutz der Rechte der jüdischen Minderheiten (Council on the Rights of Jewifh Minorities) in den verschiedenen Ländern Europas, das von dem im vorigen Jahre in Zürich stattgefundenen Kongreß für Schutz der jüdischen Rechte eingesetzt worden ist. — Der Vorstand des Synagogen- und Lehrvereins „Mögen David" hat die Gründung einer Talmudthora und Ief ch i w a unter Leitung des Rabb. A. G o m e r beschlossen. Belgrad. Die Juden Jugoslaviens gehen daran, in Palästina einen „ K ön i g Peter-Wald" zu schaffen, als Andenken an den verstorbenen König, dem das jugoflavifche Volk den Namen „Peter der Große" beigelegt hat. Warschau. Der Rabbiner von Kalisch, Jecheskel L i p f ch i tz, Präsident des polnischen Rabbinerverbandes, ist zum O b e r r a b b i n e r von Grodno gewählt worden. Moskau. Am 14. April wurde nach 23 tägiger Verhandlung der Monstre-Prozeß gegen 42 Personen, meist Leiter der Moskauer Kreditanstalten, denen Mißbrauch der Staatskredite vorgeworfen wird, zu Ende geführt, siebey Angeklagte, unter ihnen die 4 Juden wurden zum Tode verurteilt. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen zwischen 6 und 10 Jahren. Nervyork. Louis Marshall spendete 100.000 Dollar für den neuen 10 Millionen Dollar-Fonds für die stidifche Kolonisation in Rußland, kowno. Die Polizei hat in Kowno 15 iunge jüdische Arbeiter verhaftet unter der Beschuldigung, daß sie sich kommunisttsch betätigen. Die Verhafteten bestreiten dies energisch. Tel-Awiw. Eine in Tel-Awiw stattgefundene Konferenz von Jugendlichen, angeblich Kommunisten, wurde aufgelöst, wobei 19 jüdische Jugendliche, unter ihnen 6 Mädchen, und ein jugendlicher Araber, verhaftet wurden. — Der Stadtrat von Tel- Awiw gab in einem Beschluß dem Proteste über die Verletzung der jüdischen Rechte durch die transjordanische Grenzmacht Ausdruck und lehnte die Einladung zur Teilnahme an der Organisation der Wettspiele, die die Grenzmacht demnächst in Tel-Awiw zugunsten der Erdbebengeschädigten veranstaltet, ab. Sarajevo. Am 19. April verstarb in Sarajevo der Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinde der Stadt, Dr. Samuel W e s z e l im Alter von 69 Jahren. Prag. Auf dem orthodoxen jüdischen Friedhof in N i t r a m der Tschechoslowakei wurden 13 Gräber zerstört und die Grabsteine zertrümmert. Die Behörde hat eine strenge Untersuchung zur Ermittlung der bis jetzt unbekannt gebliebenen Täter eingeleitet. London. Der im Jahre 1908 verstorbene Ludwig Mond, der Vater von Sir Alfred Mond, hat in seinem Testament 20.000 Pfund für Wohlfahrtszwecke seiner Vaterstadt Cassel in Deutschland bestimmt. Die englische Regierung hat nun die Angelegenheit so geregelt, daß 60 Proz. der genannten Summe nach Cassel überwiesen und 40 Proz. auf Rechnung von Deutschlands Reparationsschuld gebucht werden. wenden Sejm vermindern, ganz abgesehen von dem gewaltigen Schaden, den sie unseren thoratreuen Brüdern zugefügt haben, deren Vertreter sich noch mehr im Sejm vermindert haben. Wie töricht handeln diese Männer in ihrer ganzen Taktik. Wenn schon derjenige,, der einen Einzelnen öffentlich beschämt, keinen Anteil am kommenden Leben hat, um wieviel weniger derjenige, der ganze Gesamtheiten verhöhnt und beleidigt, ja sogar Größen der Thora und der Gottesfurcht. Die Gottesfürchttgen aber, die ihr Leben hingeben für die Aufrechterhaltung der heiligen Thora, mögen sie nicht verzagen, denn unser Erlöser ist stark, Gott ist sein Name, und er kann Helsen auf alle Weise. Im Midrasch heißt es zu dem Vers in Schemaus: „Und nun, das Geschrei der Kinder Israels ist zu mir gedrungen usw.", daß die Aegypter die Juden mit Worten bedrückten, mit Hohn und Lästerung, indem sie das jüdische Volk dem Gespötts Preisgaben. Und das war es, was zu Gott emporstieg, das war es, was das göttliche Erbarmen wachrief und sie zur Erlösung führte, und das wird es auch in unseren Zeiten sein! Gerade daß sie dke Größen der Thora der Schmach preisgeben, wird das göttliche Erbarmen wachrufen und die Hilfe in unserer Not. Bekannt ist der Ausspruch unserer Weisen: „Schwerer wiegt eine Kränkung in Worten als eine Kränkung in Geld, denn der Satz: „Du sollst Dich fürchten vor Deinem Gott", ist von der Thora gerade neben die Kränkung in Worten gestellt. Es ist mir unbegreiflich, wie zahlreiche Männer, die an Gott und seine heilige Thora glauben, vor diesem Verbot nicht zurückschrecken und vor der Mahnung, sich vor Gott zu „fürchten", von der dieses Gebot begleitet ist, vor Gott, der den Maßstab des Gerichtes in seiner Hand hält! Zu erklären ist dieser Vorgang nur dadurch, daß diese Männer sich verführen lassen von jenen, deren Absichten nicht aus das Wohl der Gesamtheit gerichtet sind, sondern die den Streit lieben um des Stteites willen. Wessen Herz aber berührt ist von den Strahlen der Gottesfurcht, der halte sich fern von der Gemeinschaft mit solchen Männern. Gott, der Gütige, möge Frieden walten lassen im Inneren unseres Volkes und uns teilhaftig machen des Heiles der Tröstungen der Ankunft des Messias, auf daß Gottes Herrlichkeit in der Welt groß werde." Bulgarien. Hunderts jüdische Häuser beim Erdbeben tu Bulgarien zerstört. Sofia, 22. April. Beim Erdbeben in Südbulgarien sind Hunderte von Juden bewohnter Häuser der Zerstörung anheimgesallen. Am meisten haben die Städte Tschirpan und Philippopel gelitten, die große jüdische Gemeinden beherbergen. Ob unter den Hundetren von Toten auch Juden sind, hat sich bisher nicht feststellen lassen. In Borisfovgrad ist ein jüdisches Kind getötet worden. Wegen der Unterbrechung des Verkehrs mit den heimgesuchten Gebieten ist es bis heute nicht möglich gewesen, ein klares Bild über den Umfang des Schadens und die Zahl der Todesopfer zu gewinnen. (I. T. A.) Litauen. Ein jüdifch-tikauischer Freundschaftsbund. Kowno, 18. April. Auf Initiative jüdischer und litauischer Politiker wurde in Kowno über die Schaffung eines jüdischlitauischen Freundschaftsbundes beraten. Der frühere Vorsitzende der jüdischen Fraktion im litauischen Sejm Dr. Robinson und der frühere Rektor der Kownoer Uni- Wochenkalender. v. 28. April bis 8. Mai 1828. I v. 8. - 18. Jjar 8888. Samstag £ 28 8 95 fc 'a pis ,2"N2 pm» Sonntag K 29 9 iS Montag 30 10 tz w rvpn Dienstag Mai 1 11 Mittwoch 2 12 Donnerstag 3 13 'Mvn Freitag 4 14 Samstag 5 I 15 11V8 '1 pna die feinste Pf I3. H Z G fl b U"tt6P (veg. Margarine) für den rituellen Haushalt kauft, wer auf erstklassige, ausgiebige Qualität sieht. All. Fabr.. WESTDEUTSCHE NAHRUNGSMITTEL-WERKE m.b.H.. DUISBURG Oie Fnbrik?4ior' ©tpM "Titer Aufsicht des Herrn Oberrabbiner Dr. Carlebach. Generalvertreter und Fabriklager: A. MANTHE1M, Frankfurt a. M., Peterstraße 4, Telefon Römer Nr. 3985