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Der Israelit · 1928-04-19 · Heft 16 (19.4.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 16 (19.4.1928)
Date
1928-04-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 16 Der I s r a e l i t 19. April 1928 wahrhaft jüdischen Gemeindelebens, an der Hercmbil düng von jüdischen Menschen, die in der nächsten Ge neration imstande sein werden, weiterzuwirken in der Kehillo, im jüdischen Haus, im Gotteshaus, im Ge meindehaus, in der gesamten Gemeinschaft. Wir helfen Euch gern und immer. Helft Ihr auch uns. Nur dann werden unsere Satzungen, unsere Merkblätter für un sere Mitglieder und Freunde, unsere Sitzungen und Be ratungen einen Sinn habenwenn wir Milthilfe und Mitarbeiter finden im Land. Ihr aber, die Ihr noch nicht bei uns seid, aber uns gesinnungsmäßig nicht ferne steht, was sollen wir Euch anders sagen, al!s daß Ähr als wahre Jehudim verpflichtet seid, auch uns das be scheiden« Scherflein beizusteuern, das wir materiell von Euch erheischen (zwei Mark ist der Mindestbeitrag im Jahr), damti wir wieder zu Euch kommen und für Euch wirken können." Der Reichsverband der deutschen Juden und die kleineren Landesverbände. Schwerin, 17. April Die auf der Nürnberger Tagung gefaßten Beschlüsse zur Realisierung des Reichsverbandes stoßen, wie die Entwicklung zeigt, auf Schwierigkeiten-. Die Differenz die namentlich dadurch entstand, daß aus Antrag, des Professors Stein-Karlsruhe den kleinen Landesverbänden keine Stimme gegeben werden sollte, sondern eine Zusammenfassung der kleinen Landesverbände verlangt wird, hat zu einem Protest der kleinen Verbände geführt. Auf der Nürnberger Tagung war von dem Der treter der Vokkspartei Dr. Klee das Prinzip der Landesverbände als Träger des' Reichsverbandes grundsätzlich verworfen, aber hinzugefügt worden, daß, wenn man diess Prinzip akzeptiere, alle Landesverbände in gleicher Weise berücksichtigt werden müssen. Als Vertreter eines kleinen Vrbandes hatte auch Landger-ichtsdlrektor Alterthum-Dessau sich gegen di« beschlossene Regelung aufs Schärfste gewandt. Wie nun der JTA-Bertreter erfährt, Haben die Landesverbände von Anhalt, Mecklenburg und Lübeck gegen diese Beschlüsse protestiert, einige kleine Verbände auch bereits die Erklärung abgegeben, daß sie sich unter diesen Umständen an der Gründung des Reichsverbandes nicht beteiligen würden. Voraussichtlich wird im IM eine Tagung der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft aller Landesverbände in Köln stattfinden, auf der diese Frage aufs Neue zur Erörterung gestellt werden wird. Oesterreich. Tausende jüdische Familien erhielten Peßach-Unterslühung. Wien, 8. April. Die Verwaltung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde und die großen jüdischen Wohltätigkeitsvereine haben auch in diesem Jahre aus Anlaß des Pessachfestes und infolge der andauernden Erwerbslosigkeit mttex den Angehörigen des jüdischen Mittelstandes und der unteren wirtschaftlichen Schicht Tausenden jüdischen Familien Unterstützungen in der Form von Mazzoth, Rttualrvein und Bargeld zuwenden müssen. Unter den Unterstützten befinden sich zahlreiche jüdische Kriegsbeschädigte und die wirtschaftlich entwurzelt gebliebenen Teile der aus dem Osten stammenden Juden. Pole». Die Armuk unter den Juden Warschaus. Warschau, 9. April. Mehr als 20 000 Juden Warschaus haben bei der Jüdischen Gemeinde um eine Pessachj-UntersÄtzung angesucht, die ihnen gewährt worden ist. Solche Unterestützungen wurden außer durch die Gemeinde auch durch das zentrale Rettungskomitee und andere philantropische Vereinigungen gewährt. Durch die Vermittlung der Gesellschaft Hias haben amerikanische Juden an ihre mbemiitdlkn Verwandten in Polen 200 000 Dollar als Pessach-Aushilfe übermittelt- Don dieser Summe entfielen allein auf Warschau rund 50 000 Dollar. Eine Abordnung der polnisch-nationalen und christlich-sozialen Vereinigungen der Straß enbahnarbeiter hat den Direktor des Warschauer Straßenbähnwesens besucht und nochmals unter Streikdrohung die Forderung nach Nichteinstellung jüdischer Arbeiter beim Strahenbahnwesen wiederholt. Der Direktor erklärte, der Magistrat sei entschlossen, die Drohungen der antisemitischen Arbeiter nicht zu beachten und jüdische Arbeiter im Straßenbahnwesen zu beschäftigen. Ein Pilsudski-Akt. Warschau, 16. April. Bekanntlich hat die von Grabowski geführte frühere polnische Regierung einen Sejmbeschkuß herbeigeführt, wonach die Konzession für den Handel mit Tabakund Spirituosen den bisherigen Inhabern entzogen und Kriegsinvaliden verliehen werden. Durch dieses Gesetz wurden etwa 30 000 jüdische Familien, die auch sonst wirtschaftlich schlecht gestellt waren, von der Gefahr bedroht, ihre wirtschaftliche Existenz ganz zu verlieren und aus die Straße geworfen zu werden. Eine größere Zahl Konzessionen ist bereits aus den Händen red bisherigen jüdischen Inhaber in die der polnischen Invaliden übergegangen. Die Praxis hat aber erwiesen, daß die Invaliden als Unternehmer nicht die notwendigen Qualitäten aüfweifen, und daß deswegen dem Statsfiskus ein immer größerer Schaden erwächst. Die jetzige Regierung Pilsudski hat nun beschlossen, die Verwirklichung des Konzessionsgesetzes zu unterbrechen und die den jüdischen Konzessionären entzogenen Lizenzen den früheren Inhabern zurückzugeben. Rußland. Der zweite Kongreß der jüdischen Kulturfunktionäre der Sowjet-Union eröffnet. * Moskau, 13. April. In Anwesenheit von mehr als 200 Delegierten aus allen Ländern der Sowjet-Union wurde in diesen Tagen in Charkow im Hause des jüdischen Staatstheaters die zweite Konferenz der jüdischen Kulturfunktionäre ganz Rußlands eröffnet. Außer den Delegierten hatten sich Abordnungen verschiedener Institutionen und zahlreiche Gäste eingesunden. Der Sekretär des Centralkomitees der kommunistischen Partei, Ljubtschenko, begrüßte die Konferenz im Namen der Partei. Das Centratexekutivkomitee der Regierung der Sowjet-Union sandte einen telegraphischen Gruß. Tschemeriski sprach im Namen der jüdischen Sektionen der kommunistis-chen Partei, Reden hielten auch der Redakteur der „Emeß", Litwakow, M. Kossenstein u. a. m. Aufsehen erregte eine Stelle m der Rede Tschemeriskis, die also lautete: „Wir träumen von dem Tag, da wir vor die Tür des letzten jüdischen Kramladens ein Schloß hängen werden, da wir jüdische Arbeiter in den Schächten, den Fabriken, und auf den Feldern der Sowjet-Länder eine Armee Micher Bauern sehen werden." Im weiteren Verlauf seiner Rede teilte Tschemeriski mit, daß in der Ukraine 95 Proz. aller Juden des Lesens und Schreibens kundig sind, während in Weißrußland nur 80 Proz. der Juden diese Kenntnisse aufweisen können. 73 Proz. der ukrainischen Juden geben jiddisch, der Rest russisch als Muttersprache an. Aus dem Kongresse wurden dann Referate über, die Notwendigkeit der politischen Erziehung der jüdischen Massen gehalten und Vorschläge unterbreitet, die darauf hmzielen, die Juden dazu zu bewegen, ihre Kinder in die jüdischen Schulen zu schicken. Gegenwärtig besucht die Mehrheit der jüdischen Kinder die allgemeinen Sowjet-Schulen. (Das hat seinen Grund! Red.). Der Kongreß lehnte einen Vorschlag, die siddischen Bücher in lateinischen Buchstaben drucken zu lassen, ab. putierten-Rates, d'Avigdor Goldsmid, im-Namen -des Rates und des Joint Foreign Committee, Herrn Lucien Wolf, der nun volle 39 Jahre im Dienste der jüdischen Sache steht, eine Ehrengabe. Er hielt dabei eine Ansprache an Herrn Lucien Wolf, den er bat, dieses geringe Zeichen der hohen Achtung seiner Freunde und Bewunderer entgegenzunehmen, die wünschen, daß es ihm in den kommenden Jahren gut gehen möge. Wo immer Juden unterdrückt wurden, fuhr d'Avigdor. Goldsmid fort, war Lucien Wolf unablässig bemüht, für die .Verbesserung ihres Loses zu arbeiten. Er unternahm zu diesem Zwecke lange und mühevolle Reisen und erwarb sich die Freundschaft und die Achtung zahlreicher fremder Staatsmänner, was von großem Werte für die jüdischen Interessen war. Die Körperschaften!, die Lucien Wolf vertritt, sind stolz auf die Leistungen des Mannes ihres Vertrauens. , Lucien Wolf erwiderte, er sei durch die Ehrung und die edelmütige Schenkung, die ihm zuteil geworden sind, ries bewegt. Er warf dann einen Rückblick aus die .Leistungen des Board of Deputies und des Joint Foreign Committee und sagte, daß dank der Energie- und. dem Eifer dieser Körperschaften die unterdrückten Juden der osteuropäischen Länder zu freien und gleichberechtigten Bürgern ihrer Heimat geworden sind. Cs gibt kein Parlament in Europa, wo Juden jetzt nicht vertreten find. Er sei stolz aus die Arbeit des Joint Foreign Committee, an der er einen bescheidenen Ätneis habe. Herr Lucien Wolf erstattete den Bericht des Joint Foreign Committee über die Lage der Juden in Rumänien und Ungarn und sagte, man fei in ruhiges Fahrwasser gekommen, obwohl noch einige gefährliche Wirbil und Klippen vorhanden sind. Aus Rumänien sind in der letzten Zeit keine Klagen eingetroffen, m Ungarn . ist die Numerus claufus-Frage technisch verworren. Der in'Rumänien mit Bezug aus die Juden befolgte Kurs steht in Einklang mit den Versprechungen der rumänischen Regierung und den ihr vom Joint Foreign Committee im Januar fr. I, unterbreiteten Vorschlägen. Symptome antisemitischer Verhetzung zeigten sich wohl, aber die Regierung schritt energisch und schnell ein. Oeffentliche Versammlungen antisemitischer Studenten wurden verboten- und die Polizei hat die Weisung erhalten, alle Personen zu verhaften, die di>e jüdischen Studenten an der Ausübung ihrer Studien zu hindern versuchen. Angesichts der politischen Krise im Lande gibt die Lage dennoch zu Besorgnissen Anlaß. Die Regierung hat das Komitee verständigt, daß alles getan wird, um den berechtigten Wünschen der jüdischen Bevölkerung entgegenzukommen. Antisemitische Proklamationen in den Straßen Leningrads. Moskau, 16. April. Das Organ des kommunistischen Jugendverbändes „Komfomolskaja Prawdä" berichtet, daß in den letzten Tagen in den Straßen Lsnmgrads und in Versammlungssälen antisemitische Proklamationen in Tausenden von Exemplaren verbreitet worden find. Die Proklamationen wurden in einer Geheimdruckerei! hergestellt, ihre Verbreitung 'begann nach «einem Gottesdienst in einer Kirche, an welchem 1500 Personen teilgenvmmen haben, und in der der Geistliche eine antisemitische Hetzpredigt hielt. Er rief den Gläubigen zu, sie mögen das Joch der „Unreinen" abschütteln. In Board England. Vom Jewifh Board of Deputies. London, 16. April. der gestern abgehaltenen Sitzung des Jewifh of Deputies überreichte der Präsident des De- Frankreich. Kongreß der jüdischen Studenten Frankreichs. Paris, .13 .April. Am Donnerstag, den 12. April, wurde unter dem Vorsitz von Schalom Asch in Paris der zweite Kongreß der jüdischen Studenten Frankreichs eröffnet. Vertrteer der Pariser Munizipalität, der Präfektur, der Polizei und des Unterrichtsminffteriums sowie zionistischen Organisationen begrüßten den Kongreß. Der Generalsekretär des Verbandes der jüdischen Stu'dentenvereine Frankreichs, Ing. Mangel, setzte das Progranun der Konferenz auseinander, das sowohl geistig-kulturelle, als auch rechtliche und endlich wirtschaftliche Fragender Studentenschaft umfaßt.' Ansprachenhielten der Dichter Schalom Asch und David Einhorn. Am zweiten Konferenztag wurde die „Bereinigung aller jüdischen Studentenoereine Frankreichs" vollzogen und ein Exekutivkomitee gewählt. Unterrichtsminister Edouard Herriot empfing eine .Abordnung des jüdischen- Studentenkongresses, die ihm den Dank namentlichder ausländischen jüdischen Studenten für das Wohlwollen, welches Regierung und Universitäten dieser Studentenschaft zuwendet, aussprach. Herriot versicherte, daß Frankreich keinen Unterschied kennt zwischen Studenten verschiedener Abstammung. Die Vertteter der jüdischen- Studentenschaft mögen sich stets vertrauensvoll an ihn wenden.. Holland. Religiöse Krisen. Amsterdam- 15. April. In den vornehm ruhigen Kehillaus Hollands, wo Einheit und Friede herrscht/ wo „orthodox" -und „liberal" — so nennen sich hier diejenigen Juden, welche' sich

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