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Der Israelit · 1928-03-22 · Heft 12 (22.3.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 12 (22.3.1928)
Date
1928-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 12 allumfassendes Thora-Parlament der amerikanischen Judenheit zu schaffen. In der Vergangenheit herrschte eine abergläubische Verehrung für das „Jiddische" als ausschließlicher Träger der göttlichen Gnade und Offenbarung. Dieser Glaube hat uns viel Schaden getan, er hat verhindert, daß das Wort Gottes unsere englisch sprechende Jugend erreichte. Aber wir sind jetzt in das andere Extrem verfallen, und die Union scheint in den Augen vieler tausende das Dogma zu vertreten, daß die Thora auf Englisch gegeben wurde. Wir haben auf diese Weise das jiddisch sprechende Element unseres Volkes vernachlässigt, und doch herrscht bei ihnen der Enthusiasmus, dessen die kühlere Atmosphäre der akademischen Diskussion entbehrt. . Sie besitzen das Wissen und die Vertrautheit mit der Tradition, wie sie unsere Doppelkultur mit ihrer starken Beanspruchung unserer Zeit, unserer Energie und unseres Intellekts allzu Häufig ausschließt. Deshalb brauchen wir die Intensität des Downtown-Juden und die Gelehrsamkeit des Downtown- Rabbi. Von den sechshundert orthodoxen Rabbis in den Vereinigten Staaten, die Wissen und Charakter, r^ine Hände und Herzen haben, brauchen wir jeden Einzelnen in u n s e r e r U n i o n. Durch sie allein können wir die Eltern gewinen. Wir müssen die jiddisch sprechenden Eltern gewinnen in unserer Anstrengung, die englisch sprechende Jugend zu erziehen. Als Juden müssen wir die Generationen mit einander versöhnen. Auch dürfen wir nicht mit der Mitgliedschaft von 200 Gemeinden zufrieden sein, sondern brauchen zweitausend, zusämmengeschlossen durch ein Band der Arbeit, die Gottes Willen mit ganzem Herzen verwirklicht sehen will. So beantrage ich, daß wir nicht Resolutionen fabrizieren, slKwern in der A l l t a g s a r b e i t missionarisches Werk unter allen Zungen der amerikanischen Judenheitvollbringen; daß zwei oder drei Vertreter der jiddisch sprechenden thoratreuen Juden in' unser Präsidium gewählt werden, und daß diese Konvention mit den Leitern der Orthodoxie aller Sprachen und Landmannschaften in Fühlung tritt. 4. Das Prinzip der Union. Wir stehen für absolute Gesetzestreue ein, ohne ein Jota von Kompromissen, für den Glauben unserer Väter, für die Forderung am Sinai, für das gottgegebene Geschick Israels, für die ungebrochene Kontinuität der jüdischen Tradition. Wir sind nicht im mindesten an einer Zukunft Erez Jisroel interessiert, wenn diese nichts in unserer alten Traihm ein ausführliches Antwortschreiben, dem u. a. zu entnehmen ist: Dr. Lurie hat längere Zeit in Buchara die Sitten, Gebräuche und kulturellen Verhältnisse der einheimischen jüdischen Bevölkerung studiert/ die eine kompakte Masse von etwa 12.000 Personen bildet. Man trifft dort viele jüdische Familien, die nicht weniger als 200 Angehörige zählen, wobei der Urgroßvater der gesamten Familie häufig noch am Leben ist. Dr. Lurie hat es sich zur Aufgabe gestellt, die Kulturdenkmäler der Juden des Orients, vor allem der persischen Juden, zu sammeln. 1926 wurde das Statut der „Jüdischen Gesellschaft für Wissenschaft und Bildung in der Sowjet-Republik Usbekistan" von der Regierung' bestätigt. Es arbeiten zur-. zeit noch wenige Personen in der historisch-ethnographischen Sektion der Gesellschaft. 1927 wurde die von Lurie angelegte Sammlung des Museums anerkannt Und deren Erhaltung vom Staate übernommen. Das Museum besteht aus einem Archiv und einer Bibliothek. Die Bibliothek besitzt u. a. Frühdrucke aus dem Anfang des 18. Jahrhun^rts und 36 jüdisch-persische Handschriften. Im Museum wird eine jüdische anthropologische Station ein* gerichtet. ' Es macht sich, berichtet Dr. Lurie weiter, im iüdischer, Leben der einheimischen Juden ein großer Aufschwung, bemerkbar. Eine einheimische Intelligenz ist im Entstehen begriffen. <> , Dr. Lurie ist gegenwärtig u. a. mit des Registrierung; der Thorarollen beschäftigt, die der bucharischen Geniza entstammen. Vom Umfang des Materials zeugt das Gewicht desselben: 100 Pud: 1500 Kilo. Es befinden sich darunter zahlreiche Handschriften aus der Zeit vor Mmmonides.! r l U Der Israelit dition wurzelt. Für. uns repräsentiert das Land unserer Väter die. große Gelegenheit, Ideale der Thora in vollendeter Form zu verwirklichen.... Ueber alles Zeitungsgeschwätz und über allen MassenmeetiÜgs-Enthusiasmus hinaus müssen wir wissen,' daß wir nur in tödlichem Ernst Erfolge erringen können. Nur wenn wir von dem Gefühle der Verantwortlichkeit durchdrungen sind, werden wir die Energie sammeln, die Willenskraft zeitigen und das persönliche Beispiel darbieten, die nötig sind/ wenn die Thora wieder der Mittelpunkt und die Quelle alles Lebens in Israel werden soll. 5. In unserer Geeintheit werden wir von außen unbesiegbar sein. Die amerikanische Orthodoxie, wenn sie geeint ist, wird ihre Arme der thoratreuen Judenheit auf der ganzen Erde entgegenstrecken. . Hinter der vereinigten Orthodoxie Amerikas steht die Orthodoxie ganz Israels. Hinter einem vereinigten Israel steht unsere Jugend. Israel ist nicht interessiert an Kompromissen, unsere Jugend betrachtet solche als Feigheit. Wenn wir die Autorität des Din Thora derart reduzieren, daß wir fte in eine Schein-Harmonie mit einer Scheinkultur bringen, werden unsere Vorfahren uns verwerfen, und wir werden Verräter in unseren eigenen Augen sein. L a ß t u n s st a r k s e i n a u f d e m Grunde thoratreuer Solidarität. storresponüenren Nachrichten. Deutsches Reich. Vor der Tagung des Landesverbandes. — Die Jüdische Volksparlei und das Judengefeh. Berlin, 14. März. Auf der Tagesordnung der am 25. März , im Herrenhaus zu Berlin zusammentretenden Landesversammlung des Preußischen Landesverbandes figuriert neben der Frage des Reichsoerbandes als wichtigster Punkt die Schaffung eines neuen, das Gesetz von 1847 ersetzenden Judenrechtes. Es haben zwischen dem Preußischen Landesverband und dem Halberstädter Verband eingehende Aussprachen stattgefunden,. M eine Ungleichung der Entwürfe, die beide Verbände dem Ministerium zugehen lassen wollten, bezweckten. Cs herrschte aus beiden Seiten Klarheit darüber, daß nur dann das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung dem Landtag eine Vorlage zugehen lassen werde, wenn möglichst weite Kreise der preußischen Judenheit den Entwurf gutheißen. Bekanntlich hatte auf^derlötzten Landesversammlung die . Fraktion der Jüdischen Molkspartei eine Erklärung abgegeben, daß der von/der^Be^aMmlung angenommene Entwurf ihre Billigünjj'ülcht 'Mde und sie bei der Behörde ihre abweichende M^inung'Hltend machen werde. Aus diesem Gründe st die Frage des Judenvechtes von neuem auf die 'Tagesordnung des Landesverbandes gesetzt worden. -7- Wie dem JTA-Vertreter aus Kreisen der Jüdischen Vorkspartei mitgeteilr wird, wird die Fraktion der Volkspärtei in den Fragen, die für sie von prinzipieller Bedeutung sind, die Haltung, die sie auf dem vorigen Verbandstag eingenommen hat, beibehalten. Sie wird also insbesondere verlangen, daß den Ostjuden das passive Wahlrecht auch züm Gemeindevorstand gewährt wird, daß im Gesetz der Zwangsverband verankert wird, fo daß jede Gemeinde notwendig einem der bestehenden Landesverbände angehören muß, und sie wird vor allen Dingen gegen das Bestehen über-, territorialer, an keinen Ort. gebundener Personal- oder Bekenntnisgemeinden kämpfen. Nach Auffassung der Volkspartei würden solche Personalgemeinden nur eine <§rleichtzryyng des Austritts bedeuten und die Stellung der: DerMorialgemeinden erschüttern. Ed' besteht'jedoch H^fssping, daß über alle diese Punkte eine Einigung strziel^we^den kann,, so^daß ,wenn auch mit 'dem HKberstädter Verband ein UebereinkommM grossen ist, in kurzem die Regierung zur Vorbereitung eines Gesetzes wird aufgefordert werden können. (Die Bestrebungen der Jüdischen Volkspartei im Zelt- / 22. März 1928 alter der Trennung von- Staat, und Kirche einen. Zwangsverband jüdischer Gemeinden zu schaffen.. sind so unzeitgemäß, daß di« Herren sich wohl über die Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen keiner Täuschung hingeben. Was die Bekenntmsgemeinden betrifft, so wird sich über die Frage, ob sie überterritorial sein können, wohl reden lassen. Dagegen ist jede Aussicht auf eine Einigung verbaut, solange man versucht, an dem P r i tt z i p der Bekenntnisgemeinde Und an der Möglichkeit eines formlosen Uebertritts von einer Gemeinde zur anderen, sofern er aus religiösen Gründen erfolgt, zu rütteln. Red.) Pesfach-Rezeptur. Berlin, 19. März. Die diesjährige Medikamentenliste der Lebensmittelkommission der traditionellen gesetzestreuen Rabbinervereinigung ist erschienen. Sie ist rezepttaschenbuchartig geordnet, bedeutenerweitert und enthält viele praktische Winke für Rabbiner und Aerzte. Der zur Deckung der Spesen festgesetzte Preis beträgt Mk. 1.— pro Heft. Bestellungen sind an M. Ganzer, Berlin N. 24, Oranienburgerstraße 26, zu richten. Kriegsbeschädigte. Köln, 15. März. Das Konsulat teilt mit, daß am 22. März 1928 um 4 Uhr nachm., in seinem Amtslokal eine Superrevisions-Kommission für Militärinvalide zuammentreten wird. Cs ist von Interesse/ daß die ehemaligen österreichischen, russischen und preußischen Kriegsbeschädigten, die sich um Erteilung einer Invalidenrente bewerben, davon rechtzeitig erfahren. Bemerkt wird noch, daß der Kommission nur diejenigen Invaliden vorgestellt werden können, die noch nicht durch eine polnische Kommission nachgemustert worden sind. Vom Israelitischen Hilfsverein in Frankfurt a. M., wird uns noch dazu geschrieben:. Es liegt im Interesse der Kriegsbeschädigten, sich durch die jetzt zusammengetretene Kommission nachmustern zu lassen, da von dem Ergebnis der Nachmusterung ev entl. Erteilung einer Invalidenrente abhängt. Eine solche Kommission wird nicht so bald wieder amtieren. Angar«. Die Numerus clausus-Vortage Gesetz. Budapest, 15. Marz. Das ungarische Oberhaus hat die von der Regierung eingebrachte Revision des Gesetzentwurfes über den Numerus clausus mit Stimmenmehrheit a n g e n a m me n. Die Debatte zeigte wie in den vorangegangenen Tagen ein hohes Niveau. Dr. Samuel Glücksthal führte aus: ich bin der Ansicht, daß der außenpolitische Gesichtspunkt hier nicht zu diskutieren ist. Das erkläre ich als Jude, denn die ungarische Judenheit-hat sich offiziell zu 8er Auffassung.bekannt, den Trianonvertrag nicht als Mchtsquelle anzunehmen, weil-die-Frage des Numerus clausus im ausschließlichen Bereiche der ungarischen Gesetzgebung liegt: Darum erklärten die ungarischen Juden, daß sie lieher noch .eine >Z.eitkang 5ie stiesmütter- .lichen Bestimmungen -dieses ungarischen Gesetzes weiter hinnehmen, es jedoch ablehnen, aus Trianon, dieser Quelle aller Bitternisse unseres Vaterlandes, für ihre eigene Lage abzuleiten. Dieser Beschluß -der ungarischen Juden ist seinerzeit dem Völkerbund zur Kenntnis gebracht worden. Die Judenheit ist ein unentbehrlicher Bestandtell des wirtschaftlichen Mechanismus, und wenn wir sie zurückdrängen, so führen wir damit einen Schlag gegen die ungarische Volkswirtschaft. 1920 bis 1925 war die Zahl der Juden in Budapest um 10 000 zurückgegangen. Mehr als 2000 jüdische Jünglinge besuchen jetzt ausländische Universitäten. Der jüdische Student wird auch künftig die ausländischen Universitäten aufsuchen müssen. Wir ungarischen Juden wollen an der Arbeit des Wiederaufbaus Ungarns teilnehmen, wir haben das Recht hierzu von Gott empfangen, keiner kann es uns nehmen. .. Dr. Immanuel L ö w, der Oberrabbiner von Szegedin, sprach vom den Ausschwingungen des Antisemitismus in,.den Aemtern, .Das Innenministerium:.verweis gert' die 'Mägyarisierung der Namen von' Juden. Der neue Entwurf ist das trojanische. Pferd, ein Danaergeschenk für die Judenheit. Jede bisherige Einschränkung enthalt das neue Gesetz in verschleierter Form. Die Ab-

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