Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1928)
- Date
- 1928-03-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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22. März 1928 Ahnung 'des vorliegenden Entwurfes fei eine Frage der nationalen Ehre. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen hatten, ergriff Kultusminister, Gras K l e b e l s b e r g, das Wort und führte -aus, man wolle keine künstliche Nationalität oder Rassen-Minderheit ans solchen machen,, die kerne abgesonderte Gruppe sein wollen. Das Gesetz honoriere aber die Auffassung der christlichen Gesellschaft. Der Gesetzentwurf würde , dann angenommen. Anerkennung der Status quo-Gemeinden in Ungarn. Budapest, 15. März. Bekanntlich sind in Ungarn juristisch zwei' verschiedenartige Formen der jüdischen Gemeinde anerkannt: die orthodoxe und die neologe Gemeinde. Die Trennung ist nicht allein juristisch, sondern auch praktisch eine vollkommene. Nach dem Wortlaut des ungarischen Gesetzes find zwei verschiedene jüdische Religionen anerkannt. Nun existieren aber auch noch einige (etwa 2V) Gemeinden, die bei der Trennung sich weder der Orthodoxie, noch der neokogen Bewegung angeschlossen haben. Sie nennen sich „Status quo-Gememden" und sind wie dis .erfteven zu einem Bunde zusammengeschlossen. Sie haben jetzt bei der Regierung um die Anerkennung als Körperschaften öffentlichen Rechtes angesucht. Sowohl die neologe wie. dieorthodoxe Landeskanzlei haben sich gegen ihre Anerkennung ausgesprochen. Eine Abordnung der Status quo-Gemeinden begab sich zum Ministerpräsidenten Graf Bethlen, der derselben erklärte, die Regierung sei-entschlossen, dem Bund der Status'quo-Gemeinden die juristische Anerkennung als eine besondere Vertretung der Juden zu> gewähren. Polen. kirschbraun gewählt. Warschau, 19. März. Auf der Reichsliste der, Regierungspartei ist der bekannte Führer der Aguda in Polen, Kirsch braun, in den polnischen Sejm gewählt worden, so daß außer den gewählten jüdischnationalen Abgeordneten, die sich zu einem j üdischen Parlamentsklub zusammenschließen wollen, aus der Regierungsliste zwei jüdische Abgeordnete (der Vertreter der Kaufleute Wyszlicki und der Agudist K i r s ch b r a un) und ein jüdischer Senator (der Präsident des' jüdischen Kaufmannsverbandes in Luck, Dal) jüdische Interessen zu vertreten haben werden. Wie die.polnische Telegraphen-Agentur mitteilt, hat eine von mehreren hundert jüdischen Kaufleuten in Luck abgehaltene Versammlung an die Abgeordneten Wyszlicki und Krrschbraun und an den Senator Dal den Appell gerichtet, sich dem zu bildenden jüdischen Parlamentsklub anzuschließen. Die Mitglieder des polnischen Senats. Warscha u, 13. März. Das endgültige Resultat der am Sonntag durchgeführten Wahlen zum polnifcfj-cn Senat liegt nun vor. Auf der Liste der nationalen Minderheiten wurden fünf Juden zu Senatoren gewählt: in Warschau Ing. Moses Körner, im Kreis Kielce Dr. Zemach Schabad, im Bialystoker Kreis der Wilnaer Rabbiner Rubinstein, im Warschauer Landkreis Salomon Budzister, ferner zwei Juden auf i!?r Reichsliste des Minderheitenblocks gewählt worden find. Es find dies Dr. Schreiber (Landkreis Lemberg) und auf der Regierungsliste Lasar Dal (Landkreis Wolhynien). Demnach werden im polnischen Senat sieben Juden Sitz und Stimme haben. Dem früheren Senat gehörten 12 Juden an. Der I s r a elt t Nr. 12 ' Seite 5 Der „Ostrowzer Rebbe" Warschau. 13. März. In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag verstarb in Ostrowiec im Alter von 74 Jahren der berühmte Raw und Chassidim-Rabbi Jechiel Meier Halst ock, der als der „Ostrorvzer Rebbe" weit über Polen hinaus bekannt und von der gesetzestreuen Judenheit verehrt worden war. In Warschau, wo der Rabbi viele Tausende Anhänger hatte, hat die Nachricht von seinem Ableben große Bestürzung hervorgerufen. Aus Warschau und aus zahlreichen Städten Polens begaben sich zahlreiche Rabbiner und jüdische Abordnungen zur Bestattung nach Ostrowiec. Ferner wird uns über Rabbi Jechiel Meier Halevi mitgeteilt: Der Rabb,i war als Gaon in der Talmudforjchung auch von der nichtchassidischen Welt hoch verehrt. Die Rabbiwürde hatte er nicht ererbt. Sein Vater war simpler Bäcker, und er, der Bäckersohn, erlebte eine Geschichte des Aufstieges, die wie eine Fabel anmutet. Zur Größe und zur Rabbiwürde kam er nach dem Ableben des Grodzisker Rabbi. Auch die christliche Bevölkerung verehrte in ihm einen Heiligen. Seine Menschenfreund- Berlin. Der Aufmarsch der jüdischen Parteien zu den bevorstehenden R e i ch s tagswählen hat damit begonnen, daß der Reichsbund-jüdischer Frontsoldaten ein Wahlabkommen mit dem Zentrai-- verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens getroffen hat. — Im Alter von 59 Jahren verstarb Direktor Moritz Dorn, der seit 1889 Vorsitzender, des Vereins für Palästinakolonisation „Esra" war. — Zur ersten Jahrzeit Paul Nathans wurde dessen Büste im Hause der Jüdischen Gemeinde ausgestellt. Elberfeld. Am 12. März wurde von bübischer Hand der jüdische Friedho f in der nahen Gemeinde Velbert demoliert. Es ist dies die 54. Friedhofsschändung. Grotzwardeia. Nach ungarischen Berichten fanden am letzten Sonntag in Großwardein neue Studentenunruhen gegen Juden statt, die aber die Polizei schon in denAnsangsstadien . eindänimsn. konnten. Lemberg. Bei den Wahlexzessen der antisemitischen Studenten gegen die Juden wurde, wie man jetzt erfährt, auch ein jüdisches Waisenhaus angegriffen. Alle Fensterscheiben würden zertrümmert. Unter den jüdischen Waisenkindern, die bereits in den Betten lagen, war eine wahre Panik ausgebrochen. Bezeichnet» für das sittliche Niveau der Lernberger Huligans! Paris. Auf der hier stattgehabter; Jahresversammlung der Emigrationsveveinigung „Hias-Jca-Emigdirekt" .wurde Dr. Oskar Kahn zum Präsidenten des Verwaltungsrates, Dr. James Simon zum Präsidenten der Exekutive gewählt. Dr. Krain i n und Louis U n g e r werden sich zur Ausführung gefaßter Beschlüsse nach Südamerika begeben. — Im Rahmen der Tagung - des Rates der JCA wurde ein Film gezeigt, der das Leben in den JCA-Kolonien Argentiniens eindrucksvoll illustriert. — Im Quartier Latin kam es m den letzten Tagen zu scharfen Zusammenstößen zwischen rumänischen und jüdischen Studenten. Moskau. . Ein Organisator des Pogromes in Heißen in Podolien von 1919, ein Offizier namens M e d i n s k y, wurde vor kurzem hier erfaßt und vom Gericht zum Tode verurteilt. Bukarest. Unter den Studenten, die aus Anlaß der Pogrome auf der Straße verhaftet wurden, befand sich auch ein Jude namens Josef V k a u, der vom Gericht noch härter bestraft wurde, als die andern. Die antisemitische Presse zog daraus den Schluß, daß jüdische Provokateure ihre Hand mit im Spiele gehabt hätten. Das oberste Militärgericht hat nun das Urteil gegen Blau aufgehoben, da ihm die Anklagemomente nicht begründet ' scheinen, und eine neue. Verhandlung anberaumt. Jerusalem. Das englische Luftverkehrs- Ministerium ersuchte die Palästina-Regierung, in den Plan des großen Hafens in Haifa auch eine Luftverkehrs st ation einzufchkießen, da Haifa als ein wichtiger Punkt der beschlossenen Luftlinie London — Indien über Athen, Cypern und Haifa ausersehen ist. London. Bei den in den letzten Tagen durchgeführten Wahlen zum Gräfschaftsrat (Stadtrat) von London wurden sieben Juden zu S tad t r a ts mi t g l i ed er n gewühlt, u. a. auch Miß Nettie Adler, die Tochter des verstorbenen Oberrabbiners von England, Dr. Nathan Adler. Tunis. Der Großrabbiner von Tunesien, N iss im Riahi, ist am Freitag im Alter von 78 Jahren verstorben. Seit vieen Jahrzehnten war er Mitglied des Beth- )in von Tunis und wurde erst vor einigen Wochen zum Großrabbiner von Tunesien gewählt. Er war ein großer Gelehrter und genoß unter der Judenheit Nordafrikas hohes Ansehen. Wien, Am Freitag, den 9. März, verstarb in Wien im Alter von 72 Jahren Gur Arje Hornstein, bis zur Revolution einer der führenden Zuckerindustriellen Rußlands und ein bekannter jüdischer Philantrop. Cr war ein Sohn von Naphtali Hornstein, dem Begründer 363 großen Handelshauses in Radomischl unweit Kiews, dessen Name unter der russischen Judenheit legendären Klang gewonnen hat. und seine Würden Übetragen sich nun aus seinen einzigen Sohn, Rabbi Je cheskel, der ganz Geist vom Geiste des Vaters ist. - j Für die Ausgestaltung der Hebräischen Universität zu einer Lehr-Hochschule. . Warschau, 19. März.? Die Zionisten-Revisionisten haben eine Propaganda für Ausgestaltung der hebräischen Universität zu. Jerusalem zu einer Lehr-Hochschule mit. allen Fakultäten eingeleitet. Die Universität soll ein Zufluchtsort.für die Opfer des Numerus clausus werden. Eine an die Zionistische Exekutive zu richtende diesbezügliche Petition trägt bereits mehr als 10.000 Unterschriften. Litauen. Ein literarischer Rachlatz. K o w n o, 19. März. Der vor einigen Monaten, wie hier mitgeteilt, verstorbene Rabbi Elje Meier F e i w e l s o h n hat einen wertvollen literarischen Schatz hinterlassen, der im Interesse der jüdischen talmudischen Wissenschaft im Drucke erhalten werden soll. In K u p i s ch k y, dem letzten Wirkungskreise des Rabbiners, hat sich ein Komitee gebildet, das mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit trist, das .geplante Unternehmen zu unterstützen. Es sind 24 Hefte, die Halacha und Agada und auch andere Teile des jüdischen Schrifttums umfassen, abgesehen von vielen wertvollen Arbeiten, die früher in gesetzestreuen Zeitschriften erschienen sind und eine Veröffentlichung. in gesammelter Form verdienen. Die Gemeinde Küpischky hat die Pflicht aus sich genommen, die Familie des Rabbiners zu unterhalten, indes sieht es das Komitee als feine Ehrenpflicht an, die Geisteskinder des großen Rabbi der jüdischen Oeffentlichkeit zuzuführen und appelliert an alle Freunde der Thora Wissenschaft, ihm dabei die nötige Unterstützung zuteil werden zu lassen. An der Spitze des Komitees steht Herr G. G o f m a n u i. Geldsendungen erbeten an „Zydu Liaudis Bankui, del A. Chigerio, Kupiskis (Lithuama)." Bemerkt fei noch, daß die Zentrale der Agudas Harabanim in Litauen in einer Anschrift auf dem Aufruf auch ihrerseits die gesetzestreue Oeffentlichkeit aufruft, die Herausgabe des Werkes zu ermöglichen. Die Durchsicht und die Herausgabe hat der kongenial« Sohn des verstorbenen Rabbi, Rabbi Baruch Joses, übernommen. Rrrmümen. Die rumänische Regierung und die erneuerten Studentenunruhen. Bukarest, 18. März. Der rumänische Ministerrat befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit dem erneuerten antisemitischen Terror der rumänischen Studenten an den Universitäten und beschloß, den Behörden entsprechende Instruktionen zu erteilen und sie insbesondere anzuweisen, excedierende Studenten, die die jüdischen Hörer gewaltsam vom Besuch der Vorlesungen zurückzuhalten versuchen, sofort zu verhaften und dem Kriegsgericht zu übergeben. lichtest war sprichwörtlich. Den letzten Sabbat verbrachte er, obwohl schon krank, im Kreise der Chassidim. Nach Sabbatausgang zog er sich zurück, nahm Abschied von seiner Familie und schlummerte sanft hinüber.' Er führte ein asketisches Leben und fastete sehr viel. Sein Amt Belgien. Eine TMnderheilenkommifsion beim Völkerbund. Brüssel, 16. März. Die Minderheitenkommission der Völkerbundsligen hat den für die europäische Minderheitenpolitik wichtigen Beschluß gefaßt, bei dem Völkerbund zu beantragen, dieser möge eine permanente Minderheitenkommission entsprechend der Mandatskommission einsetzen, welche das ganze Minoritätenproblem prüfen und ständig überwachen soll. Dieser Antrag stammte von dem deutschen Delegierten Junghanns. Er fand eine große Majorität. In Opposition befanden sich anscheinend nur die Jtaliner, Polen und Rumänien. Ferner beschloß die Minderheitenkommission, zu beantragen, daß durch den Haager Gerichtshof ein allgemeines Minoritätenrecht ausgearbeitet werden solle. ITA.) Frankreich. Bildung einer Internationalen Liga zur Bekämpfung der Pogrome. Paris, 14. März. In Paris hat sich unter dem Namen „Antipogromliga" eine Vereinigung zur Bekämpfung der Hetze gegen