Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1928)
- Date
- 1928-03-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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fr# m i ' *; n 1$ (aller fierausgege6en pon der fandesoeganifatton der DgttdoS'Jisrocf io Denffefiland ,q Zahrgang Kankfurt a. M, 15 März ,928/23 Adar 56!>8 Nummer 7 Die Adar-Akkion zur Zeit des Tempelheiliglums. „Es ist ein Gebot der Thora, daß jeder jüdische Mann den halben Schekel alljährlich gebe, sogar der Arme, der sich durch Almosen ernährt, ist dazu verpflichtet. Er möge sich von anderen das Geld ausleihen oder sein Kleid verkaufen und einen halben Schekel geben nach der Thoravorfchrift: der Reiche nicht mehr und der Arme nicht weniger. Man gebe es nicht in Raten, heute einen Teil und morgen einen Teil, sondern das Ganze auf einmal." „Am 1. Adar wurde ein Aufruf erlassen, daß ein jeder seinen halben Schekel vorbereite, um ihn dann geben zu können. . Am 15. Ädar haben die Einkassierer in jeder Provinz ihre Forderungen erhoben. Wer ihnen gab, von dem nahm man, wer ihnen nicht gab, den zwang man noch nicht. Am 25. Adar begann die Erhebung des Schekels im Tempel. Von da an und weiter zwang Man denjenigen, der nicht gegeben hat, bis er gab und wer nicht gab, den pfändete man." (Muimonides, Vorschriften über Schekolim, Kap. I. 1, 9.) Die T h o r a p f l i ch t des Schekel ,erstreckt sich nur auf die Zeit des Tempelbestandes, aber Agudas Jisroel ruft nach geheiligter Tradition auch heute auf, in Erneuerung des Geistes jener halben Schekelspende für den Wiederaufbau des alten Heiligtums einzutreten. . : D i e s e Adar-Spen.de dient der Erhaltung und Stärkung des Thoraelementes im heiligen Lande. D e r 2 5. Ad ar istvorbei. Darum frage sich jeder, ob er bereits seiner Pflicht genügt hat, ob er durch die Spende seines halben Schekels dazu beigetragen hat, dem gegenwärtigen Aufbau des heiligen Landes den Stempel des reinen historischen Judentums zu geben. 1500 Kinder warten auf die Schekelspende der» diesjährigen Adar! Palästina - Centrale der Agudas Jisroel Postscheckkonto Nr. 53 900 Frankfurt a. M. «Unsere Einstellung zu Erez Jisroel". Eine Erwiderung. Von Asr. Mustar, zu deutsch Zurechtweisung, ist eine schöne Sache. Jedoch muß die Zurechtweisung im Geiste ernster Selbstverantwortung sowie der Liebe und völligen Verständnisses der Motive des^ Zurechtgewiesenen geschehen, wenn anders sie Erfolg haben und nicht gar das Gegenteil des Beabsichtigten erzielen soll. In Nummer 4 der „Blätter" sagt Felix Munk uns, d. h. in diesem Falle der Agudas Iis - roe! und insbesondere der A. I. I. O. Mussar. So leid es uns tut, dies sagen zu müssen, müssen wir doch die Befürchtung aussprechen, daß der geehrte Verfasser die eingangs erwähnten Voraussetzungen einer echten Zurechtweisung nicht, oder doch nicht in genügendem Maße, erfüllt hat. Nur die Folge dieses wesentlich subjektiven Mangels scheint es uns zu sein, daß sich die Ausführungen des Verfassers auch in sachlicher Hinsicht als so sehr kritik- und ergänzungsbedürftig erweisen. Schon gleich die Anfangsdarlegung des Verfassers tut infolgedessen u. E. den Einberusern und Leitern des Frankfurter Bundestages Unrecht, wenn er davon ausgeht, daß das Erez Jisroel-Referat von ihnen auf eine Zeit verlegt worden sei, die „weder Tag noch Nacht". Wird doch jeder wirkliche Kenner der Verhältnisse ohne weiteres zugeben, daß den Veranstaltern nichts ferner gelegen hat, als die Absicht, hierdurch etwa eine Mißachtung des Themas „Erez Jisroel" zum Ausdruck zu bringen und daß auch objektiv; ber Ausdruck einer solchen Mißachtung hierin in > keiner Weise gefunden werden konnte. Der Vorwurf wäre u. E. in dieser Form besser unterblieben. I Verfasser behauptet im übrigen, feit dem Würzburger Bundestag der A. I. I. O. bei dieser und bei Agudas Jisroel überhaupt ein starkes Abklingen der Erez Jisroel-Begeisterung bemerkt zu haben. Die Wahrnehmung dürfte richtig fein. Freilich n'cht nur in bezug auf die Agudasondern auch hinsichtlich der anderen jüdischen , Organisationen, die zionistische nicht ausgenommen. Merkwürdig nun allerdings, daß es dem Herrn Verfasser nicht gelungen ist, die doch gewiß Nächstliegende psychologische Ursache dieses Nachlafsens der ""-Begeisterung zu erkennen und 'dann auch gerechterweise aus?usvrechen. .Es ist i doch schließlich mehr als begreiflich, wenn jemand nach menschlichem Ermessen keinerlei Möglichkeit sieht, jemals selbst n ach - kommen zu können, — und nahezu unsere gesamte Jugend befim sich doch heute in dieser Lage.—, daß dann d'u Begeisterung einigen Abbruch erleiden muß und .man —. wohl zu se'nem eigenen tiefen Schmerz — gezwungen ist, sich vor allem auf die jüdischen Aufgaben ^vn nr*-»'-*-’?it konzentrieren. Wir lieben wahrhaftes Mussar, weil ohne es jeder. Fortschritt und jede Besserung unmöglich ist, meinen aber doch, dak Verfasser das vorerwähnte Moment Nicht überseben durfte. Wie will man den Ermahnten zur Anerkennung und Beherzigung der Mahnung veranlassen, wenn man ihm nicht zeigtdaß man überhaupt das nötige Verständnis für die Beweggründe seiner Handlungen aufgebracht hat. Man kann die Jugend darob tadeln, daß sie vor zwei Jahren in Würzburg allzu begeistert war, sich allzu großen Hoffnungen bezüglich der Zukunft Erez Jisroels als unmittelbarer Zufluchtsstätte für uns alle hingab. Gerade von den vom Verfasser genannten Führern konnte übr'gens schon damals jeder, der es wollte, die eindringliche Forderung „Bremsen!" hören und lesen; war es ja gerade diese Nüchternheit der führenden Persönlichkeiten, die der Agudoh in den ersten Jahren der Geulah-Begeisterung nach Kriegsende die wütende Feindschaft der gesamten Zionistenpresse eintrug. War über auch unsere Jugend vor zwei Jahren zu optimistisch und zukunftsfroh, so sollte man sie ob dieser Haltung, die doch nur Ausdruck eines schönen und letztlich guten Idealismus war, nicht mit feurigen Ruten züchtigen. Immerhin wollen wir ja lernen und freuen uns, wenn wir Gelegenheit dazu haben. So wollen wir denn aus diesen Ausführungen des Verfassers lernen, unsere Begeisterung auf festere und beständigere Grundlagen zu stellen, sie mehr durch die kritische Nüchternheit des Verstandes zu kontrollieren, als dies bisher öfters der Fall war. Die Erez Jisroel-Frage ist zweifelsohne e'n ganz geeignetes Beispiel dafür, daß es uns bisher an einer haltbaren, festen ideologischen Fundierung unserer EinDllung zu den politischen und unpolitischen Aguda-Problemen vielfach gefehlt hat. Haben wir diese standfeste Grundlage unserer Anschauungen, so brauchen wir. nachher keine Abstriche davon zu machen und auch nichts hinzuzufügen. Dies dürfte also der berechtigte -Kern der Kritik des Verfassers fein, den wir beherzigen wollen. Seine weiteren Ausführungen beschäftigen sich mit der prinzipiellen Frage, ob A. I. I. O. ihrer Bestimmung nach nur Werbeinstrument für Agudas Jisroel, „Resonanzboden für die Anschauungen der agudistischen Führer", oder Erziehungsbund sei. Wir wollen nicht auf alle Einzelanführungen des Verfassers eingehen, insbefondere auch bezüglich des angeblichen „Führer- . kults" in Agudas Jisroel. Vielleicht dürfen wir j aber hier den Verfasser einmal persönlich apostrophieren und ihn fragen, ob beispielsweise er selbst jemals in der Ausübung auch öffentlicher Kritik an Agudas Jisroel und ihren maßgebenden Instanzen behindert wurde. Vielleicht haben er und seinesgleichen von dieser Möglichkeit bisher nicht ausreichend Gebrauchs gemacht? Hat nicht gerade der Frankfurter Bundestag, wie Verfasser weiterhin selbst zugibt, bewiesen, daß man die Kritik, — von ihm „Opposition" genannt, — zu hören wünscht? Mußten Verfasser und die „Opposition" erst durch den Frankfurter Bundestag aus ihrer, sagen wir: Zurückhaltung gegenüber Agudas Jisroel aufgerüttelt werden? Wundert man sich aber, wenn die große Masse, — und Agudas Jisroel ist doch in erster Linie auch eine Massenorganisation, — wie stets, so auch in .Agudas Jisroel den Handlungen der Führer rit größerer oder geringerer Kritiklosigkeit gegenübersteht? Die Frage, ob in der Tat entspre-. chend der Behauptung des Verfassers gerade in Agudas Jisroel die blinde Gefolgschaft der Mch glieder gegenüber ihren Führern eine so besoch ders große ist, ist dabei noch gar nicht berührt- Wir gestehen, jedenfalls offen, daß wir nur denjenigen, die selbst bisher nach bestem Vermögen pflichtgemäß eine ständige ehrliche, von wahrer innerer Anteilnahme getragene und von wahrem Aufbauwillen beseelte Kritik an den Leistungen der Organisation geübt haben, das Recht zubilli? gen können, sich über die im übrigen herrschende Kritiklosigkeit zu beklagen. Ob freilich, wenn bte=? jenigen, die es angeht, (etwa die „Opposition") diese ihre Pflicht erfüllten, dann noch Grund zu solcher Klage wäre? j Zur Frage selbst, ob A. I. I. O. eine Werbeorganisation oder ein Erziehungsbund, bemerkt Verfasser ausdrücklich und in ganz klarer Weise, er „werde für diese Frage einem Kompromiß nie zustimmen." Die armen Leiter der A. I. I, O. werden sich nun, — um etwas derb zu werden, ,— verzweifelt am Haupte kratzen. Was sollen wir tun? Zweifellos ist ja unsere Organisation ' als Unterbau der großen Agudas Jisroel gegründet, um ihr, die ja die Masse des jüdischen Volks gewinnen, muß und will, neue Mitglieder aud den Rethen der Jugend zuzuführen. Auch Verfasser wird wohl der Ansicht sein, daß schon ^das bloße willensmäßige Bekenntnis der Maste zu Agudas Jisroel und die hieraus folgende Stärkung der Organisation als Vertreterin des gesetzestreuen Judentums im öffentlichen Interesse an sich wertvoll und wichtig ist, selbst wenn das Einzelmitglied hierdurch, vom individuellerzieherischen Standpunkt gesehen, nicht weiter gefördert wird. Wir sind also gewiß verpflichtet, Werbearbeit für Agudas Jisroel zu leisten. Ist dies aber der Fall, sind wir darum nun wirklich genötigt, auf die eigentliche individuelle Erziehungsarbeit, welche doch im wesentlichen die einzige Möglichkeit ist, die.Jugend über die Zahlung des Mitgliedsbeitrags hinaus in ihrer Jüdischkeit nun auch wahrhaft innerlich zu fördern, in schmerzlicher und stiller Resignation zu verzichten? Diesen salto mortale, — wir finden 'r;:| - f 1:1' H U if