Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1928)
- Date
- 1928-03-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Nr. 7 Der Israelit Blätter iS März 1828 wirklich kein besseres Wort dafür, — mache einer dem Verfasser nach! Wir fürchten, daß hier die „Seltsamkeit" und t das mangelnde Durchdenken der Sache, d'e er - der Jugendorganisation vorwirft, leider dein Verfasser selbst — er verzeihe uns dies — zur Saft fallen. Er nimmt Anstoß an jedem Zwischending und Kompromiß in dieser Frage, an „dieser seltsamen Verquickung von-Werk- und Erziehungsbund, die dem O. V. nun vorschwebt." Will er ernstlich eine so unnatürliche Trennung von Politik und Erziehung vornehmen, daß die Jugend von der ganzen „Politik" ängstlich ferngehalten wird- und die sich selbst überlassene Politik ohne Jugend aus der einen, die „unpolitische" Jugend auf der anderen Seite sich fremd, wenn nicht gar feindschaftlich, jedenfalls aber' verständnislos gegenüberstehen? Ist ihm die „Politik" wirklich so unheilig? Und dies, obwohl er, wie aus feinen weiteren Darlegungen hervorgeht, das Referat von Jacob Rosenheim über „Jüdische Politik" gehört hat. Verfasser ist jedenfalls offenbar der Ansicht, daß wir entweder auf Agudas Jisroel oder auf den echten Charakter als Erziehungsbund verzichten müssen. Jedenfalls sei die Verquickung - von beidem sowohl der Werbung von Mitgliedern, wie der Erziehung schädlich.' Wir sind schon bezüglich dieser letzteren Frage anderer, ja geradezu gegenteiliger Ansicht, wenn auch die ideale Verbindung der beiden organisch zusammengehörigen und nicht willkürlich auseinanderzureißenden Dinge bisher weder in der A. I. I. O. noch — im Esra verwirklicht ist. Selbst wenn ein solcher Schaden heute — aus anderen Gründen, als Verf. angibt — wirklich zu befürchten wäre, bliebe uns ja kein anderer Weg. Hält aber Vers., um zu der erstberührten Frage der prinzipiellen Möglichkeit und Richtigkeit einer Verbindung der beiden Elemente zurückzukehren, es in der Tat im Ernst für unmöglich oder unrichtig, daß sich Agudisten als solche und zwar im Rahmen der Agudas Jisroel-Organisation zu einem Erziehungsbund zusammenfinden, ja, glaubt er nicht, daß dies gerade der ideale und vollkommene Erziehungsbund wäre? Von der heutigen bedauerlichen parteipolitischen Zersplitterung des gesetzestreuen Judentums, die ja auch Verf. in diesem Zusammenhang nicht erwähnt, ist dabei freilich abgesehen und Agudas Jisroel als dasjenige betrachtet, was sie sein sollte und werden muß, nämlich die Organisation des gesamten gesetzestreuen Judentums. Leider hat Verf. in seinem Aufsatz die ganz prinzipielle Frage des Verhältnisses von Politik und Erziehung doch noch Nicht genügend geklärt. Vielleicht tut er dies noch und weist dann auf Grund dessen A. I. I. O. im Ernst einen Ausweg, wie sie sich aus der-nach seiner Ansicht seltsamen, aber doch wohl durch die Tatsachen gegebenen Doppelnatur als Werbeorganisation und Erziehungsbund oder anders formuliert, als Jugendorganisation und Jugendbewegung (vgl. das Referat von Dr. Eli Munk auf dem Frankfurter Bundestag) freimachen könne. Wir möchten hiermit unsere Bemerkungen beschließen, nicht ohne jedoch noch im Anschluß an die letzterwähnten Gedanken ein grundsätzliches und ehrliches Wort zu sprechen. Es stimmt traurig, gerade im Augenblick, da A. I. I. O. vielleicht wirklich den Versuch machen will, auf erzieherischem Gebiete, etwa im Geiste des Esra, etwas zu leisten, solche Ausführungen und zwar merkwürdigerweise vom Vorsitzenden des Esra- Bundes zu lesen, die kaum erkennen lassen, daß man diesem Versuche irgendwelches Verständnis entgegenbringt. Unmöglich anzunehmen, daß 'ifsra etwa die „Konkurrenz" fürchte. Solche Konkurrenz könnte doch nur heilsam sein und zur Zusammenarbeit führen. Schlimmer scheint uns aber nun jene Stimmung, die sich leider bereits eine, wenn vielleicht auch .kleine Gruppe in auch der Aguda nahestehenden Kreisen, insbesondere des Esrabundes, erobert hat. Dieser Standpunkt schließt sich in seinen Erziehungsbund ein und glaubt nun aus dieser Höhe in. vornehmer SAbstschätzung und | Geringschätzung der politischen Parteien, in unserem Falle Agudas Jisroels, auf diese lächelnd herabblicken zu können. Nichts oder doch kaum etwas vom Gefühl eigener Verpflichtung gegenüber diesen politischen Parteien! Wir möchten warnen und zu bedenken geben, daß sich jene allzugroße Vornehmheit, um nicht zu sagen Selbstüberhebung, an den Vornehmen selbst rächen könnte. Wir finden ähnliches ja heute, auch■ in anderen Jugendbewegungen und man kann häufig Klagen hierüber in politischen Zeitungen lesen. Es ist dies — Romantik, wenn auch z. B. Verf. selbst in seinem Aufsatz sich als geschworenen Feind aller Romantik bekennt. Dann ist er sich eben offenbar dieser Romantik seines (vermutlichen) Standpunkts — er hat sich in dem Aufsatz noch nicht klar darüber ausgesprochen —: nicht bewußt. Es rächt sich aber immer, wenn man an der Wirklichkeit, — und die politischen Organisationen sind doch zweifellos in hohem Maße und in viel unmittelbarerer Weife als etwa die Erziehungsbünde wirklichkeitsgestaltend — vorbeisieht. Es gibt bekanntlich Pflichten gegenüber der jüdischen Gesamtheit, das sogenannte ivanr. Wir wollen nicht hoffen, daß einst eine Zeit kommt, in der die „Romantiker", die sich in bester Absicht lediglich ihrer weiteren Selbstvervollkommnung in Erziehungsbünden oder auch außerhalb derselben gewidmet haben, für die Schäden zur Verantwortung gezogen werden, welche die sich selbst überlassene Politik unterdessen infolge der selbstzufriedenen und vornehmen Zurückhaltung jener Kreise an der Jüdischkeit der großen Masse angerichtet hat. Wir fühlen uns nur verpflichtet, diese Kreise zu warnen. Um jedoch mit Gutem zu schließen: Wir glauben selbst nicht, daß die hier geschilderte Stimmung sich am Ende in ihre letzten Konsequenzen auswachsen wird. Vielmehr wird sich das ernste Verantwortungsgefühl und der gesunde Wirklichkeitssinn unserer gesetzestreuen jüdischen Jugend schließlich auch auf diesem Gebiete durchsetzen. 8oeden erschienen: Protokoll des Bondes-Tages der Agudas Jisroel Jagend-Organisation. 24 —27. Dezember 1927. (Über 100 Seiten stark). Ein literarisches Werk von dauerndem Wert. Preis Mark 2.50 Bei Sammelbestellungen Rabatt. Binzalllungen auf Postscheckkonto der Organisation Frankfurt a. M. 68 285. Die zweite Tagung der Agudas Zisroel-Zugend in der Schweiz. Zürich, 13. März. Es war wieder einmal ein untrügliches Zeichen dafür, daß sich ein großer Teil der schweizerischen jüdischen Jugend zur wahren Tauroh- Jdee bekennt, als am Sonntag den 4. März sich nahezu 150 junge Leute in der Tonhalle in Zürich versammelten, um sich mit großer Begeisterung über unsere heiligen Ideale in freier und ungezwungener Weise auszusprechen. Herr E. S t e r n b u ch, St. Gallen, Präsident des Jugendverbandes, begrüßte die Versammelten in warmer^ Worten. Er wies eingangs auf die vor VA Jahren stattgehabte erste Jugendtagung in Baden hin und hob dabei ins-' besondere hervor, daß der damals geäußerte Wunsch nach einer Thorastätte in der Schweiz seine glänzende Verwirklichung gefunden habe. Er begrüßte hierauf die anwesenden Vertreter des Landesverbandes sowie die Vertreter der deutschen und österreichischen Jugendorganisation, .die es sich nicht hatten nehmen lasten, an der Tagung ihrer Schwesterorganisation teilzunehmen. Es wurde sodann das Tagespräsidium bestellt aus den Herren: M. D. Lewenstein, E. Sternbuch, Moscheh Erlanger, Dr. Ortlieb, Nordmann, Domb und Ollach. Den Tätigkeitsbericht , für den Jugendverbands-Vorstand seit der ersten Tagung erstattete Herr E. Sternbuch. Mit Freude konstatierte er sowohl die Stärkung der einzelnen Gruppen als auch die intensive Arbeit, die in denselben geleistet wurde. In" der dem Bericht folgenden Diskussion wurde bedauert, daß btr I. V. V. der individuellen Bearbeitung der Mitglieder zu wenig Aufmerksamkeit schenkesowie daß es mit den Finanzen immer noch nicht am besten bestellt sei. Mit großer .Spannung verfolgte hernach das Auditorium das klar aufgebaute Referat, das Herr S. Stern, Wien, über: „ Politik i n der A g u das J i s roel" hielt. In ausführlicher Weife schilderte er den Werdegang der. selbständigen Orthodoxie und betonte an Hand einer Reihe geschichtlicher Tatsachen, die Notwendigkeit derselben. Politik der Agudas Jisroel bedeute nichts anderes, als die praktische Umsetzung des Thoragesetzes ins öffentliche Leben, und es sei deshalb notwendig, daß die Jugend mit dieser „Politik" vertraut sei. Die mit, allgemeinem Beifall aufgenommenen Ausführungen riefen längere Diskussionen her- - vor. Dabei wurde das Verlangen laut, daß sich die Jugend den politischen Beschlüssen der obersten Leitung zwar zu fügen habe, sich jedoch andererseits eingehend über die verfolgte politische Richtung aussprechen sollte. Herr Stern ergriff dann noch einmal das Wort zu ergänzenden Ausführungen und Richtigstellungen. Sogleich nach dem Referat von Herrn Stern begaben sich die Mädchen in einen Nebensaal, um einen Vortrag von Frl. Rl Stern buch über T r a d i t i o n e l l e s I ü d e n t u in und Emanzipation des jüdjschen Mädchens" anzuhören. Die Referentin führte aus, daß die Emanzipation des jüdischen Mädchens keine Vermännlichung und kein Lossagen von ihrem Kreise bezwecke, sondern die i rin e r e Freiheit der Frau, die sie durch Pflichterfüllung (Mrzwaus) erreicht, bedeute, daß sie dank ihrer natürlichen Gaben, wie Verständnis für Andere, Güte usw, den ihr zugewiesenen Posten vollständig ausfüllen könne. Ueber diese von allen Zuhörcrinnen mit größtem Interesse aufgenommenen Ausführungen wurde die Diskussion erst am Nachmittag geführt, wobei Anregungen, betr. gute jüdische Literatur, engeres'Aneinanderschlie- . ßen der Mädchen usw. gegeben wurden. Das gemeinsame Mittagessen vereinigte nach der arbeitsreichen Vormittagssitzung die Teilnehmer zu einer gemütlichen halben Stunde. Der neue Verbandsvorstand wurde alsdann einstimmig aus den Herren: E. Sterbuch,-St. Gallen, als Präsident; M. Erlanger, Luzern, Feldinger, Basel, R. Goldschmidt u. Ollach, Zürich, sowie M. D. Lewenstein, als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft, gewählt. Sodann ergriff Herr Dr. S. Stein aus Köln, das Wort zu seinem Referat über ,, U nsere Probleme". Er stellt die Forderung nach Jndividualbehandlung der Jugendlichen auf, da es keine Jugend gebesondernmur Jugendliche. Zu tieferem Verständnis für diese Jugendlichen müßten Führer herangebildet werden,, die durch ihre Jugendlichkeit befähigt sind, der Psyche des jungen Menschen genügend Verständnis entgegenzubringen.. Er beantragt die Einführung von Führerkursen. In der darauffolgenden Aussprache stellte Frau Irma Erlanger eine Anfrage f über den seinerzeit an der Badener Tagung gei faßten Entschluß, während der Sommerferien § einen'Führerkurs einzurichten. Hierauf wurde der seinerzeit gefaßte Beschluß laut Protokoll vorgelesen. Der Kurs wurde damals wegen Ungenügender Beteiligung, nachdem der finanzielle Punkt sowie das Arbeits-Programm gereglt waren, nicht abgehalten. Die Versammlung beschloß, ‘