Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-04-26 · Heft 17 (26.4.1928) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 17 (26.4.1928)
Date
1928-04-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450511--74904-2532400
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 17 Seite 3 26. April 1828 Sabbattreue Arbeitsvermittlung. Wir konnten unsren Lesern zum Feste von einem Aufruf Kentnnis geben, der in dankenswertem Verständnis für die lebenrottende Bedeutung der praktischen Sabbathbeobachtung die jüdischen Geschäftsinhaber, auch diejenigen, die selber mit dem Sabbath gebrochen haben, auffordert, eine gewisse Anzahl von Arbeitsplätzen mit N2V 'lauv zu besetzen, um .so der Gesamtheit wenigstens einen unschätzbaren Dienst zu erweisen. Dieser Aufruf entstammt Kreisen, denen man sonst nicht immer die Fähigkeit und den Willen nachrühmen konnte, sich in die Gedankengänge des gesetzestreuen Juden einzufühlen., Hat der Sabbath mit seinem Zauber hier eine Art von: Erneuerungswunder zuwege gebracht, so darf man vielleicht Aehnliches im Lauf der Zeit auch bei Herrn Alfred Berger und seinen Gesinnungsgenossen hoffen, die in der Apriln'ummer der von uns wiederholt anerkennend zitierten Zeitschrift „Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge" eine in höchstem Grade bedauerliche Philippika gegen die sabbathtreuen M r b e i t s v ermittlungsstellen von Stapel kaffen. Es heißt da: Eine der entscheidenden Ursachen, die die Gründung selbständiger jüdischer Arbeitsnachweise bewirkt haben, einer der wichtigsten Rechtfertigungsgründe ihrer Existenz überhaupt, ist die Beschaffung sabbathfreier Arbeitsstellen für alle jüdischen Menschen, die darauf Wert legen, ihrer religiösen Ueberzeugung nach den Sabbath durch Arbeitsruhe zu heiligen. In diesem Sinne ist die gesamte jüdische Arbeitsnachweisbewe'gung ein Instrument zur Heiligung des Sabbath im besten Sinne des Wortes. Es bedeutet daher eine außerordentliche Schwächung der jüdischen Gesamtarbeitsnachweis-Bewegung, wenn nunmehr von verschiedenen, Seiten mit besonderem Hinweis auf die Heiligung des Sabbath Arbeitsnachweise begründet werden, die nun ihrerseits ebenfalls an den jüdischen Arbietgeber herantreten und bei ihm um sabbathfreie Stellen werben. Angesichts der bereits oben erwähnten Schwierigkeiten, denen der jüdische Arbeitsnachweis gegenübersteht, stehen wir schon jetzt in einigen Fällen vor der geradezu grotesken Erscheinung, daß in kleinen Gemeinden zwei jüdische Arbeitsnachweise nebeneinander wirken und beide um sabbathfreie Stellen werben. Sowohl für den jüdsichen Arbeitnehmer als auch für den jüdischen Arbeitgeber entstehen aus dieser Situation Schwierigkeiten, auf die schon jetzt hingewiesen werden muß. Die Organisation ^ler allgemeinen jüdischen Arbeitsnachweisbewegung! ist eine derart elastische, daß sie jedem Kreise und jeder Anschauung die Möglichkeit der Mitarbeit bietet. Sie ist, was nicht oft und nachdrücklichst genug versichert werden kann, in erster Linie darauf bedacht, jenen jüdischen Arbeitnehmern zu Stellen zu verhelfen, die auf Heiligung des Sabbath besonderen Wert legen. Die Schaffung eigener sabbathtreuer Arbeitsnachweise bedeutet eine Zersplitterung der Arbeit, eine Schädigung der gegebenen' und begrenzten Möglichkeiten, eine Vergeudung von Geldmitteln und Kräften, Kräften, die sich rücksltegen. Das Wunderkrant aber ist und. bleibt uns nützlich, dieweil sich solche und ähnliche Krankheiten im Königshause wie im Golke wiederholen können. Erhalten wir das Wunderheilmittel unserer Stadt, und sein Besitzer soll den Lohn als mein Gatte erhalten.-" Mit weitblickendem, liebendem Auge umfängt die Mutt er ihr Kind, betreut es und zieht es groß. Und der Vater gibt ihm die Schwingen, ertüchtigt es. führt es ins Berufsleben ein, daß es in die Welt hinaus und sich darin behaupten kann. Da kommt aber im Leben des Menschen die Zeit, von der der Psalmdichter wehmutsvoll singt: ■»na '> '»81 .Denn Vater und Mutter haben mich verlassen", Gott aber bleibt dem Menschen. hi ‘»ISOM'»' leitet ihn bis ans Grab und darüber hinweg zu einem besseren und späteren Leben. Ist das nicht allein schon Grund genug, daß die Gottesfurcht, über die Elternliebe gestellt wird? Daher auch die Mahnung der Schrift: .Vater und Mutter sollt Ihr ehrsürchten, aber meine Sabbate halten, denn Ich bin Gott." Meines Feuilleton. Rabbinische Geschichten. Aus dem Sammelbuche meines Vaters v'aan Von Aakoö Lupokianskr in Karlsruhe/) Als Rabbi Zwi Berlin in Berlin als Raw amtierte, fungierte in feiner Kehilloh als 8Tip> *) Diese „Geschichtchen" konnten aus Raummangel in der Pessachnummer nicht mehr erscheinen. Der Israelit in gemeinsamer Arbeit sowohl für die Sabbathheiltgung als auch in der Bekämpfung der jüdischen Arbeitslosigkeit überhaupt viel bester auswirken könnten." Herr Berger hat aus dieser seiner theoretischen Anschauung auch sofort die praktischen Konsequenzen gezogen und ist im Preußischen Landesverband der Bewilligung einer Position von 6000 Mark für Schomre Schabbos-Zwecke mit dem Aufgebot seiner ganzen Beredsamkeit entgegengetreten'. - Wir wollen nicht davon sprechen, daß die Behauptung, die allgemeinen jüdischen Arbeitsnachweise seien „in er st er Linie darauf bedach t", den sabbathtreuen Bewerbern zu helfen, doch auf recht schwachen Füßen stehen muß, wenn der Berliner allgemeine jüdische Arbeitsnachweis im ganzen Jahre 1927 sage und schreibe — zwanzig kaufmännische Stellen mit freiem Sabbath vermittelt hat! Das könnte vielleicht teilweise daran liegen, daß gerade in Berlin eine höchst erfolgreiche Agudas Jisroel -Stellenvermittlung seit Jahren arbeitet, bei der sich wohl das Stellenangebot der am Sabbath geschloffenen Geschäfte im wesentlichen konzentriert. Allein sehen die Herren um Herrn Berger . denn nicht, daß es sich hier um eme reine Ge Wissens frage handelt, in der das gesetzestreue Judentum keinerlei Kompromisse schließen kann? Für uns ist ^das firnydie unbedingte Solidarität mit allen Juden, mögen sie selber noch so weit abgeirrt sein, ein religiöses Grundgesetz. Ich darf ja snicht einmal indirekt einem sogenannten „liberalen" Juden Beihilfe zun» ms? leisten, geschweige denn ihm eine Stelle mit Sabbathentweihung vermitteln; wie sollte es zulässig sein, eine Stellenvermittlung zu organisieren, von der gläubige, aber schwache oder durch Hunger und Entbehrung zermürbte jüdische Menschen, durch den Nachweis von Arbeitsstellen — sofern es an geeigneten Posten mit freiem Sabbat gebricht — in den ran? geradezu hineingeführt werden! Das aber ist bei noch so großer Gewissenhaftigkeit der Beamten in einem allgemeinen jüdischen Stellennachweis ganz unvermeidlich. Die selbständige, an den Sabbath gebundene gesetzestreue Stellenvermittlung ist daher eine Gewrffensforderung der Orthodoxie, Bei Kopfschmerz, Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile: Phenac., Phenyldimethylp-.l! 4 Olt Acetylsai., Coff.Hl. l.fcU in allen Apotheken ein V’DTPö. dessen religiöse Qualifikation R. Zwi nicht genügte: Wenn R. Zwi zur Thora gerufen wurde, leiente er deshalb seine rnzna selbst vor. Das verdroß den *nij? Einmal nun, nachdem R. Zwi wieder seine nnns geleient hatte, machte ihn der *nip> Vtfl auf verschiedene von ihm gemachten grammatikalischen Fehler aufmerksam. R. Zwi antwortete ihm: .Ich verstand nie recht den Sinn der Stelle in der Hagadah, in der der eine, der fragt: va^ r>8M nimsn na» als bezeichnet wird, der andere, der sich mit dem Worte oarm ausdrückt, dagegen als van: beide brauchen doch nicht das Wort urvw! Nun wird's mir klar! Beim van kommen eben grammatikalische Fehler vor, und deshalb kann man ihm verzeihen, wenn er anstatt uriK einmal vanrr sagt. Wenn ein ytzn aber, der ein guter Grammatiker ist, va^ sagt, dann nnpn yw na. Rabbi Natan Noto Berliner aus Bilgowo wurde von einigen seiner Gemeindemitglieder größere Summen für v'vn niva (Armenunterstützung für Pessach) versprochen. Es war aber bereits Peffach, und sie hatten ihr Versprechen nicht erfüllt. Darob verdrießlich, sagte dann Rabbi Natan in seiner Predigt am Pessach unter anderem: Eigentlich hätte der Sohn neben den vier noch eine fünfte Frage zu richten. Was ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte, daß der Vater in dieser Nacht plötzlich so freigiebig wird und laut ausrust: ^iv'i »n” rsan Va, während er sonst sein Haus Armen und Hungrigen verschlossen hält? Darauf gabt Ihr ihnen die richtige Antwort, indem Ihr sprächet: v'i2ai njns^ ir\n nnn»' das heißt und moderne Menschen, denen die Gewissensfreiheit keine Phrase ist, sollten es sich zehnmal überlegen, bevor sie der Erfüllung dieses Postulats Steine in den Weg legen oder es boykottieren. Glücklicherweise werden die Kreise, die Herr Berger vertritt, die Sabbathhilfe-Bewegung zwar materiell schädigen, nicht aber sie hindern körnen. Vorläufig erwarten wir noch, daß es sich nur um einen Mangel an sachlicher Einsicht, nicht um bösen Willen handelt. Der Jude als Objekt neuerer Literakur. Von Dir. Dr. Ellas in Fürth. ('Sortierung; Ganz umsonst waren freilich die jüdischen Eindrücke nicht, und Feuchtwanger merkte bald, daß man sie literarisch verwerten könne. Schon feine Doktorarbeit beschäftigte sich mit einem jüdischen Motiv, dem Rabbi von Bacharach, und bald folgte ein biblisches Drama, das freilich, wenn ich mich recht erinnere, mit dem Buche der Bücher und dem in ihm lebenden Geiste, nichts zu tun hatte . Dann hat er sich nichtjüdischen Stoffen zugewandt und erst mit seinem Jud Süß wieder an sein jüdisches Wissen erinnert. Da sickert noch so manche Reminiszenz von Vätern und Müttern und Lehrern, die von ihrer Geschichte und ihrem jüdischen Leben begeistert reden konnten, durch die Literatenkruste hindurch. Es ist eine eigene Sache um den jüdischen Künstler, der so objektiv ist, daß er in einem und demselben Buche das Judentum anschwärmen und herabsetzen kann. Der Jud Süß lebt in Feuchtwanger, ihm gibt F. Gestalt und Form, so wie er in ihm, liebevoll gehegt, entstanden und geworden ist. Aber das Judentum ist ihm nur Rahmen, um die Wirkung zu erhöhen. Was an diesem Rahmen gut ist, ist nicht sein Werk, was schlecht ist, berührt ihn nicht. Mit der Miene des am Schicksal selber unbeteillgten Künstlers, den nur das Aesthetische interessiert, beschwört er Ereignisse und Gestalten jüdischer Vergangen,- heit heraus, die eben wegen der objektiven Schilderung den Schein des Echten an sich tragen. Jud Süß ist kein frommer Jude, er gereicht den Juden mehr zur Schande und zum Schaden, als zum Nutzen. Er wird richtig zum Chillul Haschern, er kompromittiert das Judentum. Die Juden aber freuen sich kindlich über seine Macht und seinen Ruhm und sehen in seiner Erhöhung das Werk Gottes, da durch ihn das Eßlinger Unglück abgewendet wird. Freilich sehen sie in ihm mehr ein Werkzeug Gottes als einen Sohn seines Volkes, das in a"i?a wm 1115 '28 *]8 'D«j?a 12'81 nm nsns na ..wie nsna verspricht und sein Versprechen nicht hält, so auch ich!“ * Der Parneß der Kehilloh Altuben stellte vor Pessach eine Liste der Bedürftigen für v'vn nwa aus. Als erste zeichnete er die Namen der vnywia n*?npn (das sind die Angestellten der Gemeinde) aus, auch der Raw, Rabbi Mosches Minz, war unter ihnen. R. Mosche Minz bekam die Liste zu Gesicht und als er darauf seinen Namen erblickte, ließ er den Parneß zu sich bitten und sagte ihm: .Ein Ausspruch unserer Weisen sagt: v'va3a ö’jnsn )'K s'-iin 'an ü'oa: w'V tnpaa D'nnswa. (Mit v'iipiVa Abhängigen bezeichnet man heute noch im Osten die Gemeindeangestellten.) Ein vom religiösen Judentum Abgesallener kam an einem Sederabend in das Haus eines Rabbiners und fragte diesen in spöttischer Absicht, wie weit er denn schon mit der Hagodoh sei. .Ich bin gerade bei: 8i^a 8N81". war die Antwort. (Ein neuer Katalog.) Die Kataloge Nr, 29 und 30 von Sänger u. Fr redberg, Verlag und Antiquariat, Frankfurt a. M., Hanauerlandstr. 17, weisen eien große Fülle von Beständen alter und neuer Literatur auf. Insbesondere das Verzeichnis hebräischer Werke und Schriften ist allen Freunden alter und neuer jüdischer Literatur zur Orientierung bestens empfohlen. Eine Reihe alter als vergriffen geltender Drucke werden hier zum Verkaufe angeboten. Helen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.