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Der Israelit · 1928-04-19 · Heft 16 (19.4.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 16 (19.4.1928)
Date
1928-04-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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19. April 1928 Der Israelit , Nr. 16 Seite 5 Herrn Botschko selbst geleitet wird, und dessen logisch durchdachten plastisch veranschaulichenden und klaren Antworten die aufgeregten Gemüter der ihn Mit Fragen bestürmenden Bachurim allmählich wieder zur Ruhe bringen. Nachmittags vertiefen sich die Bachurim in ihre Studien, und wieder ist die Jeschiwa erfüllt von angespanntestere geistiger Arbeit. Der GemoroschiUr wird je nach Begabung der Ba- 'churim in drei Klassen getrennt abgehalten. - Auf die nun wieder zahlreich auftauchenden Fragen wird den Bachurim nach litauischem Derech-Halimud, von ihren litauischen Lehrern prompte Antwort erteilt. ' Am späteren Nachmittäg folgen dann die Tenach- und Mussarschiurim, an dem wieder alle Bachurim gemeinsam teilnehmen. Besonders der Mussarschiur hinterläßt durch die ergreifende Art, mit der Herr Botschko den Schülern die erhabenen Weisheiten des Messilath Jeschorim, über die Aufgaben des Menschen nahe bringt, einen tiefwurzelnden Eindruck. Einigemal in der Woche wird auch den Bachurim ein Pilpul-Schiur inrvisj? IDnn erteilt. Mit dem Maariw-Gebet schließt dann der Tag des Lernens, und die Bachurim gehen dann spazieren, um Nach ihrer geistigen Arbeit in der angenehmen Montreuxer Luft etwas Erholung zu suchen-, und der Tagespilpul findet auch beim Spaziergang einen lebendigen Widerhall. Außergewöhnliche Talmudbeflissene, die sich von der mm noch nicht trennen können, lernen noch einige Zeit weiter. Am Schabbos werden Vorträge gehalten, die die verschiedensten Themen behandeln und auch neben der allgemeinen Belehrung den Zweck haben, die Redegewandtheit der jungen Leute auszubilden und zu fördern. So sind die Tage der Bachurim in der Schweizer Jeschiwo durchweg erfüllt von dem Streben nach Tauroh und jüdischer Geistesbildung, und im Mittelpunkt ihres Seins steht die Thora, die für all diese jungen Menschen wahrhaft zum „Ez-Hachajim", zum Baume des Lebens werden soll, aus dem ihnen, wenn sie ihn in Treue und Ergebenheit wie unsere Vorväter und Führer in alten Zeiten an ihn halten, die Kraft erwachsen wird, im Dienste des Judentums ihrem Leben ein hohes und erhabenes Ziel zu setzen. Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich Die Gesetzestreue« i« Baden. Mannheim, 18. April. Der „Verein zur Wahrung der Interessen,de s gefetzestreuen Iudent um s in Baden" erläßt einen Aufruf, dem wir folgendes entnehmen:. Jahrzehntelang war die Badische Landessynagoge beherrscht von einem System, das für die Erfordernisse des gesetzestreuen Judentums nicht das geringste Verständnis hatte und jede Vertretung eben dieses überlieferten Judentums aus den zentralen Körperschaften ferne zu halten wußte. Vor 25 Jahren glaubte die herrschende Richtung soweit gehen zu dürfen, daß sie die Einführung eines von jeder Ueberlieferung abweichenden Gebetbuches.plante. Eine große Erregung entstand in Berlin. In einem Dorfe bei Küstrin wurde das Ehepaar Lewy bei einem Spaziergang von Hakenkreuzlern. die dort auf einem Rittergut arbeiten, überfallen und schwer mißhandelt. Ein chrisüicher Arbeiter, der dem jüdischen Ehepaare zu Hilfe -eilte, wurde durch Messerstiche schwer verletzt. Die Täter sino verhaftet. Jerusalem. Das hebräische Theater „Habima" ist hier eingetroffen und sowohl kn Jerusalem wie Del-Awiw von den offiziellen zionistischen Instanzen öffentlich begrüßt worden. — Die Palästinaregierung steuert zum Budget von Tel-Äwiw 12.000 Lst. bei. — Nachdem die „Höhle Machpelah" für. den allgemeinen Besuch freigegebenist, haben diese Woche zwei jüdische Touristenals erste die Höhle besucht. Esist feit vielen Jahrhunderten zum erstenmal, daß ein jüdischer Fuß die Vätergräber bei Hebron betrat. Kopenhagen. Der in jüdischen Gelehrtenkreisen wohlbekannte frühere Oberrabbiner von Dänemark, Pros. Dr. David Simonsen, feierte in Kopenhagen seinen 75. Geburtstag. Kiew. Wie offiziell mitgeteilt wird, wurden in der Ukraine 35 000 Juden in i40 Kolonien in den letzten drei Jahren angesiedelt. Riga. Im nahen Städtchen Res chnitza wurden sämtliche Mitglieder eines jüdischen Wahlkomitees verhaftet, weil sie einen Wahlaufruf in jiddischer Sprache abgefaßt hatten. Moskau. Bon der Regierung ist dem „Ort" das Recht bewilligt worden, Maschinen und Werkzeuge im Werte von drei Millionen Dollar für seine Aktionen zollfrei in Rußland einzuführen. — Die ersten 2 00 jüdischen Familien für die jüdische Kolonie Biro - Bidfcha n im fernen- Osten Haben sich dorthin begeben. — Die St aatsdruckerei in Poltawa stellt jüdische Gebetbücher in großer Anzahl her. Ein jüdischer Buchhändler aus Berditschew namens Meier Epstein setzte in einem Jahr mit Erlaubnis und Hilfe der Regierung mehr als 100 000 religiöse Werke ab. „So darf es nichi weiter gehen!" klagt der „Emeß". — Der frühere ukrainische Attmann Poliansty, ein bekannter Pogromführer unter Petljura, ist vom Moskauer Gericht zum Tode verurteilt worden. — Der Präsident der Moskauer Jüdischen Gemeinde, der Rechtsanwalt Jfaac Uris -o n. ist von Beamten der G. P. U. aus bisher unbekannten Gründen verhaftet worden. - Urifon war zuletzt als juristischer Sachverständiger im Rechtsmstitut der Sowjetregierung tätig. — Das Komitee der nationalen Minderheiten b-ei der Sowjetregierung hat beschlossen, den dritten Charkower Miliz- Distrikt als jüdischen, Mi li zdistri kt zu proklamieren. Der offizielle Verkehr in den Aemtern dieses Distrikts wird sich von nun ab in jiddischer Sprache abwickeln. — Obwohl die jüdischen Kommunisten in verschiedenen Städten Rußlands. Weißrußlands und der Ukraine Anti-Pessach-Beranstaltungen arran- . giert haben, verliefen die Pefsachtage überall in Rußland vollkommen ruhig. In Moskau war an den Peffachtagen die große Synagoge von Andächtigen ungewöhnlich stark besucht. Rom. In Anwesenheit mehrerer Mitglieder des Senats, des Parlaments und der Regierung, sowie zahlreicher Vertreter sozialer Institutionen wurde in- Venedig eine Gedächtnisfeier für den vor einem -halben Jahre verstorbenen großen italienischen Staatsmann und sozialen Reformer Luigi Luzzatti abgehalten. — Die Gesellschaft der „Freunde Israels" (Amici d'Jsraeli) ist vom Heiligen Stuhl v e r b o t e n worden. Die Gesellschaft „Freunde Israels", wurde im Frühjahr 1926 begründet und sie verkündete als ihr Ziel: eine Annäherung zwischen Juden und Christen auf der Grundlage gegenseitiger Verständigung; herbeizuführen. den weitesten Kreisen des badischen Judentums. Sie führte dazu, daß sich die Anhänger des gesetzestreuen Judentums zusammenschlosien im „Verein zur W a hrung der Interessen des ge setzestreüen Judentums in Baden". Unsere Alten, die in diesem Jahre s. G. w. die Freude haben werden, auf ein siinfundzwanzigjährrges Bestehen des V. z.. W. zurückzublicken, wissen, welche Mühen und Kämpfe notwendig waren, um jenien Angriff auf das überlieferte Judentum abzuwehren. Mit steudigem Eifer, vorbildlich für die Junten, waren die Männer des V. z. W. tätig. Noch lan-ge nach jenem Gebetbuchstreit, der eine MedevLage der neologen Richtung bedeutete, blieben berechtigte Forderungen, die zur Wahrung und Förderung des überlieferten Judentums gestellt wurden, unerfüllt. Der V. z. W. mußte ein Kampfverein bleiben. Als der Krjeg, der mit so vielem aufräumte, auch im Leben der badischen Judenheit einen Wendepunkt herbeiführte, — jetzt konnten auch gesetzestreue Vertreter in Organen der -israelitischen Religicmsgemeinschaft zu Wort, kommen und zur Tat schreiten, — schien die Kampfeszeit des V. z. W. beendet. Aber das furchtbare Vergessen jüdischer Lebensführung draußen im Felde, Wirtschaftskrisen der Nachkriegszeit, Erschwerung aller Lebensbedingungen, Gleichgültigkeit der Alten, Entfremdung 'der Jungen von allem Jüdischen, — dies alles brachte es mit sich, daß der V. z. W. sin Kampfoerein bleiben mußte und bleibenmuß. Nicht mehr gegen ein System der Entrechtung, sondern gegen die erschütternden Zerfallserscheinungen, die sich auch in Gebieten zeigen, wo man bis vor kurzem noch stolz darauf war, wahre Emunoh und wahre Jüdischkeit zu betätigen. Wer möchte nicht unsere Bestrebungen unterstützen? Bestrebungen, die eben der Förderung des alten, schönen Jüdischseins gölten-, für das unsere Ahnen in wahrer Gottesheiligung das Schwerste ertragen haben. Man sagt uns oft, die Auflösung der kleinen jüdischen Siedlungsgebiete, in Baden wie anderwärts, sei unaufhaltsam und damit auch das .Schwinden jüdischen Lebens. Das -ist wahr. Wir bedauerndie verhängnisvolle Entwicklung, die es mit sich brachte-,. daß die jüdischen Massen, einst eingepfercht in -die Mauern des Ghetto, heute freiwillig oder zwangsläusig ausgehen -in der nicht immer heilsamen Atmosphäre der Großstadt. Wie wünschenswert wäre es, wenn auch in Baden an den vielten Orten, wo ernst in blühenden Kehillos bedeutende Rabbiner und Gelehrte wirkten, Bestrebungen Erfolg hätten, die aus eine Verländlichung jüdischer Menschen Hinzielen! Aber die Gegenwart zeigt noch nicht einmal einen Silberstreifen einer solchen Entwicklung am dunklen Horizont. Grausam und niederdrückend ist die Wirklichkeit. Nicht überall müßte die Zerfallserscheinung in so großem Ausmaße vorhanden sein. Nach einer Schilderung der geistigen Not in Mittel- und Kleingememden, heißt es weiter: „25 Jahre versuchen wir mit bescheidenen Kräften in unserem Verein das zu tun, was wir von den Alten gelernt haben: mit den Mitteln der Tat und der Rede, mit den Mitteln jüdischen Schrifttums und jüdischer gesetzestreuer Zeitungen, mit den Mitteln des Jmmerwieder-Hinausgehens in die Gemeindenmit den Mitteln der Vertretung aller berechtigten Wünsche und Forderungen des gesetzestreuen Judentums bei den Organen der Religionsgemeisuchaft;, mit all diesen bescheidenen und schlichten Mitteln. wollen wir ein klein wenig erreichen. Wir werden freilich damit Euch und Eure Kehillos nicht retten können, wir werden Eure Söhne und Töchter nicht anders machen können, als sie heute — unter dem Einfluß einer die Jugend ganz und gar verwandelnden Zeit — geworden sind, wenn Ihr nicht selber mitarbeitet an diesen großen Erziehungsaufgaben in Euren Häusern und Euren Gemeinden, an der Schaffung, Neubelebung oder doch wenigstens Erhaltung eines 4,-j UJ4IIJI jlUi WMWMM? zsasatsm VERL, AM PR-O S P 1 © 2 8 S J,E

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