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Der Israelit · 1928-04-19 · Heft 16 (19.4.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 16 (19.4.1928)
Date
1928-04-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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16 Seite 3 19. April 1928 weggestürmt, ist schon um eine Nasenlänge weiter, betätigt sich auf der Schulbank kommun i st i s ch, gegen die „nationalen Spießbürger", als welche ihre Väter und Lehrer in ihren Augen erscheinen. Das alles sagt nicht „Doar Hajom", sondern, wir. „Doar Hajom" konstatiert nur die Tatsache als tieftraurig Und zu den schlimmsten Bedeuten Anlaß gebend. Er mahnt zur Besinnung, zur Rückkehr. Das erzieherische Werk des „Doar Hajom" muß aber anderswo und an der Grundlage einsetzen, — wenn es nicht schon zu spät ist. Der Jude als Objekt neuerer Literatur. Von Dir. Dr. Ellas in Fürth. (Fortsetzung). Wir wollen nicht davon reden, daß Wassermann in diesen Romanen Juden auftreten läßt, deren Leben und Denken unsympathisch ist, das könnte in der Natyr der Schicksale, die er schildern! will, begründet sein; die Nrchtjuden sind ja auch nicht schöner gezeichnet, und die Frauen sind, ob jüdisch oder nicht, alle mit „Asbestseelen" versehen, die das, was wir Reinheit nennen, nicht kennen. Aber daß er das Judentum und die.Judenheit als Ganzes so verzerrt hinstellt, daß sie als Karrikaturen erscheinen, das ist bezeichnend für Wassermann, der durch die Ironie des Schicksals zu uns gezählt wurde und es nicht wahr haben wollte. Jakob Wassermann ist in Fürth geboren. Ohne in seiner Familie wärmere, tiefere und intensivere Frömmigkeit gesehen zu haben, wird er auf Schritt und Tritt durch die überall noch wirkenden Traditionen der altehrwürdigen Gemeinde mit Gebräuchen und Eigentümlichkeiten der Juden bekannt gemacht, über die er sich Gedanken machen muß. Wie er diese Eindrücke verarbeitet, dafür sind entscheidend in erster Linie trübe Verhältnisse im Elternhause, dann die persönliche Isoliertheit, die ihn sozial und wirtschaftlich zu aller Gemeinschaft, jenseits aller Verantwortung, Ehrfurcht und Dankbarkeit in Opposition treibt, die sich in der Richtung des geringsten Widerstandes auswirkt. Und wo -wäre der geringer als von seiten des Judentums! In seinem Selbstbildnis „Mein Weg als Deutscher und als Jude" schildert er so recht verständlich, wie er geworden ist. In der Schule stößt er auf Hemmungen, im Haufe mutterlos, feit seinem 9. Jahre von einer Stiefmutter regiert, neben der der Vater umsoweniger zu sagen weise sehr oft von kleinen Orten in -der römischen Campagna genommen sind. — Man abonniert die Zeitschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft für jüdische Familienforschung wird. (Jahresbeitrag Mk. 10.—; Berlin W., Potsdamerstr. 5, Dr. A. Czellitzer.) (Vom Judentum in Tunis.) Dr. h. c. Freiherr v. Schoenaich, Generalmajor a. D., sandte aus der Oase Tozeno einen „Knotenpunkte in der Weltgeschichte" überschrte'benen Aussatz an die „Bvssffche Zeitung", dem zu entnehmen ist: „Wer die Sehnsucht nach der Städte des seebeherrschenden Karthago zu stillen sucht, wird auf Schritt uno Tritt zu der Erkenntnis -kommen, daß das eigentliche Sinnbild des in Jahrtausenden cheißumskrittenen -Landes nicht. Hannibal oder Scipio, nicht die Vandalen und Byzantiner, n'icfjt die arabischen Hassiden und Aylabiden, sondern die Juden sind., - 'Aus -dem nur -noch sehr spärlichen- Trümmerselde des alten.Karthago hat -man bei -dem heutigen Dorf Gamarr! Inschriften aus Grabsteinen gefunden-, -die zweifelsfrei beweisen. daß schon mit den ersten-.phönizischen Kolonisten üiele vornehme Juden in dasLand gekommen sind. Dabei iist -zu'ibedenken, däß -Phönizier -und Juden beide Angehörige der großen semitischen 'BölkerstmÄlie und nur -dwchi die :ReKgi!on nritterfchMen waren. Diese Ge-; miten ttafen ')dann bei.ihren Handelszügen auf die rnxi^l äWkanislhen Ureinwohner, die Berber. Neben Berni-ift schüng söurch'Ehest-scheint die Werbekraft der jüdischen,; monotheistischen .Religion auf die - 'Berber sehr stark -ge-! wirkt zu.haben. Biele Berber sind (zum,Judentum 'überj getreten. Man (Hort -von den -langjähvhgen Kämpfen-der z Eiiigeborenen gegen We im fflebmtten Jahrhundert. eindriNgestden ' möhattrmedänffchsn Araber/ Mchb JWre -lang! hgbenj'dte Berber mnE ihrer Königin Rahena — -einer > jüdischen Jungstau von Orleans — standgehalten, bis Der Israelit hat, als er wirtschaftlich immer mehr herunterkommt. Im Geschäfte seines Onkels, bei dem er lernen soll, findet er kein Verständnis, nur kalte Kritik.für alles, was er will und tut: Da entschädigt ex sich für alles, was er erleidet, durch abgrundtiefe Verachtung und scharfe und, durch Haß verschärfte Verurteilung alles dessen, was er in der näheren Umgebung sieht. Wenn ihm dann noch beim Militär, bei seinen Versuchen, Stellen zu finden und Anschluß zu gewinnen, immer und immer wieder seine jüdische Abstammung zur Quelle tiefster Demütigung und verletzenden Mißtrauens wird, was wunder, wenn sich aus dem Gefühl demütigendster Verlassenheit der Haß gegen die vermeintliche Quelle dieses Unglücks ins Ungemessene steigert! So schreit er in seinem ersten großen schriftstellerischen Werke, das er, auf kleine Zettel geschrieben, in den Tagen trostloser Erniedrigung lange als sein Geheimnis mit sich yerumtrug, in alle Welt hinaus, daß er, der als Jude unterdrückt wird, selber der größte Judenhasser sei. Er haßt die Juden gleichwie sein Held Agathon. Aber der Haß ist nicht das Schlimme, der richtet sich auch gegen die ungroßmütitzen Wirtsvölker. Aber wie er den Judenhaß begründet, das ist das Beschämende: „Ob sie fromm sind öder sich des religiösen Gewandes (!) entaußert haben", er muß sie hassen, die, „verachtet oder mächtig, doch auf jeden Fall Schmarotzer auf einem fremden Stamm sind. Inmitten fremder- Lebens ein fremdes Volk, voll gezwungener Fröhlichkeit in einem, unsichtbaren Ghetto. Mit den Spuren zweitausendjährigen Elends am Leibe spielen sie die Herren und bedecken ihre Wunden, ihre Unzulänglichkeit, die Schmach der Unterdrückung mit einem Mantel von Gold." Er fühlt, „die Judenreligion ist etwas. Totes, etwas nicht mehr zu Erweckendes, Steinernes, Gespensterhaftes." Er wendet seine Augen ab „von den häßlichen Gesichtern voll Schachereifers und Glaubensheuchelei." So sieht er auch in der Synagoge nur „die verbissenen steinernen Gesichter, die voll sind einer Jahrhunderte alten Grausamkeit, voll Haß, Erbitterung und zelotischem Glaubenseiser." All diese Beobachtungen macht nicht ein Antisemit, den Wassermann etwa in seinen Uebertteibungen karrikieren will, sondern .Agathon, den er so ernst wie sich selber nimmt und mit dem romantischen Nimbus einer in der Liebe zu dsni Menschen ausgehenden Persönlichkeit umgibt. Daß die andern Personen sie nicht milder sehen, ist danach selbstverständlich. Ern ehrwürdiger christlicher Gelehrter meint: „Der Jud ist ein tolles Tier. So Ihr ihn aus dem Käfig laßt, frißt er euch mit Stumpf und sie unterlagen: Die Ueberreste dieser jüdischen Berbe» leben, heute noch an ihren damaligen Sitten zähe festhaltend, auf der Insel Dharba bet Gabes. Dieses jüdffch-berberffche Volksgemisch erhielt dann im Mittelalter starken Zuzug aus Spanien. Unter der türkischen Herrschaft, entwickelten sich aus diesem phänizisch-jüdischberberffchen Blutgemisch -allmählich ein einigermaßen emheiMcher Typus. Neuer Zuzug kam dann in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die große Welle der Revolution das alte -Europa durchflUtäe. Wie überall, wenn alte Machthaber sich wanken fühlen, suchte man auch hier nach Prügelknaben. In Toskana sollen es die in Livorno dicht gedrängt wohnenden Juden fein. So kam es, daß'viele von ihnen 'ftn nahen Nordafrika Zuflucht suchten. Als sie in bitterer Armut zwar, aber doch von europäischer Kultur schon beeinflußt, in Tunis eintryfen, bildete sich schnell ein scharfer Gegensatz , zwischen ihnen und den, mehr öder minder arabifierten, altthUnesischen Juden -heraus. Die Tuansa betrachteten die Neuankömmlinge als Halbabtrünnige, weil sie mit manchem Altvä-tsrbrauch gebrochen hatten. So blieb es, bis die Franzosen irta 'Land.. kamen, >di« mit ihrer Meisterhand, in der Behandlung Fremdstämmigerauch denStrett der Tuansa Wd Grani M 'das nützliche Geläuf geschciMchen Wettkampfes zu leiten verstanden. Aus dem äWen Iw dsnvievtel ffind heute llängst die Tüchtigsten itt die schonen neuen Häuser in der Avenue/de. Paritz gezogen. Tunis hat feit der ftiasiKWhen-.LMpoMn. i. I.; 1881 ganz gervältige wirtschaftliche und kulturftle Fort-, schritte gemaihb (An diesem (Förtschritt haben die Juden! einen lsshr grohen Änteil. -In allen'Büros-uind 'Kontoren! sind sie »hel.ßbegehrt, weil, sie nüchtern,.und fleißig sind,! uNd ftvvil sieArctbffch, FränzösffchMd Italienisch ebenso^ beherrschen 'tvie rihr arcckffiefties JiMsch, Und WUetdittgsj dringt- :das moderrür- ^Hebräisch Ätd...'1-M SehllstUht -nach! dem Lande der Väter ist -in den Jahrtausenden' in den Stiel." Das ist wohl die Meinung des Autors, der einmal darauf hinweist, daß der Jude „so leicht der Raserei in jeglicher Gestalt zugänglich ist." Die jüdischen Mädchen werden „alle verschachert wie Häuser oder Grundstücke", wie Jeanette im Gespräch mit Agathon feststellt, die Frauen sind „voll äußerer Sinnlichkeit, die Weiber gefräßig und schwatzhaft, die Knaben altklug, die Mädchen frühreif, die Greise kindisch und fanatisch." Zwar sind das nicht die Worte des Helden, aber sie paffen zu den Charakterisierungen, die, bald eingestreut, bald in besonderen Expektorationen, vom Autor gegeben werden. So lesen wir gegen 'den Schluß des Vorspiels: „Die Juden sind ein starkes und störrisches Volk, doch sind sie nur groß, wenn ein Gelingen bei ihnen wohnt. Anfänglich nur Knecht, wert genug, den Fußtritt des übelgelaunten Herrn zu empfangen, tat der Jude feine Augen auf und erspähte die Schwächen und erriet die Geheimnisse dieses Herrn. Da griff er alsbald mit seinen Händen hinein in die Maschinerie der Völker und ihrer Gerichte und ihrer Kriege, und oft vernichtete er ungesehen kaiserliche Dinge, wenn die Monarchen schliefen und die Minister schwach waren. Sabbatai wurde ein Moslem und manche sagen, zum Schein. Manche sagen, der Verderber und Verführer sitze in ihm und er verstünde die Bühne dieser Welt besser als ihre Erbauer." „Dies ist sicher: Ein Schauspieler oder ein wahrer Mensch; der Schönheit fähig und doch häßlich; lüstern und asketisch, ein Charlatan oder ein Würfelspieler, em> Fanatiker oder ein feiger Sklave, alles ist der Jude." Wenn ein Dichter auf eine solche Charakteristik hin zu dem Schluß kommt: „Sein (des Juden) Charakter ist fein Schicksal", kann er sich nicht mehr über den Judenhaß beklagen, wie er es auf seinem „Weg als Deutscher und als Jude" mehrfach tut. 2. Lion F e u ch t V a n g e r. Gleich wie Wassermann in Bayern ausgewachsen, hat er im Gegensatz zu ihm als Münchnerals Sohneiner begüterten Familie, an den die materiellen Sorgen nicht herankamen, in einem echt jüdischen Hause und im Unterricht von Rabb. Ehrentreu b"xi Gelegenheit gehabt, das ganze Judentum in seinen Beziehungen zur Moderne kennen zu lernen. Daß diese Anregungen nicht stark genug waren, um dem Zauber nichtjüdischer Kultur und monistischer Philosophie zu widerstehen, liegt offenbar daran, daß die Gegensätze der beiden Kulturen und Denkweisen bei ihm nicht ausgeglichen, sondern ziemlich unvermittelt inebeneinander Achten. Wo aber das Erbteil der Väter und! das Leven, der Gegenwart miteinander streiten, statt Tuansa nicht erloschen. Als ich ihnen -erzählte von meiner vorjährigen Reife nach Palästina, vom Wachsen und Werden in Evez Jisroel, da strahlten dte Äugen manches Jungen, der schon die Mittel spart zur Uebersiedlung in ein Kwuza oder Mws,chaw. Unsere Völkischen sollten wirklich einmal -nach Tunis reffen. (Die jüdischen Studenten an den preußischen Aniversitätem) Auf Grund neuester Publikationen des Preußischen Kultusministeriums ' und des Statistischen Landesamtes'.'stellt dte Sektion für Wirtschaft und Statistik beim Jüdischen Wissenschaftlichen Institut zu Berlin eine Reihe interessanter Statistiken zusammen,, die den Status und -die Entwicklung der jüdischen- Studentenschaft in Preußen beleuchten. Im Jahre 1927 besuchten dte preußischen Univ ersttäten, Technischen, Handels- und landwirtschaftlichen Hochschulen insgesamt 2312 jüdffche Studenten, was 4,5 Prozent -der Gesamtzahl der Hörer ausmacht. Dabet entftek die größte Zahl jüdischer Studierender;— 972 — auf -die Universität 'Berlin. Ihr folgen die Technische Hochschule Berlin mit 264, dte Universität Frankfurt a. M. mit 248, Universität Breslau Mit 187, Köln mit 1o2, Bonn-mtt-129, Handelshochschule Berlinmit 8i, Universität Königsberg mit 62, Göttkngen ntft 36, Halle mit 34, und -die Technische Hochschule Breslau mit 34 jüdischen Studierenden. -Die jüdffche Studöktenschüft Preußens setzt sich zu 25-5 Proz. (590 Studieveniär-) a-us Ausländern züsümmen.;• Äon den vÄchsÄSutWsn jüdischen Stüdetttön besuchen 33-4 Proz. dte -jürlstifchen, Rechts- Mid MäGivisstiischastlrchen Fakultäten - (von.'iL>^',iAichÄ»kMfchLn> -'MchWnfchein Studenten tun dies 25/7 Pvdz.) -und ebensoviel die philosophischen, wirffchafts-, sozial- und naturwissen.-

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