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Der Israelit · 1928-04-04 · Heft 14 (4.4.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 14 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 14 blicken, Israel strebe dem milden Mondeslichte nach, das in einsamer Nacht feine Lichtfluten ausströmen läßt. Israel ringt nach dem Ewigkeitslichte geistig-sittlicher Werte.ptt* 112!? ov ].i attmv» Kb „Das ist ein Volk, gesondert wird es wohne-n, und unter die Völker sich nicht rechnen." — Nur eine kurze Zeitspanne währet der Siegerrausch irdischere Machtfülle, aber in Ewigkeiten mündet die Machtfülle geistig-sittlicher Werte, sittin i*tt» p «nb'ba v'btt 13*ni Di*a v'btt bna rrnva mbtt pp *a".Ti5D obitt i3*rri rmya obitt •a'nwa 1*31 rnwa 1*3 vbitt apy* p a*nisn Wo sind all die mächtigen Völker des Altertums, die zugleich mit Israel die Schaubühne der Weltgeschichte betreten haben? na nia» m*i laipa niv ins* nbi 133m Der Sturmwind weltgeschichtlicher Ereignisse fegte sie hinweg, auch den Ort, wo sie wohnten, kennet man nicht mehr. *in abiyb i»ip bxitt'i nxn* mabai .10333 msba •mail? obu?b 71rr.11 Königreiche entstanden und Königreiche schwan- .d-n, Israel aber besteht in aller Ewigkeit!"*) oab .in ttinn „Verstockt war ihr Herz!" — Weil eben das Herz der Nationen verstockt, ihr Sinnen und Streben im bodenlosen Schlamme irdischer Ziele, des Strebens nach materiellem Glanze und Wohlleben versunken war, ,13,1 *2 ViaipK .103* pinn darum eben mußte Gott Israel sich zum Werkzeuge auserküren, das mit feinem Beispiele den übrigen Nationen verdeutlichen soll, wie man dem in nächtlicher Finsternis seine Lichtfülle ausstreuenden Monde nachstrebend, nach jener Lichtfülle, nach jener Größe ringen kann, die auch nach dem Verblassen alles irdischen Tagesglanzes ihren Wert behalten wird. Für diesen erhabenen Zweck wurde Israel auserwählt. Mit Israel tauchte ttinn oab ntn Vinn .Ittv '38 B'iNtteine sittlich-geistige Neuschöpfung inmitten der Völker auf, die mit Donnerstimme verkündete, daß die Mission Israels fürwahr kein leerer Traum, sondern historische Realität sei! Die Erfüllung dieser Aufgabe Israels dokumentiert sich aber in der von Gott in der Thora geforderten Heiligung und Weihung unseres ganzen Lebens: vipi .1x1 rna asb mn ttinn- Und diese Lehre rufen uns auch die ersten zwei Merkworte des iiv zu: 7ml ttip Heiliget euch! inn oirnj? „Heilig seiet!" — Reiniget euch von allen Schlacken irdischer Gemeinheit und Unheiligkeit, DO’bbya ihi iTOn idt.i irni „Waschet euch, läutert euch; schaffet weg die Schlechtigkeit eurer Handlungen!" — Vor allem aber reinige dich Israel von dem *) Mit obigen Ausführungen vgl. Hirsch, Ges, Schriften, II, S. 59 u. f. Der Israelit Wettbewerb' mit den übrigen Nationen der Erde in bezug auf Erlangung irdischer Machthoheit und irdischen Glanzes. Vergiß nicht, daßiiirrtt far ba Dbura noisna npsr» ins px p*naaw» btt daß, solange - das Licht Esaus strahlt) .das Licht Jakobs keinen Ruhm ernten kann, ittxi prp jaa 'na vtti3 0» paa *a baitt* pttK 'pnn lanaa bsr nntti *|b pa’iK ittna*i pirra ain „Heil dir Jsroel", — lautete das Abschiedswort des treuen Hirten an Israel — wem wird wie dir durch Gott geholfen. Er ist der Schild deiner Hilfe. Dein Stolz, deine etwaige Selbstüberhebung würde aber dir zum unheilbringenden Schwerte gereichen, so nämlich deine Feinde sich dir gegenüber verleugnen müßten und Du auf ihren Höhen einherschreiten würdest." *) Wenn Israels Sprößlinge sich unbescheiden hervordrängen und im Konzerte der Völker die erste Geige spielen wollen, so erregen sie den Neid und den Haß der Völker. Dies bezeugen die tränenreichen Erfahrungen der vergangenen Jahrtausende. Darum lautet für stürmische Zeitepochen der Ruf des Propheten: ovr iiap* IN pina rria *a* 'f? „Gehe mein Volk! Verbirg dich in deiner Kammer, bis der Grimm vorüberzieht!" Aeußerliche politische Machtfaktoren alleine können die wahrhaftige Erlösung der Menschheit nicht bewerkstelligen. Dazu gehört vor allem die innere Umwandlung des Menschen. ''aipa ttin 1133 mn 'pbrr *b rria iinv ab „Ein reines Herz erschaffe mir Gott und einen rechten Geist erneuere in meiyem Inneren." — ttipbmn ms „Dies siehe und heilige es!" — lautet daher die ewige Mahnung des Judentums. Nur die innere Selb st Heiligung vermag den Grundstein für die na'btt nbisa „vollkommene Erlösung" abzugeben, brr aittrr ittrr ip 'ji'S 1.1a D’jpttia ibm nnNtt *3iirr „Bis ich zu meinem Herrn nach Seir kommen werde." — „Es werden die Helfer auf den! Berg Zions hinaufsteigen." — Dann wird das große Verbrüderungsfest in der Menschheit Mitte gefeiert werden. 7111 ttip „Uns weihen und läutern!" — dies sei unsere Parole fürs ganze Leben! Rabbi Meir DonPlohki Vst- Im Alter von nur 61 Jahren verstarb in Warschau nach langer Krankheit Rabbi Meir Don P l 0 tz k i, einer der Größtender wenigen Großen, die wir noch in der jüdischen Geisteswelt besitzen. Rabbi Meir Don amtierte als Rabbiner *) Diese geistvolle Auslegung stammt von meinem Großvater und Lehrer, vixH' 4. April 1828 DerPHoio-Sporlb^ ” ' Photo-Ecke «... d» gu» b«u*nt... Photo-Ecke * Zeil 2 * Photo-Ecke in Ostrowa und war Vorsitzender des R a b b i - n e r v e rbandes in P 0 l e n. Seine halachischen, homiletischen unb Mussarwerke zählen schon zu den Perlen der räbbinischen Literatur. Sein Werk über das Frauenwahlrecht ist das gründlichste, sachlichste und umfassendste Gutachten über diese Frage; das beste, ja einzige Quellenwerk auf-diesem Gebiete, das die Materie nach . allen Gesetzen der Logik, der Halacha, des jüdischen Empfindens behandelt und das Gesamtbild noch durch eine Exkursion durch alle Phasen der jüdischen Geschichte von allen Seiten beleuchtet. Der Geist der jüdischen Geschichte, die Ethik der jüdischen Lehre, das durch Generationen geheiligte Empfinden der jüdischen Volksseelesprechornaus diesem Buche, auf das'wir von Fall zu Fäll'zurückgreifen müssen, so oft wir uns in Gemeinden und Kommunen in Sachen des Frauenwahlrechtes im Kampfe um die alte jüdische Sitte befinden. - Aufs geratewohl greifen wir auch das Werk aus der Feder des verstorbenen Gaon iirr r<nx3 heraus, als Anhang zu der kultur-historisch bedeutenden Biographie des Rabbenu Chajim ben Atar (Verfasser des tmnn iirr) von Reuben Morgolies aus Lemberg. Die Biographie an sich (erschienen bei K. Margulies, Lemberg und I. M. Schnurmacher, Budapest v. — Visegradr 18 B.) ist ein wertvoller Ausschnitt aus der jüdischen Geschichte Marokkos und Palästinas in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in dem sich auch besonders die Leidenszeit des alten Jischuw widerspiegelt. Der genannte Anhang des- Rabbi Meir Don Plotzki zeugt von einer staunenswerten Universalbildung des Rabbi, von einem Welt- und jüdischen Geschichtswissen, dasaufs Größe und Ganze ausschaut und auch das- Kleinste nicht übersieht. Auf die historischen Richtigstellungen der vielen Jrrtümer über das Verhältnis des Rabbenu Chajim ben Atar zum Chassidismus und zu dessen erstem Begründer^ Rabbi Israel Baalschemtow, folgen in Anknüpfung an die Lehren des Ersteren halachische Abhandlungen und Auseinandersetzungen, diegeradezu frappieren durch ihren soliden Aufbau und ihre zwingende Logik. Wie überall in seinen Werken stellt auch hier Rabbi Meir Don seine Thesen auf die feste Grundlage der unumstrittenen Quellen, um sich geradeaus ohne Umschweife zu einer Höhe zu erheben, die den festen Kälte und Hitze ab und komme zu nichts. Ist mir wenigstens die zukünftige Welt sicher?" „So überlegt doch selber", antwortete der Rabbi. „Wenn Ihr in dieser Welt,' für die Ihr euch unter Aufbietung aller Kraft abylagt, nichts erreicht, wie sollte Euch die zukünftige Welt, für die ihr so gut wie garnichts arbeitet, beschieden sein?" Vor dem gleichen Rabbi Pinchas beklagte sich eine Frau über ihren Mann, datz er allen Verdienst für Wohltätigkeit hergebe und nichts für die Familie zurücklege. In gleicher Stunde kam ein Mann und klagte seinen Bruder an. Er, der Klagesührer, sei ein blutarmer Mann und nicht imstande, seine Familie zu ernähren, sein Bruder aber sei steinreich und geizig, kümmere stch um ihn nicht und lasse all seine Bitten unerhört. Rabbi Pinchas Uetz beide Männer kommen- „Warum", fragte er den einen. ..verschwendet Ihr all Euren Verdienst für Wohltätigkeit und denket nicht an Ench und Euere Familie?" „Rabbi", gab der Mann zur Antwort, „man weitz nie. wann einem die Stunde schlägt. Ich könnte ja morgen schon abberusen werden, und ich käme dann mit leeren Händen vor den Thron Gottes'. Nunmehr wandte stch der Rabbi an den anderrn. daß er ihm sage, warum er vor der Not des Bruders die Augen schließe. „Rabbi', gab dieser zurück, „der Mensch weiß nie, wie lange ihm das Leben bemessen ist. Ich könnte noch ein ganz hohes Alter erreichen. Wer sollte mich dann ernähren in den Tagen des Alters, wenn ich nicht Wt für die Zukunft spare?" Der Rabbi sagte nach.einigem Nachdenken: „Der Heilige, gelobt sei er, wird Euch beide bewahren vor dem, was Ihr befürchtet . . . ." Die Lehre des Frühlings. (Zum Pestachfeste). Sieh an die Flur! Wie schön sie liegt Im hellen, grünen Glanz! Wie hell sich Blum' an Blum schmiegt Zu farbenreichem Kranz! Sieh an den schönen, grünen Wald! Wie reiht sich Baum an Baum! Horch, wie das Lied der Vögel schallt OEmpor zum Himmelsraum! v Wenn. Israel! im Frühlingsmond Befreit wird die Natur. Dann spricht, der über Sternen thront, Zu dir durch Wald und Flur: .;_ „Wenn die Natur auch jedes Jahr Sich schmücket neu mit Pracht, Sie bringt doch stets die Gaben dar. Die fie seit je gebracht. ‘ So war es schon in jener Zeit, Da Ich die Erde schuf; So wird es sein in Ewigkeit: Natur folgt-Meinem Ruf.a { Nicht spricht die Flur: ..Ich Hab'.es satt. Zu bringen Gras und Blum' 1 Der Wäldbcum soll an ihrer Statt Jetzt schmücken mich zum Ruhm." uu!'.n.r Nicht spricht der Wald: „Ich will nicht mehr Stets tragen Baum an Baum; Der grünen Wiese Blumenheer \ Jetzt decke meinen Raum." Nein! Die Natur, hat immer treu Erfüllt Mein Schöpsungswort; Und jedes Jahr tut sie es neu, . Frei, tut fie's fort und fort. Frei bist auch du. wie die Natur, Wie munt'rer Vöglein Heer. So blicke an den Wald, die Flur; Sie künden laut die Lehr': So wie nur weh'n die Lüfte weich. Und frei fich's in uüs regt. Befolgen das Gesetz wir gleich, Das Gott in uns gelegr." O. diese Lehre, schreibe fie Tief in das Herz dir ein: Daß Freiheit sich in Harmonie Mit Gottesdienst verein'. Du bist ja frei! Es hemmen nicht ' Dir Fesseln deinen Willen. O, m ö g st duiaderFr ei heit Licht Doch stets Mein Wort erfüllen!" Lampercheim. Lehrer I. Meyer.

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