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Der Israelit · 1928-04-04 · Heft 14 (4.4.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 14 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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/ , Seite 2 Nr. 14_^_ heihung der Freiheit schreibt, so ist dies Versprechen wahr. Sie gibt Dir zunächst eine Freiheit ganz und voll, die Freiheit von der Menschensklaverei. Von allen Arten Pharaonenvögten bist Du frei . Den Menschen sollst Du nicht mehr, untertänig sein, sollst keinem mehr gehorchen, der dasselbe ist wie Du — nur ein Mensch. Kein äußerer Zwang soll Dich fürder binden: nicht die bleiche Furcht vor Krankheit, nicht die schielende Sucht nach wertlosen Ehren, nicht die jagende Gier nach dem Gelbe, nicht der Büttel der Polizei, nicht der Schrecken der gesellschaftlichen Aechtung. Damit fängt das Judentum an; damit beginnt die echte Freiheit. Nur auf Dich st-rbsi gesteilt, sollst Du auf die neue Bahn des Lodens rretrn. Dies köitliche Geschenk der ersten Freiheit erhälijt Du imsonst. Aber jetzt — für das neue Loden —- mußt Du ein Peßachopfer bringen, ein Opfer — Dich selbst. Du sollst Dich ganz hingeben Deinem Gotte, dem Gesetze Seines Willens. Wozu, warum? Um Dichganzzugewinnen, um ganz Dir selbst zu gehören. Das Pessachopfer sollst Du schlachten, sein Blut hingeben, um —es zu genießen, zu verzehren, es vollständig, ohne übrig zu lassen, D i r selbst einzuverleiben. Das ist das Symbol des Festes. Dem Willen außer Dir sollst Du Dich ganz verschreiben, um dadurch Schritt für Schritt ganz — Du selbst, ganz frei, zu werden. Einem Gesetze sollst Du gehorchen, das langsam und stetig das Gute in Dir frei macht, das alles,Sklavische. Zufällige, Gährende, Unreife aus Dir entfernt, das höhere Selbst in Deinem Wesen zur Herrschaft bringt. Mit jedem Tage fühlst Du, wie die Ketten von Dir abfallen, wie Du, erhaben über Schicksal und Zwang, über alles Gemeine und Tierische, immer selbstherrlicher und gewisser Dein eigner Herr wirst, wie Du mehr und mehr Deinem und nur Deinem Willen folgen kannst. Täglich kommst Du um eine Stufe der Freiheit näher. Und dennoch erreichst Du sie nie. Als ob die Fahne der Freiheit höher rückt, je weiter Du den Weg der Freiheitsbahn entlang schreitest. Das ist gerade das Unendliche der Lebensaufgabe, der ewig neue Reiz des Daseins, daß jeden Vesiach Du von neuem fühlst: im letzten Jahre 'oar ich noch ein Knecht, im kommenden Jahre urerde ich ein freier Mann. Noch immer kommt nir die Freiheit zu früh, kommt in Uebereilung. Und also sollt ihr das Pessachmahl essen: Eure Lenden gegürtet, die Wanderschuhe auf den Füßen, Der Israelit Euren Stab in der Hand In Eileshast es essen, Ein Opfermahl dem Ewigen. Zur Freiheit seid ihr geladen, aber zur Freiheit des Anfangs. Nicht zum Ausruhn auf bequemem Ruhekissen, noin, zur weiten Wanderschaft! Da bedarf es der Kraft, da heißt es: die Lenden, gegürtet und den Stab in der Hand! Hat Israels Jugend noch die Kraft zu solcher Wanderschaft? Sucht sie noch ein hohes Ziel, um das es lohnt, ein ganzes Leben zu kämpfen? Wenn junger Freund, Du darauf freudig mit einem Ja antwortest, dann hast Du die Freiheit bereits errungen, dann wird dieser Pessach das Fest Deiner Freiheit. Wochenrundschau. Das jüdische Kolonisationswerk in Rußland. Was anfangs nur eine Spielerei schien, ein Versuch am untauglichen Objekt, findet eine Ausbreitung und Konsolidierung, die. über alle Theorien und sozial - ökonomischen Prognosen hinwegstürmt. Die jüdische Kolonisation in Rußland, aus leisen Versuchen hie und da hervorgegangen, wird, das kann keiner mehr leugnen, eine Etappe zur teilweisen Lösung der russischen Judenfrage, mit der sich die jüdische Oeffentlichkeit mehr befassen sollte, als es bisher der Fall war. Es ist allen bekannt, daß die Zionisten von. Anfang an diesen Bestrebungen mißtrauten, vn einem eventuellen „Nationalheim" in Rußland ein Konkurrenzunternehmen sahen, dazu angetan, die Augen der Welt von den nationalen Zielen mehr oder weniger abzulenken. Die letzten Jahre mit ihren Einwanderungserschwerungen und ihrer wirtschaftlichen Krisis für Palästina haben die Kurzsichtigkeit dieser zionistischen Politik deutlich dargetan, so daß heute die Stimmen im nationalen Lager gegen das neue „Golusland", wie sie es nennen, schon Merklich matter klingen. Inzwischen haben die ersten Entwicklungsjahre der jüdischen Kolonien in der Krim und der Ukraine gezeigt, daß die Hoffnungen der Initiatoren wohl zu erfüllen seien, hie und da sogar bereits übertroffen wurden. Es besteht bereits 4. April 1928 ein autonomer jüdifcher B e z i r k mit dem Zentrum in Sede-Monüchp. Eine zweite jüdische A u t o n o m i e ist in der Provinz Jekaterinoslaw in der Nahe der - Stadt M a r i u p o l im Entstehen, die 14 Dörfer mit 3651 Höfen, und 20.000 Seelen umfassen soll. Die Erfolge in der Krim sind unter günstigen Bodenbedingungen noch weit ermutigender. Die Befürchtungen bezüglich der Haltung der -christlichen .Bauern sind durch das bisherige gute freundnachbarliche Verhältnis völlig vernichtet. Was zum weiteren Ausbau und zur Fortentwicklung dieses Stützpunktes des jüdischen Wirtschaftslebens im Lande selbst fehlt, ist: natürlich das Geld, das. die Söwjetregierung allein, neben dem von ihr zur Verfügung gestellten Regierungslande, nicht aufbieten kann oder, inag. Man muh es daher mit Freuden begrüßen, daß sich nunmehr, wenn man amerikanischen Zeitungen glauben darf, neue Geldquellen für diesen zukunftverheißenden Zweck eröffnet haben. Der Joint, der vön Anfang an der Sache sein Augenmerk zugewandt hat, übernahm' es, die für die nächsten Ziele nötigen Gelder zu beschaffen, und es gelang ihm dieser Tage, von dem bekannten Philantropen Julius Rosenwald fünf Millionen Dollar für das Werk in Rußland zu erhalten, unter der Voraussetzung, daß der Joint auch von anderer Seite den gleichen Bterag aufbringe. Das dürfte dem Joint bei seiner ausgedehnten Sammeltätigkeit nicht allzuschwer fallen. Dazu will nun die S o w j e t r e - gierung von sich aus zehn Millionen Dollar auswerfen, so daß demnächst 20 Millionen Dollar (gleich 40 Millionen Goldrubel) für das jüdische Kolonisationswerk in der Krim und in Südrüßland zur Verfügung-stehen werden. Man spricht auch noch von einer größeren Anleihe, die die Regierung übernehmen und garantieren wolle. Ein Kapitel für sich bildet die Kolonisation in B i r o B i d s ch a n im fernen Osten, über die wir in letzterer Zeit im Nachrichtenteil einiges Mitteilen konnten. Auch dort ist eine jüdische Autonomie im großen Ausmaße im Werden. Ueber ben autonomen Charakter dieser großen Judensiedlungen sei noch ein Wort gesagt, oder richtiger, wiederholt, was wir bereits bei anderen Gelegenheiten über diesen Punkt sagten: Die religiöse Autonomie muß so fest und lückenlos sein, daß kein Spalt in dieser Mauer offen bleibt für irgendwelche antireligiöse Moskauer Gelüste. In der politischen Autonomie gehe man jedoch keinen Schritt weiter, als eben zur Wahrung der Rechte nach außen und innen durchaus notwendig ist. Was man allein ißt, zahlt Golk nicht. 'pj^K n jn: 2VX niDn tea nnawi ."i2i “um nrix iri’a^i In Safed lebte ein reicher Mann, der hatte drei Söhne. Zwei von ihnen waren, als sie zu Männern heranreisten, nach Tiberias gezogen, um dort ihr Brot zu suchen. Der Dritte» ein Spätgeborener, blieb im Hause seiner Eltern. Als er zur Ehe reis wurde, suchte sein Vater eine passende Braut sür ihn und er fand ein Mädchen, anmutig an Leib und Seele, die Tochter eines großen Rabbi, die ibr Vater gerne mit dem talmudkundigen Benjamin vermählte. Als zur Hochzeit gerüstet wurde, schrieb der Vater an seinen ältesten Sohn, der in Tiberias ein reicher Mann geworden war: „Mein Sohn, komme zum Freudenfeste der Vermählung deines jüngsten Bruders. Kaufe Dir, Deinem Weibe und Deinen Kindern festliche Gewänder und auch Deinem Bruder, der in Armut lebt, kaufe ein Feiertagsgewand: ihm, seinem Weibe und seinen Kindern. Ich werde Dir alles bezahlen". Der reiche Sohn kaufte für sich und die Seinen köstliche Gewänder und reichen Schmuck, hielt er doch des Vaters Verheißung in Händen, daß dieser alles bezahlen werde. Aber seines armen Bruders gedachte er nicht. Als er nun mit feiner Familie in einem prächttg geschmückten Wagen an der baufälligen Hütte seines Bruders vorbeifuhr, sah er diesen aus der Schwelle sitzen: „Wohin fährst Du", fragte der Bruder. -Unser Vater rüstet zur Hochzeit unseres Bruders Benjamin. Komm mit. Du und die Deinen. Aber sputet Euch, wir wollen nicht zu spät zum Feste kommen". Der arme Bruder, sein Weib und seine Kinder schwangen sich in ihren zerlumpten Kleidern auf den Wagen. So fuhren sie mit nach Safed. Und als der Wagen vor die Stadt kam, sahen sie, daß viele Hochzeitsgäste und Schaulustige ihnen entgegenkamen: ..Wer ist der reichgekleidete Mann, der dem Wagen entsteigt?", fragten die Leute „Das ist der Sohn des Bräutigamvaters". „So. soll jeder Sohn aussehen, der zu einem solchen Vater heimkommt". Als aber die reiche Familie ausgestiegen war, kroch ein Häuflein Elend aus dem Wagen. „Wer ist dieser Bettler mit seiner Brut?" fragten wieder Stimmen aus der Menge. „Das ist auch ein Sohn des Bräutigamvaters." „Oh Schmach, so vor den Augen des Vaters erscheinen zu müssen!" Der Vater sprach kein Wort. Stumm drückte er den armen Sohn zum Willkomm an sein Herz und wies ihm an der Tafel inmitten der prunkvollen Hochzeitsgäste den Platz an, der ihm als Sohn des Hauses gebührte. Acht Tage lang währte das Fest. Am Morgen des neunten Tages rüstete der reiche Sohn zur Abreise. „Fahr wohl!" wünschte ihm der Vater. »Ist das alles, was Du mir zum Abschiede zu geben hast?" fragte der Sohn verwundert. .Alles.« „Du hast mir doch einen Brief geschrieben, darin steht, daß Du alle Kosten bezahlen wirst, damit ich geziemend gekleidet zum Feste komme.' „Hast Du den Brief bei Dir?" „Ja."? Siehst Du mein Sohn, hier steht geschrieben, daß Du Dich und Deinen Bruder würdig zum Feste ausstatten sollst. Hättest Du getan, wie ich Dir geheißen, gerne hätte ich Dir die Rechnung sür Euch beide bezahlt. Denn meine Schätze sind unerschöpflich und es wäre Dir alles vergolten worden, was Du für ihn getan." Was man allein itzt, zahlt Gott nicht. . Meines Feuilleton. Der »Rogokschower"... Letzthin war es den vereinten Bemühungen der führenden Männer in Lettland, Litauen und auch Berlin gelunnen, den Rogotschower (Rabbi Joses Rosin in Dünaburg) zu veranlassen, zum erstenmal seine Lernstube zu verlassen und sich zusammen mit dem Lubawitscher Rebben an einer Konferenz zu beteiligen. Das gibt östlichen Zeitungen Veranlassung, uns einiges über diesen wohl größten Gaon unserer

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