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Der Israelit · 1928-04-19 · Heft 16 (19.4.1928) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 16 (19.4.1928)
Date
1928-04-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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19. April 1928 persönlich von Thora und Mizwoth emanzipiert haber- _Mträchtlg zusammen wirken, wo die Liberalen aus der Mmeindekasse ansehnliche Summen für Synagogen bewilligen, die sie nur zwei- oder dreimal im Jahre besuchen,- für Mikwaoth, die durch ihre Frauen nimmer benutzt rverden, für Gitter an den Emporen der Synagogen, in denen offiziell alles gebetetj, kein Stückchen Pijut weggelassen wird, kein Vorbeter sich erlauben wird, das Tallith als Shawl zu, tragen, kurz und gut, wo alles zugeht, in diesem Dorado für Achduth- Schwärmer lsi, besonders in den großen- Gemeinden, eine Gärung eingetreten, und sehr beunruhigende Symptome sind wahrzunehmen. . Der Ausländer, welcher nur kurze Zeit hier weilt und orthodox ist, nimmt den aüergünstigsten Eindruck mit, da Rabbinate orthodox, die GemeinÄeinstttUttonen pn 'L bv, die Gemeindevertreter insgesamt orthodox — in der Gemeinde-Stube — 'sind, aberder Dieferblickende, schärfer Beobachtende und länger hier Weilende bemerkt, daß eben nur das offizielle Judentum orthodox ist, die Juden aber in ihrer übergroßen Mehrheit sehr wert vom rechten Judentum entfernt sind. Kürzlich hat ein Vollblut-Zionist das ehrlich in öffentlichem Dorttage ausgesprochen, und der Vorsitzende der Versammlung, selber Mitglied des KirchenraLes, hat nach diesem Vortrage erklärt, trotzdem der Redner verlangt hatte, daß in Kranken- und Irrenhäusern für Liberale auch nicht koschere Kost verabreicht und öffentliche Sabbatentweihung gestattet sein soll, daß Synagogenbauden nicht zur Aufgabe der Gemeinde gehören-, jeder- Jude sei, der auch nur von einem jüdischen Vater abstamme und derlei unjüdische Dinge mehr. Redner erklärte, daß es nicht länger so bleiben könne, daß 90 Proz. Liberale für 10 Proz. Orthodoxe alles bezahlen müßten. Dieser Mann wird bei der nächsten Wahl als Kandidat für den Kirchenrat proklamiert. Wer hätte das für möglich gehalten in dem sich so gern' Klein-Jerusalem nennenden Amsterdam? ' - Wahr ist es übrigens, daß die Zahl der Orthodoxen, besonders in den großen Städten —und von den etwa 120 000 Juden Hollands wohnen mehr als 90 000 in Amsterdam, Rotterdam und Haag — sehr gering ist. Unter den Intellektuellen und Reichen ist die Zahl der Orthodoxen sehr gering, und es gelingt nur fetten, für na» ■nnw in am na» offenen Geschäften- Stellungen zu finden. Wenn, was nicht zu hoffen, -die Ideen, die durch den Redner propagiert wurden, Eingang finden, ist der Bestand der jüdischen Gemeinden Hollands in großer Gefahr. Vor etwa zwei Jahren veröffentlichte sine der Großgemeinden die Zahl der geschloffenen jüdischen Ehen nach Angaben des Standesamtes der bürgerlichen- Gemeinde, und es ergab sich, daß die Zahl der Mischehen fast ebenso groß war wie die zwischen Juden und Juden. Obwohl nicht gesagt werden kann, daß im Allgemeinen die Sache so schlimm steht wie in dem einen Jahr in der einen Gemeinde, -ist nicht zu leugnen, daß die Zahl der Mischehen und auch der unerlaubten! Ehen erschrekkend zunimmt. Während in der einen Großgemeinde meist das Proletariat diese sündhaften Ehen eingcht, sind es in anderen gerade die sogenannten vor. nehmen und reicheren Kreise, die Mischehen schließen, und auch das Zusammenleben ohne Ehuppa, selbst wo diese möglich wäre, gehört nicht zu den- Seltenheiten. Auch in kleineren Gemeinden, ja selbst in Dörfern, grassiert diese Seuche. Die'Vereinigung der Oberrabbiner -des Landes beschloß einstimmig, von den- GemMdöbehö-rdön zu verlangen, daß in Mischehen oder verbotenen Ehen, oder überhaupt T>viT>pi nsin rr^a Lebenden das Recht genommen wttd, -in Vorstände und andere gemeindliche Körperschaften gewählt zu werden-, sowie andere Ehrenämter zu bekleiden, -und besoldete Anstellungen zu erhalten. Ferner wird verlangt, solche Personen inden Synagogenkeinerlei öffentliche Funktionen -ausüben zu lassen. Holländisch heißt das: „Het waarnemen van kerkelijke Ceremonien". Die Oberrabbinek verlangten, daß diese Besttmmungenin die Statuten der Gemeinden ausgenommen wurden. Es begann ein Sturm in vielen Gemeinden und die sogenannten- Liberalen, darunter hervorragende Zionisten, widersetztensich. Unglücklicherweise erhalten sie Hilfe von -einer Seite, von der sie Niemand erwartet hätte. Ein jüngerer Rabbiner, der das Rundschreiben der Rabbiner mitunterzeichn-ek hatte, schrieb seiner Gemeinde, daß sie über das Rundschreiben zur Tagesordnung üblergehen könne. (Deck Wortlaut De r I s r ae I t t kennt Schreiber dieser Zeilen nicht, aber dem Sinne nach wird es so stimmen.) Einige Gemeinden hatten bereits früher solche Bestimmungen getroffen, andere nahmen sie auf Verlangen ihrer Oberrabbiner aus, während einige das Rundschreiben ignorierten. In Rotterdam geschah folgendes: Der Ob-errabbiner war nach m-ehrwöchentli'cher Abwesenheit (krankheitshalber) heimgekehrt und verlangte in einer Sitzung mit dem Vorstände dringend die Annahme der im Rundschreiben vorgesehenen Besttmmungen. In einer geheimen Sitzung des Kirchenrats wurde beschlossen, das Verlangen des Oberrabbiners n i ch t zu. -erf ü l l e n, worauf Oberrabbiner Dr. Ritter, wie vonallen, die ihn kennen, erwartet wurde, fern Amt, -das ex mehr als 43 Iahre bekleide-t, niederlegte. Der Eindruck dieser Demission im Lande ist gewaltig. Sehr merkwürdig ist es, daß keine holländische Gemeinde eine jüdische Volks- oder höhere Schule besitzt, die sie selbst geschaffen hätte oder unterhalte. Selbst das große, etwa 70 000 Juden umfassende Amsterdam, hat nur eine einzige jüdische Schule, die keine Gememde-Jnstitutto-n ist, sondern Privatgründung eines verstorbenen Lehrers. Es ist charakteristisch für den Geist der Gemeindekörperschafien in dieser großen Gem-einde, die sozusagen orthodox geleitet wird, daß -die angestrebte, auch vom Rabbinate sehr gewünschte jüdische Mittel- und Realschule keinen Ankl-angbei dem jüdischen Kirchenrate finden konnte Und ab gelehnt wurde. Run wird eine solche Anstatt doch ohne Hilfe -der jüdischen- Gemeinde zustande kommen, da nach holländischem Gesetze religiös gerichtete Schulen, wenn auch von Privatleuten gegründet, auf Unterstützung seitens des Staates Anspruch haben. Amsterdam wird wahrscheinlich inkurzer Zeit eine solche Schule zustande bringen, die gewiß der Gemeinde und dem Judentum zum Segen gereichen wird. Aber keine andere Stadt, -groß oder klein-, wird in absehbarer Zeit ein solches Institut besitzen. Frankfurt hat feine jüdische Größe der jüdischen Schule, deren 75jähriges Jubiläum gefeiert wurde, zu danken. Sie war das Fundament und ihre Jefchiwoth sind die Krone. Hollands „orthodox"-jüdifch-e Gemeindebehördenkönnen sich zu der Höhe dieser Erkenntnis, wie es scheint, nicht emporring-en. Wohl haben wtt hier jüdische R e l i g ions - schulen, aber der Unterricht in diesen wird, außer am Sonntag, auf Stunden gelegt, in denen die Kinder vereits übermüdet sind und die Lust zum Lernen bei vielen bereits geschwunden ist. Daß -die Resultate dieser Schulen nicht -gerade glänzend sind, leugnet niemand. Und man bestrebt sich, bessere Resuttate zu erreichen. Aber der einzige Weg, der dazu führen könnte: die Errichtung jüdischer Schulen-, wo jüdisches Wissen mit allgemeiner Bildung vereinigt wttd, wird nicht -eingeschlag-en, und gär viele einsichtsvolle undfromme Juden sind -um die Zukunft des Judentums in Holland gar sehr besorgt. Eine Orthodoxie, allein in der Gemeinde- Stube, kann das Judentum nicht retten. nrrinn Marokko. Der französische Resident von Marokko und die Juden von Tanger. Tanger, 2. April. Der residierende Generäl Frankreichs in Marokko- und frühere Mitglied der französischen Regierung unter der Pvemöerschast von Painleoe, Herr Steeg, äußerte sich; zu dem Gesuch der Juden von Tanger an die Vi-er- Mächte-Konfevenz -in- Paris um- Gleichberechtigung -der Juden in Marokko wie folgt: „Äls Franzose kenne ich in Frankreich nur französische Bürger ohne Unterschied der Religion und der Rasse. Das Judentum, dem ich anhänge, ist ein hehrer Glaube, darf aber für den Politiker nicht richtunggebend fein. Die Lage der marokkanischen Juden hat sich zwar verbessert, sie ist aber staatsrechtlich noch immer nicht ganz normal. Die dort vor sich gehende Evolutton hat ihr Ziel noch nicht erreicht. Die Judenvon Marokko brauchen Zeit, sich an unsere Kultur zu gewöhnen. Ich kenne die jüdischen Gemeinden in Mogador, Rabat, Casablanca usw., die Judenvon Tanger aber kenne ich. nicht genug. Hier ist -offenbar -eine noch größere Evolutton und Anpassung nöttg. Ich bin Administrator, ein Mann der Praxis, der nicht Erklärungenin die Luft abgibt, sondern handelt. Wenn ich aber handele, o mache ich keinen Unterschied nach Rasse und Religion." (ITA.) _Nr. 16 Seite 7 Die Juden von Tanger an die Viermachlekonferenz. Tanger, 15. April. Zum Schritt des Vorstandes der Jüdischen Gemeinschaft von Tanger bei den Regierungen der Viermächte- Konserenz (Großbritannien, Frankreich-, Italien und Spanien) für die Revision des Judengesetzes schreibt die „Tangier Gazette": Bei Betrachtung der Lage der eingeborenen Juden oder Mauren von Tanger wird die Jmmoral-ität des Tanger-Statuts sofort eroident. Obwohl die Juden ebenso patriotisch sind wie nur irgend ein Teil der Bevölkerung, werdenihnen im Statut, nur sehr beschrän-kie bürgerliche Rechte zuerkannt. Es gereicht den Juden zur Ehre, daß sie sich gegen -eine solche Behandlung wehren und ihren Fall nochmals vor die Pariser Konferenz bringen. Mögen die Mitglieder der Pariser Konferenz -diesen Appell der jüdischen Bevölkerung beherzigen. Palästina. Frohes Peßachfest in Palästina. Jerusalem, 9. April. Die Pesfachtage wurden in Palästina von der jüdischen Bevölkerung und den vielen aus verschiedenen Ländern der Wett eingettossenen Pessachgästeni bei strahlendem Wetter in froher Festlichkeit begangen. Die jüdische Arbeiterschaft hielt kollektive Seder-Abende ab, die unter Beteiligung von Tausenden bei Gesang udnTcmz (!) sehr eindrucksvoll verliefen. Kundgebungen palästinensischer Mohammedaner gegen die internationale TNissionskonferenz. Jerusalem, 15. April. In Gaza demonstrierten die Moslemiten gegen die Abhaltung der internationalen Missionskonferenz in Jerusalem. Der Distriktsbearnte verbot die Demonstration, erklärte sich aber bereit, eine Abordnung der Demonstranten zu empfangen-. In der Moschee, wo die Demonstranten auf die Rückkehr der Deputattonwarteten, verbreitete sich plötzlich das Gerücht, daß die Mtglieder der Deputaion verhaftet worden seien. Die Menge eilte zu den Polizeibaracken-, und versuchte, diese zu stürmen. Die Polizei feuerte aus -die Menge, die sich nunzurückzog, aber einige Verwundete aus d.em Platze ließ. Aus Jaffa wurde polizeiliche Verstärkung herangeholt. In Gaza herrscht jetzt Ruhe. Kleine Nachrichten aus Erez Jisroel. Jerusalem, 12. April. Die hier stattgehabte Weltkonserenz der Missionäre ist, abgesehen von -einigen durch mohammedanische Gegner veranlaßten Zwischenfällen, friedlich verlausen. Aber die Konfernz hat jedenfalls gezeigt, -daß auch das orthodoxe Judentum alle Ursache hat, auf der Hut zu sein und dem durch die Missionare erstrebten Abfall vom Judentum entg-eg-enzutreten. Das kann nur durch Pflege und Erweiterung des Sch ul werk esgeschehen, wobei allerdings die Verabreichung von Mittagbrot an die Kinder -eine absolute Vorbedingung ist, wenn den Ettern die Widerstandsfähigkeit gegen die Missionsschulen gesichert werden soll. Auch die Gewährung freier Kleidung ist erforderlich. Die Aguda bietet alle ihre Kräfte in dieser Hinsicht auf, -aber ihre Mittel sind begrenzt und sie muß jedes Jahr zahlreiche Kinder zurückweisen, die in ihre Schulen eintteten' wollen. Der italienische Kronprinz, der in-Jerusalem seinen Einzug gehalten hat, wurde von der Regierung feierlichst begrüßt. Er war Gast des Oberkommissars und besuchte die historischen Stätten. Am Chaul Hamoed veranstaltete die Stadtverwaltung einen Tee zu seinen Ehren, zu demauch Oberrabbiner Sonnenseld und der Letter der palästinensischen Agudas Jisroel, Herr Blau, geladen waren. Am dritten Tag Chaul Hamoed fand eine Versammlung der agudist: scheu Jug endgruppe statt, -in der die Herren- Rabbiner Jonathan Horovicz, Blau und I. M. Schächter Ansprachen hielten. In der Synagoge „Jeschurun" fand am ersten Tag Ehaul Hamoed eine öffentliche Versammlung des Keren kajemeth statt, in der Oberrabbiner Kuk und der Vorsitzende des Nationalfonds, Ufftschkin, sprachen. Rabb-x Elija K l a tz k i n ist leider in den Pessach- Tagen plötzlich schwer erkrankt, doch -ist nach Ansicht der Aerzte -die Gefahr jetzt beseitigt. Zahlreiche Gäste haben Erez Jisroel zu Ehren des

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