Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1928)
- Date
- 1928-04-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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13. April 1928 ___._ ___ und gerade nicht ein großer Staat vonder Bedeutung der Ver-e-inlgten Staaten, darf seine Machtmittel gebrauchen, heiligste menschliche Bande zu zerreißen, und wie der Kamps gegen inhumane Bestimmungen in Amerika selbst nicht zum Stillstand kommt, so wird auch der Kampf außerhalb der Vereinigten Staaten dagegen nicht aufhören. Es wird nicht nur den Eingewanderten und ihren Angehörigen im Ausland tiefstes Leid zugefügt, es werden auch dem Staate selbst, je länger die Restriktion dauert, um so mehr, tiefste Wunden geschlagen — sowohl was moralische wie wirtschaftliche Konsequenzen betrifft." Die Hauptversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Berlin, 2. April. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat am Sonntag den 1. April und Montag, den 2. April 1928 seine außerordentliche Hauptversammlung im Logenhaus, Berlin, Kleiststraße 10, abgehalten. Die Tagung beschäftigte sich mit den Problemen, die die Hauptaufgabe de» Bundes bilden: Siedlungstätigkeit, Aufrechterhaltung der inneren Neutralität und damit Entgiftung des politischen Lebens, starke Zusammenfassungaller am Weltkriege beteiligten Kameraden und Behandlung, der sozialen Fragen. Der Bundesvorsitzende, Hauptmann a. D. Dr. Löwenstein, hielt ein umfassendes Referat über die politische Lage und die mit den kommenden Wahlen für den Bund im Rahmen seiner Neutralität zusammenhängenden politischen Notwendigkeiten. ' - Die Tagung war aus allen Gauen Deutschlands zahlreich besucht. Wie der Vorsitzende in seiner Begrüßungsansprache feststellen konnte, hat der Bund im vergangenen Jahre eine erfreuliche Ausdehnung genommen. Er zählt über 500 Ortsgruppen im ganzen deutschen Reich. Einengroßen Teil der Beratungen nahm die Besprechung der inneren Fragendes Bundes in Anspruch-. Preußischer Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden. H a l b e r st a d t, 3. April. Der Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden hat angesichts des Fehlens einer von ihm als ausreichend anerkannten Ausbildungsstätte für jüdische Lehrer und Lehrerinnen an einer pädagogischen Akademie beim Preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung erneut das Zugeständnis erwirkt, daß vorläufig das Kölner Lehrerseminar die Ausbildung orthodoxer Lehrer fortsetzen kann. In diesem Sinne ist dem Landesverband unterm 14. März ds. Js. U III 403 folgende Entscheidung zugegangen: „Ich bin ausnahmsweise damit einverstanden, daß in die zweite Klasse des privaten jüdischen Lehrerseminars m Köln Ostern ds. Js. Schüler und Schülerinnen, welche eine ausreichende Vorbildung Nachweisen, ausgenommen und nach erfolgreichem Besuch der beiden ob>ersten Semmarklassen Ostern 1930 zur staatlichen Entlassungsprüfung nach den Bestimmungen der Prüfungsordnungvom 1. Juli 1901 zugelassen werden." Im Aufträge: gez. Kaestner. Eine bedeutsame Verfügung des Reichsarbeitsministers im Interesse der sabbathaltenden Arbeitssuchenden. - Halberstadt, 13. April. - Aus die vom „Preußischen Landesverband g e se tz es tre uer Sy nago g en gemei nden" in Gemeinschaft mit den gesetzestreuen Rabbinerverbänden, der Freien Bereinigung und der S te l l en ve r m i ttlu ngs zentra l e der Agudas Jtsroel mit dem Herrn Reichsarbeitsminister seit Monaten geführten Verhandlungen im Interesse der sabbathaltenden Arbeitssuchenden hat der Reichsarbeitsminister unter Aktenzeichen IV 3252/28, unterm 30. März 1928 folgende Verfügung erlassen: „Im allgemeinen Interesse wird es liegen, wenn 2 ei Israelit sowohl Arbeitssuchende wie Arbeitsnachweise den Schwierigkeiten, die sich aus einer Kollision der Pflichten ergeben, möglichst aus dem Wege gehen. Ich werde.daher bei dem Herrn Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung anregen, daß bet Arbeitsverm i t t l u n g s ge f u che n orthodoxer Jsrael iten f o wei t als mö glich ve rsu cht wird, sie in solchen Stellen u n t e r z u b r i n g e n, in denen am Samstag keine Arbeit ve rlangt w ürd." Die einsichtsvolle Berücksichtigung der religiösen Interessen der Mischen Arbeitssuchenden, die in dieser Verfügung liegt, muß dankbar anerkannt werden. Eine restlose befriedigende Lösung des Problems könnte jedoch wohl nur auf dem Wege der Spruchpraxis in Anlehnung an das Arbeitsvermittlungsgesetz erzielt werden. Me Woche. Berlin. Mit dem 1. Februar 1928 hat der Soziale Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Rabbineroerbandes eine gemeinsame Geschäftsstelle mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in deren Räumen, Berlin N. 24, Oranienburgerstrüße 69, 2., um seine Aufgaben in stetiger enger Fühlung, mit der Zentralwohlfahrtsstelle durchführen zu können. Die Verbindung zwischen Ausschuß und Zentralwohlfahrtsstelle wird durch Herrn Rabbiner Dr. Emil Levy, Berlin, hergestellt. Jerusalem. Professor Evans, der Vizepräsident der Londoner Geologischen Gesellschaft, teilte in einer am 29. März an der hebräischen Universität gehaltenen Vorlesungmit, daß er einen Apparat erfudenn habe, der e i n Erdbeben mehrere Stunden vor dessen Eintreten an zeigt. Die Palästina-Regierung berichtete^Prof. Evans, habe bei ihm 12 solcher Apparate bestellt. Moskau. Die Moskauer jüdische Gemeinde hat den in Charkow leben- 8 den Rabbiner M i l e i k o v st i zum Ober- » rabbiner von Moskau gewählt. — I Von 2415 Juden, die sich 1926 in der Ukraine | auf dem Lande angesiedelt haben, verlassen jetzt I — wie die. jiddisch-kommunistische Tageszeiz tung „Emeß" mitteilt — 37% die Kolonien, unter ihnen 540 jüdische Neusiedler aus dem Distrikt Krivojrog. Riga. Das lettische Parlament hat 3000 Doll.-als Beitrag für die Errichtung einer jüdischen Landwirtschaftsschule in Lettland bewilligt. — Der Deputierte Prof. L a s e r s o h n und Herr T r o h n begabensich . nach Amerika zur Sammlung von Beiträgen für die Errichtung einer jüdischen Hochschule in Riga, kowno. .Der Präsident des Komi- » tees zur Feier des 10jährigen Jubiläums der staatlichen Existenz Litauens wandte sich an den Kownver Oberrabbiner Schapiro mit der Bitte, amerikanische Juden, die Verwandte in Litauen haben, einzuladen, Litauen im Verlause des kommenden Sommers zu besuchen. Oberrabbiner Schapiro versprach, sich mit dieser Frage zu befassen. Rewyork. Das Adminisirativ- Komitee der Zionistischen Organisation Amerikas hat den Rücktritt von Rabbiner Dr. Stephen S. Wise von seinen Aemtern im Administrativ-Komitee und im United Palestine Appeal zur Kenntnis genommen-. Oesterreich. Der V erleumdungsfeldzug gegen die Führer der slowakischen Orthodoxie. Wien, 2. April. Der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel hat folgende Kundgebung an die Herren Oberrabbrner Weber und Oberrabbiner Hirschler, die Führer der slowakischen Orthodoxie, gerichtet: „An die . Orthodoxe Landeskanzlei Bratislava. Sehr geehrte Herren! Es ist uns ein Bedürfnis des Herzens, Ihnen unsere von Dank getragene Hochachtung zum Ausdruck TrT’;;,. 'J Nr. 15 Seite 3 zu bringen angesichts des Mutes, den Sie unentwegt im Kampfe gegen die Verunglimpfungen und persönlichen Derleumdunge nan den Tag legen. Wir wissen ja, daß alle diese Verleumdungen eigentlich nicht Ihrer Person gelten, sondern nur ein Glied in der Kette der Versuche sind, in Ihren Personen die Ueberzeugung zu treffen, welche sie vertreten. Gerade weil es Ihnen gelungen ist, in diesem furchtbar ernsten Kampfe standzuhalten- und über alle in den Mitteln wahllosen Angriffe gegen den Gedanken der Autorität unserer heiligen Lehre und ihrer Vertreter hinweg unserer Generation diesen Gedanken unversehrt zu erhalten, hat man es jetzt versucht, die Stoßkraft Ihrer Arbeit auf andere Weise zu entwerten. lieber den formalen Ausgang der Verhandlungen hinaus hat es sich auch durch das Zugeständnis des Gegners klar erwiesen, daß Ihre Hände rein sind. Wir waren selbstverständlich immer davon überzeugt, es freut uns aber, daß für diese Tatsache nunmehr der schlüssige Beweis erbracht worden ist, denn auch Ihr Gegner hatte zugestanden, daß er objektiv seinen 'Vorwurf nicht mehr aufr-echterhalten kann. Es haben im Gegenteil die Verhandlungen erwiesen, um was essich bei diesem ganzen Manöver handelt." Rumänien. Das Lultusgesetz in Rumänien. Bukarest, 30 .März. Bei der Beratung des Kultusgesetzes im rumänischen Senat hielt der Bischof Tritianu eine Rede, in der er aussührte, an dem seelischen Komplex des jüdischen Volkes werden alle Versuche, seine Kräfte in den Dienst des Landes zu stellen, scheitern. Senator Oberrabbiner N i e m i r o w e r beklagte es, daß die menschlichen Leidenschaften nicht einmal vor Synagogen und Siphre- Thora Halt machen. Er forderte, daß den jüdischen Schülern die Beobachtung religiöser Vorschriften, wie des Sabbat, nicht erschwert werde. Die Schaffung eines Rabbinerseminars werde der Religion wie dem Lande Nutzen bringen. Das Gesetz gegen die Einheitsgemeinde lehnt er ab. Senator Eli Bercovici spricht sich ähnlich aus. Das Gesetz wurde schließlich gegen die Stimmen der jüdischen- Parlamentarier a n g e n o m m e n. Holland. Der Rücktritt des Oberrabbiners von Rotterdam. A m st e r, d a m, 9. April. Die von den Telegraphenbüros verbreitete Nachricht über den Rücktritt des Oberrabbiners Dr. Ritter von Rotterdam bedarf in einigen Punkten der Ergänzung und Berichtigung. Zunächst ist zu bemerken, daß Herr Oberrabbiner Dr. Ritter, erst am 1. Juli fein Amt niederlegen wird. Das Ersuchen des Oberrabbiners, die in Mischehen lebenden Mitglieder 'von der Wählbarkeit in den Vorstand und von den Ehrenverrichtungen in der Synagoge auszuschließen, entsprang nicht seiner eigenen Initiative, sondern geht auf einen Beschluß des Oberrabbineroerbandes Hollands zurück, der.-alle feine Mitglieder verpflichtet hat, entsprechende Satzungsbestimmungen in ihren Gemeinden zu fordern. Endlich ist zu bemerken, daß die Rechte der betreffenden Mitglieder, abgesehen vom passiven Wahlrecht und von den Ehrenverrichtungen, unangetastet bleiben sollte. Ausführlicher Bericht folgt. Rutzland. Jüdische Kolonisation im Gebiet der weihrussischen Sümpfe. Moskau, 22. März. Das Präsidium des Rates der nationalen Minderheiten beim Zentralexekütivkomitee der Sowjetunion hat einen Beschluß angenommen, der die unverzügliche Trockenlegung der Süumpfe im Gebiete der weißrussischen Republik zwecks Masfenansiedlung von jüdischen Kolonisten auf dem also gewonnenen landwirtschaftlichen Boden fordert. Die Resolution wurde der