Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1928)
- Date
- 1928-03-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 13 Sein 3 29. März i&8 De r Isr a e l t t engsten.' Kreis mvferer ' und das ist der Gi ilnd,.weshalb bisher allzu wenig Aüfnrerksamdiesem Probleme gewidmet wurde. Aber dies embindet uns nicht der Sorge für die Gesamtn.denheit;, zumal .da in Emheits- und in Landgemeindengar nicht so selten solche Schwierigkeiten auftreten.' - - > c Aufgabe der taurohtreuen Rabbineroerbände wirdes fein, -einem nsivn nmv gleich, nach Mitteln- und Wegen zu sinnen, hier Einhalt zu gebieten, mit'Macht der vorwärtsschreitenden Zerstörung der Abstammungsreinheit entgegenzutreten.' Diese Zeilen sollten die A u gen der 9 e s f e n t l i chkei t auf die Größe der Gefahr lenken, sollten zeigen, wie verheerend auch heute noch die Reform, nicht allein durch ihre Verwirrung jüdischer Begriffe, in den Reihen des Judentums wirkt. Wer' wollte noch es uns verdenken, wenn wir jedes gemeinsame Band mit dem Liberalismuß aufs Entschiedenste ablehnen? - Es gibt nur eine nmn, die von Gott an brrnV' gegeben worden. Wer sie gefährdet, wer sie bedroht, dürfen wir ihn als Freund anfehen? Habt Verständnis für unseren Kampf! wochenrundschcm. Zionistische Methoden. Der Zionismus hat eines mit den nationalistischen Strömungen aller Völker gemeinsam: er versteht zu h affen. Mit einer durch keinerlei sittliche Skrupel angekränkelten Robustheit wird der Gegner, mag es sich nun um Juden oder Nrchtjuden handeln^ als pechrabenschwarzer Mohr an den Schandpfahl genagelt und dem gläubig aufhorchenden Kreis der Parteigänger ängstlich jede Gedankenregung verbaut, die etwa zur entfernten W ü r d i g u n g-einer abweichenden Meinung führen könnte. Die Lektüre der letzten Nummern der „Jüdischen Rundschau" bietet neue Belege für diese alte Feststellung. Was dieses Blatt an wüster Beschimpfung des polnischen orthodoxen Judentums aus Anlaß des ungünstigen Ausgangs der Sejmwahlen geleistet hat, entzieht sich der Wiedergabe, und es lohnt aych nicht die Mühe, die einzelnen Behauptungen über angebliche Erzeugnisse der Wahlpsychose, die nur ein Gerichtshof in umständlichem Beweisverfahren auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen könnte, ernst zu nehmen. In dieselbe Kategorie gehört die Berichterstattung der Rundschau über den Prozeß Weber- Hirschler-Margulies in Prag.„ Was.der Prager Gerichtshof sich darunter gedacht hat, als er den Beweis der „ fub j e k ti v e>n " , aber nicht der objektiven/ Wahrheit für erbracht ansah und darum nicht etwa mildernde Umstände annahm, sondern den Beleidiger f r e is p r a ch, wird dem gesunden Menschenverstand schwerlich einleuchten. Ein regelmäßiger Leser der zionistischM Presse wird subjektiv immer davon überzeugt fein, daß die Rabbiner,, die den Zionismus aus tiefster religiöser Gewissenspflicht bekämpfen, nichts weiter feien, als eine — wie sich Herr Margulies echt zionistisch ausdrückt — „herrschsüchtige, nur um ihre eigene Macht und ihren eigenen Vorteil besorgte, käufliche und gekaufte klerikale Gruppe", die auf „Befehl der Feinde des'jüdischen Volkes" handelt. Aber diese s u b j e k t i v e , d. h.' objektiv w a h r h e i t s w r d r i g e Ueberzeugung, die das Ergebnis der systematischen zionistischen Volksverhetzung ist, sollte m einem Kulturstaate wahrlich den Verhetzten nicht das Recht geben, verehrungswürdige Männer der Thora, denen die ganze Beweisaufnahme auch nicht den Schatten von Eigennutz und Eigenintereffe nachweifen konnte, straflos zu beschimpfen. Handelte es sich nicht um verhaßte Parteigegner, so wären die Juristen der „Jüdischen Rundschau" die ersten, die gegen das ungeheuerliche Urteil Protest eingelegt hätten. So aber schweigt ihr Rechtsgefühl, und es darf im Gegenteil der zu vergiftenden Lefermaffe der Gedanke beileibe nicht aufdämmern, daß es jenseits der zionistischen Parteimaschinerie Männer geben könnte, denen es heiliger Ernst ist mit ihrem Ringen um die Reinheit des überlieferten jüdischen Volksgedankens u>rd denen darum der Kampf gegen den Zionismus ebensosehr Herzenssache ist wie den Zionisten ihre oft recht hemmungslose Kriegführung gegen die individuelle Assimilation. Im Prinzip (wenn auch die anständige Tonart vorteilhaft absticht) macht sich der gleichen vorurteilsvollen Ungerechtigkeit gegen die Orchodoxie der in derselben Nummer der „Rundschau" veröffentlichte Artikel von Dr. Sandler über das p r e u ß i sch e I u d e n g e f e tz schuldig. Wer den Aufsatz liest, muß glauben, daß der Halberstädter Verband aus purer Freude am Zerstören und Spielverderben eine „Zerschlagung der Judenheit in mehrere Judentümer" befürwortet. Pferde, Kühe und Kälber, die die lieblosen Bauern und Fuhrleute in der Hitze schmachten ließen, tränkte. Rabbi Israel galanter hielt sich bekanntlich lange Zeit in Deutschland, in Königsberg, Berlin, Memel, Frankfurt und Paris aus. Man fragte ihn einmal, warum er die jüdischen Zentren im Osten verlassen hätte, um in den geistarmen westlichen Gemeinden aussichtslose Versuche anzustellen. Er sagte: ..Wenn ein Gaul mit dem Wagen durchgeht Und den Berg hinunterstürzt, dann sollte keiner es wagen, ihm in die Zügel zu fallen. Ist er einmal unten, dann versuche man, ihn zur Raison zu bringen. Die russische Judenheit hat eben erst das Joch abgewogen, sich losgelaffen, ist im ersten Lausen. Hier im Westen sind aber die Dinge bereits unten im Tale angelangt, man kann es schon versuchen, sie in die Hand zu nehmen". Polliakow wurde einmal auf der Straße von einem Rabbi um Unterstützung für Brautausstattung angegangen. Da der Magnat im Momente kein Bargeld bei sich hatte, der Fall aber fein Interesse erregte, entledigte er sich der goldenen Kette und überreichte sie dem Bittenden. Der Rabbi zögerte. ,Ich könnte ja morgen den Herrn Baron aussuchen". „Rein", sagte Polliakow, „heute bin ich gerade aufgelegt, es Euch zu geben, und ich mutz die Minute ausnutzen. Ob ich es noch morgen fein werde, kann ich .nicht sagen*. * * ■ .■- ■ ‘ * Rabbi Israel aus Rosin pflegte zu sagen: ..Ich liebe nicht den Schnee: eine Sache, die zü Anfang so rein und lauter und sich zuletzt in häßlichen Kot verwandelt'. (Alfassi im Jerusalemer ..Hathor"). Rabbi Icrucham, der „Godaul von Minsk" erregte sich einmal über ein Ehepaar, das sich in der Oeffentlichkeit ungeziemend benahm. Man legte dem Rabbi nahe, daß sie ja Mann und Weib, getraut und geweiht nach jüdischem Gesetze, feiern Und dennoch, meinte der Rabbi, .man vergesse nicht, mit Vintp’ Vd lvor den Augen ganz Israels) hört die Thora auf. * * * Ehaim war bekannt als großer Ignorant, der sich aber gern mit der Krone der Gelehrsamkeit schmückte. Rabbi Leib Groß, eine bekannte rabbinische Persönlichkeit in Preßburg, traf nun Ehaim in später Abendstunde aus der Straße. „Woher Reb Chajim?" „Don einer Sijumseier", war die Antwort. „Welchen Traktat habt Ihr ausaelernt?" „Die Mestchta Chanino." « ..Chanino?' schüttelte Rabbi Leib Groß den Kopf, „mir völlig unbekannt. Wird wohl heißen Chagigo!' - ..So ja. ich danke Euch vielmals", freute sich Chajim, „Ihr .habt mich über einen schweren Irrtum aufqeklärt. Pflegte, ich doch immer zu sagen: Omar Rabbi Elosor, omcK Rabbi Chanino", jetzt weiß ich es heißt „Rübbi Chagigo". Unzählige Mule ist von unsrer Seite auf die zwingenden weltanschaüli ch e n Momente hingewiesen worden, auf die über alle praktischen „Lebensmöglichkeite'n" hinaus die Zukunft bedingende Idee . der wahrhaften Thoragememde/ um deren Rettung es sich für die unabhängige Orthodoxie Handelt. Man findet dafür unter Umständen bei gerecht denkenden Liberalen Verständnis — bei den volksparteilich organisierten Zionisten niemals. Sie sagen unentwegt ihr Sprüchlein von der mit „Lebensmöglichkeiten" ausgestatteten Zwangsorganisation herunter, schwelgen in der unentbehrlichen Begriffsverwirrung von „Judenheit" und „Judentum" und schweigen alles konsequent tot, was der Gegner für seinen Standpunkt anführt. Das nennt man dann „Zusammenarbeit mit allen Gruppen des Judentums". Nachwehen der polnischen Wahlen. Der Wahlausgang in Polen hat den Juden die Hälfte ihrer bisherigen Mandate g e n o m - m e n und dafür zwei Fraktionen gegeben. Auf einer „Siegesfeier" der Grünbaum- Partei wurde erklärt, daß es den jüdischen Abgeordneten des Minderheitsblocks nicht möglich sein würde, mit den jüdischen Deputierten der Regierungsliste zusammenzuarbeiten. Für Grünbaum selbst sei nicht einmal eine lose Arbeitsgemeinschaft mit denen der Regierungspartei möglich, aus welchem Grunde er den Vorsitz in seinem „Jüdischen Klub" dem Abgeordneten Hartglas überläßt. Die andere Seite nahm die Kündigung gefaßt an und wird sie mit Geduld zu tragen wissen. K i r s ch b r a u n , W y s l i ck i und Senator Dal, — das sind' die Namen der Männer, die es gewagt haben, aus jüdischer Einstellung und im Interesse der jüdischen Bevölkerung mit der Regierung zu gehen —, bildeten nunmehr eine e i g e n e I ü d i s ch e F ra k t i o n, mit dem Programme, die Politik der Regierung Pilsudsky zu unterstützen. Wenn es noch eines Beweises dafür bedürfte, daß für Grünbaum und Konsorten Wahlsieg und Wahlniederlage lediglich eine Frage des persönlichen, bestenfalls des Partei-Erfolges oder' Mißerfolges ist, ohne Rücksicht auf die Massen der Wähler und die Interessen der jüdischen Bevölkerung, als deren Wortführer und Sachwalter sie sich aufspielen, diese Feier würde den Beweis geliefert haben. Von 33 jüdischen Vertretern im Parlamente bleiben den Juden im ganzen nur noch 13 oder 14. Was machts? Grünbaum, Hartglas und Levite haben gesiegt! Die Partei über alles, und mag darüber die jüdische Sache! zugrunde gehen. Eine jüdische Siegesfeier nach . Betrachtung Vater - im Himmel, lenke meinen Geist, daß keine törichten Wünsche in meinem Herzen haften- und daß alle Regungen zum Guten sind. Wenn ich nicht selbst auf mich achte, nimmst Du mich, gütiger Vater, vor und weisest mir den Pfad der Pflicht. Nicht dürres Land, ödes Und einförmiges ist sie, sondern blumig duftend und anziehend. Befiehl deine Pfade dem Höchsten, der wird sie gut einrichten und bauen. Bepflanzen mußt hu sie selbst. Wie dem Ackersmann die Erdscholle so ist dir dein Garten zur Bestellung anoertraut — das Leben nämlich. Laß es nicht kahl sein, noch dürftig und schmucklos. Bearbeite und pflege ihn nach bestem Ermessen und nach deinen dir verliehenen Kräften-. Schaue auch in den Nachbarsgarten und stelle dich, daß er gedeiht. Wirf keine Steine hinein und sei behutsam, daß du die Saat darin nicht zertretest. Denke, wie du Freude bereitest. Vier Hände schaffen mehr als zwei. Das bedenke in Liebe, und Gott sei mit dir!