Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1928)
- Date
- 1928-04-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 2 Nr 9 D er Israelit Blatter IS. April 1828 ablehnt, die das Golus als sinnloses Uebel mit Landerwerb und Massensiedlung besiegen, nicht aber seine im Menschen liegenden Ursachen durch den Rückweg zu Gott beheben will.. Jüdische Verpflich tung ist Gottes Ruf aus der Ewigkeit für die Ewigkeiten gesprochen, agudistische Verpflichtung heißt: diesem Ruf in Zeiten der Taubheit Gehör zu schaffen, ist Sporn zu erhöhter Wachsamkeit, Hingabe und Energie, ist in Zeiten der Zerrissenheit und Verworrenheit doppelter Bereitschaftsdienst: 'UN hier bin ich, weil die min ruft, 'UN hier bin ich, wenn auch die Welt des Rufs mißachtet. A g u d i st i s ch e Verpflichtung bedeutet also vor allem Bereitschaft dort, wo die Welt ihrer jüdischen Verpflichtung gegenüber lässig geworden. Und so verstehen wir diese Verpflichtung gegenüber dem Ich und dem Du! — 3. Gegenüber dem Ich! Daß wir den Sabbat hüten, die Speisegesetze beobachten, sittlicher Vollendung durch Bemeisterung, unserer Sinne zustreben, jüdisches Wissen uns aneignen, um dadurch einer mx» aufgeschlossenen Herzens und Hirnes gerecht werden zu können, das fließt nicht aus agudistischer, das fließt aus unserer jüdischen Verpflichtung. Aber Einiges — und bewußt will ich mich nur auf Beispiele beschränken — das wird von uns gefordert, weil w i x Agud ist en sind, wird von uns verlangt, weil die Weisen der Zeit gegenüber solcher Forderung die Stirne runzeln. — Daß wir uns zu vollendetem Respekt gegenüber den Trägern der min — und gewiß gegenüber dem Vertreter der »min an unserm Ort — erziehen, verlangt unser Agudismus von uns. „Wenn der Wille Gottes der bestimmende Faktor innerhalb der durch Agudas Jisroel verkörperten! Gesamtheit sein soll, wo haben wir den Träger dieses Gotteswillens zu suchen? Die Antwort kann nur lauten: das charakteristische Merkmal für Agudas Disroel ist die maßgebende Stellung, welche diernmn 'v2N nxjna der Rat der Thora-Autoritäten in ihr einnimmt. Die nssna rninrl 'vrn muß der Führer der Agudas Jisroel, muH das oberste Organ der Gesamtorganisation sein und bleiben" (Rosenheim im Züricher Referat: „A. I. als Weltorganisation") deshalb — und weil unsere Zeit glaubt, den Begriff der mi»K' des Vertrauens in die Autorität der Rabbiner verloren haben zu m ü s s e n. Fast zum Greifen deutlich stehen sie doch vor uns, in allen Gemeinden jene Männer, die Nathan - Birnbaum im „Gottesvolk" so treffend charakterisiert als die „Mächtigen an Beutel und Stirn", die die Rabbiner, die Weisen der Lehre, sich dienstbar, die Führer zu Schlemihlen machen wollen, so daß entweder der Rabbiner zum Diener am Willen des Reichen und Frechen wird, oder die, ser, kann er dies Ziel nicht erreichen, die dünne Firnis äußerer Zivilisation abstreift, seinen Schulchan Aruch sich selber macht oder interpretiert, in nackter, brutaler Gewalt gegen den Raw angeht. Da gilt Birnbaums Wort: „Auf! Gürtet euch mit Tat! Und wenn nicht, wird Gott ein Geschlecht nach euch an eurer Stelle aufrichten und gürten, chr aber werdet eure Sünde für ewig tragen!" Daß unsere Jugend mit heißem Herzen, mit liebender Seele, mit ihrem ganzen Vermögen und Können die Lade Gottes trägt, daß sie von ihr getragen werde — die Lade, die vonaußen und innen reines Gold ist, rrvi') (n"ir. und ihr wißt, daß dem untadligen Führer damit ein Mal gesetzt wurde —das ist eine der Verpflichtungen, die der Agudismus jedem Einzelnen auferlegt. Eine andre nun! Daß wir an Gott glauben und an Seine absolute Einzigeinheit, Ihn lieben und Furcht vor Ihm und Seiner Waltung nach Gerechtigkeit spüren, Ihm dienen und den Trägern Seines Wortes uns innig anschließen, in seinem Namen schwören und uns bestreben, Ihm ähnlich zu werden, — all dies fließt aus unserem jüdischen Müssen — ich habe soeben die acht ersten Gebote >nach dem mxan nsv des Rambam zitiert — daß wir das nun folgende neunte Gebot «np1? iaw nxerfüllen, ist gewiß jüdische Pflicht, die Zeitsituation gibt ihm aber noch den Charakter be sonderer, agudistischer Verpflichtung. Sie lautet nach dem Rambam: „Gott hat uns be fohlen, Seinen Namen zu heiligen, wie es heißt Ich will geheiligt werden inmitten der Kinder Israel". Der Sinn dieses Gebotes ist, daß wir verpflichtet sind, den wahren Glauben! in der Welt zu verbreiten und daß wir uns hierbei vor keinem uns dadurch drohenden Schaden fürchten . . ." „Israel soll für Gott vor aller Welt zeugen, soll „Zeugnis und Veispielvolk" sein, soll durch den Heiligkeitscharakter des Volkes auf Gottes Heiligkeit schließen lassen — ■>'? cm"ni 'irr «mp '2 - Q’«mp — und muh darum, getrennt von den Völkern umd anders als sie, immer Preisausschreiben! An die Sammler der Omerspende! Freunde! Wer 10 Teilnehmer an der Omerspende wirbt erhält zu Schewuoth ein <|(“ 9U9 jüdisches Buch im Werte von lö Irl» Wer 25 Teilnehmer an der Omerspende wirbt erhält zu Schewuoth ein gUB jüdisches Buch im Werte von O w IVS« Wer 50 Teilnehmer an der Omerspende wirbt erhält zu Schewuoth ein Eft gUg jüdisches Buch im Werte von öw IVI» Wer 100 Teilnehmer an der Omerspende wirbt erhält zu |Ufl ein jüd. Buch im Werte von IVB« Näheres durch die Agudas Jisroel-Jugendgruppen oder durch den Organisationsvorstand der A. J. Jugendorganisation Frankfurt am Main, Langestrasse Nr. 18 und überall dieses Anderssein betonen, als Diener der Wahrheit, nicht als Störenfried, muß durch dies Betonen des Andersseins, seinen Sondercharakter stets erneut erweisen und bewähren. — cmrr 'in D'^nniä diix vrr (S. m. Aufsatz: Ein offenes Wort an, unsere abseits stehenden Freunde. Korresp.-Bl. d. AJJO., 2. Jahrg. Nr. 10/11). In früheren Zeiten bedeutete Ti «mp alsjüdische Verpflichtung — in früheren, nicht vielleicht auch in der Gegenwart noch?! - oft Einsetzung des Lebens, um das wahre Leben zu gewinnen, bedeutete Kampf für Gott und Sein Gesetz, das die Heiden schmähten und höhnten. Heute bedeutet tt «mp im agudistischen Sinn Eintreten für Gott und Sein Gesetz, für deren Anerkennung durch das Volk, für deren zentrale undge st altende Stellung im Volk — gegenüber den modernen „Heidenrebellen", die schmähen und höhnen, Kampf um die Konstituierung der jüdischen Gemeinschaft aus jüdischer, d. h. thoragemäßer Grundlage und — Ueberzeugung willig bringen, jede Verhöhnung in diesem Ringen jedes Opfer, nur nicht das der und Verunglimpfung zu tragen wissen, „Reden oder Schweigen, Begreifen oder Achselzucken, Ernst oder Spott, Verdammung oder Mitleid, Schönreden, oder Schimpfen, Schonung oder Drohung". All dies in dem Gedanken, was kümmerts mich, „da ich doch weiß/ daß sie nichts ausrichten werden, daß Gott Gott bleiben wird und Israel fein erwähltes Volk." (Schluß von „Gottesvolk"). Di e je Verpflichtung, dieses Kämpfen für Hie muv dieses Ringen um Sinn von Judenheit und Judentum ist vor allem eine Verpflichtung gegenüber dem Ich, daß wir imjs selber klar werden über unsere eigene innere und äußere Position und wissen, daß Kampf für Gott und Seine nun nichts,- aber, gar nichts zu tun hat mit den billigen Tagesschlagworten, wie Austritt, Separatismus, Politik, Klerikalismus. usw. Er obliegt dem- Judenvolk als Gottespflicht für alle Zeiten, in dieser Zeit liegt er auf uns als ganz besondere Notwendigkeit. — Agudistische Verpflichtung dem Ich gegenüber — und dies nicht aus Gründen der „Verteidigung" gegen Unlustgefühle, sondern weil Erkenntnis Pflicht ist — ist, jene „splendid isolation", die Weizmann erschüttert bei Agudas Jisroel konstatierte, freudig als das begreifen- und b e j a h e n, was sie ist: als die Isolierung nicht um unsrer selbst willen, sondern als Opfer für die jüdische Gesamtheit. „Das jüdische Volk selber, das sich um der Erhaltung seiner Idee willen ein geistiges Ghetto geschaffen hat, ist ein lebendiges Beispiel für den Wert solcher „Isolierung". Wir Haben die Zuversicht, daß diejenigen, dieheute glauben, die Herrschaft des jüdischen Gesetzes negieren zu müssen, dereinst heimkehren und zum Bewußtsein der Wahrhaftigkeit der Thora gelangen werden. Soll dies Endziel aber erreicht werden, dann ist eben „splendid isolation" der Treugebliebenen das höchste „Instrument" hierfür!" (Jacob Rosenheim auf der Londoner Konferenz zwischen Zionist. und Agudist. Org. am 5. u. 6. Mai 1925.) Jüdische Verpflichtung ists, alle Fragen, die die Zeit aufwirft, durch die berufenen Männer, die in dieser Zeit leben, zur Lösung bringen zu lassen, d. h. durch sie die Auseinandersetzung zwischen dem ewigen Geist Gottes, wie er in der Thora lebt, und dem wechselnden Geist der Zeien, wie er in ihren hohen Sperren, ben Fabrikanten ihrer Zivilisation und Bildung, die zuammen man oft fälschlich Kultur nennt, lebt. Diese Verpflichtung fällt gewiß auch unter die Forderung: „Und du sollst kommen zu den Priestern und Leviten, und zu dem Richter, der in jenen Tagen sein wird . . ." ftv t"' ü'tst). Darüber hinaus, so glaube ich aber, obliegt uns in dieser Zeit die Auseinandersetzung mit der Zeit in besonderer Weise, als besondere Notwendigkeit eben als a g u d i st i scher Anspruch!. Jeder Agudist hat sich, und darum ist das die Verpflichtung, gegen das Ich, dazu zu erziehen, daß er diese Auseinandersetzung in ganz bewußter, unzweideutiger Weise vornimmt. Hier die Zeit und dort die Ewigkeit, hier das Sein und dort das Sollen, hier die Macht und dort das Recht, hier das Geld und dort der Geist, hier die Lüge und dort die Wahrheit, hier die Majorität und dort die Autorität Und mag Majorität in der Gesamtheit sich das Volk nennen, im kleineren Kreise die Gemeinde, mag die Lüge sich vorstellen als was immer, als Opportunität, Friedensliebe, wohltuende Toleranz usw., wir wissen: Nicht Majorität, sondern Autorität gekältet Wahrheit — und ist sie oft auch schroff und schwer — steht über der noch so vorsichtig verbrämten Lüge so hoch wie der Himmel über der Erde. Es bedarf der Erziehung, dieser Selbsterziehung, denn alles ist darauf angelegt, die Begriffe zu verwirren und die Sinne zu beäuben. Die Frechheit, wenn sie nur frech genug ist, wird diplomiert und die Bescheidenheit steht im Winkel. Wir leben eben mitten tm Golus, wo nach dem Worte des R. Pinchos .ben Joir (k"ö ö"S nviv) die v'rnN' das sind nicht die Leute, d>ie durch ein Amt den rnn haben, sondern durch ihre Leistung 2'12N s i n d - beschämt werden, wo die Männer innerer Freiheit, angesichts des Triumphs der sittlichen Ungebundenheit, mutlos werden, wo die Männer vorbildlicher Leistung immer mehr schwinden, wo die rohe Gewalt und die glatte Zunge triumphieren. In olcher Golussituation ist agudistische Erziehung ler eigenen Persönlichkeit: Erkenntnis des Wahren, Bekenntnis des Rechten mit allen Kräften