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Der Israelit · 1928-04-04 · Heft 14 (4.4.1928) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 14 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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4. April 1928 Nr. 14 Frankfurt a. M., den 14. Nissan 5688 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1884: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Biertellatzrvreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten Des Streifband-BersandesV Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar.» .England t sh.; ab 1. Juli Frankreich 26 Fr.; Belgien ab 1. 7. 27. Belga S: Holland 3 fl.; Italien ab 1.1 28.18 Lire; Jugoslawien 88 Din.: Litauen 7.30 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. ISO Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zlotv. Schweiz 8 Fr. Tschecho-Slowakei W Kronen: Ungarn Pengö 6 ab 1.Juli 1837: Dänemark 3.60 Krön.;Norwegen3.80 Krön.; Schwede» 3.60 Krön. Einzelnummer dreißig Goldpsennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Gowpf. für die fiebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahle» bei Stellengesuchen und Familienanzeige» nur 30Pf. Die 76 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Tertseite L- Mk.; Thiffregebühr in Höhe etnes dopv. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenannochme durch den Berlag des Israelit Gm. v. H., Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 7, Tel. Hansa 6843 sow. durch sämtl. Annoncen-Eroed. des In- und Auslands. Alleinige Jnieratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. SchmidtHangestr. 7, ll. Tel. Hansa 4841. Platzvorschr. ohneBerbindlichk. eckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. AM-.T^PoMvarkaflenamt Budapest Nr. 184S4. - Postscheckkonto «rarschäu Nr. 190787. -Postscheckamt' Zürich Nr. Vili 7L1 - Inkasso-Bank Rotterdam^- Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 - Böhmische llnionbank in Prag - ö-mca ^l-wL L Co,,bx Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gertchtsstand fur alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsvewflichtungen^ist^FraEurt^a^M^ Zahlungen direkt an den Berlag aufPöstfchel Warschaus Die nächste Nummer erscheint — in kleinem Amfang — Freitag, den 13. Ltzrril. nachmittags. Der heutigen Nummer des „ZsraeLit" liegt Heft 5 der Jüdischen Jugendblätter bei. m Des Peflach Freiheitsruf an die Fugend. Don Aosipy Garkeöach in Altona. F r ei heit heißt das kö st l i ch e 'ßo f u n g s wort d e s P e s s >a ch f e st e s, F r e i - h eit i st d a s Tr i um pH t o r, d u r ch das m an"i n d a s I u d e n t u m eingeh t. Freiheit ist aber auch das letzte Ziel aller Menschenentwicklung, aller Geschichte; Freiheit das Höchste, wozu die Religion erzieht, woraus alle Gesetze und Lehren abzielen.. Freiheit ist die Fahne, die am Ende der Bahn den Siegern des Lebens winkt. Darin steckt offenbar ein innerer Widerspruch, ein Geheimnis, ein Rätsel. Wie kann Anfang und Ende der Religion dasselbe sein? Ist Freiheit Bora u s f e tz u n g der Menschenwürde, Borhedingüsig jedes höheren Strebens, wieso ist sie zugleich das Ergebnis, die letzte Wirkung einer gottgeweihten, idealen Lebensführung? Wenn ich die Freiheit schon besitze, warum muß ich sie erst erringen? Bin ich durch das Tor der Freiheit getreten, so darf ich doch wohl erwarten, im Lande der Freiheit zu wohnen. Soll ich jetzt erst auf unendlichem Wege durch die Lande dem Ziele der Freiheit entgegenziehn? Kann man denn zu gleicher Zeit immer drinnen im Reich der. Freiheit und zugleich noch draußen vor seinen Mauern sein? Das klingt fürwahr paradox! Auch die Jugend ikennt kein höheres Sehnen als das nach Freiheit. Dies Wort wirkt auf sie wie berauschender Wein, begeisternd, beseligend. Und sägt man ihr: schau-hin, dort steht das Eingangstor des Judentums und in goldenen Lettern darauf gemeißelt: Freiste i t! in Eilmarsch möchte sie hinstürmen und durch diese Wunderpforte in die Freiheit eingehn. Aber nun kommt die große Enttäuschung. Das Tor ist durchschritten, doch das ersehnte Ziel ist nicht erreicht. Nun erst heißt es: sieh dort in weiter, -weiter Ferne das wehende Banner der Freiheit; zu neuem, immer Neuem Wettlauf mußt Du Dich rüsten, wenn Du bis dorthin gelangen willst. Dieser Enttäuschung standzuhalten, hat so mancher von unserer Jugend nicht vermocht. Das Geschenk der Freiheit hat er sich anders gedacht. Besitzen will er sie,, nicht ewig um sie freien. Da nimmt er lieber die Freiheit, die, andre Weltanschauungen ihm bieten. Die sagen ihm: nimm die Freiheit aus unsrer Hand, sie ist deM--Drenke wie Du willst, handle, wie Du magst, lebe, wie es Dir beliebt! Jetzt fühlt er sich im Besitze der goldenen Freiheit. Mitleidig oder mit Verachtung schaut er auf die Kinder des Judentums, sie schleppen ja Ketten mit sich, sie sind ja gefesselt mit unsichtbaren Banden! Er aber ist frei und spottet aller Bindungen. Sind sie nicht Narren, die ohne Kompaß nicht auf das Meer des Lebens fahren und ängstlich immer auf die kleine Nadel blicken, während es doch Kinderspiel ist, zu wissen wo der Osten liegt? Die jüdische Freiheit muß allerdings ein merkwürdig Ding sein; etwas was Du besitzest und doch nicht besitzest; was Dir eignet und was Du doch erst Dir aneignen sollst. Man steht immer auf der Grenze zwischen zwei Reichen: dem Lande der Knechtschaft und dem Lande der Freiheit. Rückwärtsschauend sieht mctn in die dunkle WeD der Sklaverei, vorwärts dehnt sich vor den Blikken das sonnenbeglänzte Gebiet der Freiheit. Je weiter man in ihm sortschreitet, sieht man den finsteren Erdteil hinter sich wachsen, das durchlaufene Stück schließt sich bei der Rückschau an die Lande der Finsternis an und bleibt sonnenlos hinter dem Rücken. Trotzdem ist damit die Unendlichkeit vor uns noch nicht bezwungen worden. Die Freiheit, die uns P e s s a ch schenkt, ist nur eine halbe, eine teilweise; es ist nur der erste Schritt zur Freiheit. Es ist gewissermaßen ein vore i l i g e s Geschenk; es ist die Freih eit der Uebereilung, wie es in der religiösen Sprache heißt. Nicht das Brot der Freiheit sollst Du essen; mit dem „Brot des Elends,, bas gegessen unsre Väter im Lande Aegypten" in der Hand, erhielten wir den Königsruf der Freiheit. . - Denn die volle Freiheit kann nur dem gegeben werden, der reif für sie ist. Reif aber ist niemand für die Freiheit. Und doch ist sie uns erteilt, die Freiheit der Unreife, die Freiheit der Uebereilung.. Ein Doppelruf ergeht also an uns vom Genius des Peffach; den einen vernehmen wir gern, den andren wollen wir nicht hören. „Du bist frei!" Das ist das erste, das willkommene Wort; „ D u b ist zur Fr e i h ei t no ch n i cht reif", das das zweite, die bittre Zugabe zum ersten. Beim Klang des ersten strömt die freiheitsdurstige Jugend herbei, beim zweiten wendet sie, beleidigt in ihrem Stolze, den Rücken. Aber Freiheit gebührt nur den Freien. Seltsam! Bist Du, Jüngling, frei? Frei von den Ketten der Laune, der Augenblickseingebung, frei von Irrtum und frei von den Ketten der Bequemlichkeit, der Trägheit, frei von den schrecklichen Ketten der Leidenschaft, die Dich jagt und quält, wenn Dein Auge etwas Begehrenswertes geschaut, wenn der Leib verlangt, der Gaumen lechzt, frei von den „goldenen" Ketten, der Gier nach dem gleißnerischen Golde? Kannst Du wirklich, was Du willst, was Deine von Idealen erfüllte Seele Dir als richtig und gut vorzeichnet? Warum, frage ich Dich, meidest Du das Böse, das Gemeine? Jsts vielleicht die Angst vor der Macht des Staates, der Gerichte, der Polizei, der Schande vor den Menschen, die Dich hemmt und eindämmt? So bist Du also nicht frei, so ist es nur sklavische Furcht, die Dich auf Deine Bahn zwingt, so bist Du ja ein Knecht, der tausend Ketten trägt, schwere, lastende Ketten, und sprachst so stolz von Deiner Freiheit! Nur well Du Dich blind stellst und die Fesseln nicht sehen willst, die Du dauernd mit. Dir schleppst! Oder ist das die Freiheit, nach der Dein Herz verlangt, die die Jünglinge ruhelos von einer Vergnügungsstätte zur andren treibt, die über Frauenehre und Männerwürde sich wegsetzt, die täglich unendliche Opfer fordert an gebrochenen Herzen, an geschändeten Leibern, die eine halbe Menschheit zu Werkzeugen der Lüste und Gier erniedrigt, die in rücksichtslosem Egoismus sich Vorteile und Güter errafft, die in wildem Fanatismus der Partei und des Hasses die Gaffen der Kulturzentren wie die geheimen Winkel der Großstädte durchtobt? Ist etwa das Freiheit, was Dir die Natur a b - zwingt mit der Drohung von Krankheit und Körperzerrüttung, was der Staat erzwingt ob der drohenden Selbstzer'fleischung der Menschen, was die Gesellschaft erzwingt zum Selbstschutz ihrer Interessen? Ach, solche Freiheit ist wahrlich kein hohes Gut, kein Grund zum Stolz edler Jünglingsseelen! Die Freiheit des Judentums ist eine andere.. Sie ist eine echte Freiheit ohne Schein und TäüD' schling. Wenn es auf seine Eingangstüre/die Ver-

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