Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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Sette 2 Nr 8 Der Israelit Blätter 4. April 1&8 haften Sieg vergißt man ganz jene hunderttausende von Juden, die keine Versammlungsreden halten und keine Artikel über den Zionismus schreiben und überhaupt keine offiziellen Zionisten sind, die aber doch die faktischen Träger des Zionismus darstellen, Weil sie, soviel Ihr: fie auch besudeln und erniedrigen wollt, doch den I e-> b e ndi g sten und 7 g-elfühl sstär ksten ' Teil des jüdischen Volkes darstellen. Der frei-' denkende Jude hält im Zionismus sehr schöne Vorträge, der gewöhnliche Jude aus der Masse gibt, aber ohne Ueberzeugung und ohne innere Opserwilligkeit. Der orthodoxe Jude aber, wenn er gibt (und die Beziehung der Orthodoxie zum Zionismus hat sich in den letzten Jahren doch sehr geändert), gibt er mit ganzem Herzen und ganzer Seele. Er gibt über seine Kräfte. Der orthodoxe Jude ist an Opfer gewöhnt, sein ganzes religiöses Leben ist ein großes Opfer für das Heiligste. Und wenn er sich mit zionistischen Ideen durchringt, trägt er auch sein religiöses Feuer und seine religiöse Opferwllligkeit hinein. Nun hat man diese Art von Juden, hu rderttausende außer den vielen aus der Masse, die nutzt für Nr. 18 gestimmt haben, mit beiden Händen von sich gestoßen. Zu welchem Zweck? Damit einige Personen ohne Verantwortungsgefühl aus persönlichen Ambitionen heraus ihre Totklapp- und Zerbrechungspolitik s p i e l e n k ö n n e n? Darf das geduldet werden? Darf das sogar von rein zionistischem Standpunkt aus geduldet werden? Und nun gar vom rein jüdischen Standpunkt ist diese Politik des Zerbrechens und Totklappens einfach ein Unglück. Das ist klar für jeden, der weiß, daß diese Politik die Juden sehr viel Geld gekostet hat, das jüdische Volk zerrissen und in Unfrieden gegeneinander gehetzt hat und nun bloß so und so viele jüdische Mandate vernichtet hat." Weun der Sejm erst seine Arbeit begonnen haben und die agudareine Sejmfraktion in Gemeinschaft mit den anderen Minderheitsnationen ihre praktische Politik zu zeigen haben! wird, dürfte die Welt bald Gelegenheit haben, die unheilvollen Konsequenzen der agudafresserischen Grünbaumschen Politik in voller Deutlichkeit zu erkennen. Leider ist es das jüdische Volk selber, das die Kosten zu bezahlen haben wird. Ein Interview mit Dr. Piachas Sohn. Die „Jüdische Presse" veröffentlicht nachfolgendes Interview: 1. Fanden Sie einen wesentlichen Unterschied der Verhältnisse bei Ihrem vorigen Aufenthalt in Erez Israel und dem jetzigen? Antwort: Gewiß; es ist festzustellen, daß alle Seiten in Palästina einstimmig die Gründung von zwei Austrittsgemeinden für ein Unheil von unabsehbaren Folgen halten. Allerdings ist nicht zu verkennen, daß auch die Gründung der einen Austrittsgemeinde noch viele Schwierigkeiten zu überwinden hat. Das ist geschichtlich so zu erklären, daß auch der Gemeindebegriff überhaupt in Palästina ein anderer ist, wie hierzulande. Als Beispiel diene, daß noch vor ca. 10 Jahren auch die jetzt relativ festgefügte Organisation des Waad hoir Aschkenasi, ein absolut.loses Gefüge war, das fast schemenhaft alle Richtsephardim umfaßte, die sich zum Teil an ihre Zugehörigkeit zur „Gemeinde" nur dann erinnerten, wenn es einer Wahl oder richtiger gesagt einer.Wahlmachmation galt. Erst in allerjüngster Zeit ist Waad hoir Aschkenasi dazu übergegangen, eine Mitgliederliste anzulegen von denjenigen Personen, die in unzweideutiger Weise ihren Willen dahin bekundet hatten, Mitglieder werden zu wollen. Es ist jedoch mit dieser Mitgliedschaft vorläufig keine - weitere Verpflichtung verbunden. Die Institutionen, welche der Waad hoir Aschkenasi als solche unterhält, das sind Beth Din und Schechita, deren Kosten jedoch rein aus freiwilligen Beiträgen aufgebracht werden, teils von einzelnen Mitgliedern, teils von anderer Seite. Zieht man in Betracht, daß von den ca. 3000 Mitgliedern des Waad hoir Aschkenasi' mindestens! 2500. in äußerst gedrückter Lüge sick) beftijden, die überhaupt nur .durch die Peüürsnislostgkeit dieser Menschen zu ertragen ist, so erkennt man; leicht, welche Schwierigkeiten einer formalen Ge-, l meindebildung sich entgegenstellten. Es ist alleri dings nicht zu verkennen, daß auch die offizielle i Kenefes Jisroel d. h. die unter der Führung des Waad Leumi gebildeten Gesamtgemeinde Palä- I «.stinas, es furchtbar schwer haben wird, diejenige!.Fc>rm D^r Gerueinds zu schaffen, die m; den M- Mthlanhexp W' VoxäussHüng ein§r öHnungs- Hemäßen Führung Der Gememdegeschäfte ist:; Obwohl der Waad Leumi schon jetzt die Möglichkeit hatte, Steuern auszuschreiben, hat? er dennoch davon Abstand, genommen und fördert züm Zwecke der Wahlen und Einberufung des Parlaments freiwillige Beiträge. 2. Glauben Sie, daß die Austrittsgemeinde noch weitere Kreise ergreift, wie bisher? Antwort: Das ist schwer zu sagen. Der Misrachi hat die Förderung gestellt, daß das passive Frauenwahlrscht äbgeleynt wird. In der Sitzung des Waad Leumi in Tel Aviv erlangte diese Forderung nicht einmal diejenige zahlen- Freunde! Wer 10 Teilnehmer an der Omerspende wirbt erhält zu Schewuoth ein 1UB jüdisches Buch im Werte von Iv lfl* Wer 25 Teilnehmer an der Omerspende wirbterhältzuSchewuothein ^lA |U| jüdisches Buch im Werte von Ow--IVIp Wer 50 Teilnehmer an der Omerspende wirbt erhält zu Schewuoth ein CSf^ |UB jüdisches Buch im Werte von wW IVBh Wer 100 Teilnehmer an der Omerspende wirbt erhält zu Schewuoth m jJ ein jüd. Buch im Werte von IVw IVIn Näheres durch die Agudas Jisroel-Jugendgruppen oder durch den Organisationsvorstand der A. J. Jugendorganisation Frankfurt am Main, Langestrasse Nr. 18 mäßige Unterstützung, die zur Diskussion und Abstimmung notwendig gewesen wäre. Dagegen wurde die Forderung, daß bei Rabbinerwahlen Frauen auch nicht das aktive Wahlrecht besitzen: sollen, angenommen. Es wurde ferner zugestanden, daß dort, wo es eine Gemeinde verlangt, getrennte Abstimmungslokale für Frauen und Männer bestimmt werden. Es ist möglich, daß in diesem halben Zugeständnis die Spur eines Kompromisses zu erschauen ist. 3. Wie steht es mit den Sephardim? Antwort: Darauf kann ich nur erwidern, daß Herr Oberrabbiner Jakob Meir Mir unzweideutig erklärte, daß sämtliche Sephardim austreten werden falls nicht das pisstve Frauenwahlrecht fällt. 4. Werden den Austretenden Schwierigkeiten entgegengestellt? ' Antwort: Es kommt alles darauf an, ob der Waad Leumi fair pläy treibt Es gehen Gerüchte, daß Waad Leumi nach dem obligaten Aushang der Einwohnerliste nochmalige Austrittserklärungen verlangen miß. Mir scheint das unglaublich, weil die Regierung, m objektiver Würdigung der Berhältinfse, auf eine Petition der bisher Ausgetretenen geantwortet Hai, daß eine Mazzothsteuer nicht mehr erhoben werden kann/l'so daß schon jetzt regierungsseitig' änertannt.'>ist, daß eine Jngerenz des Waad Leumi auf diejenigen, die eine Austrittserklärung abgegeben haben, nicht Mehr statt hat. Sicher ist die Zahl vdn 12 000 AustrittserklärÄgen üuch für das Kalkül der Regierung ein Faktor,, da die Minderjährigen mitgerechnet, diese Zahl ca. 30 bis 35 Prozent der jüdischen Seelen Palästinas darstellt. Preisausschreiben der Palästina-, Zentrale der Agschas Israel. Auf Wunsch zahlreicher Gruppen ist der Verlosungstermin des Preisausschreibens Der Palästina-Centrale der Agudas Jisroel um einen Monat verlängert würdest. E^ werden, demgemäß sämtliche Peträge, welche bis Dum 2.' Mai (12. Jjar) bei der Palästina-Centrale der A. I. (Postschechkonto Frankfurt a. M. 53, 900) eingegangen sind, für das PreisäMchrMen stittg-erWnet. We .Verlosung selbst; finöet unter notarieller Aufsicht am Sonntag, ,derr..9.;MK -W.Mar) statt. Das Resultat wird den einzelnen Preisträgern mitgeteilt und in der agudistifchen Presse bekannt gegeben. Pro-Palästina-Komstees. Von Rabbiner Dr. Ioek in Wien. Vor kurzem fand die mit großem Aplomb angekündigte Konstituierung eines österreichischen Pro-Pälästina-Komitees statt. Graf Bernstorff, der Präsident des deutschen Pro-Palästma-VereiNes, war wohl nicht gekommen, auch die österreichlsche Regierung wurde bloß durch den, ansonsten überaus schätzenswerten Ministerialrat Dr. Fohr, den Referenten für Kultusangelegenheiten, vertreten, dafür aber waren der Präsident des österreichischen Landeskomitees Dr. Goldhammer und der Präsident der zionistischen Exekutive, Herr Nachum Sokolow, über dessen Wandlungsfähigkeit in der vorwöchentlichen Nummer der „Jüdischen Presse" eingehend geschrieben wurde, anwesend. Die Konstituierung vollzog sich unter den nunmehr üblichen Formalitäten der Gründung eines Pro-Palästina-Komitees. Gestern in Deutschland und Italien, heute in Oesterreich, morgen in Bulgarien. Einige nichtjüdische Respektspersonen und viele schätzenswerte Zionisten gründen ein Komitee, dessen Aufgabe die Pflege des Interesses an der palästinensischen Kolonisation ist. Audienz beim Staatsoberhaupt und Regierungschef. Schriftliche Sympathiekundgebung für den Zionismus seitens des Ministers des Aeußeren oder Ministerpräsidenten. In Rumänien erfloß dieses Schriftstück vom Außenminister Duca, in Oesterreich vom Bundeskanzler Dr. Seipel. Wir wollen von vornhinein erklären, daß wir große Genugtuung empfinden, wenn führende nichtjüdische Persönlichkeiten, Gelehrte und Politiker für eine jüdische Sache und besonders für unser heiliges Land Stellung nehmen. Es wäre, selbst bei grundsätzlicher Ablehnung des Zionismus, nur zu begrüßen, wenn es den Zionisten gelänge, bei den führenden Persönlichkeiten der europäischen Kunst, Wissenschaft und Politik Interesse Dr die Judenfrage und für jüdische Fragen zu erwecken. Wären die Pr0-Palästitta-Komitees nicht etwas anderes als die organisatorische Form dieses neuartigen allgemeinen menschlichen Interesses für das Schicksal des jüdischen Volkes, so mühten auch wir dieselben mit Jubel begrüßen. Leider ist dem nicht so. Vielmehr erleben wir hier eine Neuauflage der schon totgeglaubten Assimilationspolitik, die durch die Gewinnung von einflußreichen nichtjüdischen Persönlichkeiten einen Druck auf die Lösung von innerjüdischen Problemen auszuüben bestrebt war. Jene/welche die Geschichte des 18. Jahrhunderts kennen, wissen, daß die Assimilation und Reform ihre durchschlagende Kraft nicht so sehr ihren jüdischen Vertretern, deren sich/die Träger der Assimilation rechtzeitig versicheÄ haben, zu verdanken hatten. Die Orthodoxie' konnte den Verheerungen der Assimilation und. Reform erst, dqnn einen wirksamey Riegel. vorschiehen, als "sie in richtiger Erkenntnis der Sachlage sich entschließen mußte, zur Stärkung ihrer Position ebenfalls nichtjüdische Helfer zu gewinnen. Der