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Der Israelit · 1928-04-04 · Heft 14 (4.4.1928) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 14 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 27)
Language
German
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tftr. 8 Seite b 4. April 1928 Zionismus hat trotz allem Revolutionären-, das ihm anhaften soll, an dieser Tatsache nichts geändert. Lord Balfour, Loyd George, die englische Regierung, blieben noch immer die letzte Waffe in den Händen der Zionisten, wenn sie ihre Absichten im innerjüdischen Kreis durchsetzen wollten. Selbst der entschlossenste jüdische Gegner der Zionisten hat sich bewußt oder unbewußt, vor der Autorität dieser Natnen und Instanzen verbeugen' müssen und so' konnte Agudäs Iisröel d'ie Währüng der Palästmainteressen der Orthodoxie nicht anders' vornehmen, als durch die richkige' Information jener "entscheidenden nichtjüdischen Wtellßn, - aus Heren' Wunsch und Wille die Zionisten sich immer beriefen, wenn sie besöndM'äutorstatsv^äüstreten wollten. . 'W gehört zü der Jrollie) welche die Geschichte in 'so reichem 'Maße bietet, daß die Zionistendie Agudä immer heftig anzugreifen pflegten, wenn diese sich mit einer jüdischen Sache an eine nichtjüdische Instanz wandte. Es verschlug' wenig! daß dies immer nur als Reaktion auf eine/ - vorher von einer anderen jüdischen Seite vorgenommene Aktion bei denselben Stellen'erfolgte. Bei der Gründung dieser gemischten Pro- Palästina-Komitees geht man nun, wie wir glauben, einM bedenklichen Schritt weiter. Bisher war man von'jüdischer Seite bestrebt, die staatlichen Instanzen, welche die unmittelbare Entscheidung über jüdische Fragen hatten, die also sozusagen ex officio mit Judenfragen sich abgeben müssen, zu informieren oder zu gewinnen. Bei der Gründung der Pro-Palästina-Komitees wird zunächst ein propagandistisches Ziel angestrebt. Wir fürchten und wir wollen dieser Furcht, unverhüllt Ausdruck geben, daß das Ziel dieser Propaganda nicht so sehr die Gewinnung der nichtjüdischen Welt für die jüdische Palästinasache, auch nicht die Beeinflussung der Mitglieder des Völkerbundrates zu einer wirksameren Kontrolle der englischen Machtpolitik in Palästina bezweckt, sondern vielmehr beabsichtigt, einen Druck auf die jüdischen Massen auszuüben, die in letzter Zeit in wachsendem Maße die Gefolgschaft für Weizmann und Sokolow verweigern, die aber vor einem wohlklingenden nichtjüdischen Namen noch immer sich ehrfurchtsvoll beugen. Mit anderen Worten: Die zionistische Absicht bei der Gründung der Pro-Palästina-Komitees ist, die jüdische Würdelosigkeit, die vor einem großen nichtjüdischen Namen in Ehrfurcht erstirbt, für die eigene Sache zu fruktifizieren. Die wohlversperrten Kassenschränke des jüdischen Großkapitals, die dem Feuer des politischen Zionismus bisher unentwegt standhielten, sollen jetzt mit den Visitenkarten des Herrn Botschafters oder des Herrn Grafen geöffnet werden. Wie anders klingt es!' wenn der Großindustrielle Kohn oder der Bankler Levi nicht von einem jüdischen Commis voyageur des Zionismus, sondern anläßlich -eines Empfanges bei einem christlich-germanischen Schloßherrn von dem ariWn Universitäts- Professor auf ihre Pflichten gegenüber ihrem Volke Und Lande, gegenüber dem Aufbau Palästinas'^aufmerksam gemacht werden? "' Wußte rnän aller von dem neuen Pro-Palästina?Komitee nur die Sprengung der Tresors der Großbankjuden befürchten, so würden wir noch immer nichts gegen dasselbe einzuwenden Hallen. Es ist wohl mit der politischen Moral schwer vereinbar einerseits, für die weitgehendste Demokratie zu schwärmen und deshalb den Mangel des allgemeinen, geheimen, direkten Wahlrechtes in den Kultusgemeinden als unerträglich zu empfinden; andererseits die Börse der Geldjuden auf dem. höchst ündemokratischen Umwege einer Visitenkarte mit neunzackiger Krone erschleichen zu wollen — aber das sollen Herr Sokolöw und Herr Dr. Goldhammer mit ihren zionistischen Parteigängern ausmachen. Was wir orthodoxe Juden befürchten, ist etwas ganz anderes: Wir befürchten das Wiedererscheinen der alten Assimilantenpolitik in einer neuen verschlimmerten zionistischen Auflage.. Ehrenwerte Nichtjuden mit aufrichtiger Hochach- Der Israelit Blätter tung gegenüber dem jüdischen Kulturvolk treten in ein Palästinakomitee ein. Sie geben ihren guten Namen- Her, um hiermit ihren Respekt vor der großen, jüdischen Vergangenheit, v'or dem Volk der Bibel/ vor dem heiligen Land zu bekunden. Der: österreichische Vizekanzler er. D. Dr. Breisky, ein gläubiger konservativer 'Christ, sagte in der konstituierenden Sitzung des österreichischen Pro-Palästina-Komitees unter anderem: „Wenn wir warme Sympathien für Ihre Bestrebungen empfinden, so ist dies auch für das Gefühl der alten Tradition, der geschichtlichen Entwicklung, auf die wir den Zionismus zurückführen. Die Menschen, die ein Gefühl für Tradition haben, firib 1110)1 bie . Wie müßte Dr. Breisky und die meisten seiner christlichen Palästinafreunde erstaunt sein, wenn' sie' exfahren würden, daß die Zionisten, die Omer-Spenden der Agudas Jisroel-Iugendorganlfation. 1. Lifte/ - Die nachstehenden Damen und Herren haben sich verpflichtet, die Omerspende zu zahlen: Breslau: Dr. W. Freyhan, M. Naumburg. Cassel: Moses Elsaß. Dresden: P, Lehmann. Frankfurt a. M.: Dr. Willy Hofmann, Thirza Hofmann, Arnold Merzbach, Fritz Stern, Fritz Strauß, R.-A. . Jsaac Rosenheim, Edgar Cori, Herbert Kruskal, Julius Blumenthal, Simon Mugdan,. Dr. Solomon Ehrmann, Fanny Sänger, Moses Held, Manfred Katzenstein, Joel Sänger, Sally PreßbUrger, Sophie Blumenthal, Siegmund Plaut, Perez Mosbacher, David Droller, Berthold Stern, Gerson Schnerb, Jacob Rosenheim, Samuel Rosenheim, Felix Munk, Arnold Wreschiner, L. Deutsch. Fulda: 10 Teilnehmer (namentliche Lifte folgt). Halberstadt: 4 Teilnehmer. Hamburg: Wolf S. Jacobson, Meier Schenkolewski, Salomon Cschwege, Oscar Feuchtrvang-er, Karl Flörsheim, Jakob Mayer, Jonas Strauß, Hermann Ullmann. Köln: Dr. David Ochs. Leipzig: Daniel Kraus. Hifrch Merkin, Dr. Hallemann, Heini Schächter, P. Schwimmer, David Colmcmn, Josef Schumer, Dr. Dzialowsky, Bernhard Oppenheimer, Paula Metzger. München: Jakob Kohn. Nürnberg: Rabbiner Dr. Klein, Dr.WGustav " Münz, Dr. Heinrich Klein, Jacob Landau, Herbert Holzinger, Max Gutmann, Bella .Kellermann, Moritz Beatus. Wilhelmshaven: Max Ruda. sich von ehrenwerten frommen Christen als Träger der ehrwürdigen Tradition feiern lasten, in Palästina, im heiligen Lande, in schroffstem Gegensatz zu der durch Jahrtausende geheiligten jüdischen Tradition stehen, die sie nur allzu oft in der aufreizendsten Weise verspotten and Tritt Füßen treten. Was würden all die hochachtbaren christlichen Mitglieder solch eines Palästinakömitees sagen, wenn sie bei einer eingehenderen Beschäftigung mit Palästina in den Publikationen des' Völkerbundes vdn dem heldenhaften Kampfe erfahren, den Agudäs Jisroel als Verfechterin des religiösen Judentums für den Schutz der religiösen/Gewissensfreiheit zu führen gezwungen war. Gezwungen war, denn nur ungern betrat Agudäs Jisroel den Weg zu den nichtjüdischen Instanzen, zum englischen Kolonial Office oder zum Völkerbund. Aber die Zionisten wollten, angeblich mit Rücksicht auf ihre demokratischen Prinzipien, die religiösen Postulats der Orthodoxie nicht erfüllen, die Orthodoxie aber kann auf ihre religiösen Pvstulate — auf die Fundamente des Judentums — unmöglich Verzicht leisten. Es hängt einzig und allein von den Zionisten ab, die Pro-Palästina-Komitees — diese neuen WerHeuge ihrer Bestrebungen — nur U Zwekken der Propaganda und Geldsammlung zü benützen oder auch zur Durchsetzung ihrer der jüdischen Religion und Tradition oft sehr abträglichen innerjüdischen Postulate heranzuziehen. Wird MM achtunggebietend en Hichsjüdischtzn Mitgliedes der- Prö-Palästina-Komitees von zionistischer Seite zur Verfolgung ihrer parteiischen Absichten in „der jüdischen Gasse" ausnützen wollen, so wird dies zur energischen Abwehr auch unsererseits herausfordern. Erbaulich wird diese Periode nicht sein. Wir müssen aber die Verantwortung für diese Einbeziehung von Nichtjud'en ' in innerjüdische Fragen den Zionisten überlassen, die nun infolge der fortschreitenden Abschwächung ihrer. Position innerhalb des jüdischen Volkes zu diesem nicht unbedenklichen Behelfe der interkonfessionellen Palästinakomitees greisen. ' ^Amerika ist bis zum Ende des vorigen Jahres mit 175.000 Dollar für den Keren-Hajefsod im Rückstand geblieben. Diese Summe ist der finanzielle Ausdruck Des Rückganges des Zionismus/ Die neugewonnenen nichtjüdischen Persönlichkeiten, des Pro-Palästina-Komitees sollen diesen Fehlbetrag einbringen. Was Weizmann und Sokolow nicht mehr imstande sind, soll Gras X. und Fürst N. bewirken. Diesen Wandel der zionistischen Politik wird man selbst in zionistischen -Kreisen, wie wir fürchten, sehr bald bedäuern. \ „Sechs Zahre soll er dienen", — •TOJ7’ O-W VV Wie vor einigen Wochen gemeldet, ist es den Bemühungen der Jerusalemer Agudas Jisroel gelungen, den bisher auf der orthodoxen Gemeinde ruhenden und als besonders odios empfundenen Zwang zur Abgabe der Mazzoth-Steuer an den Waäd Leumi zu beseitige n. Die Regierung hat nach langem Zögern eingesehen, daß es aus Grund des neuen Gememdegesetzes illegal wäre, den Ausgetretenen die Abführung dieser Steuer zuzumuten. Die Empfindungen, die den Kreis der unabhängigen Orthodoxie aus diesem Anlaß beseelen, kommen in dem nachfolgenden im Kol Jisroel erschienenen geistvollen Artikel zum Ausdruck, dessen Hauptreiz allerdings in der Verwendung der hebräischen bezrv. biblischen Satzformen liegt, der aber auch in der Uebersetzung für jeden — auf welchem Standpunkt er auch stehen möge —. von. besonderem Interesse sein dürfte. Sechs Jahre hat das orthodoxe Judentum in Jerusalem dem freidenkerischen Judentum gedient und im siebenten schreitet es hinaus in die Freiheit. Bor sechs Jahren schon bot das Kapitel „Mazzoth- Steuer" Maisrial für Aufsätze in diesem Blatt. Das orthodoxe Judentum schrie Gewalt gegen den Versuch, sein Haupt unter das Joch der „Freien" zu zwingen. Es rang mir dem Aufgebot seiner ganzen Kraft, es wehrte sich und wollte um keinen Preis den Nacken beugen unter das Joch. Aber es mußte nichtsdestoweniger klagend und jammernd sich unterwerfen. Die Mazzoth-Steuer war der erste Ring an der Kette, mit der die „Freien" das orthodoxe Judentum fesseln wollten, der Anfang der Sklaverei. Das orthodoxe Judentum wußte das. Es fühlte, daß man nicht eine Mazzoth-Steuer von ihm forderte, sondern eine seelische Knechtschaft, eme Preisgabe feiner Wesensart. Darum schrLe es und protestierte. - Der Artikel über die- Mazzoth-Steuer, der vor sechs Jahren im „Kol Jisroel" erschien, bezeichnete sie als den Anfang der Knechtschaft. Er rief das orthodoxe Judentum auf, auf der Warte zu stehen und zeigte ihm die Gefahr einer unendlichen Kette von steuerlichem und sonstigem - Druck.- . ■ Das reine orthodoxe Judentum versäumte keine Gelegenheit und keine Anstrengung von seiner Seite, aber es war umsonst.. Die Urkunde der Kenchtschast, mit dem- Siegel der Regierung bekräftigt, schien unwiderruflich. Sechs Jahre lang hat es gedient, aber keineswegs fernen Frieden geschloffen mit der Lage. Das Gefühl der Freiheit,. das tief in der Seele schlummert, gab keine Ruhe und in keinem der sechs Jahre hat es aus freiem Willen diese Steuer bezahlt. Die erste Steueroerordnüng kam überraschend. Die Verordnung wurde 14 -Tage vor Peßach erlaffen, und es ließ sich nichts mehr machen. Jnr Zweiten Iaherhob sich die Orthodoxie bereirs und die orthodoxe Gemeinde eröffnet^ selber eine Mazzoh-Väckerei. Die Regierung drückte ein- Auge zu. und die Steuerkreuzer der Orthodoxen wandertennichts in die Kassen der Freien. Im dritten Jahr verstanden.- es die „Freien" den Betrieb der Mrzzoth-Herstellung und des Mazzoth-Verkaufs durch die orthodoxe Gemeinde zu unterdrücken. Die Sache gelangte vor die Gerichte. Monatelanger Kampf vor den Gerichtshöfen. Das orthodoxe Judentum wurde besiegt. Der Schmerz war groß, aber der Wille des Königs'Mieb Gesetz. ' -«• <• In den folgenden Jahren hängte man ein Mäntel-

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