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Der Israelit · 1928-04-19 · Heft 16 (19.4.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 16 (19.4.1928)
Date
1928-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 16 Der Israelit 19. April 1928 sich zu durchdringen und zu vermählen, wo jüdische und nichtMische Kultur jede für, sich um den jungen Menschen ringt, da muß notwendig die nichtjüdische siegen, zumal in einer Stadt wie München und in einer Zeit, wie sie die Jahrhundertwende mit sich brachte. (Fortsetzung folgt.) Hilfe für die jüngere Schwester „Leysin". Von Dr. W. Ascher in ZZer-Les-ZSains. Heute weiß man wohl schon allgemein, daß für Krankheiten wie Knochentuberkulose, Knochenerweichung, Knochenschwund, Tuberkulose des Kehlkopfs, chronische Bronchitis, trockene Brustfellentzündung ufw. das Klima des 1260 Meter hochgelegenen Leysin von heilsamstem Einfluß ist. Es gibt heute keinen Ort der Welt, der alle klimatischen Bedingungen zur Heilung dieser Krankheiten in dem Grade erfüllt wie Leysin. Daß Leysin auch als Station für Lungentuberkulose gewaltige Erfolge erzielt, ist zu betrachten hier überflüssig, denn jeder jüdische Lungenkranke wird sich in erster Linie nach Davos wenden, wo die rühmlichst bekannte „Etania" unermüdlich für die jüdischen Kranken wirkt. Uns liegt es heute ob, von der Not der jüngeren Schwester der „Etania", von der Not der jüdischen Kranken Leysins zu reden; wir wollen aber damit rn nicht der Beihilfe für die ältere Schwester „Etania", dem größten jüdischen Hilfswerk der Schweiz, Abbruch tun. In demselben Grade, in dem das Hilfswerk der „Etania" in seiner Art größte Berechtigung hat, was im Ausland leider noch vielfach verkannt wird, mit derselben Berechtigung muß auch der Not der jüdischen Kranken Leysins gesteuert werden. In diesem gegen Nordwind völlig geschützten Ort der kalten Sommer- und warmen Wintertage werden durch G. H. sichtbar Wunder verrichtet. Leute, die aus der Tragbahre mit Mühe hinaufgeschafft werden und die man für Sterbende halten möchte, sind nach allerdings oft langer Kur von einigen Jahren wieder ganz gesund und gehen chren Berufen nach wie in ihren besten Jahren. Daß Leysin als heliotherapeutische Station ersten Ranges zu gelten hat, ist eine ausgemachte Tatsache. Allein 36 Kliniken, alle unter Direktion des weltberühmten Dr. Rollier stehend, behandeln Knochentuberkulose, Drüsen-, Haut- und andere Krankheiten, auf welche die Heliotherapie günstigsten Einfluß hat. Dort schaftlichen Fakultäten (Nichtjuden 39,2 Proz.) Bloß 20 Proz. studieren Medizin (Nichtjuden nur 10,4 Proz.); 10.9 Proz. besuchen die ^technischen Hochschulen! (Nich> juden 14,7 Proz.) und nur 2 Proz, die Hundelshochschulen (Nichtjuden 2,9 Proz.). Von den ausländischen jüdischen Studierenden besucht die Hälfte die philosophischen, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten. Medizin studieren 22 Proz., Jura, Rechts- und Staatswissenschaften 17,L Proz. Der Prozentsatz der Techniker unter ihnen (22,5 Proz.) übertrifft um das Doppelte, der Prozentsatz der Handelshochschüler (8 Proz.) um das Vierfache denjenigen der deutschen jüdischen Studenten. Was insbesondere die Universität Berlin anlangt, su zählte man hier unter den Juden (In- und Ausländern) 31,2 Proz. Juristen (Nichtjuden- 33 Proz.) 42,4 Proz. Philosophen (Nichtjuden 49 Proz.) und 26,4 Proz. Mediziner (Nichtjuden 14,2 Proz.). ■ Zieht man die Ziffern der Vorkriegszeit zum Vergleich heran, so stellt man einen bedeutenden Rückgang des Studiums von Juden an den Preußischen Universitäten fest. So zählte z. B. die Universität Berlin im Jahre 1905/6 16,9 Proz. Juden, dagegen im Jahre 1927 nur 10,6 Proz. Die Universität Breslau hatte im Jahre 1905/6 8,4 Proz., jetzt nur 6,2 Proz. Juden. An der Universität Königsberg ist der jüdische Anteil' von 10,7 auf 3,2 Proz. zurückgegangen-. Im allgemeinen verringerte sich der Prozentsatz der Judenan sämtlichen Preußischen Universitäten von 7 Proz. im Jahre 1905/6 auf 3.9 Proz. im Jahre 1927. Die Veränderungen sind am stärksten an den medizinischen Fakultäten. So drückte sich hier der Anten reichsdeutscher jüdischer Studierender mit 16 Proz. im Jahre 1905/6, dagegen im Jahre 1927 mit 6,7 Proz. aus. An den juridischen Fakultäten ist dieser Anteil von 9,4 Proz. auf 4,6 Proz. gesunken. werden Lungenfälle überhaupt nicht aufgenom men. Andiesem Ort der reinsten Luft und längst andauernden Wintersonne wird, erzielt, daß. auch sonst scheinbar unheilbare Kranke bis zu 70 Proz Heilung finden. Doch genug davon, sonst möchte man schier glauben, ich sei berufen, -für den Ort, wo man auch soviel Trauriges sieht, Reklame zu machen. Zur Sache! Kein Wunder, wenn auch viele Glaubensgenossen sich unter den Kranken befinden, die.Leysin benötigen. Viele von ihnen sind religiös erzogen und hatten bisher nur rituelle Kost genossen. Dort oben aber sind sie als Schwerkranke von der Verpflichtung der strikten! Beobachtung der Speisegesetze befreit. Gar viele leiden schwer darunter, und es gibt eine ganze Reche von Fällen, in denen LeideUde sich weigerten, irgend unrituelle Kost zu sich zu nehmen und alles daraus folgende Ungemach unter schwerer Pein gern in den Kauf nehmen. Es ist ja bekannt, daß das psychische Befinden solcher Kranken auch deren physisches Befinden bedingt. Wer zahlt nun für alle bedürftigen Kranken? Für die meisten — das ist klar — sorgen deren Angehörige oder deren Heimatgemeinde. Hunderte aber gibt es, die unter den kärgsten Mitteln in schwerer Not zu kämpfen haben, und hundert andere, die mangels jeglicher Mittel gar nicht daran denken dürfen, dort Heilung zu suchen und leider vor der Zeit sterben müssen. Fast jeder Tag bringt uns Bittgesuche aus allen europäischen Ländern von Rabbinern und Gemeindevorstehern, die für Kranke ihres Distrikts um Beihilfe ersuchen, denselben eine Kur in Leysin zu ermöglichen. Die meisten dieser Gesuche müssen unter tiefem Bedauern abgewiesen werden. Es muß vor der Hand von den 67 Bedürfigen, die sich zurzeit dort befinden, insbesondere denen geholfen werden, die sich in dringendster Notlage befinden. Wer hilft diesen? Bisher hilft nur die kleine Schweiz, obwohl sich kein einziger Schweizer unter den Kranken befindet. Die Israeliten der Schweiz geben nicht nur nach ihrer Kraft, sondern, zu ihrem Lobe sei es gesagt, weit über ihre Kraft. Dabei muß nochmals betont werden, daß doch schon ein anderes herrliches Hilfswerk besteht, welches zum Nutzen der internationalen Judenheit erhalten bleiben muß, nämlich das schonerwähnte Sanatorium „Etania" in Davos. Es scheint augeschlossen, daß die kleine Schweiz solchen Anforderungen gewachsen ist, und zumal heute, wo doch auch in der Schweiz der Kampf des Daseins recht schwer geworden ist. Es muß als Herzens- und Ehrenpflicht aller Glaubensgenossen der gesamten Judenheit empfunden werden, den Aermsten der Armen beizustehen. Die Zeit wird kommen, wo auch in Leysin wenigstens eine jüdische Klinik erstehen wird und hierdurch ähnlcher Segen gespendet wird wie durch das Davoser Hilfswerk. Wir sind aber noch nicht so weit. Wir können doch vorläufig die vielen, die dringendster Hilfe bedürfen, nicht verhungern lassen. Wir können nur vermuten, daß das Ausland nicht genügend Kenntnis von der Sache hat; sonst möchte man wohl nicht so maßlos gleichgültig zuschauen, daß die Israeliten der Schweiz den Schwerkranken des Auslands allein Beistand leisten. Vinir* v'21v. , Die Schweizer Juden haben es sich sogar nickst nehmen lassen, ihren Glaubensgenossen in Leysin einen schönen Seder zu bereiten und sie über Peßach mit dem Nötigsten zu versehen. Der Abglanz himmlischer Freude war auf den Gesichtern zu lesen, wieder einmal in echt jüdicher Weise ein Fest feiern zu dürfen. Und wer nicht jene Freude gesehen hat, der weiß nicht, was wahre Freude bedeutet! Mögen doch alle Glaubensgenossen dafür Verständnis haben, daß die Schweizer Juden allein nicht die nötigen Mittel verschaffen könnest und daß es ganz unmöglich ist,, der Schweiz allein dies aufzubürden. Es kann wohl kaum eine größere Mizwo geben, als die, jenen Unglücklichen zu helfen. Möge man in Güte sich verpflichten, einen Jahresbeitrag zu zahlen. Wie klein der Beitrag auch sein mag, unendlich groß ist der Dank und unendlich groß die Mizwo. Geld gütigst zü senden an „Jsr. Comitee pro Leysin", Postscheck. 2 V, 823 Vevey, Schweiz. Zeschiwah — Montreux. Wie in allen Zeiten, so üben auch die mater-ialistischen Geistesströmungen der Gegenwart mehr denn je, einen besonders starken Einfluß auf unsere jüdische Jugend aus, die schon jetzt zu einem erschreckend großen Prozentsatz durchaus materialistisch eingestellt ist. Das kleine Häufchen junger jüdischer Menschen, die allen Zeitströmungen zum Trotz das Streben nach , jüdischem Wissen und hohen geistigen Werten in sich spüren und die Thora mühsam aus dem Chaos zu retten versuchen, sind in der großen Gefahr, dem Kampfe zu unterliegen, da es doch eine große Anstrengung erfordert, dauernd gegen den Strom zu schwimmen. In Montreux, an den UfeM des Genfer Sees, die alljährlich durch ihre Schönheit eine große Anzahl von jüdischen Menschen aus vielen Ländern anlocken, wo man aber früher vergeblich eine Stätte jüdischen Wirkens suchen mußte, ist durch die Initiative des Herrn R. E. Botschko aus Montreux, einem Manne, für den Tauroh-Lernen und -Lehren die größte Aufgabe des Lebens bedeutet, eine Schweizer Jeschiwo, „Ez Chajim" genannt, ins Leben gerufen worden, die ein geistiges Zentrum für diejenigen jüdischen jungen Leute sein soll, die von der Liebe zum Thorajudentum und zum wahrhaft jüdischen Leben unserer alten Tradition, welche im schroffen Gegensatz zu dem Materialismus der heutigen Zeit steht, ergriffen sind. Dort hat sich ein ansehnlicher Kreis von Bachurim konzentriert, die aus der Schweiz selbst, aus Litauen, Ungarn und Deutschland kommen, um in wahrhaft jüdischem Sinne all ihr Trachten und Denken dem „Ez-Hachajim", dem Baume des Lebens, zuzuwenden, aus dem allein dem Judentum in allen Zeiten Kraft und Lebensmut erwachsen sind. Die Montreuxer Jeschiwo, Ez-Chajim, ist nun ihrer ganzen Einstellung nach eine Stätte, wo die Bachurim in dem Gründer und Leiter der Jeschiwo, .Herrn B., einen hervorragenden Lehrer und geistigen Führer haben, der seinen Schülern gleichzeitig ein treuer Berater ist. In seiner Arbeit wird er, von einigen, der berühmten Telscher Jeschiwa entnommenen Talmide-Chachomim, die als Dozenten wirken, aufs beste unterstützt. In der Jeschiwo, wo ihr Tag mit dem Studium der jüdischen Weisheit und jüdischer Lehre ausgefüllt ist, die allmählich das ganze Wesen der Bachurim durchdringen, wird es den Bachurim ermöglicht, Widerstandskraft zu sammeln, um später, wenn sie in die Welt hinausgehen, erfolgreich gegen den Zeitgeist ankämpfen zu können. Sie werden dann fähig sein, die hohen moralischen und geistigen Werte, die rhnen in der Jeschiwo vermittelt wurden, weiterzugeben an die jüdische Jugend, um ihr den Sinn für die wahren Güter des Lebens zu erhalten bezw. ihn zu erneuern. Schon früh am Morgen drängen die Jünger mit jugendlicher Schaffensfreude in die Arbeit hinein. Hell klingen die Stimmen der Lernenden und mit gespannter Aufmerksamkeit folgen sie den hohen und scharfsinnigen! Auseinandersetzungen unserer Weisen. Es erflackert bald eine leidenschaftlich geführte Debatte > über den Sinn irgendeines komplizierten Tauyfaus. Dann hört ede Form auf und die Jünger verlieren sich ganz in der Ergrsindung der eiyeü oder der anderen Worte unserer Geister. Einen Abseitsstehenden mag der Anblick der lernenden Bachurim vielleicht befretnden. ' DenjenigM aber, der dabei ist, muß die kefn geistige AtmösHcixe in ihrer unglaublichen Intensität ganz in ihren Bann ziehen und ihn mit Begeisterung erfüllen. Dies morgendliche Lernen ist aber erst die Vorbereitung für den ersten Schiur des Vormittags), der von

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