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Der Israelit · 1928-04-19 · Heft 16 (19.4.1928) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 16 (19.4.1928)
Date
1928-04-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 16 tiefen.. Im Namen der genannten Vereine entbot er der Schule den Gruß, den schon einmal einem Fünfunds i e b z i g j ä h r i M e n geworden ist, nämlich Abraham, den Gruß ns-ia 'vn- Als letzter Redner sprach Herr Dr. Paul Kulp für Agudas Jisroel-Jugendgruppe und „Esw" einige Worte der Begrüßung an die Schule, die diesen Äugendvereinen das edle Menjchenelement zuführt. Damit war die Runde der Reden abgeschlossen. Einige Vereine und Organisationen konnten wegen der vorgerückten Zeit nicht mehr zu Worte kommen^. Diesen und allen, di« ihre Grüße und Wünsche brachten, dankte Herr Direktor Dr. Fink mit einem kurzen Schlußworte. Eine Festouoerrure von Bellini schloß die akademische Feier im Zoologischen Garten, die ein historisches Erlebnis war, gegen 2 Uhr mittag harmonisch ab. D a s F e st s p i e l. Das Festspiel ging Sonntag abend im vollgefüllten Saale des großen Saal bau es vor sich und hatte seine eigene hochkünstlevische und gutjüdische Note. Es war so «ine Art Rahmen Veranstaltung, innerhalb welcher sich 12 Nummern, mehr oder weniger miteinander verbunden, bewegten. Das verbindende Motto hieß: „Der Geist der Schule in alter unö neuer Zeit." Der gute und schöne Geist (Frl. Aenne Marx) hatte die Aufgabe, in Poesie und Prosa das Ganze zusammenzuhalten. Rechts und links von diesem Geiste standen, saßen, sprachen, tanzten und deklamierten, Elfen, „Geister, die folgten ihrem Meister". Sie alle standen vor einer Kulisse, die in Bau, Farbe und Ausmaß die Fassade unserer Schule Am Tiergarten täuschend darstellte, einschließlich der stellenweisen Reparaturbedürftigkeit. Und wenn der Kulissenvorhang zurückging, da taten sich bezaubernde Bilder auf, die sich für alle Zeiten in die Seele eingruben. Es war eine Symphonie von Farben, Worten, Bildern und Tönen, eine Weide für Auge und Ohr und eine Labung für die Seele. Drei volle Stunden sahen wir ohne Zwischenpause da und wurden nicht müde, zu sehen, zu hören und zu genießen, von Spannung zu Spannung geleitet. Im Einzelnen fei berichtet: Heimgegangene Führer und Lehrer der Schule wurden uns an der Wand in fast sprechender Lebendigkeit vorgesührt. Gütige Gesichter aus jüngster Zeit (Weyl, Bondi u. a.) schauten zu uns, als nähmen sie teil am Feste unserer, ihrer Schule. Und nun war gar der ehemalige Schulpedell in persona auferstanden und marschierte über die Bühne, all das aus seinen Gewohnheiten, seinen Amtstasten und seiner Lebensgeschichte in drastischen Wendungen zum Bestengebend, was der älteren Schülergeneration noch in lebendigster Erinnerung ist. Die vortreffliche Imitation besorgte Herr Max Ster n. Ein P t.chn i ck im Lichterglanze des Chanukaleuchters sah man im Bilde und 'erlebte es dann mit den freudestrahlenden Kinderchen, die auf der Bühne mit ihren Körbchen zu diesem großen Ereignis anmarschierten. Für jedes dieser Ereignisse hatte Neumann seine eigene Musik, und jedes gehobene Wort von der Bühne herab bekam vom Orchester seine stimmungsvolle musikalische Untermalung. Eine Szene aus einem Drama, das Moses L. Schwab s. A., ehemaliger Schüler unserer Schule, im Alter von 20 Jahren verfaßt hatte, kam zur Aufführung. Fein abgetönt, mit Wucht und Schwung klangen die an die Klassik sich anlehnenden Worte, besonders wenn Arbabanel (Manfred Neuberger) dem spanischen ■ Königspaar klar und stolz, offen und einprägsam die ewigen jüdischen Wahrheiten zu Gemüte führte und mit dieser heiligen Fackel in die Nacht, aus der das Gespenst der Inquisition hervorkroch, hineinzündete. Frl. Ruth F r a n k e n t h a l und Herr Jakob S u l z b a ch gaben ein würdiges Kömgspaar ab. Nach allerliebsten K i n d e r t ä n z e n und schönen M u s i k« i n l a g e n bekam man eine ganz entzückende Turnprobe zu sehen, bei der Schüler im Dunkel der Bühnennacht so eine Art F a ck e l s ch w i n g e n aufführten. Die Einrichtung der Ka k ao speis un g fand ihren wirkungsvollen Interpreten in dem uns schon bestens bekannten jungen Künstlerknaben Erwin O f f e n b a ch e r. Ein eigenes ABC, lebendig an der Tafel vorgeführt, löste unbeschreiblichen Jubel aus, denn dahinter versteckten sich die bekannten Gesichter der zur Zeit an der Schule wirkenden Lehrer und Lehrerinnen, jedes Bild mit einem Sprüchlein versehen, das die charakteristischste Seite seines Trägers traf. Eine Schülerin der sechsten Klasse las zum höchsten Ergötzen des Publikums mit großem kindlichen Nachdruck die Berslein vor. Sodann sprachen zum Schluß die edlen Derse Richard Beer Hossmanns aus seinem „Jaakobs Traum" zu uns. Die Wucht und Schönheit dieses Bühnengedichtes, besonders in der hier ausgeführten Engelszene, sind bekannt. Das Bild war — unsres Erachtens weit künstlerischer als in der Regie der „Habima"'— zauberhaft schön gestellt, und gesprochen haben die Engel, bezw. der Teufel aus dem Mundo' der- Damen: Gella Aron, Sitta Golde, Trude - Hirsch, Haust Rapp und Jetta R o s e n h e i m, ebenso der Jakob des Herrn Salli Birnstein ausgezeichnet. Die feste Hand Ben Spaniers, hob ihre Leistungen wett über dys Dilettantenhafte hinauf. Neben diesem Künstler, der die Spielleitung hatte und Max Neumann, der vormittag wie abends auf gleicher Höhe blieb, danken wir das Gelingen des Abends auch den Herren I ei de l und F. S ch a me s . .die die Bühnenbilder stellten. Nicht minder gebührt Dank der auf dem Programm anonym bleibenden Verfasserin der Verse und all den Damen und Herren, die, mit Liebe Der Israel it und Aufopferung und hohem künstlerischem Können das Wunder dieses Tages und Abends fertig brachten. Dankbar erwähnt fei auch des Synagogencho-rs unserer Gemeinde, der gleich zu Anfang dem Abend mit einem r.n den jüdischen Auftakt gab. Nach drei- Stunden gesammeltenkünstlerischen Genießens machte sich das Temperament ungezwungen in einem „gemütlichen Beisammensein" bis in die tiefen Nachtstunden hinein Luft. So klang, das herrliche Fest aus, wie es am Samstag angefangen hatte: in Ge-, mütlichkeit, rauschender Freudigkeit und beglückender seelenverbindender Geselligkeit. Es.war ein Fest des W i e d e r s e h e ns im schönsten' Sinne und eine Quelle der Erneuerung, wie wir hoffen, für Schule und G em ei nde. Die Woche. Semesteranfang in der Ieschiwah. Die Thoralehranstalt Jeschiwah hat am Dienstag den 17. April ihr Semester mit 71 Hörern zum weitaus größten Teile aus deutschen Gemeinden stammend, eröffnet. Die SchuljubUäums-Ausstellung. Am Sonntag, den 22. April, 11 Uhr, findet eine Führung durch die Jubiläumsausstellung der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschast Am Tiergarten statt. Osijüdische Vereinigung. Aus Einladung der hiesigen „Ostjüdischen Vereinigung" hielt Herr R.-A. Horowitz am Samstag, den 14. d. M. abends in der Suppenanftalt Theobaldstraße, einen Vortrag über ostjüdische Fragen unter den Titel „Zeit und Ewigkeit". Unter dem Hinweis auf die allgemeine Erziehungskrisis m> den Nachkriegsjahren ging der Referent auf die spezifisch jüdischen Erziehungsfragen über, wobei er in allererster Linie auf di« Notwendigkeit der Berufsumschichtung der ostjüdischen Jugend ausführlich zu sprechen kam. Durch die Ueberfüllung der bisherigen Berufszweige gestaltet sichdie ostjüdische Lage sehr bedrohlich. Auch ist die Schmiras- Schabbos ein Problem, das in der gegenwärtigen Zeit besonderer Aufmerksamkeit bedarf undnur durch richtige Berufswahl gelöst werden kann. Der Sabbathgedanke bedeutet für uns Juden den Sinn der Ewigkeit, der es uns ermöglicht über das eigene Innenleben nachzudenken und es im Sinne unserer Tradition ohne Rücksicht auf die zeitlichen verderblichen Einflüsse der Umwelt zu gestalten. Den Gedanken der Ewigkeit entwickelnd, ging der Referent auf die Notwendigkeit der Einigkeit ohne Ausschluß der einen oder der anderen Richtung über. Der Referent berührte auch die Frage der beim Landesverband angeregten Idee der Bezirksdarlehnskasfen, welche als Mittel zur Linderung der Lage des jüdischen Mttttolstandes von unumgänglicher Notwendigkeit ist. Mit warmen- Worten dankte der Vorsitzende dem Referenten. Talmud Thora-Verein. Der Talmud Thora-Verein erstattete an die Mitalieder Bericht über das vergangene Verein sjahr. Wöchentlich wurden durch den Verein- 59 Schiurim gehalten, die alle ziemlich gut besucht waren. Täglich nach dem Morgengottesdienst wurde in den Synagogen Börneplatz und Hermesweg ein Schiur gelernt. Vortragende waren die Herren Oberkantor Groß, Rabbinats-Affefsor K i r f ch b a u m und Rabbiner Donath. Besonderer Dank wird Herrn Rabbiner Dr. I. Hoffmann für seine Thillim-Vorträge vottert, ebenso den Rabbinern Donath, Dr. Schlesinger und Herrn Dr. Eschwege für ihre. Lehrkurse. Während der Sefira-Zeit hielten allabendlich dreiviertel Stunden vor nacht in den Synagogen Börneplatz und Hermesweg Schiurim die Herren' Rabbiner Dr. Hoffmann, S. Unna, Dr. Braun, Dr. Schlesinger und Herr Jelen. Die Fvöltägabend-Vorträge erfreuen sich eines guten Besuches von Damen und Herren. Im Berichtsjahre 1927 haben die Herren Rabbiner Dr. Hoffmann und Lehrer Unna in ihren Lehrvorträgen je eine 'soai wn 'dok zu, Ende gelernt. Aus diesem Anlaß wurde ein Dopppel-Sijum abgehalten!. Das finanzielle Ergebnis war sehr erfreulich. Am Erew-Peßach fand wie immer ein Sijum für Bechaurin, statt und am Schowuaus und Haufchano Rabbo wurde gelernt, Monlefiore-Verein. i /Der M o n t e f i o r e - V e r e i n versendet an die Mitglieder und Freunde sein neues Programm. Ein neuer Verwaltungs-Ausschuß verspricht einen frischen Zug -in das Veveinsleben zu bringen. Durch Vorträge und Referate von aktuellstem und besonders jüdischem Interesse glaubt er den Vereinsfreunden Anregung bieten zu können zu intensiver geistiger Arbeit, die sich in den- Arbeitsgemeinschaften besonders zeitigen soll. Des ferneren soll in den zahlreichen Veranstaltungen geselliger und unterhaltender Art die menschli-chke', Verbundenheit zwischen den Mitgliedern gefördert werden. Sport und Körperpflege sollen in Turn- und Wandergruppen zu ihrem Recht kommen. Ausstellung „Religiöse Kunst aus Hessen und Nassau". In den Räumen des „Kunstgeschichblichen Seminars" der Universität Marburg a. L. findet, wie schon kurz mitgeteilt, vom 25. Mai bis 31. August eine Ausstellung statt. In dankenswerter Weise hat man dabei aucy eine Abteilung für die jüdische Religion vorgesehen, die unter der Leitung -des Kustosam Museum jüdischer 19 April 1928 Altertümer, Herrn Erich Toeplitz, steht. Es soll versucht werden, in der Oeffentlichkeit das Judentum, seine Religion und seine religiösen Einrichtungen!, würdig zurepräsentieren. Es muß besonders darauf hingewiesen werden, daß eine Ausstellung in einem Universitäts- Institut ein Novum und in mancherlei Beziehung von besonderer Bedeutung. für weiteste Kreise sein dürste. — S. R. Hirsch als Erzieher. Von 2of. heymann in Frankfurt a. ITC. (Schluß.) Es liegen eine Fülle von Dokumenten vor von Persönlichkeiten aller Stände, die den Nachweis liefern, wie gewaltig der Einfluß S. R. Hirfchs auf ihr Seelenleben war; er war der geborene Gärtner der menschlichen Seele. Denn seinem Ich war das Jnsiegel seiner Größe, die innere und äußere Harmonie auf-. geprägt. Schon auf der Universität zu Bonn hängen seine sämtlichen Studiengorwssen mit Achtung und Liebe an dem einundzwanzigjährigen Hirsch. Abraham Geiger, sein bester Freund, mit dem ex engste Arbeitsgemeinschaft pflegte, lobte seine vorzüglichen Geistesgaben, feine strenge Tugend und liebte sein gutes Herz. Hirsch verstand es glänzend, sich in die Seele seines Freunldes Geiger hineinguversetzen, ja, er liebte die Offenheit und den jugendlichen Frohsinn dieses Genossen. Geiger selbst erklärt, daß der Umgang' mit Hirsch für ihn in Bonn sehr nützlich undgenußreich, ward. Wer weiß, ob Geigers Entwicklung n-icht eine ganz andere Richtung angenommen hätte, wenn er weiter unter dem persönlichen Einfluß seines Freundes Hirsch gestanden hätte. Nur ein Semester sollte Hirsch mit Geiger zu- , sammen arbeiten, um alsdann sogleich nach Verlassen der Bonner Universität seine erste Rabbinerstelle in Oldenburg -anzutreten. Und da es ihm hier in» Oldenburg trotz seiner elfjährigen Bemühungen nicht gelingen konnte, ein eigentliches Schulwerk ins Leben zu rufen, so schrieb er zunächst die 19 Briefe undden Chaurew. Was aber gab ihm die erste Anregung zu diesen schriftlichen Versuchen, insbesondere zu den 19 Briefen? Hirsch selbst sagt es gegen Ende des letzten der 19 Briefe, sein Ziel war: „den Lehrern' der ihm anvertrauten Schulen ein Buch in die Hände zu geben, in dem sie sich erst selbst zu Juden lesen könnten, ehe sie junge Gemüter zum Judentum erzögen." Die mangelnde Bildung der Lehrer war die Krankheit des Jahrhunderts. . Seine Forderung im achtzehnten der 19 Briefe: „Schulen für Juden" entspricht ganz seinem innigsten Herzenswunsch,, an dem Orte seiner ersten Wirkungsstätte ein solches Schulwerk zu schaffen, wo die jungen Sprößlinge des jüdischen Volkes erzogen werden zu Juden, „die Sprache des Tnach, wie die Sprache ihres Landes ihnen eigen. In beiden sie Denken gelehrt, ihr Herz dem Fühlen, ihr Geist dem Denken zuerzogen, die Schriften des Tenach, ihr Buch der Lehre fürs Leben' und sie fähig, dys Leben hindurch ihr Wort zu vernehmen — daß sie sich freuen des Namens Jude und des Lebens aus solchem Namen, mit allem Hohen und aller Entbehrung." Wenn es ihm auch in Oldenburg trotz, aller wiederholten Bemühungen und gewaltigen Anstrengungen nicht gelingen sollte, ein eigentlichesjüdisches Schulwerk zu gründen, so ist es dennoch erstaunlich zu sehen, welche pädagogischen Leistungen er hier am Ende seines 11jährigen Schaffens entfaltete. Kinder von 12—14 Jahren besaßen gute Kenntnisse in Tenach, in der Pslichtenlehre und Geschichte, des Judentums. Mädchen in! diesem Alter, denen seit 50 Jahren die' heilige Schrift auf unverzeihliche Weise, ein versiegeltes Buch war, konnten flott ganze Stellen aus Jeschajoh und Job übersetzen, auf jede Frage aus Geschichte und Lehre des Judentums geläufig antworten. An der Art und Weise der Antworten erkannte man, wie ihr Lehrer S. R. Hirsch bei seinen Schülern mehr aufs Herz und

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