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Der Israelit · 1928-04-19 · Heft 16 (19.4.1928) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 16 (19.4.1928)
Date
1928-04-19
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 9 Seite 3 19. April 1928 anzustreben, — den Kampf um die min zu führen Min '1212 zu kämpfen um die Dinge der Lehrewie m. Onkel, Rabb. Dr. Jacobson, so schön übersetzt. M. V.! Von der agudistischen Verpflichtung gegenüber der. eigenen Persönlichkeit habe ich Ihnen Einiges, nur Weniges, gesagt, und habe als solche bezeichnet: die bewußte Erziehung der Persönlichkeit zu nun,11122 und 21.11122'die bewußte Durchdringung der Persönlichkeit mit der Erkenntnis unseres Andersseins und dessen Zwecks; die bewußte Auseinandersetzung jedes Einzelnen von uns mit der Zeitkultur und ihren Trägern. — Hierbei besteht aber eine große Gefahr, die zu vermeiden ebenfalls agudistische Verpflichtung gegenüber dem Ich ist. — Eine solche Erziehungsarbeit, die den Einzelnen in Gegensatz, in beabsichtigten und angestrebten Gegensatz zur Umwelt bringt, kann leicht zur Ueberheblichkeit, zur Unbescheidenheit führen. Indem wir e r st r e - b e n , besser zu werden, reden wir uns bald ein, gut zu fein. Da ist eine besondere Verpflichtung gegenüber dem Ich: Bescheidenheit, Erziehung zur Bescheidenheit. Unter Bescheidenheit verstehe ich -nicht, daß Man nicht mannhaft für.seine Ueberzeugung einstehen soll, daß man-, weil man jung ist, den Tanz um die Lüge und ihre Geschwister, die Heuchelei, die Verstellung, die Phrase usw., milmacht, weil die Alten, unter denen sich oft Prominente befinden, ihn mitmachen, zu ihm ausspielen. Für Bescheidenheit dieser Art gilt mir des Dichters Wort: „Nur die Lumpen sind bescheiden. Brave freuen sich der Tat"; Zurückhaltung, wenn es gilt, für die Wahrheit Mit mannhaftem Wort einzustehen, geißelt ja schon ein anderer Dichter mit dem Worte: „Wer die Wahrheit kennet und spricht sie nicht, der bleibt fürwahr ein erbärmlicher Wicht." — Ich verstehe unter Bescheidenheit, daß wir uns unserer eigenen Stümperhaftigkeit und Armseligkeit voll und ganz, täglich, bewußt sind und bleiben, daß wir uns nicht einreden, was zu sein, und unsere ganze Kraft darauf konzentrieren, was zu werden. Zu dieser Bescheidenheit, uns zu erziehen, obliegt uns ganz besonders, damit wir im Ringen um die Wahrheit nicht von ihr abkommen. Denn! wir wissen:- Bescheidenheit ist Voraussetzung zur Gottesfurcht und Gottesfurcht der Sinn des Judentums! 4. Von der agudistischen Verpflichtung gegenüber dem Du brauche ich nicht mehr viel zu sagen. — Ist die ganze Arbeit am Ich unter dem Gedanken an das Du vollbracht worden — und einleitend habe ich dies ja als notwendig und geboten bezeichnet — dann ist der Leistung gegenüber dem Andern, dem Du, schon der rechte Weg bereitet. Wir fassen das Du im doppelten, im engeren und im weitesten Sinne: der Nächste und die Gesamtheit. — Von agudistischex Verpflichtung gegenüber dem Nächsten möchte -ich nur Eines hervorheben: nicht, daß ich dem Nächsten etwas l eiste, sondern daß jede Leistung für den Andern als Leistung für d e n N ä ch st e n empfunden werde. Alles, was ich dem Ändern erweise, lehrend, ratend,-fördernd, liebend, mahnend, das tue ich aus meiner jüdischen Verpflichtung heraus: gibt es doch keinen Bezirk menschlichen Leistens — und mag die Moderne sich auf ihre Errungenschaften auf dem Gebiete sozialer Verpflichtung und Verbundenheit noch so viel zu Gute halten — für den uns die min nicht die vollkommensten und umfassendsten Vorschriften gegeben hätte. Aber das hat das Golus, das Golus der letzten 150 Jahre, verschuldet, daß uns De r Israelit. Blätter der Sinn für die Bedeutung des Begriffes „Nächster" geschwächt wurde und darum hat agudistische Erziehung uns zu lehren — und ich bekenne offen, von anderen Voraussetzungen zwar ausgehend und mit andrer Zielsetzung hat dies auch zionistische Erziehung gelehrt — daß jeder Jude der Nächste ist.; Agudistische Verpflichtung gegenüber dem Du verlangt, daß wir uns frei machen, endlich frei Machen von jener Engherzigkeit, die, wenn man schon über das Ich hinausgeht, nur den Kreis der Nächsten kennt. Und von jener Ueberheblichkeit, die das im engsten Kreise Geleistete als das Wichtigste wertet und s eine Art als die einzig richtige ansieht. Sie verlangt-, daß wir endlich aufräumen mit jener fluchwüMgen Klassifizierung der Juden nach ihrer landsmainuschaftlichen Einteilung. Verlangt, daß wir alle Erscheinungen unter dem Gesichtswinkel ihrer Entstehung ansehen und beurteilen. Daß wir nicht verallgemeinern. Und verlangt, daß wir, wenn> wir dem Bruder entgegentreten, dies nicht in herablafsenoer Freundlichkeit tun — der Mensch, der sich zu andern herabzulassen glaubt, dürste in der Regel seelisch und geistig unter dem Objekt feiner Herablassung stehen — sondern i>ni selbstverständlicher Brüderlichkeit. Wenn ein Agudist, ein westlicher, vom Ostjudentum spricht oder umgekehrt, der Oestler vom Westjudentum, dann darf dies nie in Form des kühlen, kritischen „Vonoben-herab" gesehen.. Wer. dies tut, der ist Agudas Jisroels unwürdig, denn er schändet ihren Sinn „als Golusorganisation am Dienste des jüdischen Volkes". Volle Hingebung an den „Nächsten" — und mag er aus noch so weiter Ferne stammen — und Erschließung des Gemütes für alle seine Nöte und Sorgen einerseits, Besonderheiten und Eigenarten andrerseits — das ist agudistische Verpflichtung gegenüber dem „Du", das den Eiinzelnen umschreibt. Und welche Pflicht gegenüber dem Du, in dem sich die Gesamtheit spiegelt? Pflicht zum im ist alte, heilige jüdische Pflicht. Ich will hierüber heute nicht viel sagen, will nur Hinweisen, daß der Talmud (!"■> mwn wtn) bie Abtrünnigen, die Denunzianten, die Apikorsim, auf gleiche Stufe stellt mit denen, -,i2rr,n '211» jausen Und »»rr>i identifiziert dort die Begriffe im und ^xiM- Will erinnern auf jene Ramban-Stelle in (y's miwn n 2^.1) die dem, der sonst ganz sü-ndenfrei sein mag, Anteil an der künftigen Welt abspricht, der nicht vollsten Anteil an dem Schicksal der Gemeinschaft nimmt. Und will hinzufügen, daß an Hillels berühmtes Wort:'1128,1 ja Enisn Vx — das nach den Erklärern auf die engere Gemeinschaft der Gemeinde bezögen, zumindest auch bezogen werden soll — zahlreiche VorschriftM, sich knüpfen. — Alle im Pflicht ist jüdische Pflicht. Zu besonderer agudistischer haben sie die Zeiten gemacht, die den Begriff des 1128 gewandelt haben. Der mi’ mi sagt: „Trenne Dich nicht vom Zibbur; denn die Gemeinde ist, solange sie sich mit nun und nnxa beschäftigt, die Krone aller Welten, die Ehre Seiner, Gottes, ganze-n! Herrschaft." „Das ist der Glanz des Königs, wenn man sich mit der Fülle des Volkes versammelt, Sein Gesetz zu erfüllen. Man darf sich vom Zibbur nicht trennen, wie es heißt: „Dann war Gott in Jefchurun König, nur dann, wenn sich die Führer des Volkes versammeln." „Dies alles redet von einem Zibbur, das den Weg des Guten geht, sich vereinigt, das Gesetz zu erfüllen. Ein Zibbur jedoch, dessen Weg schlecht, dessen Taten verderbt sind, das ist nicht wert, daß man sich mit chm verbindet. Wer sich von solchem Zibbur trennt, ist rühmenswert." Agudastische Pflicht gegenüber dem Du, dem Zibbur, erhält unter diesem Wort des Rabbenu Jauno chren besonderen Charakter. Und fordert, daß man das Zibbur und den Klal nicht unbesehen hinnimmt, wie sie sind, sondern alle Anstrengung macht, sie so zu gestalten, wie sie sein sollen: die engere oder weitere Gemeinschaft, die sich auf Gottes Gesetz aufbaut, und so für ihre Erhaltung und Förderung dann allerdings den restlosen Einsatz aller Kräfte fordert. Das ist die agudistische Pflicht gegenüber dem Du im weiten Sinne. — 5. Mir und Dir, dem Einzelnen wie der Gesamtheit gegenüber habe ich Pflichten, die aus meinem Agudismus fließen und die mir helfen sollen, der doppelt schweren Ausgabe des Judeseins und des Judeseins im Golus gerecht zu werden. „Und nun Israel, was verlangt der Ewige, Dein Gott, von Dir? Nur, zu fürchten den Ewigem, Deinen Gott, in allen Seinen Wegen zu wandeln, Ihn zu lieben, und dem Ewigen, Deinem 'Gott zu dienen mit Deinem ganzen Herzen und Deiner ganzen Seele." — Nur dies? so fragen wir erschreckt — und so fragt schon der Talmud (:rb ni2i2) „Ist etwa Gottesfurcht ein Geringes? Und er antwortet: Jawohl für einen Moses ists em Geringes. Denn so erläuterte es Rabbi Chanmo: Vergleiche es damit: Wenn man von einem Menschen ein großes Gerät erbittet, und er besitzt es, dann erscheint es ihm nur klein. Erbittet man vo-n! ihm ein kleines, und er besitzt es nicht, dann erscheint es ihm gar groß!" Wir stehen da, gering am Leistung, leer an Tat und darum scheint uns, was das Judentum von uns fordert, riesengroßer Anspruch. Möge Agudas Jisroel an uns allen ihre Kraft erweisen, indem sie unseren Kreis erweitert und so unseren Sinn, indem sie, größeren Zwecken uns bereit stellend, uns wachsen macht in unserm Menschtum und in unserem Judentum. Und so uns macht zu Mitkämpfern im Kampf ums höchste Ziel: ^>xim mrn nach dessen Kommen, das, was wir heute brauchen, überflüssig wird. Aus der Bewegung. Breslau. Am Sonntag, den, 18. d. Mts., hatten die Breslauer Orts- und Jugendgruppenihren großen Tag, konnten sie doch nach fast 5 Jahren — der denkwürdigen Zentralratstagung — wieder einmal den allverehrten Führer der Organisation, Jacob R o s e n h e i m, in ihrer Mitte begrüßen. Trotz der Bersammlungsmüdigkeit, die sich am Winrvlse-rde «irrzu-ftsllen pflegt, war der Saal der „Vier Jahreszeiten" bis aufs.letzte Plätzchen gefüllt. Nicht nur die Mitglieder der Agudoh, sondern auch Angehörige andersgerichteter Organisationen waren in großer Zahl erschienen: dürfte doch das Thema: „Die Politik der Agudas Jisroel" gerade diejenigen interessiert haben, denen diese Politik Gegenstand eifriger Kritik ist. Wenngleich mancher Gegner auch durch die Ausführungru Rofenheims nicht zum Anhänger der Agudoh- Politik geworden ist, so wird trotz dessen wohl ein Jeder das Gefühl mit nach Haufe genommen haben, daß die Motive der Agudohleitung, die ihrer großen Politik zu Grunde liegen, reine, und deren Verfolgung gradlinig und konsequent ist. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden, Dr. F r e y h a n , entwickelte Jacob R o s e n h e i m die Prinzipien, die einer jüdischen Politik zu Grunde liegen müssen. Drei ethische Grundbegriffe sind es, auf denen eine jüdische Politik aufgebaut sein muß: Es sind dieselben, auf denen nach Ansicht der Philosophie seit Kant jedes ethische Handeln — auch des Einzelindwiduums — fußen muß: Der kategorische Imperativ fordert, daß die Handlungen der Persönlichkeit dem Sittengcsetz, das. ihm das Gewissen diktiert, entsprechen.. Hand in Hand damit muß das Streben nach Vervollkommnung der Persönlichkeit in geistiger und ethischer Hinsicht gehen. Beides aber darf nicht in der Posischeck-Konlen: Landesdirektoriurn des Keren Hatorah in Deutschland Hamburg Nr. 24753 (P. Sch. A. Hamburg). Keren Hatörah-Kommissariat Frankfurt a. M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a. M Keren Hatorah-Kommissariat Nürnberg Nr.18440 (P. Sch. A. Nürnberg) Keren Hatorah-Kommissariat Köln Nr 50131 (P. Sch. A. Köln) 73991 Keren Hatorah-Kommissariat Leipzig Nr. 70147 (P. Sch. A. Leipzig) Keren Hatorah-Kommissariat Berlin, P, Sch. A. Berlin Nr. Salomon. Keren Hatorah-Kommissariat Breslau, P. Sch. A. Breslau Nr. 60510 für Iwan Müller Keren Hatorah-Kommissariat Hamburg P..Sch. A. Nr. 40953 jür Dr. Julius Basti Keren Hatorah-Kommissariat Kartsruhe Markes Stern Bankkonto Ignaz Ellern.

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